Halbleiterchip-Mangel: Was bedeutet das für die Autoindustrie?

Irene Wallner
Irene Wallner
17. Mai 2021

Noch immer gibt es einen Mangel an Halbleitern. Die Mikrochips kommen in jeglichen Geräten mit Elektronik vor – unter anderem auch in Autos. Wir sagen Ihnen, was dieser Mangel für die Autohersteller bedeutet, was Autokäufer:innen zu erwarten haben und wieso es überhaupt zu einem Mangel gekommen ist!

Überall findet man die winzigen Chips, egal ob in Kühlschränken, Smartphones oder eben auch in modernen Autos. Wenn die Halbleiter fehlen, geht nichts mehr. In so ziemlich jeder Branche macht sich das Fehlen von Elektronikbauteilen bemerkbar, nun auch bei den Autobauern – teilweise steht die Produktion still.

  • Halbleiterkrise in der Autoindustrie angekommen
  • Einige Hersteller müssen Kurzarbeit anmelden
  • Lieferverzögerungen bei Neuwagen und Produktionsausfälle
  • Steigende E-Auto Nachfrage könnte Chipmangel noch verlängern
  • Coronavirus und Sturm in Texas als Hauptgründe

Wenn Sie ein neues Auto möchten, und im schlimmsten Fall auch ein wenig länger darauf warten können, dann sehen Sie sich unsere top Neuwagenangebote an:

Top Neuwagen-Angebote
Modell Angebote ab
Renault Zoe 18.210 € Angebote vergleichen
VW T-Roc 19.615 € Angebote vergleichen
VW ID.3 21.925 € Angebote vergleichen
Skoda Kamiq 16.223 € Angebote vergleichen
Skoda Enyaq iV 22.376 € Angebote vergleichen

Was ist ein Halbleiter und warum braucht ein Auto ihn?

In diesem Moment, wenn Sie diese Zeile lesen, schauen Sie sozusagen auf eine Reihe von Halbleitern. Jedes elektronische Gerät verwendet diese Mikrochips, sie sind Teil der Schaltkreise. Deshalb finden sich diese Chips in Smartphones, Spielkonsolen, Computern und eben auch im Auto.

Mikrochips enthalten viele winzige Schaltkreise, die dafür sorgen, dass das Gerät, in dem sie verbaut sind, auch funktioniert. In einem Auto braucht man Halbleiter mittlerweile sehr häufig, denn das Infotainmentsystem, die digitalen Anzeigen, Kameras und vieles mehr, funktionieren ohne den Mikrochip nicht.

Wie werden Mikrochips hergestellt?

Mikrochips werden nicht wie normale Autoteile hergestellt – vielmehr benötigen sie spezielle Fabriken in welchen strenge Hygieneauflagen herrschen. Die Umgebung muss ultra sauber sein, was bedeutet, dass kein Staubkorn und keine statische Elektrizität vorhanden sein dürfen.

Die hohen Standards bedeuten allerdings auch, dass die Herstellung der Mikrochips sehr lange dauert, sehr teuer ist und es schon eine Herausforderung darstellt, die hohe Nachfrage unter normalen Umständen zu befriedigen.

Ein Problem ist außerdem, dass die Chiphersteller in speziellen Märkten konzentriert sind. Vor allem Taiwan ist Hauptproduktionsland von Halbleitern, dort werden 50 Prozent der weltweit abgesetzten Chips hergestellt. Das stellt die Autohersteller vor eine große Abhängigkeit, die in Zukunft hinterfragt werden muss.

Warum herrscht Mikrochipmangel bei den Autobauern?

Bei so vielen Produkten, in denen Mikrochips zum Einsatz kommen, können selbst kleinste Verzögerungen katastrophale Auswirkungen auf die Produktion von Elektronikprodukten haben. In den letzten Monaten sind einige Probleme zusammengekommen, die zu großen Produktionsengpässen bei Mikrochipherstellern geführt haben.

Folgende Gründe sind für den Halbleitermangel unter anderem verantwortlich:

Das Coronavirus

Diese Pandemie hat so ziemlich jeden Aspekt des Lebens beeinflusst, die Mikrochip-Produktion war da keine Ausnahme. Am Anfang der Pandemie sind die Autokäufe stark zurückgegangen, weshalb auch die Bestellungen für Mikrochips seitens der Hersteller zurückgingen. Andere Branchen, wie beispielsweise Firmen aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik, kauften dafür umso mehr Chips, denn die Nachfrage stieg enorm an.

Dazu gehörten zum Beispiel Telefon- und Laptophersteller, am meisten wohl aber Sony mit seiner nicht enden wollenden Nachfrage nach der neuen PlayStation 5.

Infos zu Corona und Autokauf

Als die Automobilhersteller bereit waren, die Produktion wieder hochzufahren, fanden sie sich am Ende der Warteschlange für Mikrochips wieder. Die Mikrochip-Fabriken brauchen bis zu sechs Monate, um die Produktion bestimmter Chiptypen wieder aufzunehmen, sodass die Autohersteller nun mit erheblichen Verzögerungen in ihrer Lieferkette konfrontiert sind.

Ein Wintersturm in Texas

Als ob die Auswirkungen des Coronavirus nicht schon genug wären, kam dann noch ein Sturm in Texas hinzu, der die Mikrochip-Produktion noch weiter behinderte.

Etwa 12 Prozent der weltweit nachgefragten Mikrochips werden in den USA hergestellt, wobei ein großer Teil davon aus Texas stammt. Im Februar wurde Texas jedoch von einem der schlimmsten Stürme in der Geschichte des Bundesstaates heimgesucht, der zu weitreichenden Stromausfällen führte.

Auch die Mikrochip-Fabriken waren davon betroffen, was dazu führte, dass einige von ihnen geschlossen wurden. Es war so katastrophal, dass beispielsweise der Hersteller Infineon damit rechnet, dass es vier Monate dauern wird, bis die Produktion wieder normal läuft – wobei alle Chips, die in den nächsten 12 Monaten produziert werden sollen, bereits reserviert sind.

Brand in japanischer Fabrik

Darüber hinaus fing im März das Renesas-Werk in Japan Feuer. Dies führte zusätzlich zu Verzögerungen, weil 17 Maschinen beschädigt wurden. Es wird davon ausgegangen, dass die volle Mikrochip-Produktion in diesem Werk frühestens im Juli wieder aufgenommen werden kann.

Welche Hersteller sind vom Halbleitermangel betroffen?

Das Ausmaß, in dem dieser Mikrochip-Mangel die Autoproduktion weltweit beeinflusst hat, ist ziemlich erstaunlich. Hier finden Sie einen Überblick der Hersteller und Modelle, die von der Halbleiter-Knappheit betroffen sind:

Hersteller Modelle Lieferverzögerungen
Mercedes E-Klasse, GLC k. A.
Mini Countryman Plug-in, Cooper SE um ca. 2 Monate
VW Golf, Golf GTE, ID.4 um ca. 2 Monate
Jaguar alle Plug-in Hybrid Modelle ca. 1 Jahr Lieferzeit
Land Rover alle Plug-in Hybrid Modelle ca. 1 Jahr Lieferzeit
Cupra alle Modelle um ca. 4 Monate
Citroen alle Modelle mehrere Wochen
Fiat alle Modelle um ca. 4 Wochen
Ford Fiesta um ca. 3 Monate
Kia alle Modelle mind. 6 Monate Lieferzeit
Seat alle Leon-Modelle, alle Tarraco-
Modelle
um ca. 2 Monate
Volvo XC90 Plug-in Hybrid ca. 6 Monate Lieferzeit

Mercedes musste als direkte Folge die Produktion des GLC pausieren, während Mazda seine Produktionszahl im ersten Quartal 2021 um 7.000 Autos reduzierte.

Mini musste das Werk in Oxford, in dem der Mini 3- und 5-Türer produziert werden, für kurze Zeit schließen. Nicht weit davon entfernt, bei Jaguar Land Rover, musste die Produktion des XE, XF und F-Type sowie des Discovery Sport und Range Rover Evoque auf Eis gelegt werden.

Auch der Volkswagen-Konzern hat im Jahr 2021 bereits 100.000 Autos weniger gebaut als geplant – auch aufgrund der vorübergehenden Schließung des Werks, in dem der Volkswagen Touareg, der Porsche Cayenne sowie der Audi Q7 und Q8 gebaut werden.

Am stärksten betroffen war wohl Stellantis, der Eigentümer von Fiat, Peugeot, Citroen und Opel, um nur einige zu nennen. Acht der 44 Fabriken weltweit mussten die Produktion einschränken, was bedeutet, dass 190.000 Autos weniger gebaut wurden als für das erste Quartal 2021 geplant.

Wann stehen wieder genug Halbleiter zur Verfügung?

Es sieht nicht so aus, als ob der Mangel an Mikrochips in nächster Zeit enden wird, und mit ziemlicher Sicherheit wird der Mangel noch über das Jahr 2021 hinaus bestehen. Infineon hat angedeutet, dass bis zu 2,5 Millionen Autos in der ersten Hälfte dieses Jahres verzögert geliefert werden, andere Schätzungen gehen von 5 Millionen für das gesamte Jahr 2021 aus.

Ford selbst erwartet, dass die Produktion von 1 Million seiner Autos von der Knappheit betroffen sein wird. Allerdings sind nicht alle Hersteller gleichermaßen betroffen – Hyundai zum Beispiel hatte sich schon vor Beginn der Knappheit mit Chips eingedeckt und somit abgesichert.