BMW X1 Test

Kompakt-SUV beschert "Freude am Fahren"

9/10
Wow-Wertung
Unsere Auto-Experten vergeben diese Wertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.
  • Verschiebbare Rückbank
  • Geräumiger Kofferraum
  • Sehr gutes Infotainment
  • Die Extras treiben den Preis
  • Einige Sicherheitsassistenten nur als Extra
  • Kein Sechszylinder im Angebot

33.100 € - 51.100 € Preisklasse

5 Sitze

4,1 - 8,2 l/100km

Test

Der BMW X1, der kompakteste unter BMWs sieben SUVs, macht fast alles anders als ein BMW früher. Der BMW X1 hat auf den ersten Blick vieles, was ein BMW in der Vergangenheit nicht haben sollte. Er besitzt eine Frontantriebsplattform. Die vom braven Familienvan 2er Active Tourer. Seine Motoren werden vorne nicht mehr längst eingebaut, sondern quer. Und im Motorraum arbeitet kein Sechszylinder mehr, sondern allein Drei- und Vierzylinder.

Warum das den BMW X1, der vom Format und Preis mit einem Audi Q3 und VW Tiguan konkurriert, zum beliebtesten unter BMWs SUVs macht, spürt man wenn man im Test das erste Mal einsteigt.

Der fast schon traditionell den Münchnern gemachte Vorwurf, dass es auf der Rückbank zu eng zugeht, läuft im knapp 4,50 Meter langen BMW X1 ins Leere. Besonders dann, wenn die im Alltag ungemein praktische und um 13 Zentimeter verschiebbare Rücksitzbank mit bestellt wurde. Die ist deshalb praktisch, weil durch das Verschieben der Bank entweder mehr Beinfreiheit auf der Rückbank oder im Kofferraum zur Verfügung steht.

Der Kofferraum glänzt nicht nur mit Variabilität, sondern auch mit Volumen. Wird die im Verhältnis 40:20:40 klappbare Rücksitzbank komplett umgeklappt, kommt mit bis 1.550 Liter nochmals deutlich mehr Gepäck hinter der auch berührungslos elektrisch öffnenden Heckklappe unter. Ein BMW X3 bietet mit 550 bis 1.600 Liter Volumen unwesentlich mehr Raum fürs Gepäck. Noch praktischer veranlagt als der BMW X1 ist der VW Tiguan mit 615 bis 1.655 Litern Gepäckraumkapazität. Zugeladen werden darf einiges und im Hängerbetrieb können mit dem Allradantrieb xDrive bis zu zwei Tonnen an den Haken genommen werden.

Die Innenraumverhältnisse sind stimmig. Auch als langbeiniger Mensch sitzt man vorne, weil sich die vorderen Sitzflächen verlängern lassen, bequem. Hinten herrscht, wenn die Bank zurückgefahren wurde, dicke Beinfreiheit und auch das Raumgefühl stimmt, weil der X1 nicht so tief baut wie moderne Kombis, die manchmal 15 Zentimeter tiefer bauen als dieser von seinen Anlagen grundsolide SUV:

Diese Tugendhaftigkeit ist dem BMW X1, sportive aufgewürzt durch das straffere BMW Fahrwerk, auch in Fahrt eigen. Die Lenkung arbeitet, auch wenn sie in diesem BMW mit Front- oder Allradantrieb nie frei von Antriebseinflüssen rotiert, vorbildlich. Die Bremse greift angenehm schnell und die Federn und Dämpfer reagieren sensibel. Der X1 retourniert, solange nicht das Sportfahrwerk für mehr Härte sorgt, schlechten Belag auf die angenehme Tour. In schnellen Kurven bemerkt man in den gut Seitenhalt bietenden Vordersitzen allerdings auch, dass die Grenzen in einem BMW mit Frontantrieb schneller erreicht sind als in einem BMW mit Heckantrieb.

Mit dem 2019er Facelift, bei dem die Frontpartie mit den neuen LED-Scheinwerfern, dem gewachsenen Nierengrill, den vergrößerten Lufteinlässen und das Heck mit neuer LED-Leuchtgrafik versehen wurde, kam ein neuer Plug-In-Hybrid hinzu, mit dem man rund 50 Kilometer rein elektrisch fahren können soll.

Was dieser neue Motor, der im März 2020 auf den Markt kommt, alles kann, was er verbraucht und wie es um die anderen Motoren und die Ausstattung des BMW X1 nach dem Facelift steht, darüber erhalten Sie in diesem Test mit ausführlicher Kaufberatung weitere Informationen.

Technische Daten

Abmessungen und Maße
Länge 4,45 Meter
Breite 1,82 Meter
Höhe 1,60 Meter
Kofferraumvolumen 505 bis 1.550 Liter
Türen 5
Leergewicht 1.475 bis 1.695 Kilogramm
Zuladung 560 bis 600 Kilogramm
Zulässiges Gesamtgewicht 2.000 bis 2.200 Kilogramm
Zulässige Anhängelast
ungebremst / gebremst
735 bis 750 Kilogramm /
1.700 bis 2.000 Kilogramm

Vom Typenschild am Heck und den Ziffern der Modellbezeichnung kann man bei BMW wie bei Audi nicht mehr auf den Hubraum des Motors schließen. Heute läuft es bei den modernen Motoren ganz anders, was sich auch bei dem neuen Plug-in-Antrieb zeigt, der viel leistet, aber dafür ganz wenig verbraucht – 2,0 Liter/100 km verspricht BMW.

Die Benziner

Ein  Versprechen bleibt ein Versprechen. Die Realität sieht aber anders aus als der WLTP-Verbrauchszyklus. Der Plug-in Hybrid xDrive25e spart dann am meisten, wenn der 125 PS starke Turbobenziner an der Vorderachse nicht und der 95-PS-Elektromotor an den Hinterrädern arbeitet. Das Motorenduo realisiert durch die separat angetriebenen Achsen einen Allradantrieb und eine Systemleistung von 220 PS. Damit marschiert der X1 xDrive25e mit 92 km/h voran – und in diesem Moment entspricht der Verbrauch des Plug-in-Hybrid dem eines normalen Benziners.

Der 231 PS starke 2,0-Liter-Turbo, der nur mit Benzin antreibt, packt besser an als die 192 PS-Variante. Bereits bei 1.250 Touren stehen 350 und nicht 280 Newtonmeter an den Antriebsrädern zur Verfügung. Der stärkste Benziner zieht geschmeidig an, arbeitet laufruhig und dreht weich hoch bis über 6.000 Umdrehungen. Der kombinierte Verbrauch liegt bei 6,6 l/100 km – aber nicht in der Realität, in der auch schon mal eine „10“ auf dem Bordcomputerdisplay auftaucht.

Ist einem das zu viel, sitzt man im sDrive18i goldrichtig. Das erwartet man vielleicht nicht von einem Dreizylinder mit 1,5 Liter Hubraum, aber der Dreier, der über 200 km/h schnell läuft, übertrifft die Erwartungen. Er arbeitet leise, haftet gut am Gas und baut erst bei massiver Kraftanforderung ab. Die optionale Achtgang-Automatik (Daten in den technischen Daten in Klammern) sorgt für niedrige Drehzahlen, was den Verbrauch senkt. Der liegt im Normmittel zwischen 5,4 bis 5,9 Liter/100 km. Im Test fließen alle 100 Kilometer rund zwei Liter mehr aus dem 51 Liter großen Tank.

sDrive18 sDrive20i xDrive20i xDrive25i
Hubraum [ccm] 1.499 1.998 1.998 1.998
Leistung [PS] 140 192 192 245
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe 7-Gang-Automatik 8-Gang-Automatik 8-Gang-Automatik
0-100 km/h [s|
Vmax [km/h
9,7(9,7) | 205(203) 7,7 | 226 7,4 | 223 6,5 | 235
Kraftstoff Benzin Benzin Benzin Benzin

Die Diesel

Noch sparsamer und kraftvoller geht es mit den X1 Dieselmodellen voran. Welchen nehmen? Auf jeden Fall einen Vierzylinder, denn der tolle Sechszylinderdiesel des X3 steht im kompakteren X1 nicht im Angebot

Bereits der X1 sDrive18d sendet 350 Newtonmeter Drehmoment und 150 PS an die Vorderräder. Die stärkeren Dieselmotoren mit mehr Drehmoment und Leistung machen das X1-Fahren jedoch noch gelassener. Der 190 PS leistende X1 xDrive20d und der 231 PS produzierende X1 xDrive25d schicken ab 1.750 Umdrehungen satte 400 und 450 Newtonmeter an die Vorder- und Hinterachse. Bei vorbildlichen Verbrauchswerten, die schon mal zwei bis drei Liter unter denen der starken Benziner liegen.

sDrive18d sDrive18d s/xDrive20d xDrive25d
Hubraum [ccm] 1.995 1.995 1.995 1.995
Leistung [PS] 150 150 190 231
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe 6-Gang-Schaltgetriebe 8-Gang-Automatik 8-Gang-Automatik
0-100 km/h [s|
Vmax [km/h
9,3(9,4) | 205(205) 9,3(9,4) | 204(204) 7,9/7,8 | 222/219 6,6 | 235
Kraftstoff Diesel Diesel Diesel Diesel

Die grundsätzlichen Fragen stellen sich beim Motor, dem Getriebe und der Kraftübertragung. Das Einstiegsmodell sDrive18i, das nur mit Frontantrieb bestellbar ist, ist im Vergleich zum 20i mit 5.500 Euro deutlich preiswerter.

Dafür ist der 20i, der für 2.250 Euro zusätzlich auch mit Allradantrieb bestellbar ist, jedoch deutlich temperamentvoller. Der Sprung beim Temperament zwischen dem 192 PS starken 20i und dem 231 PS starken 25i, der erst ab dem Ausstattungslevel Adavantage und mit Allradantrieb geliefert wird, fällt da schon weniger dramatisch aus, sodass man sich hier schon überlegen kann, ob man die 3.500 Euro extra ausgeben muss?

Bei den Dieselmotoren verhält es sich genauso anders herum. Satte 5.400 Euro trennen den 18d mit Schaltgetriebe und den 20d mit Automatik. Der Preis des X1 xDrive25d mit 231 PS liegt im Ausstattungsgrad Advantage aber nur 1.200 Euro über dem des 190-PS-Diesels, was den Topdiesel reizvoll macht.

Angeboten wird der BMW X1 neben dem Basismodell in vier Ausstattungslinien, als Advantage, Sport Line, xLine und M Sport.

X1 Grundausstattung

Bereits im Basismodell gehören das Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung und USB- und AUX-in-Anschluss, das Multifunktions-Lederlenkrad, die 17-Zoll-Räder, der Regensensor, die Auffahrwarnung samt Citybremsfunktion, der Regensensor, die Klimaanlage, das iDrive-Bediensystem und der 6,5-Zoll-Monitor, der als freistehendes Display in die Armaturentafel integriert ist, mit zur Serienausstattung.

X1 Advantage

Im X1 Advantage zählen die Zweizonen-Klimaautomatik, die Parksensoren hinten, der Tempomat und die automatische Heckklappenbetätigung mit zum Paket.

X1 Sport Line

Im Sport Line feschen 18-Zoll-Räder, die mattschwarze Dachreling, die Sportsitze, das Sportlederlenkrad und das Lichtpaket die Optik auf. Mit LEDs bestückte Scheinwerfer und Nebelscheinwerfer gehören hier ebenso zur Serienausstattung.

X1 xLine

Der Sport Line unterscheidet sich von der Sport Line durch ein anderes Felgendesign der 18-Zoll-Räder sowie die Dachreling und die Karosserieapplikationen im Alu. Die Sportsitze sind hier mit Stoff und Leder bezogen.

X1 M Sport

Das kostspielige Sport Line Paket fällt nicht nur mit 18 oder 19 Zoll großen M Leichtmetallrädern, dem M Aerodynamikpaket, dem M Sportfahrwerk und der M Sportlenkung umfangreich aus. Die Dachreling schimmert in hochglänzendem Schwarz. Im Interieur findet sich das reizvollere M Lederlenkrad und eine M Fußstütze. Der Dachhimmel ist im sportivsten X1 in Anthrazit gehalten.

Noch mehr Komfort und Infotainment wird mit dem 10,25-Zoll-Touchscreen, dem Panorama-Glasdach und der dynamischen Dämpferkontrolle geboten. Über die fest im Fahrzeug verbaute SIM-Karte geht es ins Internet. Die Anbindung des Smartphone gelingt schnell und einfach. Mit Apps lässt sich die Funktionalität von Navi und Infotainment weiter aufwerten.

Und die Sicherheit? Der X1 mit Frontantrieb fährt sicher, der X1 mit Allradantrieb, der die Antriebsmomente variabel zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, noch sicherer. Zum Sicherheits-Repertoire des X1 gehören der Stauassistent, der Spurverlassenswarner, die Auffahr- und Personenwarnung, die City-Anbremsfunktion und die automatische Notruffunktion. Der Stop & Go-Tempomat sorgt im Stau für Bequemlichkeit und mit dem Head-up-Display, das die wichtigen Fahrinfos hell und deutlich direkt auf die Windschutzscheibe projiziert, bleibt der Blick auf die Straße gerichtet.

Und auch auf der Bremse versteht der X1 sein Fahrgeschäft. Im ADAC-Bremstest stand der BMW X1 nach einer Vollbremsung aus 100 km/h nach sehr guten 34,8 Metern. Das Crashverhalten der Karosserie und die Absicherung durch die elektronischen Helfer wurden im Euro NCAP-Crashtest mit der maximalen Wertung von fünf Sternen bewertet.

Zusammenfassung

Warum der der BMW X1 BMWs beliebtestes SUV ist, ist nach einem Test nicht schwer zu verstehen. Ein Format von 4,50 Meter, das mit seiner verschiebbaren Rückbank so vielseitig und mit dem geräumigen Innenraum und dem großen Kofferraum so familienfreundlich gestaltet wurde, hat sich die Gunst des Publikums wohl verdient.

Den Funken mehr Dynamik, der für BMW so typisch ist, und das bewährte Motorenangebot, das mit dem 2019er Facelift mit dem Plug-in-Hybrid-Antrieb noch aufgewertet wurde, macht die Sache rund. Das hat zwar seinen Preis, aber einen im Vergleich zum BMW X3 niedrigeren, dem der X1 vom Auftritt und Platzangebot schon recht nahe kommt – auch das erklärt seine Beliebtheit.

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