Hyundai Kona Elektro im Test

Ihr nächstes Auto soll ein Hyundai Kona Elektro werden? Erfahren Sie alles Wichtige zu diesem Modell in unserem ausführlichen Testbericht!

Der Hyundai Kona Elektro ist nicht ohne Grund der Verkaufsschlager des südkoreanischen Herstellers in Europa. Aber lohnen sich fast 40.000 Euro für ein langweiliges Elektroauto?

  • Üppige Ausstattung im Basismodell
  • Fünf Jahre Garantie
  • Keine ebene Fläche bei umgelegter Rückbank
  • Günstiger Kunststoff im Innenraum

Was der Hyundai Kona der Konkurrenz voraus hat, ist das moderne Antriebskonzept. Das Kompakt-SUV aus Korea erhält man, anders als den VW T-Roc, Skoda Karoq und Nissan Juke, auch schon mit reinem Elektroantrieb. Diesel- und Benzinmotoren sind natürlich ebenfalls verfügbar.

Am markantesten ist der Unterschied zwischen den Verbrenner- und Elektroversionen an der Front und am Heck. Der Motorraum wirkt ein wenig leer und den Auspuff kann man am Ende des Kona Elektro lange suchen, denn er fährt abgasfrei.

Solide Verarbeitung, günstige Kunststoffe

Optisch machen der geschlossene Grill, an dem sich unter einer Klappe die Ladesteckdose befindet und die windschnittigeren Felgen den Unterschied. Im Innenraum wirkt Hyundais 4,21 Meter langer Elektro-SUV schnell vertraut mit reichlich Bewegungsspielraum, der gut im Blick liegenden Multimedia-Bedienzentrale und der soliden Verarbeitung besonders bei den Knöpfen der Mittelkonsole. Nur der verarbeitete Kunststoff an den Seitentüren und Fensterhebern wirkt günstig – mehr war wohl nicht drin zu diesem Preis.

Dafür bekommt man aber schon im Basismodell eine üppige Ausstattung mit auf den Weg. Dieser Weg darf mit dem bis zu 204 PS starken Elektromotor und der großen Batterie ruhig länger ausfallen, denn der Kona Elektro erreicht mit voll geladenem Akku eine Reichweite von fast 500 Kilometer.

Bremsen übers Lenkrad

Welche Strecke man noch schafft, darüber informiert das volldigitale Kombiinstrument. Ungewöhnlich für an konventionelle Antriebe gewöhnte Fahrende ist der massive Schub des Elektromotors ab der ersten Umdrehung, der beim Fahren im Kona Elektro und an der Ampel viel Spaß bringen kann. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist das Bremsen übers Lenkrad mit den verstellbaren Rekuperationsmodi.

Vielen seiner Konkurrenten hat das elektrische koreanische SUV auch die selbstbewusst lange Garantiezeit voraus – und den Preis, an den vor einigen Jahren noch keiner gedacht hätte. Damit wird die Frage, ob der Kona Elektro ein vollwertiges Elektroauto ist, beinahe zur rhetorischen Frage.

Platz ist vorne

Der Hyundai Kona teilt sich die Plattform mit Kias Kompakt-SUV Stonic. Mit 4,21 Meter Länge und 1,80 Meter Breite passt der Koreaner noch gut in die Stadt und in ihn auch einiges hinein. Zwei Personen sitzen bequem vorne, zwei kleine noch passabel hinten, wo man hoch sitzt mit eingeschränktem Raumgefühl und wenig Beinfreiheit genießt. Wer groß gewachsen ist, fühlt sich nur vorne richtig wohl.

Auch im E-Kona sind die Sitze in den höheren Ausstattungslinien mit Leder bezogen, lassen sich beheizen und belüften. Der geringe Verlust an Kofferraumvolumen ist gut verschmerzbar. Statt 361 Liter im klassischen Kona kommen in der Elektroausführung 332 Liter unter. Werden die Rückbanklehnen umgelegt, sind es 1.114 Liter statt 1.156 Liter. Leider entsteht beim Umlegen keine ebene Fläche, was das Beladen etwas erschwert. Anhänger ziehen kann der Hyundai Kona leider nicht, dafür ist er nicht zugelassen.

Der 136 PS Elektromotor

Bei den Motoren fällt die Entscheidung zwischen dem 136 PS und 204 PS starken Elektromotor mit unterschiedlicher Batteriekapazität und Reichweite.

Schon mit dem 136 PS starken E-Antrieb ist der Fahrspaß, ohne Anfahrschwäche oder Turboloch, permanent zu haben. Ab der ersten Umdrehung legt sich der E-Motor mit 395 Nm ins Zeug. Das ist weitaus eindrucksvoller, als es die nackten Zahlen im Datenblatt andeuten. Der kleinere der beiden Elektromotoren reicht also vollkommen aus.

Nutzt man die Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h häufig oder ist es draußen sehr kalt, schrumpft die Reichweite trotz optionaler Batterieheizung schnell zusammen. Mit dem Lithium-Ionen-Polymer-Akku und einer Kapazität von 39,2 kWh sowie einem Verbrauch von 14,3 kWh (Werksangabe) liegt sie bei 305 Kilometer. Und das ist sogar realistisch und der Kona Elektro erreicht in unserem Praxistest mit 298 Kilometern beinahe die Werksangabe.

Ist der Akku leer, dauert eine 80%-Ladung an einer 70-kW- und 50-kW-Schnellladestation 54 und 75 Minuten und eine 100-%-Vollladung an einer 4,6-kW-Wallbox in der Garage 8,5 Stunden, an der Haushaltssteckdose 19 Stunden.

Der 204 PS Elektromotor

Mit ebenfalls 395 Nm Drehmoment und 204 PS stellt der stärkere Elektromotor die Vorderräder noch eindrucksvoller unter Druck, denn damit sprintet der Kona elektrisierend in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die Kapazität des Akkus von 64 Kilowattstunden soll bei einem geringfügig höheren Verbrauch von 14,7 kWh für eine Distanz von 484 km reichen – wenn man den Maximalspeed von 167 km/h nicht nutzt. Viel mehr als die Leistung ist der größere Akku das Hauptargument für die stärkere Antriebsoption. Zu 80 % geladen ist der Stromspeicher ebenso in 54 oder 75 Minuten und zu 100 % gefüllt nach 13,9 Stunden an der Wallbox oder nach episch langen 31 Stunden an der normalen Steckdose.

Rekuperation in vier Stufen

Der sofortige, heftige Schub beider E-Motoren ist so ungewohnt wie das Bremsgefühl. Der Fuß steht im Kona Elektro viel seltener auf dem linken Pedal, denn die Stärke der Rekuperation, also der die Fahrt bremsenden Wiedereinspeisung von Energie in den Akku beim Verzögern, lässt sich einfach in vier Stufen am Lenkrad-Paddle einstellen. Stellt man die höheren Stufen ein, verzögert der Kona nur durch vom Gas gehen kräftig und man kann sich das Pedalbremsen zumeist sparen – was anfangs ungewohnt, aber bald sehr angenehm ist.

Und Komfort und Sicherheit? Der Elektromotor arbeitet nicht unhörbar. Im Stadtverkehr gewollt. Die Lenkung rotiert leichtgängig, aber eher indirekt, und mit seinen 1,8 Tonnen rollt der Kona Elektro etwas hölzern ab. Auch die Bremsanlage sorgt nicht für Topverzögerungswerte.

Mängel im Bremstest, gut im Crashtest

Im ADAC-Bremstest schnitt der Kona Elektro mit einem durchschnittlichen Bremsweg von 40,3 Metern bei einer Vollbremsung aus 100 km/h nicht gut ab. Das Crashverhalten der Karosserie und die gute Sicherung durch die Assistenten wurden im Euro NCAP-Crashtest jedoch mit der maximalen Wertung von fünf Sternen belohnt.

Fazit: großzügige Ausstattung, lange Garantie

Keine Frage, der Kona Elektro ist ein vollwertiges Elektroauto mit großer Reichweite, im trendigen Karosserieformat SUV, mit großzügiger Ausstattung und langer Garantiezeit. Der Elektroantrieb im Kona macht den Hyundai noch attraktiver.

Obwohl der Preis über dem eines klassisch motorisierten Kona liegt, sind die Koreaner manchem deutschen und europäischen Hersteller mit ihrem Angebot hinsichtlich Alltagstauglichkeit, Zukunftssicherheit und Preis schon ein gutes Stück voraus. Zudem wird der Hyundai Kona Elektro mit 9.000 Euro gefördert.

So befriedigt der Kona Elektro die meisten Anforderungen an ein modernes Elektroauto unaufgeregt und solide. Nur so richtig begeistern kann er nicht.

7/10 Wow-Wertung

Unsere Fachleute vergeben diese Bewertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.

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