MPU: Ablauf, Kosten und Vorbereitung der medizinisch-psychologischen Untersuchung

26. November 2021 von

Wenn einem aufgrund von Drogen oder Alkohol am Steuer oder, weil man sich einer strafrechtlichen Tat im Straßenverkehr schuldig gemacht hat, der Führerschein entzogen wurde, muss man die sogenannte MPU vornehmen lassen, um den Führerschein wiederbekommen zu können. Betroffene Personen müssen sich erheblichen Kosten und Belastungsproben stellen. Wir haben alle Infos für Sie.

⏰  Kurz zusammengefasst

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Was bedeutet MPU?

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung oder auch kurz MPU, ist im Volksmund abwertend auch als Idiotentest bekannt. Bei der MPU wird die Fahreignung in einem genau geregelten Verfahren begutachtet. Hierbei soll herausgefunden werden, ob ein:e Fahrzeughalter:in geeignet ist, den Führerschein zu behalten oder wiederzuerlangen. Mit dieser Maßnahme will der Gesetzgeber die Verkehrssicherheit verbessern und Personen, die wegen verschiedenster Gründe den Straßenverkehr stark gefährden könnten, erst nach positiver Begutachtung wieder ans Steuer lassen.

Die MPU existiert seit 1954 und seit ihrer Einführung tatsächlich zu einer Senkung der Unfallopfer im Straßenverkehr beigetragen, wenn man andere europäische Länder mit Deutschland vergleicht.

Wann muss man eine MPU machen?

Eine MPU ist eine gesetzliche Maßnahme, die meist nach einem Führerscheinentzug aufgrund von Drogen- oder Alkoholmissbrauch am Steuer verordnet wird.

Bei Alkohol am Steuer muss zur MPU, wenn:

  • Promillewert über 1,6
  • bei Promillewerten zwischen 1,1 – 1,59 Auffälligkeiten vorliegen
  • trotz hohem Wert kaum Ausfallerscheinungen zu erkennen sind

Wer also mit einem Promillewert ab 1,6 Promille am Steuer erwischt wird, bekommt sicher eine MPU verordnet. Wenn es zu wiederholten Alkoholfahrten gekommen ist, sind auch niedrigere Promillewerte ausreichend.

Seit Frühjahr 2021 gilt außerdem, dass auch schon zwischen 1,1 und 1,59 Promille die MPU gerechtfertigt ist, wenn zusätzlich Auffälligkeiten zu erkennen waren. Beispielsweise, wenn die fahrende Person diesen Promillewert schon mittags hatte. Außerdem wird in der neuen MPU-Regelung festgehalten, dass die medizinisch-psychologische Untersuchung auch dann verordnet werden kann, wenn trotz hohem Alkoholgehalt im Blut keine oder kaum Ausfallerscheinungen zu erkennen sind, wie zum Beispiel lallen oder torkeln. Mang eht dann davon aus, dass es sich um eine Alkoholgewöhnung handelt und das alkoholisierte Fahren auch künftig vorkommen wird.

Bei Drogen ist es ganz einfach: Wer als Fahrzeugführer:in oder auch als Fahrradfahrer:in positiv auf Drogen getestet wird, wird sicher zu einer MPU eingeladen. Auch, wenn Sie unter Drogeneinfluss erwischt werden, aber gerade gar kein Auto fahren, kann es sein, dass eine MPU auf Sie zukommt.

Neben Drogen und Alkohol am Steuer gibt es auch noch andere Gründe, die eine MPU rechtfertigen können. Hierzu zählen beispielsweise zu hohe Punkte in Flensburg oder bestimmte Krankheiten oder körperliche Beeinträchtigungen.

Auch, wenn die Fahrerlaubnis in Gefahr ist, kann eine MPU angeordnet werden. Das selbe kann einem blühen, wenn man wegen Nötigung im Straßenverkehr seinen Führerschein verloren hatte.


Ablauf: Woraus besteht die MPU?

Die medizinisch-psychologische Untersuchung besteht aus drei Teilen, die in unterschiedlicher Reihenfolge stattfinden können. Insgesamt beträgt die Dauer der Untersuchung zwischen drei und vier Stunden:

  • Medizinischer Teil
  • Psychophysiologischer Leistungstest
  • Psychologisches Untersuchungsgespräch

Medizinischer Teil

Hierbei handelt es sich um eine ärztliche Untersuchung bei welcher geprüft wird, ob ein körperlicher Mangel vorliegt, der gegen eine Teilnahme am Straßenverkehr sprechen könnte.

Bei der Begutachtung steht im Vordergrund die Klärung, ob es Hinweise zu missbräuchlichem Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenkonsum gibt und ob Folgeschäden eines Missbrauchs dieser Substanzen vorliegen, die die Fahreignung einschränken. Man muss Fragen zum aktuellen und früheren Konsumverhalten beantworten und Auskunft zu Krankheiten geben, die sich negativ auf die Leberwerte auswirken könnten.

Außerdem werden Blut und Urin abgenommen und man muss einen Koordinationstest machen. Dabei kann es sein, dass man auf einem Bein stehen oder gerade auf einer Linie gehen muss.

Leistungstests

Bei den psychophysiologischen Leistungstests wird im Allgemeinen folgendes geprüft:

  • Sinneswahrnehmung
  • Reaktionsschnelligkeit und -genauigkeit
  • Belastbarkeit

Es gibt verschiedene Testverfahren, die anerkannt sind und für die verschiedenen Eignungsprobleme ausgewählt werden können. Diese Auswahl trifft die jeweilige Begutachtungsstelle selbst.

Leistungstest wegen Alkohol

Hier ist ein Reaktionstest vorgesehen. Meist läuft dieser folgendermaßen ab:

Sie sehen an einem Bildschirm unterschiedliche Farben aufleuchten und gleichzeitig werden über einen Kopfhörer hohe und niedrige Töne abgespielt. Wenn ein zusätzliches Signal auf dem Bildschirm zu sehen ist, muss ein Fußpedal betätigt werden.

Eine Einübungszeit wird gewährt, danach muss der Test dreimal gemacht werden – langsam, schnell und nochmal langsam. Ziel ist es, die Testpersonen an ihre Leistungsgrenzen zu bringen.

Sollte der Test nicht bestanden werden, gibt es einen Paralleltest der klären soll, ob das negative Ergebnis aufgrund von äußeren Einflüssen zustande gekommen ist. Fällt auch der Paralleltest negativ aus, ist als letzte Chance eine Fahrverhaltensbeobachtung möglich. Hierbei wird eine Autofahrt mit einem:r Fahrlehrer:in und einem:r Psycholog:in unternommen. Ist diese Beobachtung positiv, kann so der negative Reaktionstest korrigiert werden.

Wer auch hier durchfällt – was nur äußerst selten vorkommt – der muss sechs Monate warten, bis ein neuer Versuch gestartet werden kann.

Leistungstest wegen Drogen

Ein Reaktionstest ist auch bei der drogenspezifischen Begutachtung nötig, allerdings wird hier zusätzlich ein Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest verlangt, der ungefähr 15 Minuten dauert.

Untersuchungsgespräch

Im ca. einstündigen psychologischen Untersuchungsgespräch wird verlangt, dass man sich selbstkritisch mit seinen Problemen auseinandersetzt. Ziel ist es, eine stabile Verhaltensänderung darlegen und belegen zu können.

Antworten des Teilnehmenden werden im Gesamten ausgewertet, deshalb ist ein Auswendiglernen nicht zielführend. Denn es kommt zusätzlich auch auf die individuelle Glaubwürdigkeit an. Bei diesem Gespräch dürfen nur Fragen gestellt werden, die für die Beurteilung der Fahreignung und die Verhaltensprognose nötig sind. Auch hier gibt es Unterschiede je nach Grund der Begutachtung:

Gespräch wegen Alkohol

Während des Gesprächs soll geklärt werden, ob in der Vergangenheit eine Alkoholabhängigkeit vorgelegen hat oder ob es eine Gefährdung gab. Dann wird natürlich darüber gesprochen, wie das Verhalten sich aktuell gestaltet und wie die Prognose ist. Außerdem ist es ratsam, sich im Vorhinein über den Abbauprozess von Alkohol im Körper und Promilleberechnungen zu informieren, denn zu diesen Themen können Fragen gestellt werden.

Man muss über seine Trinkgewohnheiten Auskunft geben, was die durchschnittliche Trinkmenge pro Woche ist, warum am Tattag getrunken und gefahren wurde und wie man sich dabei gefühlt hat. Wie sieht es aktuell mit Alkoholkonsum aus – gab es eine Verhaltensänderung? Das ist enorm wichtig, denn nur wenn Sie Ihr Verhalten im Umgang mit Alkohol seit der Alkoholfahrt geändert haben, wird es auch eine positive Prognose für die Zukunft geben.

Für die Prognose ist dem Psychologen außerdem wichtig zu verstehen, ob die Verhaltensänderung stabil ist oder ob es ein Rückfallrisiko gibt. Je nach Fall kann darauf bestanden werden, dass in Zukunft vollständig auf Alkohol verzichtet werden muss, oder ein maßvoller Umgang angeordnet werden. Wie entschieden wird kommt darauf an, ob man Ihr Verhalten der Alkoholabhängigkeit oder dem Alkoholmissbrauch zuschreibt.

Gespräch wegen Drogen

Das Gespräch verläuft auch bei vorangegangenem Drogenkonsum im Straßenverkehr in den Teilen Vergangenheitsaufarbeitung, aktueller Status und Prognose. Es werden die selben Problematiken erörtert. Ein großer Unterschied zum Alkohol ist allerdings, dass bei Drogen kein maßvoller Umgang geduldet wird. Hier wird immer ein kompletter Drogenverzicht angeordnet.

Gespräch wegen zu vieler Punkte in Flensburg

Auch zu viele Punkte in Flensburg können dazu führen, dass eine MPU angeordnet wird. Beim psychologischen Gespräch zu diesem Thema geht es darum, dass man sich selbstkritisch mit den Vorfällen auseinandersetzt und die Ursachen erörtert. Um dieses Gespräch positiv abschließen zu können, muss auch hier eine stabile Verhaltens- und Einstellungsänderung erkannt werden.

Außerdem sollten Sie wissen, wie Sie zukünftig in ähnlichen Situationen reagieren und wie Sie sich korrekt verhalten wollen, denn es geht um dauerhafte Motive, die augenscheinlich zu Ihrer MPU geführt haben. Diese sollen ausgemerzt werden.

Was kostet eine MPU?

Die Kosten für die MPU sind komplett von Ihnen selbst zu tragen. Damit sind alle Kosten gemeint, die im Zusammenhang mit der Untersuchung stehen. Das kann ganz schön teuer werden, denn es gibt einige Kostenpunkte, die Sie beachten sollten. Wir sagen Ihnen, mit was Sie ungefähr rechnen können:

  • Abstinenznachweise bzw. Urintest/Haaranalyse – 100 bis 300 € (je Test)
  • Vorbereitungskurse je nach Kursart – 500 € (Gruppe) und 1.000 € (Einzel)
  • Prüfungsgebühren – 350 bis 400 €

Die Kosten können variieren, doch jede Begutachtungsstelle hat ihre Kosten festgelegt. Deshalb sollten Sie sich bei der Begutachtungsstelle Ihrer Wahl vorab über die anfallenden Kosten informieren, um ganz sicher zu sein.

Fällt man durch die MPU, muss man beim nächsten Versuch die gesamten Kosten noch einmal zahlen – deshalb ist es sinnvoll, sich auf die Untersuchung gründlich vorzubereiten.

Vorbereitung auf die MPU

Wie bereits dargelegt: Eine MPU ist teuer, deshalb sollte man alles dafür tun, um sie beim ersten Mal zu bestehen. Lassen Sie sich von der Durchfallquote von 50 % nicht abschrecken, denn diejenigen, die nicht bestanden haben, waren meist auch unzureichend vorbereitet. Nehmen Sie die MPU also nicht auf die leichte Schulter.

Im Vorfeld sind daher eine professionelle Beratung und Vorbereitungskurs sinnvoll. Man erhält dann im Vorfeld schon hilfreiche Informationen zum Ablauf der MPU und kann in Gesprächen bereits üben und bekommt Tipps. Ungefähr 18 Stunden sind sinnvoll, um gut vorbereitet in die MPU zu starten. Ob Sie sich für einen Gruppenkurs entscheiden oder lieber individuell beraten werden möchten, entscheidet am Ende wahrscheinlich der Geldbeutel.

Wichtig zu wissen ist, dass es meist das psychologische Gespräch ist, an dem es scheitert. Die Psychologinnen und Psychologen sind sehr erfahren in ihrem Beruf und durchschauen schnell, wenn man ihnen etwas vorspielt. Es ist wichtig, dass Sie glaubwürdig und ehrlich sind, denn wenn auch nur geringe Zweifel bestehen, wird man Ihnen ein negatives Gutachten ausstellen. Seien Sie einsichtig und spielen Sie Ihr Verhalten nicht herunter, denn sonst kann es sein, dass die Experten an Ihrer geistigen Reife zweifeln und Sie als nicht geeignet zum Führen eines Kraftfahrzeugs einstufen.

Wer bei diesem Gespräch nachweisen kann, einen Vorbereitungskurs besucht zu haben, zeigt hiermit schonmal, wie ernst es ihm oder ihr ist, den Führerschein wieder zu bekommen. Das kann also schon als Pluspunkt gewertet werden.

Der Tag der Begutachtung

Erscheinen Sie pünktlich, ausgeschlafen und mit allen nötigen Nachweisen und Belegen. Wenn Sie krankheitsbedingt Medikamente einnehmen müssen, sollten Sie die Begutachtungsstelle informieren und den Beipackzettel und entsprechende Atteste mitführen.

Seien Sie kooperativ, auch wenn es zu längeren Wartezeiten kommt und stimmen Sie zu, dass die Gespräche aufgezeichnet werden. So haben Sie später bei eventuellen Unstimmigkeiten die Möglichkeit, Ihren Standpunkt untermauern zu können.

Sollten Ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichend genug sein, muss schon vorab um einen vereidigten Dolmetscher gebeten werden, der die Untersuchung begleitet.

FAQs

Hier haben wir noch weitere Fragen zur MPU für Sie beantwortet:

Wer beauftragt die MPU?

Die MPU beauftragen Sie selbst. Sie suchen dabei ein passendes Institut aus und zahlen auch alle anfallenden Kosten selbst.

Was passiert bei einem negativen Gutachten?

Haben Sie die MPU nicht bestanden, können Sie diese ohne Wartefrist wiederholen. Es fallen alle Kosten nochmal in voller Höhe an. Lesen Sie sich die Beurteilung genau durch, um beim nächsten Versuch besser vorbereitet zu sein.

Was ist eine Sperrfrist?

Nachdem Ihnen der Führerschein entzogen wurde, wird eine Sperrfrist von mindestens 6 Monaten verhängt. In dieser Zeit können Sie Ihren Führerschein nicht wieder zurück erhalten – auch nicht mit positiver MPU. Die Sperrfrist kann je nach Schwere des Vorfalls auch auf maximal 5 Jahre verlängert werden. Es gibt Ausnahmefälle, in welchen auch eine lebenslange Sperre verhängt wird.

Frühestens 6 Monate vor Ablauf der Sperrfrist kann ein Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis gestellt werden. Eine Verkürzung der Sperrfrist ist möglich, wenn Sie Schulungen absolvieren, die Themen der verkehrspsychologischen Beratung beinhalten. Diese Belege können Sie einreichen, doch ein Gericht entscheidet ob die Fristverkürzung angenommen wird oder nicht.

Wo kann man die MPU machen?

Grundsätzlich kann man sich die Begutachtungsstelle aussuchen. Es muss allerdings eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) sein. Eine Liste mit geeigneten Adressen können Sie bei der Bundesanstalt für Straßenwesen einsehen.

Verjährt die MPU?

Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn die Anordnung, eine MPU machen zu lassen, verjährt nicht. Allerdings gibt es eine Frist, nach der der Eintrag aus der Akte in Flensburg gelöscht wird. Dafür dürfen Sie sich nach der Anordnung der MPU fünf Jahre lang nichts im Straßenverkehr zuschulden kommen lassen – rein gar nichts, also auch keinen Strafzettel.

Ab dem sechsten Jahr beginnt dann die Verjährung, die dann 10 Jahre dauert. Das bedeutet, dass der MPU-Eintrag in Ihrer Verkehrsakte nach 15 Jahren gelöscht wird – eine ganz schön lange Zeit.