DIY-Ladestation: Was Sie brauchen, um Ihre eigene Wallbox zu bauen

05. April 2022 von

Selbst ist der Mensch – viele packen einfach selbst an, und bringen ihre Machermentalität zutage. Die einen bauen sich einen eigenen Gartengrill, die anderen versuchen sich an Lautsprechern. Der neueste Trend: Selbst gebaute Wallboxen für das Laden von Elektroautos. Dass der Zusammenbau kein Zuckerschlecken darstellt, dürfte klar sein – immerhin geht es hier nicht nur um den fachgerechten Umgang mit Starkstrom, sondern auch um die eigene Gesundheit. Erfahren Sie, was Sie bei einer DIY-Wallbox beachten sollten!

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Wer sich auskennt, ist klar im Vorteil

Wer eine Wallbox selber bauen möchte, muss eine Verbindung zu bestimmtem Elektrik-Fachwissen aufbauen. Damit Sie nicht auf der Leitung stehen, benötigen Sie Kenntnisse auf den Gebieten Elektronik und Elektrotechnik. Ebenfalls nicht unerheblich ist das Wissen um die sogenannte Phasenstromerkennung: Hier geht es mehr oder minder um die “Beschaffenheit” des Stromnetzes in einem Gebäude.

Dieses besteht in der Regel aus drei “Phasen”, deren Gleichgewicht für einen funktionierenden Stromkreislauf vonnöten ist. Um einen stabilen Zustand des Stromnetzes zu gewährleisten, darf keine der Phasen überlastet werden. Genau an dieser Stelle greift die Phasenstromerkennung ein: Erkennt sie, dass ein bestimmter Verbraucher wie ein Elektroauto auffällig durstig an der Steckdose hängt, und eine oder mehrere Phasen zu stark beansprucht, werden die Verbindung gekappt und der Ladevorgang gestoppt.

Hierbei wird die Phasenstromerkennung vom Installationsschutz unterstützt, der wiederum direkte Messungen des FI Schutzschalters in die Tat umsetzt. Etwas einfacher ausgedrückt: Der Installationsschutz fungiert in etwa wie ein typischer On-/Off-Schalter, der im Falle eines Falles den Stromfluss einfach abstellt.

Komponenten wie der Notfallkondensator oder der EVCC sind natürlich nicht minder wichtig – mehr dazu erfahren Sie im folgenden Kapitel.

Komponenten für Ihre DIY-Wallbox

Mit dem Bau einer Wallbox können Sie natürlich nur dann loslegen, wenn Sie wissen, welche Bauteile Sie dafür überhaupt benötigen. Neben den entsprechenden Kabeln, die jedem sofort ins Auge springen dürften, verfügt die Wallbox über ein komplexes Innenleben. Folgende Teile sind dabei wichtig:

FI Schutzschalter: Der FI Schutzschalter überwacht den Stromkreislauf konstant und registriert, wenn ein Fehlerstrom auftritt. Ist das Gerät defekt, fungiert der FI Schutzschalter quasi als Retter in der Not.

Installationsschutz: Durch diesen fließt der Strom gleich im Anschluss an den FI Schutzschalter. Um das Konzept des Installationsschutzes greifbarer zu machen, stellt man sich am besten einen On-/Off-Schalter vor, der den Stromfluss starten wie auch stoppen kann.

Phasenstromerkennung: Dass das Stromnetz im Eigenheim aus drei Phasen besteht, haben wir schon im vorigen Kapitel gelernt. Sollten Sie es im Eifer des Gefechts übersprungen haben, kommen Sie hier dorthin zurück. Um es kurz zu halten: Die Phasenstromerkennung prüft stetig, ob alle drei Phasen gleichermaßen belastet sind.

DC-Fehlerstrommodul: Aus unserer heimischen Steckdose fließt AC Strom. Da Elektroautos hiermit aber gar nichts anfangen können und viel lieber DC Gleichstrom in sich aufsaugen, wandeln sie den Strom mithilfe eines Wandlers einfach um – ganz nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht. Damit die Wallbox also auch gegen fahrzeugseitige Fehlerströme abgesichert ist, muss sie über ein DC-Fehlerstrommodul verfügen.

Energiezähler: Läuft alles nach Plan und der Strom fließt fehlerlos, durchläuft er seine letzte Station in der Wallbox, nämlich den Energiezähler. Dieser gibt den kWh-Verbrauch an und zeigt, wie viel Strom letztendlich im Auto angekommen ist.

Notfallkondensator: Der Notfallkondensator ist nicht direkt am Ladevorgang beteiligt, und erscheint daher eher unscheinbar, fast wie die menschliche Milz, deren Funktion auch nur den wenigsten bekannt ist. Doch genauso wichtig wie die Milz für den Menschen ist auch der Notfallkondensator für die Ladestation –  diese leitet bei einem Stromausfall die Entriegelung des Steckers ein, sodass dieser problemlos abgezogen werden kann.

EVCC (Electric Vehicle Charge Controller): Wenn wir den Vergleich zum menschlichen Körper wieder aufgreifen wollen, könnte man den EVCC als Gehirn der Wallbox bezeichnen. Durch den EVCC wird die Kommunikation zwischen Wallbox und Elektroauto geregelt, sodass alle Prozesse geschmeidig vonstatten gehen können.

Gehäuse: Das Gehäuse der Wallbox ist streng genommen zwar keine elektrische Komponente, aber genauso wichtig für die Funktion der Ladestation wie alle anderen Teile. Das Gehäuse können Sie kaufen oder einfach in Eigenregie anfertigen – es schützt das Innenleben der Wallbox vor Wind und Wetter und bildet Ihren Designgeschmack nach außen hin ab. Wenn die Wallbox ungeschützt angebracht wird, sollte über einen Wetterschutz zusätzlich nachgedacht werden.

Warum eine Wallbox selber bauen?

Eine Universalantwort auf diese Frage gibt es nicht wirklich. Die einen würden behaupten, dass es Spaß macht, die anderen finden, der DIY-Bau ist eine wertvolle Erfahrung. Hinzu kommt, dass eine DIY-Wallbox tatsächlich weniger kostet als eine fertige Ladestation vom Hersteller – das ist aber auch kein Wunder, denn kein DIY-Handwerker rechnet seinen Stundenlohn mit ein und es ist kein weiterer Hersteller beteiligt, der noch etwas an seiner Wallbox verdienen möchte. So bekommen Sie im Handel einen Wallbox-Bausatz für um die 200 Euro.

Was muss ich noch beachten, wenn ich eine Wallbox bauen möchte?

Sollten Sie den Plan gefasst haben, eine Wallbox selbst zusammenzuschustern, bleibt eigentlich nur eines zu wünschen: Viel Spaß! Bausätze für eine gute Wallbox bekommen Sie im Fachhandel für etwa 200 Euro, was die 600 bis 1.000 Euro für eine fertige Wallbox natürlich um einiges unterbietet.

Wie sich das ganze Ding am Ende in Eigenregie zusammenfügen lässt, entnehmen Sie einfach der beigelegten Bauanleitung. Vergessen Sie jedoch nicht: Die Installation der Ladestation ist nochmal ein anderes Paar Schuhe und sollte nicht von Laien durchgeführt werden – beim Hantieren mit (Stark-)Strom besteht Gefahr für Leib und Leben. Engagieren Sie für die Installation am besten Fachleute und belassen Sie Ihren eigenen Spaß beim Zusammenbau der Box.

So erhalten Sie nicht nur in Bezug auf die Wallbox das beste Ergebnis, sondern auch in Bezug auf Ihre Gesundheit.