Elektroauto Erfahrung: E-Auto Fahrer:innen erzählen

30. Juli 2021 von

Wie schön wäre es, endlich ein Elektroauto zu fahren. Wenn da nicht so viele offene Fragen wären. Was passiert, wenn ich mir den Alltag ganz anders vorstelle? Komme ich mit dieser neuen Technik überhaupt zurecht? Kann ich weiterhin mit dem Auto in den Urlaub fahren? Verzweifeln Sie nicht, denn hier finden Sie Antworten auf diese Fragen und auf viele weitere!

Theoretische Elektro-Ratgeber sind natürlich nützlich, doch die Elektroauto Erfahrungsberichte sollen Situationen aus der Praxis aufzeigen. Damit möchten wir gleichzeitig auch ein neues Format auf carwow vorstellen: Die Story!

Die persönlichen Erfahrungen der E-Auto Fahrer:innen sind wohl das Zünglein an der Waage, wenn es um Kauf oder Nicht-Kauf geht. Da jeder Mensch verschiedene Anforderungen an sein Elektroauto hat, möchten wir verschiedene Erzählungen weitergeben, beispielsweise den Alltag einer Mutter oder ein Urlaub mit dem Elektroauto. Lassen Sie sich überraschen und schauen Sie immer mal wieder vorbei, um neue Geschichten zu lesen.

Inhaltsübersicht
Story #1: Mit dem Tesla Model S auf Reisen
Story #2: Der Corsa-e: Das perfekte Freizeitauto
Story #3: Baby an Bord des Renault Twingo Electric
Story #4: Der VW ID.3 und seine Problemchen

Story #1: Mit dem Tesla Model S auf Reisen

Einfach mal die Seele baumeln lassen, keine Verpflichtungen haben. Das ist es, was Herr K. am Reisen so liebt. Während er der Sonne beim Aufgehen zusah und sich darüber freute, wo die nächste Etappe sie hinführen würde, hörte er seine Frau mit einem Gähnen neben sich aufwachen. So bequem wie ein richtiges Bett war es zwar nicht, doch das sich der Tesla sogar als Hotelzimmerersatz eignen würde, war auch für Herrn K. nicht unbedingt klar gewesen.

Schnell Zähne putzen, etwas essen und dann das Bett wieder in einen fahrbaren Untersatz verwandeln. Es konnte weitergehen …

Erinnern wir uns zurück, an eine Zeit, in der man fahren konnte wohin man wollte und die Welt einem offen stand. In dieser Zeit hat sich Herr K. mit seiner Frau überlegt, das es Zeit wird für ein kleines Abenteuer. Zwölf Länder sollten es sein, die sie mit dem Auto durchqueren wollten – doch nicht mit irgendeinem Auto – mit einem Elektroauto.

Durch ganz Europa wollten sie reisen, von Deutschland hinunter nach Griechenland. Alles mit dem Tesla und alles in nur 12 Tagen! Von der sogenannten Reichweitenangst war bei beiden nichts zu spüren, denn genau aus diesem Grund hatten sie sich für einen Tesla entschieden. In Sachen Reichweite ist der amerikanische Hersteller einfach bisher nicht zu schlagen – und dank der Supercharger-Ladestationen konnten sie sogar noch kostenlos Strom nachtanken.

Die Tesla Supercharger finden sich auf der Route von Deutschland bis nach Kroatien noch sehr häufig, der Weg weiter nach Griechenland ist dann aber eher schlecht ausgestattet. Das war allerdings kein Problem, denn normale Ladestationen findet man ganz einfach, indem man seine Route in das Navigationssystem eingibt. Hier werden einem dann alle auf der Route befindlichen Ladestationen angezeigt.

Die beiden packten also das Nötigste ein, und hatten die Idee, dass man zu zweit wohl auch im Model S ganz gut schlafen könnte – das spart Hotelkosten und gleichzeitig kann der Tesla dann über Nacht an einem Parkplatz problemlos aufladen, wenn eben mal keine Schnellladestation in der Nähe ist.

Eine passende Matratze war schnell gefunden, zusammenklappbar war sie auch noch und Schwuppdiwupp hatten die beiden einen Schlafplatz im Tesla Model S geschaffen. Die 12-Länder-Tour war aber bei weitem nicht die einzige Reise, die Herr K. mit seiner Frau im Tesla unternommen hat. Ungefähr 100 Mal hat er bereits sein Nachtquartier im E-Auto aufgeschlagen, unter anderem auch während der eRUDO (elektrisch rund um die Ostsee).

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob es in der Nacht im Tesla nicht auch etwas kalt wird oder viel zu warm, dann kann Herr K. Ihnen folgendes sagen: Wenn das E-Auto in der Nacht an einer Ladestation angeschlossen ist, können Sie problemlos die Heizung oder die Klimaanlage angeschalten lassen – sehr praktisch.

Bei dieser Tour fährt man mit einem Elektroauto 20 Tage um die Ostsee – und wenn man Herr K. ist, dann macht man einen kurzen Abstecher zum Nordkapp “wenn man schon mal in der Nähe ist”. Rund 10.000 Kilometer hat er bei dieser Tour mit seinem Model S zurückgelegt.

Natürlich kann man keine 10.000 Kilometer am Stück fahren, doch mit einer Ladung kam der Tesla ca. 500 Kilometer weit und wie schon gesagt, Ladestationen finden sich genügend auf dem Weg. Man muss seine Route einfach im Vorhinein ein bisschen besser planen – dann funktioniert auch eine lange Reise mit dem E-Auto problemlos.

Auf die Frage, wie er das Fahren mit einem Elektroauto mit einem Wort beschreiben würde antwortete Herr K.: “Zukunft”. Mehr gibt es dazu wohl nicht mehr zu sagen … außer: Lassen Sie sich nicht davon abhalten, mit einem Elektroauto zu verreisen. Vor allem das Model S scheint recht robust zu sein. Das Fahrzeug von Herrn K. hat nach 130.000 gefahrenen Kilometern lediglich einen neuen Scheibenwischer gebraucht. Insgesamt ist er rund 50.000 Kilometer jährlich mit dem Model S unterwegs – inklusive Urlaubsfahrten.

Das einzige, was bei so vielen Kilometern irgendwann sicher auszutauschen ist, ist der Querlenker. Dann liegt der Tesla aber wieder auf der Straße wie ein Neuwagen.

Damit sagen wir: Bon voyage!

Story #2: Der Corsa-e: Das perfekte Freizeitauto

Herr S. ist berufstätig, fährt mit dem Bus zur Arbeit und braucht sein Auto nur in der Freizeit. Deshalb hat er sich für einen Elektro-Kleinwagen entschieden, der Umwelt zuliebe und weil der Umweltbonus den Kauf eines Elektroautos sehr attraktiv macht. Er ist vorher einen Verbrenner gefahren, der Opel Corsa-e ist sein erstes Elektroauto und er hatte durchaus Bedenken. Reichweite, Lademöglichkeiten und etwaige andere Einschränkungen, die mit einem E-Auto verbunden sein könnten, lagen ihm schwer im Magen.

Doch die Bedenken verflogen schnell, die Reichweitenangst ist völlig unbegründet, wenn man etwas vorausschauender fährt, und bei kürzeren Strecken hat man sowieso keine Probleme. Herr S. fährt aber durchaus auch weitere Distanzen mit dem Corsa-e, die längste Strecke am Stück war bisher 200 Kilometer. Laut Herstellerangabe kommt der Opel 330 Kilometer mit einer Ladung – Herr S. hat schnell gemerkt, dass man sich darauf nicht uneingeschränkt verlassen sollte. Vor allem im Winter liegt die tatsächliche Reichweite deutlich unter der Herstellerangabe.

Aber auch das war kein Problem, nach den 200 Kilometern, die er für einen Familienbesuch bei winterlichen Bedingungen hinter sich gebracht hatte, wurde das Auto einfach über Nacht wieder geladen und konnte die Strecke zurück ohne Zwischenladung gut schaffen. Sie sollten sich auch nicht durch die angezeigte Restreichweite verrückt machen lassen, denn der Corsa-e bleibt nicht direkt stehen, wenn nur noch wenige Kilometer angezeigt werden. Vor allem, wenn das Fahrzeug meist für Kurzstrecken verwendet wird, gewöhnt man sich schnell daran, dass keine riesige Zahl als Restreichweite auf dem Bildschirm auftaucht – denn so viel wie ein Verbrenner schafft der Corsa-e eben gar nicht.

Seine Reichweitenangst hat Herr S. sogar soweit überwunden, dass er plant, nach Italien mit dem Corsa-e zu fahren. Er möchte einen Routenplaner mit angezeigten Lademöglichkeiten benutzen und ärgert sich auch gar nicht darüber, zwischendrin eine etwas längere Ladepause machen zu müssen – für ihn ist das eher von Vorteil, denn so wird er gezwungen, auf längeren Strecken eine Ruhepause einzulegen.

Insgesamt ist Herr S. sehr positiv überrascht vom Elektro-Opel, denn das Fahrverhalten ist toll und auch die Assistenzsysteme konnten bisher überzeugen. Etwas Negatives ist ihm aber dennoch aufgefallen: Die App für den Corsa-e könnte besser sein. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und App funktioniert nicht gut, es fehlen häufiger Aktualisierungen, die dann zu Fehlermeldungen führen.

Elektroauto fahren beschreibt Herr S. mit dem Wort “gemütlich” – was aber keinesfalls langsam heißen soll. Man fährt mit dem Corsa-e einfach stressfrei.

Story #3: Baby an Bord des Renault Twingo Electric

Herr J. brauchte einen Zweitwagen, ein Auto, dass wenig verbraucht, zuverlässig und am besten auch noch günstig in Anschaffung und Unterhalt ist. Da stehen aufgrund des Umweltbonus schnell Elektroautos an erster Stelle. Ohne Probefahrt hat er sich für den Twingo Electric entschieden, denn aufgrund von Corona waren die Autohäuser geschlossen – und er hat es nicht bereut.

Der Twingo ist sehr spaßig zu fahren, hat einen guten Aufbau und ist als Zweitwagen eine wunderbare Wahl – auch mit Baby. Eine Isofixbefestigung ist auf der Rückbank zu finden, sodass der Nachwuchs sicher transportiert werden kann. Allerdings ist die Befestigung des Kindersitzes nur auf der Rückbank hinter dem Beifahrersitz möglich, denn sonst könnte Herr J. nicht mehr fahren, weil er zu weit vorne sitzen müsste.

Dass es eine Befestigung für den Kindersitz gibt ist natürlich gut, doch aufgrund der kleinen Größe des Autos können Herr J., seine Frau und das Baby nicht zusammen im Twingo fahren. Der Kindersitz auf der Rückbank nimmt so viel Raum ein, dass auch auf dem Beifahrersitz vorne niemand mehr bequem sitzen kann. Ein Kinderwagen passt natürlich auch nicht rein, das ist schade, aber der Elektro-Twingo ist natürlich auch ein Kleinstwagen und kein SUV.

Geladen wird der Twingo zu Hause, denn Herr J. lebt auf dem Land und dort finden sich aktuell noch sehr wenige öffentliche Ladestationen im Umfeld. Eine Wallbox hat er bisher noch nicht gekauft, deshalb lädt er an der Steckdose. 15 Stunden dauert das, und außerdem soll das Laden so günstig wie möglich sein, weshalb Herr J. wartet, bis die Solaranlage genügend Energie erzeugt hat, um damit den Twingo aufzuladen. Etwas umständlich, und auch wenn das Fahrzeug nur für Kurzstrecken verwendet und als Zweitwagen genutzt wird, ist die Ladezeit an der Steckdose auf Dauer einfach zu lang.

Insgesamt ist Herr J. mit dem Twingo sehr zufrieden, nur die Reichweite kann er noch nicht richtig einschätzen. Gerade, weil er auf dem Land lebt, würde er sich wünschen, dass er sich auf die vom Hersteller angegebene Reichweite verlassen kann. Lange Strecken möchte er mit dem Twingo deshalb nicht fahren, aber für Kurzstrecken ist der kleine E-Flitzer wunderbar geeignet.

Unkompliziert, schnell und flink – das fällt Herrn J. zum Twingo Electric ein!

Story #4: Der VW ID.3 und seine Problemchen

Eigentlich ist der ID.3 ein gutes Auto. Frau N. fährt den neuen Elektro-VW bereits seit einigen Monaten und fühlt sich wohl. Sie bringt die Kinder damit in Schule und Kindergarten, fährt zur Arbeit und kann den ID.3 dort auch laden. Insgesamt ist sie sehr positiv gestimmt, auch das Fahren macht viel Spaß. Das Dahingleiten ist entspannend, der 1-Pedal-Betrieb komfortabel und einfach.

Es hört sich alles nach dem perfekten E-Auto an, wären da nicht die kleinen Problemchen, die den Alltag ein wenig trüben. Dazu gehört, dass das Öffnen der Türen manchmal nicht so recht klappen will. Das liegt daran, dass man die Türen durch antippen öffnen muss. Wenn aber die Fahrertüre noch nicht offen ist, kann man auch die anderen Türen nicht öffnen. Tippt man doppelt auf die Türe, wird sie zugesperrt. Das ist eine Spielerei, denn leider etwas zu oft funktioniert das nicht und Frau N. würde sich einfach wünschen, einen Schlüssel in ein Loch am Griff stecken zu können.

Eigentlich sollte man auch ein WLAN im Auto spannen können, damit die Kinder sich während längeren Fahrten beschäftigen können. Das hat bisher noch nicht funktioniert, was an der noch fehlerhaften Software liegt. Auch die Batterie im Funkschlüssel sollte schleunigst gewechselt werden, sobald er blinkt, denn ansonsten hat man ein Problem.

Außerdem wurde sie vom VW-Service ein wenig enttäuscht, was aber an sich nichts mit der Leistung des ID.3 zu tun hat. Sie hat sich eine Wallbox des Herstellers angeschafft, um das Auto zu hause laden zu können. Diese funktioniert allerdings nicht, denn das WLAN und der Router funktionieren nicht einwandfrei. Man braucht scheinbar eine Kabelverlängerung vom Router zur Wallbox, was umständlich ist und wenig komfortabel. Bei dieser Sache fühlte sich Frau N. nicht richtig beraten.

Etwas nervig, aber der Sicherheit dienlich ist es, dass der ID.3 eine Menge Sensoren verbaut hat, die unter anderem dafür sorgen, dass man erst abbiegen kann, wenn geblinkt wird. Daran muss man sich erst noch gewöhnen, doch Frau N. ist deshalb bewusster und vorsichtiger unterwegs. Wer sich nicht anschnallt, wird außerdem von einem sehr nervigen und langwierigen Piepsgeräusch darauf aufmerksam gemacht. Andere Autos geben nach einer Weile auf – der ID.3 nicht: Für Sicherheit ist also gesorgt.

Aus diesem Grund findet Frau N., dass das Fahren mit dem ID.3 fast wie fliegen ist.