Das Apple Auto: Ein iPhone auf vier Rädern?

Cvetko Mijatov
22. September 2016

Apple arbeitet an einem Auto. Wie das aussehen könnte und was die Konkurrenten machen, erfahren Sie in unserem Artikel.

Gehen wir zurück in das Jahr 2007. Rumänien und Bulgarien wurden in die Europäische Union aufgenommen, Rihannas Regenschirm erlangte Weltruhm und Apple revolutionierte mit seinem iPhone die Welt der Mobiltelefonie – oder auch einfach nur – die Welt. Ein Zeitsprung ins Hier und Jetzt zeigt uns, dass Apple mit Hochdruck an seinem nächsten Coup arbeitet. Einem Auto.

Das gar nicht so geheime Geheimprojekt Titan soll das Portfolio des Technologie-Giganten erweitern und Apple für die Mobilität der Zukunft fit machen. Doch wie will Apple das realisieren? Welchen Weg schlägt Google ein? Und was macht die Konkurrenz aus Deutschland? Das wollen wir herausfinden und stellen gleichzeitig unsere eigene Interpretation des Apple Autos vor.

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Was die Konkurrenz macht

Um zu verstehen, wo die Reise mit dem iCar hinführen soll, sehen wir uns zunächst an, wie sich die Konkurrenten die Entwicklungen in der Automobilindustrie vorstellen. In einem Punkt scheinen sich sowohl die alteingesessenen Autobauer als auch das “new kid on the block” Google einig zu sein. Autonomes Fahren wird kommen. Der ideale Weg hin zum selbstfahrenden Auto ist jedoch unklar, weshalb sich zwei unterschiedliche Herangehensweisen herauskristallisiert haben.

Audi A4 Avant Fahrerassistenzsysteme Sensorübersicht
Fahrerassistenzsysteme und Sensorenübersicht

Evolutionstheorie der Autobauer

Die meisten Hersteller setzen auf eine Evolution zum autonomen Fahrzeug. Sie wollen den Fahrer mit einer stetig steigenden Zahl an Assistenzsystemen wie den Spurhalteassistenten, den adaptiven Geschwindigkeitsregelautomaten und den automatischen Einparkhilfen daran gewöhnen, kontinuierlich die Kontrolle über verschiedene fahrzeugführende Aufgaben den technischen Helfern zu überlassen. Die Armada an Assistenten, die in einem aktuellen Audi A4 Avant aufgefahren wird, kann man in obiger Darstellung erkennen.

Final soll der Fahrer genug Vertrauen gegenüber den automatisierten Systemen aufgebaut haben, sodass es ihm nicht weiter schwerfällt, die gesamte Kontrolle über das Fahrzeug diesen Systemen zu überlassen. Und voilà, das Fahrzeug fährt autonom – so die Theorie.

Auch wenn ein Konsens unter den meisten Autobauern besteht, heißt dies nicht, dass die Hersteller alles nur auf eine Karte setzen. Daimler beispielsweise fährt nach Informationen der “auto motor und sport” zweigleisig, indem die Stuttgarter neben ihrer evolutionären Hauptstrategie “eine [Forschungsabteilung] in Kalifornien für die Revolution” unterhalten. Doch dann fragten wir uns bei carwow: Was genau ist eine Revolution in der Automobilindustrie? Was können wir uns darunter vorstellen?

Google Car

Googles großer Wurf

Google macht es vor, wie so eine Revolution aussehen könnte – Sie trägt ein Koala-Gesicht. Das eigens von Google entworfene Elektrofahrzeug, siehe obiges Bild, hat wohl jeder schon einmal gesehen. Das Lenkrad und die Pedalerie wurden gleich aus dem Innenraum verbannt, denn das Fahrzeug soll zu jeder Zeit vollautonom fahren. Eine Übergangs- und Eingewöhnungsphase ist hier nicht vorgesehen.

Die Befürchtung des Tech-Giganten bei einer Evolution zum autonomen Fahren ist, dass sich der Fahrer bei kontinuierlicher Verringerung seiner Aufgaben zunehmend langweilen wird. So steigt die Gefahr, dass er, anstelle das selbstfahrende Auto zu kontrollieren, sich mental aus dem Straßengeschehen ausklinkt.

Erste Versuche von Google haben gezeigt, dass die Fahrer, nach der anfänglichen Euphorie über das selbstfahrende Auto, dem System nach relativ kurzer Zeit so vertrauen, dass sie sich lieber anderweitig beschäftigen und den Arbeitslaptop auspacken.

Deshalb will Google mit einem großen Technologiesprung zum autonomen Fahrzeug eine Revolution einleiten. Die selbstfahrende Fahrzeugflotte des Unternehmens hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 1,5 Millionen Meilen zurückgelegt und die autonomen Vehikel sind aktuell auf den Straßen von Mountain View, Austin, Kirkland und Phoenix unterwegs.

Da wir nun wissen, was die Konkurrenten machen, kommen wir zum Apple Auto. Falls Sie jedoch nicht auf das Apple Auto warten und lieber zeitnah ein neues Auto fahren möchten, dann kaufen Sie Ihren Traumwagen mithilfe von carwow und sparen im Schnitt 3.800 €.

Das Projekt Titan

Der Plan für das Apple Auto sieht vor, dass das Unternehmen aus Cupertino zwar nicht wie die etablierten Automobilhersteller einen langsamen Übergang anstrebt, aber das Lenkrad gleich weglassen wie Google, will Apple auch nicht. Die goldene Mitte soll es sein.

Das Apple Car, was bisher geschah

Für die Entwicklung eines hauseigenen Fahrzeugs hat Apple bereits Milliarden von Dollar investiert und über tausend Entwickler für das Projekt Titan abgestellt. Es wurden auch schon fleißig Experten ins Boot geholt wie der ehemalige Qualitätschef von Fiat Chrysler Doug Betts, der frühere stellvertretende Leiter des Instituts für autonomes Fahren an der ETH Zürich Paul Furgale und der ex-Vizepräsident der Fahrzeugentwicklung bei Tesla Chris Porritt.

Es wurden jedoch nicht nur schlaue Köpfe engagiert, sondern auch Unternehmen zu eigen gemacht, die Apple bei der Präzisierung der Straßenkarten, der besseren Routenplanung oder dem Sammeln von Erfahrungen im Straßenverkehr helfen können.

Apple investierte in den chinesischen Uber-Konkurrenten Didi Chuxing und kaufte Start-ups wie Hopstop (Routenplaner), Embark (Routenplaner), Topsy Labs (Analysetool), Spotsetter (soziale Suchmaschine) und Coherent Navigation.

Letzteres ist besonders interessant für das autonome Fahren, denn Coherent Navigation war ein Anbieter hochpräziser Satellitennavigation. Detaillierte Kartendarstellungen sind für die zukünftige Mobilität enorm wichtig, da sich die Fahrbahnberechnungen autonomer Fahrzeuge auch auf die Kartendaten stützen.

Dass hochpräzises Kartenmaterial wichtig ist, zeigt auch die Akquise von Nokias “Here”-Anwendung durch die drei Hersteller BMW, Daimler und Audi. Auch Apple hatte in der Vergangenheit Interesse an “Here” bekundet.

All die automobile Expertise, die sich Apple angeeignet hat, resultierte in ersten Minivan-ähnlichen Prototypen.

Apple Auto iCar hinten
Heck- und Seitenansicht

So könnte das Apple Auto aussehen

Eine etwas erhöhte Karosserie wie die eines Minivans würde aktuell Sinn ergeben, denn das Apple Auto soll elektrisch betrieben werden. Da die jetzigen Akkus einigen Platz im Boden des Fahrzeugs benötigen, verschiebt sich der restliche Aufbau nach oben wie bei einem Van.

Da wir bei carwow davon ausgehen, dass sich bis zur Serienreife des Apple Autos die Akkukapazitäten deutlich steigern werden und zudem Minivans eine relativ große Angriffsfläche und somit einen höheren Luftwiderstand haben, erscheint uns eine flachere, windschlüpfrige Form für das letztendliche Apple Auto wahrscheinlicher.

Außerdem darf man davon ausgehen, dass ein iCar schick gestylt sein will. Darum haben wir ihm ein flaches, schnittiges Blechkleid verpasst, wie in obigem Bild zu sehen ist.

Apple Auto iCar Innenraum
Interieurdesign

In dieser Abbildung ist unsere Interpretation des iCar Interieurs erkennbar. Das Lenkrad ist da und wohl auf. Das iPhone wird als integraler Bestandteil des Fahrzeugs in die Mittelkonsole eingeklinkt und übernimmt unter anderem die Aufgaben des Navigationssystems, des Radios und des Bediensystems. Auch Siri ist zur Stelle, um Sprachbefehle entgegenzunehmen.

Das Armaturenbrett folgt dem Trend von immer größeren und zahlreicheren Touchscreens. Seien sie zur Unterhaltung des Beifahrers, zur Informationsversorgung des Fahrers oder zur Regelung der Klimaanlage.

Ein Head-up-Display projiziert Informationen an die Windschutzscheibe, wobei wir bei carwow davon ausgehen, dass die Projektionen über kurz oder lang die gesamte Windschutzscheibe einnehmen werden.

So lassen sich zusätzliche Informationen wie beispielsweise Abbiegespuren auf der Straße virtuell hervorheben oder Einkaufsmöglichkeiten an Gebäuden darstellen. Diese Erweiterung der Realität wird Augmented Reality genannt. Apple muss sich momentan aber auch mit der harten Realität auseinandersetzen.

Apple Auto iCar
Das iCar auch in der von Apple neu erfundenen Farbe “Schwarz”

Strategiewechsel beim Apple Auto

In dieser Realität wurden vor einigen Tagen dutzende Mitarbeiter gefeuert und eine Neuausrichtung des Projekts Titan beschlossen. Für diesen Strategiewechsel soll hauptsächlich Bob Mansfield verantwortlich sein. Er übernahm nach dem Abgang von Steve Zadesky Anfang des Jahres die Leitung für die Entwicklung des Apple Autos und wurde dafür direkt von Tim Cook aus dem Ruhestand geholt.

Bob Mansfield können Sie sich als den Tatortreiniger Mr. Wolf aus Pulp Fiction vorstellen, nach dessen Organisationsgenie in problematischen Situationen verlangt wird oder wie er es ausdrücken würde: “Mein Name ist Mr. Wolf. Ich löse Probleme”. Bob Mansfield soll also das Projekt Titan wieder auf Kurs bringen.

Deshalb wurde nun bei Apple beschlossen, dass man sich mehr auf die Entwicklung einer Software-Architektur konzentriert, die das Rückgrat von autonomen Fahrzeugen bilden soll. So scheint Apple vorerst Abstand von der Idee zu nehmen, ein autonomes Fahrzeug selbst zu entwickeln und zu produzieren.

Dies wird auch durch einen kürzlich erschienenen Artikel in der “Financial Times” deutlich, in dem berichtet wird, dass Apple einen Kauf des britischen Autobauers McLaren in Erwägung zieht oder zumindest Anteile des Unternehmens erwerben will. So könnte McLaren die Hardware für Apples Software liefern.

Fazit

Die Informationen über das Apple Auto sind, wie man es sich von einem Fahrzeug vorstellen kann, welches frühestens in fünf Jahren auf den Markt kommt, eher ungenau. So viel scheint sicher: Das Auto der näheren Zukunft wird elektrisch betrieben und autonom fahren.

Apple wird das iPhone als zentrales Element in das Fahrzeug integrieren wollen. Die Frage ist nur: Stellt der Tech-Gigant ein ganzes Auto auf die Räder oder beschränkt er sich auf eine Software-Lösung? Aktuell scheint Letzteres wahrscheinlicher.

Während die Autohersteller sich langsam an das selbstfahrende Fahrzeug herantasten, gehen Apple und vor allem Google das Thema radikaler an.

So oder so sollte die deutsche Automobilindustrie auf der Hut sein. Tesla hat bereits gezeigt, man muss keine 100-jährige Erfahrung in der Autoindustrie haben, um moderne Autos bauen und erfolgreich verkaufen zu können.