Wie wirkt sich die russische Invasion in der Ukraine auf die weltweite Automobilindustrie aus?

14. Juni 2022 von

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine stellt die Wirtschaft erneut auf eine harte Probe. Auch die Autoindustrie bleibt nicht verschont, viele Hersteller betreiben Werke in beiden Ländern, und sind auf ansässige Zulieferer angewiesen. Welche Auswirkungen hat der Krieg auf die Autohersteller?

Die Welt kommt nicht zur Ruhe. Russland greift die Ukraine an, und stürzt die Wirtschaft in ein neues Chaos. Die Sanktionen gegen Russland treffen auch einige Autohersteller, die dort Werke betreiben.

Obwohl die Bedeutung der materiellen Güter im Vergleich zu den menschlichen Opfern des Konflikts verblasst, beginnt der Automobilsektor die globalen Auswirkungen der anhaltenden russischen Invasion in der Ukraine zu spüren.

Welche Auswirkungen hat der Russland-Ukraine Krieg auf die Automobilindustrie?

Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden. Es kommt aufgrund von mangelnder Teileversorgung zu Bestellstopps und Lieferverzögerungen.

Update vom 14. Juni:

Die Teileversorgung bei Audi ist immer noch angespannt. Aus diesem Grund hat der Hersteller die Kurzarbeit an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm bis 30 Juni verlängert. In Neckarsulm werden unter anderem die Modelle A4, A5, A6, A7 und A8 sowie verschiedene S- und RS-Performance-Modelle einschließlich des Supersportwagens R8 gebaut. Im Ingolstädter Werk betrifft es die Modelle Q2, A3, A4 und A5.

Bei VW hingegen entspannt sich die Lage etwas. Man hat deshalb beschlossen, dass die Produktion im Werk in Zwickau wieder hochgefahren wird. Der Dreischicht-Betrieb wird wieder aufgenommen. Vor allem die vielen Bestellungen bei E-Autos müssen nun abgearbeitet werden.

Produktions- und Zulieferungsprobleme

Für die Autoindustrie ist Russland als Absatzmarkt aktuell eher weniger interessant. Allerdings galt der russische Markt noch bis vor Kurzem als Markt der Zukunft – das hat sich nun erledigt. Russland wird wohl für viele Jahre weder als Absatzmarkt noch als Produktionsstandort relevant sein.

Momentan haben aber noch viele Konzerne Produktionsstandorte in Russland. Aufgrund der Sanktionen gegen das Land sind nun Lieferketten gefährdet.

Viele Autozulieferer in der Ukraine

Die deutschen Hersteller sind weniger betroffen, BMW und Mercedes-Benz können die Auswirkungen noch nicht ganz abschätzen. Volkswagen hatte vor Kurzem bekannt gegeben, dass die Produktion von E-Autos in den Werken Zwickau und Dresden für einige Tage gestoppt werden muss. Der Grund: Fehlende Teile für Kabelstränge, die aus der Ukraine kommen sollten.

Für die schon aufgrund der Corona-Krise enorm gestiegenen Elektroauto Lieferzeiten wird diese erneute Verzögerung sicher nicht von Vorteil sein.

Insgesamt unterhält die deutsche Autobranche mit ungefähr 49 Zulieferern oder Produktionsstätten in Russland und der Ukraine Beziehungen. Aus Sicherheitsgründen stehen die Maschinen in den ukrainischen Produktionsstädten still, alle Beschäftigten wurden nach Hause geschickt.

Viele mittelständische Zulieferer für die Autoindustrie sind dort angesiedelt.

VW-Konzern immer stärker betroffen

Ob es für VW dabei bleibt, dass die Werke nur kurzfristig still liegen? Neben den Werken in Zwickau und Dresden gab es seit dem 7. März auch Einschränkungen im Stammwerk in Wolfsburg.

Mittlerweile hat sich die Teileversorgung bei VW etwas entspannt. In Wolfsburg wird seit dem 21. März wieder im Einschichtbetrieb gearbeitet, in Zwickau wurde die E-Auto-Produktion im April wieder aufgenommen. Bei den anderen Werken sind noch Engpässe vorhanden.

Auch die zum VW-Konzern gehörenden Marken Audi, Porsche, Seat und Skoda sind betroffen. Skoda musste bereits die Produktion des Enyaq iV einschränken.

BMW immer wieder von Produktionsstopps betroffen

VW war nur der erste Streich, doch auch bei BMW und Mercedes werden langsam nun die Auswirkungen spürbar. BMW musste bereits in einigen Werken die Bänder still stehen lassen. Zuletzt war das Werk in Regensburg betroffen. Auch die Beantragung von Kurzarbeit ist im Gespräch.

Lieferengpässe erwartet

Vor allem für Russlands größten Autobauer Avtovaz, der zum Renault-Konzern gehört, wird es eng werden. Die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland betreffen auch die Lieferung von Elektronikchips für die Autoproduktion. Avtovaz macht 90 Prozent seines Umsatzes in Russland, etwa sechs Prozent des Gesamtumsatzes von Renault stammen von Avtovaz.

Wenn sich die Kabel-Problematik der deutschen und europäischen Hersteller nicht bessert, werden wir auch hier mit erheblichen Engpässen bei der Lieferung von Neuwagen rechnen müssen. Es wird sogar bereits davon gesprochen, dass die Auswirkungen noch gravierender sein könnten, als während des Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie 2020.

Steigende Sprit- und Energiepreise

Auch wenn weder Russland noch die Ukraine ein starker Absatzmarkt für deutsche und europäische Autohersteller ist, wird dieser Krieg dennoch auch bei uns Folgen hinterlassen. Die für die Autoproduktion benötigte Energie und jene, die zum Betreiben von Fahrzeugen – sei es Benzin, Diesel oder Strom – nötig ist, hat sich aufgrund des Konflikts merklich verteuert. In Deutschland kämpfen die Autofahre:innen aktuell mit hohen Spritpreisen über 2 Euro pro Liter.