Abarth 124 Spider Test

Sportliches Cabrio-Feeling kombiniert mit schickem Design

8/10
Wow-Wertung
Unsere Auto-Experten vergeben diese Wertung nach ausführlicher Prüfung des Fahrzeugs.
  • Emotionaler Motorklang
  • Kurvenfreudiges Handling
  • Unkompliziertes Frischluftvergnügen
  • Mäßiger Langstreckenkomfort
  • Enger Kofferraum
  • Hoher Preis

33.000 € - 48.170 € Preisklasse

2 Sitze

6,4 - 6,6 l/100km

Test

Warum ein Abarth 124 Spider, obwohl sein Preis deutlich höher ist als der eines 124 Spider von Fiat, am Ende doch preiswert ist? Das begreift man ziemlich flott, wenn man den herrlichen Motor startet und die ersten Kilometer unter die Räder nimmt. Der Fahrspaß ist enorm. Der Abarth 124 Spider ist vollmundig-laut, leicht und wendig. Seine Abstimmung ist damit ganz nach der Tradition von Abarth. 

Heute ist der Abarth Spider wieder das Schärfste, was ein 124 im Fiat Konzern werden kann. Und das, obwohl die Basis aus Fernost kommt. Gefertigt wird der das zweisitzige Cabrio in Hiroshima bei Mazda zusammen mit dem Roadster MX-5. Erst nach der Verschiffung nach Italien geht es nach Turin, wo nochmals an der Karosse, am Motor und Fahrwerk Hand angelegt wird.

Das ergibt genug Differenz. Zwar gleichen sich der japanische und der italienisierte Spider, der 14 Zentimeter länger und etwas breiter baut, im Innenraum fast gänzlich, aber den Unterschied hört man sofort, wenn man den Abarth 124 Spider in der höheren Ausstattungsvariante Turismo oder mit einem wichtigen Extra bestellt. 

Und man spürt den Unterschied im Antrieb. Unter der Haube des Abarth arbeitet kein Vierzylinder-Saugmotor wie im Mazda MX-5, sondern ein weniger drehzahlbedürftiger 1,4-Liter-Turbomotor mit 170 PS Leistung, der enorm gut am Auspuff klingt, ohne viel zu verbrauchen. 

Die Kurvenfreude hat der Abarth Spider vom Mazda MX-5 geerbt. Sind die Verkehrswege eng und kurvig und folgen die Kehren im kurzen Takt aufeinander, giert der Abarth-Fahrer mit der direkt ansprechenden und präzisen Lenkung, dem Sportfahrwerk, dem Sperrdifferenzial an der Hinterachse und den bei sportlicher Fahrt verhärtenden FSD-Dämpfern (Frequency Selective Damping) nach dem nächsten Kurvenausgang.

Auf der Autobahn ist der Abarth weniger zuhause, weil Komfort anders als so sportlich-straff geht. Aber wer erwartet großen Langstreckenkomfort im Abarth 124 Spider? Bei dem Kofferraum und Platzangebot? Der Kofferraum fällt ungefähr acht Prozent größer aus als im Mazda MX-5. Das ist die positive Sicht auf die Dinge. Effektiv sind es 140 statt 130 Liter, was die realistische Sicht ist, die Gedanken an Hartschalenkoffer gleich mal verdrängt.

Der Ausstieg fordert, denn man sitzt auf den Sportsitzen bodennah. Der Innenraum ist knapp geschnitten, aber trotzdem sitzt ein 1,90 Meter großer Mann gut. Und selbst ein vernünftiger Mensch kann sich mit der guten Verarbeitung, der klaren, auf wenige Schalter reduzierten Bedienung und dem einfach und schnell per Hand zu öffnenden Verdeck anfreunden.

Technische Daten:

Abmessungen und Maße
Länge 4,08 Meter
Breite 1,74 Meter
Höhe 1,23 Meter
Kofferraumvolumen 140 Liter
Türen 2
Leergewicht 1.135 (1.155) Kilogramm
Zuladung Keine Angabe
Zulässiges Gesamtgewicht Keine Angabe
Zulässige Anhängelast
ungebremst/gebremst
– / –

Der 124 Spider ist wendig, weil er leicht ist. Nur 50 kg schwerer als der Mazda MX-5 steht er auf der Waage. Damit gehört der Italiener, der aus Japan kam, mit einem Leistungsgewicht von 6,7 kg/PS zu den absoluten Spaßmachern auf der Straße.

Der Benziner

Das liegt neben dem fahrerisch inspirierendem Heckantriebskonzept am 1,4-Liter-Turbo-Vierzylinder, der hinten grollt und röchelt. Voraussetzung dafür ist, dass die Sporttaste gedrückt wird und der vierflutige Record Monza Auspuff hinten das Abgas ausstößt – dazu mehr im nächsten Kapitel.

Und obwohl man es richtig krachen lassen kann, ist der Verbrauch, der von Abarth mit 6,4 und 6,6 Liter (Automatik) angegeben wird, die alle 100 Kilometer aus dem 45 Liter großen Tank fließen, brav.

170 PS Leistung und 250 Nm Drehmoment reichen bei so wenig Gewicht. Im Test bemerkt man die Charakteristik des Motors. Bei wenig Drehzahl beißt der Turbo, im kurzen Turboloch nicht ganz wach, noch leicht verhalten an, aber dann hängt er sich rein und schnalzt die 1,1 Tonnen in 6,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bei 224 km/h ist das Maximaltempo erreicht.

Sie meinen, das schaffen auch Mittelklasselimousinen? Klar, aber nicht so. Ob man dafür das knackige 6-Gang-Schaltgetriebe oder die optionale 6-Gang-Automatik wählt, ist letztendlich eine Frage des Geschmacks – Wer einen guten hat, schaltet im Abarth 124 Spider mit der Hand.

Abarth 124 Schalter Abarth 124 Automatik
Hubraum [ccm] 1.368 1.368
Leistung [PS] 170 170
Getriebe 6-Gang-Schaltgetriebe 6-Gang-Automatik
0 – 100 km/h [s] |
Vmax [km/h]
6,8 | 224 6,9 | 222
Kraftstoff Benzin Benzin

Ein Abarth 124 Spider hat seinen Preis. Der offene Zweisitzer ist zwar knapp 1.000 Euro günstiger als der Mazda MX-5 mit dem 184-PS-Motor, aber er liegt als Basismodell satte 8.000 Euro über dem Einstiegspreis des Fiat 124 Spider mit der 140-PS-Maschine. Dafür erhält man allerdings auch die reizvollste Motorvariante im Spider und mehr Ausstattung.

124 Spider 

Das Einstiegsmodell verfügt über das Sportfahrwerk und einen Sportmodus. Mit dem mechanischen Sperrdifferenzial werden die 17 Zoll großen Räder an der Hinterachse in Zaum gehalten. Sollte das Heck mal ausbrechen, was am leichten Hinterteil provozierbar ist, regelt es das ESP.

An weiterer Sicherheit sind der Überrollbügel, die elektronische Überschlagsvermeidung, die Nebelscheinwerfer und das Reifendruckkontrollsystem mit an Bord. Weitere Fahrassistenten spart sich der Spider.

Auf den mit Microfaser bezogenen Sportsitzen sitzt man vor dem höhenverstellbaren Multifunktions-Sport-Lederlenkrad und steuert damit die Multimedia. Die umfasst ein MP3-Radio mit USB- und AUX-IN-Anschlüssen und vier Lautsprechern. Der Tempomat, die elektrisch verstellbaren Außenspiegel und die Klimaanlage gehören ebenso zur Serienausstattung.

124 Spider Turismo

Die Topausstattung, für die man 4.500 Euro zusätzlich investiert, umfasst eine Klimaautomatik und Sitzheizung sowie Sportsitze mit Lederbezug. Viel entscheidender für die Anschaffung des Turismo sind jedoch die serienmäßige Brembo Bremsanlage und die Hochstimmung machende Record Monza Auspuffanlage, die beide im Basismodell Aufpreis kosten.

Mit dem Infotainmentsystem mit sieben statt drei Zoll großem Bildschirm und einem zusätzlichen USB- und SD-Anschluss sowie dem Soundsystem mit Subwoofer hat der Turismo noch mehr fürs Auge und Ohr zu bieten. Zahlt man zusätzlich 595 Euro, verfügt das Infotainment über eine Navigationsfunktion. Zahlt man 990 Euro für das Premium-Paket zu, geht das Navigationssystem mit SD-Karte, der schlüssellose Fahrzeugzugang und die gerade beim geschlossenen Verdeck willkommene Rückfahrkamera mit an Bord.

Die Automatik (2.000 Euro) oder das Licht- und Sensor-Paket (1.890 Euro) mit LED-Scheinwerfern, adaptivem Frontlicht, Licht- und Regensensor und Parksensoren hinten, kann ebenso ein Grund sein, sich für das Topmodell zu entscheiden, denn beide stehen für den Einstiegs-124er nicht zur Wahl. Die Bremsanlage von Brembo (1.990 Euro) und der immer empfehlenswerte Sportauspuff (1.190 Euro) schon. Und die Sicherheit? Im ADAC-Bremstest wurde der Abarth nicht getestet. Mit der Brembo Bremsanlage verzögert er aber besser als der schon getestete Fiat 124 Spider, der nach einer Vollbremsung aus 100 km/h nach durchschnittlichen 36,7 Metern zum Stehen kam. Im NCAP-Crashtest wurde der Abarth ebenfalls nicht getestet, aber sein Pendant, der ähnlich reizvolle Mazda MX5. Der erhielt dort vier von maximal möglichen fünf Sternen.

Zusammenfassung

Mehr Spaß zu diesem Preis kann man kaum haben. Die superagile Kurvenfreude des Abarth 124 Spider macht an, der expressive Sound ebenso. Damit stellt der Abarth Spider manchen kostspieligen Sportwagen glatt in den Schatten. Aber das Drama am Auspuff artet nicht zu einem Verbrauchsdrama aus. Insofern ist der Abarth 124 Spider zwar teuer, aber im Vergleich ein konkurrenzlos preiswertes Vergnügen.