Neue Abgasnorm ab 2020

Welche Abgasnormen gibt es?

Alle paar Jahre gibt es eine neue Norm, die den Grenzwert für Schadstoffemissionen immer weiter reduziert. Inzwischen sind wir bei der Euro 6 Norm angekommen, allerdings gibt es gleich mehrere verschiedene Normen, was für den ein oder anderen sicher verwirrend ist. Hier ein kleiner Überblick der aktuellen Euro 6 Normen:

  • Seit September 2018 ist die Euro-Norm 6c verpflichtend für die Erstzulassung von Neuwagen, dies ist also die aktuell geltende Norm
  • Ab September 2019 ist die Norm Euro 6d-Temp verpflichtend für die Erstzulassung von Neuwagen. Viele Hersteller haben die 6c Norm bereits übersprungen und ihre Motoren auf die kommende Norm umgerüstet
  • Ab Januar 2021 ist die Euro 6d Norm für Neuzulassungen verpflichtend und ist dann vorerst die neueste Norm.

Der Unterschied von Euro 6d-Temp zu Euro 6d liegt darin, um wie viel das RDE-Ergebnis (Real Driving Emission) den festgelegten Grenzwert überschreiten darf. Bei 6d-Temp ist es noch der Faktor 2,1 (168 Milligramm pro Kilometer sind erlaubt), bei Euro 6d nur noch der Faktor 1,5 (120 Milligramm pro Kilometer sind erlaubt).

Weitere Informationen zur Euro Norm

In Europa dürfen Fahrzeuge einen bestimmten Grenzwert für den Ausstoß von Schadstoffen nicht überschreiten und Abgasnormen legen diese Grenzwerte fest. Innerhalb der EU betrachtet man folgende Schadstoffe: Kohlenstoffmonoxid (CO), Stickstoffoxide (NOx), Kohlenwasserstoffe (CnHm), Partikelmasse (PM) und Partikelanzahl (PN).
Je nach Motorart, ob Benziner oder Diesel, sind die Grenzwerte unterschiedlich und werden immer weiter verschärft. Für den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) sind in den Abgasnormen der EU keine Grenzwerte festgelegt, für die Festsetzung der KFZ-Steuer spielen diese Werte in Deutschland aber eine Rolle

Bei einem Fahrzyklus wird festgelegt, unter welchen Bedingungen und mit welchem Fahrprofil ein Fahrzeug Kraftstoff verbraucht und CO2 ausstößt. Es gibt verschiedene Fahrzyklen, die für die Zulassung und den Vertrieb von Fahrzeugen vorgeschrieben sind.

Bis September 2017 hat für Europa noch der NEFZ-Zyklus für die Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs und der Abgaswerte von Kraftfahrzeugen gegolten. Dieser stand allerdings schon länger in der Kritik, da die Werte nicht sehr realistisch waren. Im realen Betrieb zeigten sich immer wieder signifikant höhere Verbrauchswerte als nach NEFZ gemessen wurden. Deshalb wurde der NEFZ-Zyklus durch den WLTP-Zyklus ersetzt.

Der wesentliche Unterschied ist, dass im WLTP-Zyklus realistische Werte gemessen werden, weil ein härteres Fahrprofil gefahren wird und die Prüffahrt länger dauert. Das resultiert in höheren Verbräuchen und einem höheren Ausstoß. Damit ist der WLTP-Zyklus strenger als es der NEFZ-Zyklus war. Da es sich beim WLTP-Zyklus jedoch auch nur um einen Labortest handelt, muss nun zusätzlich auch ein RDE-Zyklus durchgeführt werden.

Hier fährt das Fahrzeug auf der Straße und wird unter realistischen Bedingungen getestet. Dabei werden die Abgaswerte gemessen und anschließend mit den Laborwerten des WLTP-Zyklus verglichen. Liegen die Werte im momentan noch gültigen Faktorbereich 2,1, dann ist das Auto abgenommen.

Wieso so viele Euro 6 Normen, warum nicht einfach Euro 7? Die Frage ist berechtigt, schließlich würde das nicht für solch große Verwirrung sorgen. Fakt ist, dass mit der Umstellung auf Euro 6c auch ein neues Messverfahren für Verbrauch und Schadstoffausstoß eingeführt wurde.

Der WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) löste den NEFZ-Zyklus ab und für Euro 6d-Temp wurde zusätzlich der RDE-Zyklus eingeführt, der realistische Verbrauchs- und Emissionswerte versprechen soll.
Die vorgegebenen Grenzwerte der Emissionen ändern sich beim Benziner wie auch beim Diesel aber nicht, nur das Testverfahren ist ein neues, daher hat man wohl auch keine neue Bezeichnung a la Euro 7 eingeführt.

Fahrverbote für Diesel der Euro-Normen 1 bis 5 sind zukünftig sehr wahrscheinlich. Euro 6 (egal welche Form) Diesel werden erstmal wohl nicht davon betroffen sein. Manche Städte haben aber schon Fahrverbote für Diesel angekündigt oder bereits durchgeführt:

Wo?Welche Fahrzeuge?Wann?
BerlinDiesel der Abgasnormen 1 bis 5spätestens Juni 2019
Bonn
Diesel der Abgasnormen 1 bis 4
Benziner der Klasse 1 und 2
ab April 2019
Darmstadt
Diesel der Abgasnormen 1 bis 5
Benziner der Klasse 1 und 2
Mitte 2019
Essen
Diesel der Abgasnormen 1 bis 4; ab September 2019 auch Euro 5 Diesel
Benziner der Klasse 1 und 2
ab Juli 2019
Frankfurt
Diesel der Abgasnormen 1 bis 4; ab September 2019 auch Euro 5 Diesel
Benziner der Klasse 1 und 2
noch nicht bekannt
Gelsenkirchen
Diesel der Abgasnormen 1 bis 5
ab Juli 2019
Hamburg
Kraftfahrzeuge der Diesel-Abgasnormen 1 bis 5
seit Juni 2018
Köln
Diesel der Abgasnormen 1 bis 4; ab September 2019 auch Euro 5 Diesel
Benziner der Klasse 1 und 2
ab April 2019
Mainz
Diesel der Abgasnorm Euro 5 für einzelne Straßen; Euro 4 und älter für ganze Zonen
evtl. 1. September 2019 (wenn der Grenzwert für Stickstoffdioxid in den ersten sechs Monaten 2019 nicht eingehalten wird)
Stuttgart
Pkw und Lkw der Diesel-Abgasnorm Euro 4 und älter
seit Januar 2019 für Auswärtige
ab April 2019 für Stuttgarter

Natürlich wird es auch Ausnahmen geben, die sich wohl auf Anwohner, Gewerbetreibende, sowie Rettungs- und Polizeifahrzeuge beziehen werden. Auch Strafen für das Nichteinhalten der Fahrverbote sind wahrscheinlich, bisher haben aber die meisten Städte noch keine konkreten Strafen festgelegt.

In Hamburg geht man stichprobenartig vor, wie andere Städte Kontrollen handhaben wollen, ist noch nicht ganz klar. Zur Diskussion steht auch immer wieder die Einführung der blauen Plakette, Umweltschützer und Städte-Vertreter fordern sie, zuständig für die Einführung wäre aber die Bundesregierung. Bundesverkehrsminister Scheuer hat die blaue Plakette aber abgelehnt, weil sie in der Folge Fahrverbote bedeuten würde, die man eigentlich verhindern möchte. Finden Sie einfach die Schadstoffnorm Ihres Fahrzeuges heraus und sehen Sie, ob Sie von Fahrverboten betroffen sind.

Die Überlegung, das eigene Auto nachzurüsten, ist verständlich. Schließlich sind die meisten von uns auf ein Auto angewiesen und können es sich nicht leisten, bei Fahrverboten nicht mehr in Innenstädte fahren zu können.
Euro-5-Diesel dürfen laut eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig frühestens ab September 2019 mit Fahrverboten belegt werden. Diese Fahrzeuge sind im Straßenverkehr noch recht häufig zu finden, hier können die Nachrüstungen greifen. Seit Ende Dezember 2018 wurden die technischen Vorschriften und Rahmenbedingungen für Hardware-Nachrüstungen vorgestellt:

  • Euro 4 oder 5 Diesel dürfen nach einer Umrüstung höchstens 270 mg NOx pro Kilometer ausstoßen
  • Nachrüst-Bausatz muss bis zu einer Temperatur von -7 Grad funktionieren
  • Nachrüst-Bausatz muss mindestens fünf Jahre oder 100.000 Kilometer durchhalten

Leider gibt es momentan noch keine zugelassenen Nachrüstsysteme zur Reduzierung der NOx-Emissionen. Um einen flächendeckenden Einsatz garantieren zu können, sind modellspezifische Anpassungen und eine Erprobung im Dauerbetrieb erforderlich. Dabei wird die Unterstützung der Hersteller nötig und genau da liegt das Problem: Teilweise raten die Hersteller ausdrücklich vom nachträglichen Einbau eines Nachrüst-Systems von einem Fremdanbieter ab.