Aufgeblasener Lebensretter: Wie funktioniert ein Airbag?

15. November 2022 von

Mit einem Airbag ist es wie mit einem Schutzengel: Man kann ihn nicht sehen, fühlen oder hören – aber er ist plötzlich da, wenn man ihn braucht. Doch wie funktioniert so ein Airbag überhaupt? Dafür, dass er bei einem Unfall vor schweren Verletzungen oder sogar vor dem Tod schützen kann, schenken wir dem “Schutzballon” in unserem Lenkrad wirklich zu wenig Beachtung.

Deshalb erfahren Sie hier alles über die Funktion des Airbags und welche Unterschiede es gibt. Abschließend können Sie noch in die Erfindungsgeschichte des Airbags eintauchen.

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Funktion und Aufbau des Airbags

Airbags gehören zu den passiven Sicherheitssystemen im Auto. Dabei handelt es sich um ein Luftkissen, das sich bei einem Unfall aufbläst und den Aufprall dämmen soll. Allerdings wird dieser Ballon nicht mit Luft gefüllt, sondern meistens mit einem Helium-Argon-Gemisch, da der Airbag über Sensoren im Fahrzeug mit einem Gasgenerator verbunden ist.

Bei einer Kollision wird eine Membransprengung ausgelöst, wodurch das kühle Gasgemisch in das Kissen fließen kann. Die Airbag-Öffnung passiert schneller, als Sie blinzeln können, um zu verhindern, dass der Kopf bei einem Aufprall gegen das Lenkrad oder auf das Armaturenbrett knallt. Die sogenannten Crash-Sensoren befinden sich im Steuergerät des Fahrzeugs. Viele Systeme verfügen über weitere Sensoren, die sowohl in der Front, in den Seiten und im Heck verbaut sind.

Wie viele Airbags sich in Ihrem Auto befinden, hängt von der Anzahl und von den Montageorten der Sensoren ab. Ältere Fahrzeuge haben oft nur einen Airbag auf der Fahrer- und Beifahrerseite, während bei modernen Autos mehr Sensoren für einen Rundum-Schutz sorgen.


Eine interessante und oft wichtige Funktion jedes Airbagsystems ist die digitale Datenspeicherung im Steuerungsgerät des Notfallkissens. Gespeichert werden beispielsweise:

  • Informationen über Probleme, die während oder vor dem Crash aufgetreten sind
  • Der Zeitpunkt, zu dem der Airbag aktiviert wurde
  • Informationen zur Sitzbelegung

Anhand dieser Daten kann man einen Unfall im Nachgang besser nachvollziehen und die Ursache dafür finden. Die Daten können nur durch den Hersteller des Wagens oder des Steuersystems ausgelesen werden. Vor allem wenn es um die Schadensabwicklung geht, kommt man nicht um die Auslesung herum, da durch die Informationen zum Unfall die Frage nach Fremd- oder Eigenverschulden geklärt werden kann.

Auf diese Weise werden die entstandenen Kosten an die zuständige Versicherung weitergeleitet und, dank der aussagekräftigen Ablesewerte, übernommen. Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle, ob ein Airbag Pflicht ist? Nein, bisher gibt es noch keine Airbag-Pflicht in Deutschland, doch in der Regel besitzt jeder neuere Wagen ausreichend Schutzkissen, um die Insassen schützen zu können.

Welche Airbag Typen gibt es?

Wenn von einem Airbag die Rede ist, denken die meisten erst einmal an den Frontairbag, der sich im Lenkrad befindet. Es werden aber noch viel mehr Sicherheitskissen in Fahrzeugen verbaut. Zum Beispiel:

  • Beifahrerairbags
  • Seitenairbags
  • Knieairbags
  • Gurtairbags
  • Fußgängerairbags

Fußgängerairbags öffnen sich bei einem Crash nach außen hin, um den Angefahrenen vor dem Aufprall auf das Auto zu schützen. Während Frontairbags essentiell sind, werden Fußgängerairbags eher selten verbaut. Zudem unterscheiden sich Airbags auch danach, wie schnell das Gas in das Kissen strömt. Adaptive Airbags können die Schwere des Aufpralls messen und das Kissen auf einmal oder in zwei Stufen auffüllen. Bei der zweiten Variante erhöht sich der Druck im Inneren des Polsters stufenweise, weshalb der Körper sanfter aufkommt.

Natürlich befinden sich Airbags auch noch in anderen Fortbewegungsmitteln. Zum Beispiel in Flugzeugen oder auch bei Motorrädern – hier gibt es sogar spezielle Motorradjacken, die den Airbag zum Beispiel durch eine Reißleine aktivieren können.

Sicherheit steht bei Ihnen an allererster Stelle? Dann sollten Sie sich von Vornherein für ein sicheres Auto entscheiden. Diese Modelle belegen in ihrer Kategorie den ersten Platz wenn es um Sicherheit geht:

Fahrzeugtyp Modell Assistenzsysteme
Große SUVs Volvo XC60 95 %
Elektroauto Tesla Model 3 94 %
Kompakt SUVs Audi Q3 85 %
Mini-SUVs VW T-Cross 81 %
Kleinwagen Audi A1 80 %
Familienauto BMW 3er 76 %
Hybridauto Mercedes CLA
PHEV
75 %
Kompaktwagen Mercedes
A-Klasse
75 %

Wann öffnet sich ein Airbag?

Dass der Airbag sich während der Fahrt grundlos aktiviert, ist wirklich eine Horrorvorstellung, doch jetzt folgt die Beruhigung: Solange das Airbagsystem technisch intakt ist, bleibt das Luftkissen verankert in dem speziell montierten Fahrzeugfach. Bei allen Fahrzeugherstellern wurden Airbags jahrelang in der Praxis getestet.

Bei einem “sanften” Crash in Schrittgeschwindigkeit zum Beispiel wird der Airbag nicht ausgelöst. Selbst dann nicht, wenn der Gurtstraffer aktiviert wird. Vor allem moderne Systeme erkennen die Crash-Intention und reagieren dementsprechend. Erst bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 25 und 30 km/h öffnet sich das Notfallkissen. Sie denken jetzt vielleicht, dass das übertrieben wäre – ist es aber nicht. Denn der Airbag erfüllt auch bei um die 30 km/h eine wichtige Aufgabe: Er schützt vor schweren Verletzungen am Kopf oder Brustbereich, die auch schwerwiegend sein können, wenn Sie nur in einer 30er-Zone unterwegs sind. Innerhalb von nur 30 Millisekunden füllt sich der Airbag dank des Sensors.

Übrigens: Der Knall eines Airbags ist 170 Dezibel laut. Dieser ist aber nicht am sogenannten “Knalltrauma” schuld. Die Schädigung des Innenohrs wird dadurch verursacht, dass der Druck im Fahrzeug rasant ansteigt, wenn sich der Airbag entfaltet.

Kann ein Airbag deaktiviert werden?

Ob Ihre Airbags funktionieren, wird bei jedem Start vom Fahrzeug selbst geprüft. Leuchtet das Lämpchen auf und erlischt anschließend innerhalb von 5 Sekunden wieder, sind sowohl das Steuergerät als auch das Airbagsystem in Ordnung und für den Bedarfsfall bereit. Falls die Kontrolllampe aber nicht oder dauerhaft leuchtet, sollten Sie nicht lange warten und eine Werkstatt aufsuchen.

Doch kann man den Airbag auch selbst beeinflussen und zum Beispiel deaktivieren. Ja, das funktioniert bei einigen Fahrzeugmodellen. Im Handschuhfach finden Sie oft einen Schalter zur Deaktivierung des Airbags. Auf dem Beifahrersitz ist das vor allem sinnvoll, wenn ein Kindersitz installiert wird, der rückwärts gerichtet ist.

Übrigens: Bei den ersten Airbags ging man noch von einer 10-jährigen Haltbarkeit aus. Allerdings wissen wir heute, dass ein Airbag im Fahrzeug kein Verfallsdatum hat und demnach kein Austausch nötig ist. Es sei denn, das Kissen wurde aufgrund eines Unfalles aktiviert. Dann muss ein neuer Airbag durch einen Fachbetrieb montiert werden.

Wer hat den Airbag erfunden?

Schon in den 1950ern wurde die Frage nach besseren Sicherheitssystemen immer lauter. Die ersten Patente für Airbags wurden damals in Deutschland und in den USA angemeldet, obwohl die ersten Entwürfe nicht realisierbar waren. Erst in den 1970er-Jahren konnte Mercedes ein funktionierendes Airbagsystem vorstellen, welches ein Jahrzehnt später in eine Luxuswagen-Klasse eingebaut wurde.

Es zogen immer mehr Autohersteller nach, bis schließlich der Frontairbag zur Standardausstattung wurde. In den 1990ern wurden viele neue Airbag-Typen ausgetüftelt, wie zum Beispiel der Knie- oder Seitenairbag. Die Geschichte des Airbags hat noch lange kein Ende. In diesem Bereich wird weiterhin geforscht und weiterentwickelt. Es könnte daher gut sein, dass es schon bald neue Airbag-Funktionen gibt: Zum Beispiel Airbags, die sich der Körpergröße und dem Gewicht anpassen, denn der aktuelle Stand sieht so aus, dass die Schutzkissen für ein Durchschnittsgewicht und eine durchschnittliche Größe konzipiert werden.

Abschließend noch ein wichtiger Hinweis: Der Airbag ist kein Ersatz für den Anschnallgurt. In Kombination sind sie das Dreamteam der Sicherheit: Der Gurt bremst beim Crash die Vorwärtsbewegung ab, während der Airbag dafür sorgt, dass Kopf und Oberkörper nicht mit dem Fahrzeuginneren kollidieren.