Bis wann besteht Kindersitzpflicht? – Alle Infos

13. Dezember 2021 von

Cool und bequem – das sind Kindersitze meistens nicht, dafür aber sicher. Auch wenn die Kinder selbst wohl nur ungern in die Erhöhung gequetscht werden, sollten Eltern hier kein Auge zudrücken. In Deutschland gibt es nicht nur eine Kindersitzpflicht, eine Fahrt ohne diese Sicherheitsvorkehrung ist auch ganz schön gefährlich. In diesem Artikel zeigen wir, bis wann eine Kindersitzpflicht besteht und welche Strafen zu erwarten sind, wenn man sich nicht an diese Regel hält.

⏰  Kurz zusammengefasst

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Wann besteht Kindersitzpflicht?

Kleinkinder und Babys im Auto brauchen einen Kindersitz – das ist klar, doch bis zu welchem Alter gilt diese Regel genau? Antwort: Bis 12. Doch tatsächlich können Kinder auch schon vor Beendigung dieser Altersgrenze den Kindersitz verlassen, neben dem Alter ist nämlich auch eine Körpergröße festgelegt. Die Kinder müssen mindestens 1,50 Meter groß sein, bevor sie den Sitz verlassen dürfen, wenn sie jünger als 12 Jahre sind.

Kurz und knapp sind also zwei Werte relevant – das Alter, 12 Jahre, und die Größe, 1,50 Meter – bereits wenn einer der beiden Parameter erfüllt ist, gilt keine Kindersitzpflicht mehr.

Gerade bei Kindern, die zwar bereits 12 Jahre alt sind, aber noch keine 1,50 Meter groß, ist es allerdings trotzdem sinnvoll, einen Kindersitz beizubehalten. Da die Kinder noch keine genügend hohe Sitzgröße haben, verläuft der Sicherheitsgurt nicht korrekt.

Die genauen Regelungen können Sie in der Straßenverkehrsordnung § 21 der StVO nachlesen.

Welche Kindersitze sind geeignet?

Kindersitze gibt es viele, und kreative Eltern würden womöglich auf die Idee kommen, einfach selbst eine Schale zu basteln – doch so einfach ist das nicht. Eine Babyschale oder ein Kindersitz muss den deutschen Verkehrsregeln entsprechen, und dazu die Prüfnormen UN ECE Reg. 44 oder 129 erfüllen. Nur wenn diese Vorgaben gewährleistet sind, ist die Kindersitzpflicht erfüllt.

Seit April 2008 sind übrigens nur noch Kindersitze mit den Kennzeichen ECE 44-03 oder ECE 44-04 (bzw. höher) zugelassen.

Betrachten wir die Prüfnorm R44 genauer. Sie unterteilt die Sitze in verschiedene Gewichtsklassen:

Klasse Körpergewicht
0 + unter 13 kg
I 9 bis 18 kg
II 15 bis 25 kg
III 22 bis 36 kg

Während Klasse 0+ nur entgegen der Fahrtrichtung positioniert werden darf, ist es bei den Klassen I und II egal. Diese lassen sich in und gegen die Fahrtrichtung befestigen. Bei Klasse I wird jedoch die rückwärtige Richtung empfohlen. Erreicht das Kind Klasse III, darf der Sitz nur noch in Fahrtrichtung zeigen.

Im Grunde gibt es drei Sitzvarianten: die Babyschale für Säuglinge bis unter 13 Kilogramm (0+), die Reboard-Sitze (I), die für Kinder mit einem Gewicht zwischen 9 und 18 Kilogramm gelten und Kindersitze für Heranwachsende (II und III), die sich bereits am Ende der Kindersitzpflicht befinden. Bei den letzten Klassen (II und III) rät der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) zu Sitzen mit eigener schalenförmiger Lehne. Einfache Sitzerhöhungen sollten nicht gewählt werden, da diese bei einem Seitenaufprall keinen Schutz bieten.

Neben den Klassen lassen sich auch Sitztypen unterscheiden. Es gibt „universelle“ Sitze, die sich auf fast allen Sitzen im Auto befestigen lassen. Ein Sitz des Typus „eingeschränkt“ hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass die herstellende Firma vorgibt, wo und wie der Sitz zu positionieren ist. Wählt die Kundschaft „semi-universal“, lässt sich der Sitz nur unter Verwendung eines Isofix-Rückhaltesystems einbauen.

Isofix bezeichnet ein System, bei dem der Kindersitz direkt mit dem Autositz verbunden werden kann. Noch spezifischer wird der Einbau, wenn Kund:innen die Variante „spezielles Fahrzeug“ wählen. Passend zum Namen ist die Befestigung dann nämlich nur in ausgewählten Autoklassen möglich.

Nun werfen wir einen Blick auf die Prüfnorm R 129, auch bekannt unter dem Namen „i-Size“. Diese unterteilt Kindersitze nicht nach dem Gewicht, sondern nach der Größe der Kinder. Häufig wachsen Kinder nämlich schneller, als sie an Gewicht zunehmen.

Klasse Größe
Q0 kleiner gleich 60 cm
Q1 60 bis kleiner gleich 75 cm
Q1.5 75 bis kleiner gleich 87 cm
Q3 87 bis kleiner gleich 105 cm
Q6 105 bis kleiner gleich 125 cm
Q10 größer gleich 125 cm

Betrachtet man die Regelungen 44 und 129, erhält man den Eindruck, ständig einen neuen Sitz kaufen zu müssen, so ist es aber im Grunde nicht. Es gibt Kindersitze, die für mehrere Klassen gleichzeitig zugelassen sind. Hier ist jedoch wichtig, dass gerade Säuglinge, die erst ein paar Monate alt sind, oft aus solchen Kombiangaben ausgeschlossen sind. Die wenigsten solcher Sitze passen tatsächlich weder ab der Geburt noch bis zu einer Größe von 1,50 Metern.

Gerade ältere Kinder erhalten meist keinen Kindersitz, sondern eine Kindersitzerhöhung. Auch hier gilt: Sitzerhöher mit Rückenstütze sind besser, da der Schultergurt bei diesen Modellen korrekt geführt werden kann und eine Kopfabstützung gewährleistet wird. Zudem sollten Sie darauf achten, dass das Modell über ausgeprägte Gurthaken verfügt. Ansonsten kann der Beckengurt bei einem Unfall hochrutschen und schwere Bauchverletzungen verursachen.

Wie muss der Kindersitz eingebaut werden?

Ob in oder gegen die Fahrtrichtung, hängt von der Sitzklasse ab. Wichtig ist jedoch, dass Babyschalen nur auf dem Beifahrersitz landen dürfen, wenn der Airbag ausgeschaltet ist.

Im Idealfall nehmen Sie sich genug Zeit und lesen die Einbauanleitung aufmerksam durch. Jeder Sitz funktioniert etwas anders, wodurch Sie erst auf der ganz sicheren Seite sind, wenn Sie genauestens über Ihr Modell Bescheid wissen.

Wichtig ist zunächst, dass der Sitz in den Wagen passt – also der Gurt lang genug ist. Bei Universalsitzen ist die Gurtlänge der meisten Autos ausreichend. Wählen Sie einen Sitz mit Isofix-Verankerung, gestaltet sich der Einbau besonders einfach und Ihr Kind ist sehr sicher befestigt. Bei dieser Sitzvariante können die Anschnallhaken des Kindersitzes einfach in den Auto-Ösen befestigt werden. Dennoch müssen die Sitze anschließend mit dem Autogurt verzurrt werden. Mittlerweile müssen Isofix-Halterungen in allen Neuwagen vorhanden sein.

Bei Sitzen der Klasse 0+ oder I sind meist Hosenträgergurte vorhanden. Mit diesen kann das Kind sicher in der Schale befestigt werden. Zwischen Gurt und Baby sollte nicht mehr als eine Hand breit Luft sein.

Wenn Sie mehr als ein Kind transportieren möchten, dass noch einen Kindersitz braucht, müssen Sie darauf achten ein passendes Auto mit bis zu 3 Isofix-Kindersitz-Möglichkeiten zu organisieren.

Welche Sanktionen sind zu erwarten?

Was passiert, wenn Sie den Kindersitz vergessen? Zunächst sind Bußgeldstrafen zu erwarten. Das niedrigste Verwarngeld beginnt bei 30 Euro und fällt an, wenn Sie ein Kind ohne Kindersitz transportieren. Sind mehrere Kinder im Wagen erhöht sich die Strafe auf 35 Euro.

Sind die Kinder zusätzlich nicht angeschnallt, drohen 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Sind mehrere Kinder nicht angeschnallt und ohne Kindersitz an Bord sind 70 Euro zu erwarten, der Punkt bleibt.

Doch nicht nur Kleinkinder müssen auf einem Kindersitz transportiert werden, für Säuglinge sind Babyschalen vorgeschrieben. Hier wird seltener die Schale vergessen, allerdings positionieren viele Eltern ihr Baby falsch auf dem Sitz. Ist der Frontairbag auf dem Beifahrersitz aktiv, darf die Babyschale nicht auf diesem Platz positioniert werden. Missachten Fahrer:innen diese Vorschrift sind 25 Euro zu erwarten. Wenn auf der Schale kein Hinweis zu finden war, wie der Sitz zu befestigen ist, fallen 5 Euro Strafe an.

Hier ein kurzer Überblick über die Sanktionen:

Verstoß Sanktionen
Kindersitz falsch eingebaut 25 Euro
Ein Kind ohne Kindersitz 30 Euro
Mehrere Kinder ohne Kindersitz 35 Euro
Ein Kind ohne Sicherung
(Missachtung der Kindersitz- und
Anschnallpflicht)
60 Euro + 1 Punkt
Mehrere Kinder ohne Sicherung
(Missachtung der Kindersitz- und
Anschnallpflicht)
70 Euro + 1 Punkt

Kindersitzpflicht im Ausland?

Ob Pflicht oder nicht, eigentlich sollten Sie Ihre Kinder alleine aus Sicherheitsgründen immer auf einen Kindersitz setzen. In anderen Ländern sind die Vorschriften teilweise sogar umfangreicher und strenger als in Deutschland. Während in der Schweiz auch die EDE Regelung Nr. 44 gilt, müssen Kinder in Österreich bis zur Vollendung ihres 14. Lebensjahrs auf Kindersitzen mitfahren oder größer als 1,50 Meter sein.

In Belgien und Spanien gilt die Kindersitzpflicht bis zu einer Größe von 1,35 Metern, in Frankreich liegt die Altersgrenze bei 10 Jahren. Die Bußgeldsanktionen können dabei stark von den deutschen Werten abweichen. Ein Verstoß im Ausland kann daher sehr teuer werden.

Welche Vorteile bietet ein Kindersitz?

Es gibt zahlreiche Sicherheitsvorteile, die der Kindersitz bietet. Zunächst wäre da die Rückhalteeinrichtung. Autofahren ist anstrengend und langweilig – würden Kleinkinder schlicht auf der Rückbank sitzen, würde der ein oder andere vielleicht flink den Gurt öffnen und durch den Innenraum turnen. Um solche gefährlichen Situationen zu vermeiden, sind Kindersitze mit einer Rückhaltevorrichtung ausgestattet und schirmen meist den Zugang zum Gurtöffner ab – so, dass nur die Eltern das Kind abschnallen können.

Vor allem bei Säuglingen ist es wichtig, dass der Sitz an der richtigen Stelle im Auto und auch in der richtigen Richtung positioniert wird. Der Beifahrersitz ist nur geeignet, wenn Fahrer:innen den Airbag abschalten können. Ansonsten kann die Mitfahrt an dieser Stelle bei einem Unfall zu tödlichen Folgen für das Baby führen. Sicherer ist es daher, das Kind auf die Rückbank zu setzen. Säuglinge sollten dabei – wie auch für Sitze der Klasse 0+ vorgeschrieben – immer entgegen der Fahrtrichtung befestigt werden.

Bei Säuglingen macht der Kopf meist noch das Größte Gewicht am Körper aus, wird das Baby gegen die Fahrtrichtung positioniert, kann der Aufprall bei einem Unfall besser abgefedert werden, und schwere Verletzungen an der Wirbelsäule sind weniger wahrscheinlich.

Ausnahmen der Kindersitzpflicht?

Es gibt tatsächlich Situationen, in denen die Kindersitzpflicht nicht gilt. Obgleich Sie in solchen Momenten keine Strafe erwartet, sollten Sie nicht immer Gebrauch von solchen Ausnahmen machen. Ihr Kind ist sicherer im Kindersitz – so viel steht fest.

Dennoch stellen wir Ihnen kurz vor, wann Sie rein rechtlich auf einen Extrasitz verzichten dürfen:

  1. Kraftomnibusse, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen: Fahren Sie mit Ihrem Kind oder Säugling in einem Bus, ist keine Kindersitzpflicht gegeben.
  2. Zu wenig Platz im Auto: Wenn aufgrund eines Kindersitzes nicht alle Mitfahrenden in den Wagen passen, darf, wenn das Kind mindestens 3 Jahre alt ist, auf den Sitz verzichtet werden.
  3. Die Befestigung des Sitzes ist nicht möglich.
  4. Ausnahme für den Personentransport: In Taxen und Linienbussen besteht in der Regel keine Kindersitzpflicht.

Endlich ohne Kindersitz – was nun?

Ihr Kind ist alt genug oder bereits über 1,50 Meter groß und besteht darauf, ohne Kindersitz zu fahren? Kein Problem, diese fünf Schritte helfen Ihnen, trotzdem eine sichere Fahrt für Ihr Kind zu gewährleisten:

  1. Das Kind sollte sich aufrecht hinsetzen und mit dem Rücken am Sitz anliegen.
  2. Die Knie des Kindes sollten mit dem Autositz abschließen, ist dies nicht gewährleistet und die Oberschenkel des Kindes noch zu kurz, sollte noch etwas länger ein Kindersitz verwendet werden.
  3. Achten Sie auf den Verlauf des Gurtes, der Beckengurt muss auf der Hüfte entlanglaufen. Der Gurt sollte sich nicht im Bauchraum befinden, ansonsten kann er bei einem Unfall schwerste innere Verletzungen verursachen.
  4. Der Schultergurt muss auf dem Schlüsselbein aufliegen, zwischen Hals und Schulter verlaufen. Befindet sich der Gurt direkt am Hals, kann dies zum Tod führen.
  5. Halten Sie Ihr Kind davon ab, sich nach vorne zu lehnen, zu zappeln oder mit dem Gurt zu spielen.

Im allgemeinen sollten Sie generell darauf achten, sich für ein sicheres Auto zu entscheiden. Da hilft Ihnen die Liste der sichersten Autos des NCAP-Crashtests.