Diesel auf Euro 6 nachrüsten: Welche Möglichkeiten gibt es noch?

29. Juli 2025 von

Wer noch ein altes Dieselfahrzeug hat, sieht sich mit immer mehr Problemen konfrontert – egal ob Fahrverbote, hohe Kfz-Steuer oder Umweltzonen. Für ältere Diesel wird es eng. Die Möglichkeit einen Diesel nachzurüsten scheint einfach umsetzbar – in der Praxis ist das leider nicht mehr der Fall. Viele Nachrüster bieten keine Nachrüst-Sätze mehr an. Mehr in diesem Artikel.

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Abgasnormen: Darum Diesel nachrüsten

Die aktuellste Abgasnorm ist Euro 6e. Sie ist seit September 2023 für neu typgenehmigte Pkw-Modelle Pflicht. Alle Erstzulassungen seit dem 1. September 2024 müssen also die Norm 6e erfüllen. Doch das ist nur die erste Stufe der Euro 6e Norm – die zweite Stufe ist für neu typgtenehmigte Pkw-Modelle seit Januar 2025 und für Neuzulassungen ab Januar 2026 vorgeschrieben. Hier muss die verwendete Emissionsstrategie bei Fahrzeugprüfungen angezeigt werden.

Stufe drei ist dann mit einer Anpassung der Nutzfaktoren verbunden und tritt für Neuzulassungen ab Januar 2028 in Kraft. Wenn man das alles sieht, dann wird klar, dass ein Diesel mit Euro 5 sicher nicht mehr die Anforderungen an Umwelt und Emissionsschutz erfüllt.

Diesel nachrüsten: Zu wenig Nachfrage – Angebote wurden eingestellt

Dieselfahrzeuge haben es immer schwerer. Der Dieselskandal hat dem Image des Aggregats stark zugesetzt, und bei den Hybriden stellen die eigentlich recht verbrauchsarmen Diesel-Hybride eine Seltenheit dar. Die neue Abgasnorm Euro 7 ist schon im Gespräch, doch alte Diesel sind zum Teil noch nicht mal auf Euro 6 umgestellt.

Seit 2019 hat das Kraftbahrtbundesamt Nachrüst-SCR-Kats auf Euro 6 zugelassen, doch mittlerweile haben alle Nachrüstfirmen ihr Angebot für Pkws eingestellt (Stand: Januar 2025). Die Nachfrage war zu gering, das Geschäft für die Firmen nicht mehr rentabel genug.

Nachrüstsätze für Wohnmobile & Transporter noch verfügbar

Der Nachrüstmarkt für Pkws hat sich nicht gelohnt, doch Wohnmobile und Transporter werden nach aktuellem Stand noch immer nachgerüstet – wenn auch mit begrenztem Angebot.

  • HJS: Fokus auf Nachrüstung von Handwerkerfahrzeugen
  • S.K. Handels GmbH: Nachrüstung Kleintransporter und Wohnmobile

So konntest du bisher deinen alten Diesel nachrüsten

Hier ein kurzer Überblick über die in der Vergangenheit möglichen Firmen und Optionen, ein Dieselfahrzeug nachzurüsten:

  • SCR-Systeme bei Euro-5-Dieseln
  • Die S. K. Handels GmbH hat ein SCR-System in Kooperation mit der Firma HJS Emission Technology angeboten
  • Nachrüst-System von Oberland Mangold war NeoPlus
  • Diesel-Nachrüstung durch Systeme von dr pley by bosal für ausgewählte Volvo- und Mercedes-Modelle gibt es nicht mehr

Diesel Zapfsäule

Euro 6 nachrüsten – das waren die Möglichkeiten im Detail

Für Euro 5-Diesel gibt es die Möglichkeit, eine zusätzliche Abgasreinigungstechnik, den sogenannten SCR-Kat, nachrüsten zu lassen. Hierbei handelt es sich um eine Hardware-Nachrüstung. Die Regierung hat von den Autoherstellern eigentlich erwartet, dass sie für die Kosten der Nachrüstung aufkommen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass viele Diesel-Fahrer auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben. Volvo und BMW beispielsweise weigern sich, Kund:innen bei der Diesel-Nachrüstung mit SCR-Systemen finanziell entgegenzukommen.

Wer einen älteren Mercedes oder VW besitzt, kann von den Autoherstellern bis zu 3.000 Euro für genehmigte Nachrüstungen von Drittanbietern erhalten. Doch wie man sieht: Da einige Hersteller die Bezuschussung verweigern, ziehen sich Anbieter solcher SCR-Systeme allmählich zurück. Angesichts des eher mäßigen Rufs des Dieselmotors und der fraglichen Wirtschaftlichkeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stellt sich ohnehin die Frage, ob sich der Kauf eines Dieselfahrzeuges überhaupt noch lohnt. In der Entwicklung befindliche Synthetikkraftstoffe sollen zur Problemlösung rund um die Verschmutzungsfrage beitragen. Aber keine Sorge: Wenn 2035 das Verbrenner-Verbot kommt, sind ausschließlich Neuzulassungen von der Null-Emissionen-Grenze betroffen.

Schon seit der Einführung der Euro 6-Norm müssen Diesel-Fahrzeuge zusätzlich AdBlue tanken, um die Grenzwerte einhalten zu können. Hierbei handelt es sich um ein flüssiges Harnstoffgemisch, das in Verbindung mit einem SCR-Katalysator den Ausstoß von Stickoxiden reduziert. Ansonsten verhält es sich mit Partikelfiltersystemen wie mit anderen Teilen im Auto: Sie sind Verschleißteile. Unter finanziellem Aufwand muss ein Dieselpartikelfilter gereinigt oder freigefahren werden, da sie mit zunehmender Nutzung verstopfen.

Ob ein Nachrüsten älterer Modelle für das Befahren der Münchner Umweltzone möglich sein wird, wird sich zeigen. Die Stuttgarter Umweltzone hat noch höhere Regelungen.

Nachrüstung von der HJS Emission Technology und der S. K. Handels GmbH

Der Coronakrise sind schon einige Hersteller wie Twintec Baumot zum Opfer gefallen – dafür tun sich neue Anbieter von Katalysator-Systemen hervor. So arbeitet die S. K. Handels GmbH, ein Autohaus mit integrierter Werkstatt und Lackiererei, mit dem Katalysatorhersteller HJS zusammen, um SCR-Lösungen für nachrüstbare Dieselfahrzeuge anzubieten. Auf der firmeneigenen Webseite heißt es, der Anbieter könne zur Zeit Wohnmobile, den Mercedes Sprinter, den VW Caddy sowie den Fiat Ducato auf Euro 6 nachrüsten – also hauptsächlich Kleintransporter und Nutzfahrzeuge.

Im Rahmen der Abgasnachbehandlung durch das angebotene System sollen die durch die Kraftstoffverbrennung entstehenden Stickoxide durch den Katalysator in Wasserdampf und Stickstoff umgewandelt werden. Unter Zugabe von AdBlue wird die Abgasreinigung erreicht. Geworben wird mit einer Reduktion des Ausstoßes schädlicher Stickoxide von bis zu 90 Prozent.

Motor Engine

NeoPlus der Oberland Mangold GmbH

Eine weitere Möglichkeit zur Hardware-Nachrüstung kommt vom Unternehmen Oberland Mangold. Die sogenannte NeoPlus-Lösung reduziert den Ausstoß gesundheitsschädlicher Partikel im Abgas und kommt bei Fahrzeugmodellen des VW-Konzerns zum Einsatz, die bereits ab Werk mit einem SCR-System ausgestattet waren, welches sich jedoch als nicht leistungsstark genug entpuppt hat.

Zu den Diesel-Pkw mit Umrüstmöglichkeit zählen der VW Sharan 2.0 TDI, der Seat Alhambra 2.0 TDI sowie Audi Q5 2.0 TDI quattro Automatik. Darüber hinaus bietet Oberland Mangold den sogenannten Partikel-Kat an, ein effektives Partikelfiltersystem, welches bei Autos der Hersteller Audi, Citroen, Peugeot, Volkswagen, Fiat, Ford, Mercedes, Nissan, Renault, Seat und Skoda Anwendung findet.

Euro-5-Diesel-Umrüstkits von dr pley by bosal

Eine weitere SCR-Lösung stellen die Kits des Herstellers dr pley by bosal dar. Auch dessen SCR-Systeme sind nicht für eine breite Modellpalette geeignet – stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf die Bereitstellung von Umrüst-Hardware für die Euro 5 Volvo-Modelle XC60, XC70, S60, V60 und V70 sowie die Euro 5 Mercedes-Modelle C180 CDI bis C250 CDI, E200 CDI bis E250 CDI und GLK200 CDI bis GLK250 CDI.

Die Diesel-Nachrüstung soll in der Werkstatt etwa 3 Stunden in Anspruch nehmen. Wer eines der oben genannten Mercedes-Modelle besitzt, kann beim Autohersteller einen Antrag stellen und erhält für die Nachrüstung bis zu 3.000 Euro zurück.