Volkswagen Multivan

Optionaler Neunsitzer mit riesigem Kofferraum

8/10
Wow-Wertung
Das ist die mittlere Bewertung der führenden Autozeitungen.
  • Bis zu 9 Sitze
  • Riesiger Kofferraum
  • Gute Bremsen
  • Hoher Preis
  • Hoher Schwerpunkt
  • Nur 4 Sterne im Crashtest

Preisklasse

- Sitze

- l/100km

Test

Bei VW gibt es den Touran und den Sharan, aber soll richtig viel transportiert werden, dann existiert nur eine Alternative, mit der das funktioniert: der T6 Multivan. Der VW Bus ist kein Kombi, kein Van, kein MPV (Multi Purpose Vehicle) oder SUV (Sport Utility Vehicle), sondern bietet, lang, breit und kastig, Raum für bis zu neun Sitzplätze oder viel Laderaum.

Damit ist und bleibt VWs T-Reihe die erste Wahl von Handwerkern, Transporteuren, Busunternehmern und Großfamilien. Denen leistet das Wolfsburger Familien- und Nutztier als Transporter, Caravelle, Multivan oder California in unzähligen Variationen gute Dienste.

Und das zeitgemäßer als im T5 mit adaptivem Fahrwerk, neuen Extras, modernem Infotainment und verbesserter Sicherheitsausstattung. Zudem verbrauchen auch die Motoren, die 84 bis 204 PS leisten, weniger Kraftstoff.

Wenn man nicht plant, einen Reisebus anzuschaffen, dann könnte der VW T6 Multivan das richtige Fahrzeug für einen sein. Dort erhält man auf ungewöhnliche Fragen wie: „Wohin mit dem vierten Kindersitz?“ oder: “Wohin mit dem dritten Kinderwagen?“ nur gute Antworten.

Das Interieur

Die Innenraum-Atmosphäre der drei T6 Aufbauten orientiert sich am Zweck. Der Transporter mutet drinnen eher praktisch an, der Multivan, der erstmals in der Highline-Ausstattung zu bestellen ist, gediegener. Im Cockpit sind die Bedienelemente und das Infotainment logisch platziert und alles ist edler verpackt als je zuvor.

Die bequem gepolsterten Sitze, auf denen man aufrecht vor dem flach stehenden Lenkrad sitzt, sind erstmals elektrisch verstellbar. Die Karosse ist trotz ihrer Länge und Breite übersichtlich und wird es noch mehr, wenn die Rückfahrkamera geordert wird.

Den Zugang in den Fondbereich erleichtern die Schiebetüren. Gegen Zuzahlung elektrisch, was Sinn macht, denn der einzige Nachteil der in engen Seitenparklücken äußerst praktischen Schiebetüren ist ihr Gewicht. Das Gleiche gilt für die Sitze, die mit 39 Kilogramm pro Stück beim Ausbau nach starken Armen verlangen.

Dagegen gelingt das Umdrehen der mittleren Sitze mit einem simplen Handgriff und damit leichter als im direkten Konkurrenten Mercedes V-Klasse, wo die Sessel dafür ausgebaut werden müssen. Alle hinteren Sitze sind längs verschiebbar.

Die Kopffreiheit fällt üppig aus und das Wörtchen Variabilität wird ganz groß geschrieben. Mit dem ausklappbaren Tisch lässt sich ein T6 auch zum mobilen Vesperplatz oder mit dem Umklappen der Sitze zum temporären Schlafplatz ausbauen.

Der Kofferraum

Abhängig davon, ob im Inneren des T6 eher ein Reisekoffer oder ein Werkzeugkasten transportiert wird, gestalten sich auch die Fächer und Ablagen. Die geräumigste Ablage sitzt im Heck.

Hinter dem Heckklappenportal tut sich ein riesiges Ladevolumen von bis zu 5.000 Litern auf. Die Ladefläche ist 1,22 Meter breit und maximal 2,93 Meter lang. Bis zu 1.054 Kilogramm dürfen zugeladen und 2,5 Tonnen hinten angehängt werden.

Der T6 wehrt sich dagegen, dass man seinen bis zu 5,29 und 1,95 Meter langen und hohen Aufbau durch die Kurven prügelt. Das Gemächliche und Gleitende passt, auch wegen dem mäßigen Seitenhalt der Sitze, besser zu seinem Charakter.

Das Gleiche lässt sich vom nur für die geschlossenen Aufbauten lieferbaren Fahrwerk mit den adaptiven Dämpfern behaupten. Es wird vom Fahrerplatz in drei Stufen verstellt und bürgt in der Komfortstellung für bequemeres Mitfahren im Fondbereich.

Gelobt werden auch die gute Spurtreue und die im Vergleich zum T5 ruhigere Geräuschkulisse. Kritisiert wird aber auch, dass die Vorderachse, weil unterdämpft, über schlechtem Belag zu schnell in Unruhe gerät. Wer plant mit dem VW Bus ins Gelände zu gehen, bestellt ihn mit dem Allradantrieb 4MOTION, Bergabfahrhilfe, Unterfahrschutz und Hinterachsdifferentialsperre.

Sechs Motoren, die immer aus 2,0 Liter Hubraum 84, 102, 150 oder 204 PS produzieren, stehen zur Wahl. Hinter dem Kürzel “EA288 Nutz” verbirgt sich eine Tugend, die Profis schätzen und Familienpapis nicht weniger schätzen werden: Die T6 Dieselmotoren sind auf eine Mindestlaufleistung von 300.000 Kilometern ausgelegt.

Die Benziner

Über die Benziner, die 150 oder 204 PS leisten und mit einem Start-Stopp-System liiert sind, muss man gar nicht viele Worte verlieren, da sie im VW Multivan eine absolute Nebenrolle spielen. Die Hauptrolle fällt hier traditionell den Dieselmotoren zu. Das hat vor allem zwei Gründe: Das reichere Drehmoment, also die gefühlte Kraft und den niedrigeren Kraftstoffverbrauch.

Die Diesel

Was „gefühlte Kraft“ heißt, belegt der 2,0-Liter-Biturbo-Diesel im T6 am nachdrücklichsten. Weniger wegen der 204 PS Motorleistung, mehr wegen der 450 Newtonmeter, die schon ab 1.400 Touren zur Verfügung stehen. Damit beschleunigt der T6 Multivan in 9,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und weiter auf bis zu 203 km/h.

Geschaltet wird dabei entweder mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe oder dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Der Verbrauch, der von VW mit 6,5 l/100 km angegeben wird, pendelt sich in der Realität bei acht Litern ein.

Gibt man dem 2.0 TDI, der dank Harnstoffeinspritzung die Schadstoffklasse Euro-6 erfüllt, die Sporen, sind es auch mal zehn Liter Diesel, die dem 70-Liter-Tank entweichen (Fassungsvermögen bei den Benzinern: 80 Liter). Ein paar Tröpfchen mehr verlassen das Reservoir mit dem Allradantrieb, der im T6 Multivan ausschließlich mit dem 204 PS- und 150 PS-TDI ausgeliefert wird.

Dass ein Fünf-Meter-Bus nach einer Vollbremsung aus 100 km/h innerhalb von nur 35 Metern zum Stillstand kommt, traut man ihm vielleicht ebenso wenig zu wie die gute Sicherheitsausstattung. Erstmals ist der Multivan mit Helfern wie dem ACC-Tempomat, dem Spurwechselassistenten, der City-Notbremsfunktion und dem kameragesteuerten Fernlicht ausstattbar.

Hängerfahrer schätzen die elektronische Gespannstabilisierung und Frühaufsteher die in kalten Wintern vorteilhafte Frontscheibenheizung. Das Crashverhalten ist jedoch nicht ganz optimal. Im Euro NCAP-Crashtest erreichte der VW, zuletzt im Jahr 2013 als T5 vor die Wand gefahren, nur vier von fünf möglichen Sternen.

Die Qual der Wahl bedeutet, dass bei der Bestellung eines VW T6 zuvor die Preisliste intensiv durchforstet werden muss, denn es gibt nicht nur einmal etwas zu entscheiden, sondern fortlaufend. Der T6 wird in seiner Nutzfahrzeugvariante als Kasten, Pritsche, Doppelkabine oder Kombi und in seiner Busvariante als Multivan, Caravelle oder Campmobil California angeboten.

Zudem mit zwei unterschiedlichen Radständen, mit Standarddach, Mittelhochdach oder Hochdach, mit vier Fahrwerkshöhen, sechs Motoren, Schalt- oder Doppelkupplungsgetriebe sowie mit Front- oder Allradantrieb.

“Infotainment” hieß im VW Bus früher Radiohören. Heute geht im T6 weit mehr. Das Smartphone dockt über Apple CarPlay oder Android Auto an. Mit der Mobiltelefonschnittstelle “Comfort” verbessert sich der Empfang, da das Telefon dann über die Fahrzeugmobilfunkantenne sendet und empfängt.

Schon wenn sich die Hand dem 6,33-Zoll-Touchscreen nähert, schaltet das System automatisch vom Anzeige- in den Bedienmodus. Die Navigationssysteme “Discover Media“ und „Discover Media Plus” warten mit den Internetdiensten von Car-Net auf.

Die elektronische Sprachverstärkung sorgt dafür, dass die automatisch über die Lautsprecher verstärkte Fahrerstimme im Fondbereich deutlicher zu Wort kommt – ein eindeutiger Vorteil mit Kids an Bord.

Zusammenfassung

So lang, so gut – All das muss man jedoch erst einmal bezahlen. Bei den 29.952 Euro für den Basis-Multivan bleibt es eher selten. Und dafür erhält man als vertrauensbildende Maßnahme von VW lediglich zwei Jahre Garantie spendiert. Das ist aber leider normal.

Die feine Mercedes V-Klasse mit ihrem edleren Interieur, noch anmutigerem Finish und moderner Mercedes-Technik bietet das Gleiche: Tolle Qualität, hoher Preis, nur zwei Jährchen Garantie – auch hier fühlt sich der Kunde wohl, aber nicht als König.