Spanische Automarken: Geschichte und Modelle

04. September 2023 von

Italienische Automarken? Kennen wir einige. Französische Automarken? Da dürften uns auch ein paar einfallen. Aber spanische Automarken? Wenn man einen guten Tag hat, fällt einem vielleicht gerade noch so Seat ein. Dabei hat die iberische Halbinsel einiges mehr an automobiler Vielfalt zu bieten! Gerade die Rennsport-Historie spanischer Autos hat lange Tradition. Hier erfahren Sie, welche Automarken außer Seat noch aus Spanien kommen und welche Modelle diese anbieten.

⏰ Welche spanischen Automarken gibt es?

Seat: Gestartet mit Fiat, geendet mit VW

Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit erscheint Seat als erste und einzige Marke im Gedächtnis vieler Leute, wenn sie nach einer spanischen Automarke oder nach spanischen Autos befragt werden. Die Firma lebt in erster Linie von seinen langjährigen Erfolgsmodellen wie dem Leon oder dem Ibiza, konnte in jüngster Vergangenheit aber auch im SUV-Geschäft mit den Seat-Modellen Tarraco, Ateca und Co. punkten.

Seat-Firmenhistorie

Wir wollen nun der Frage nachgehen: Woher kommt Seat? Der Startschuss für das Unternehmen namens Seat, was ein Akronym für die Wortfolge Sociedad Española de Automóviles de Turismo darstellt, erfolgte im Jahre 1950, dessen Aktienanteile sich das spanische Industrieinstitut sowie einige spanische Banken und der Automobilbauer Fiat aus Italien teilten. Die frisch geschlüpfte spanische Automarke baute zunächst für lange Zeit Autos in Lizenz von Fiat und bescherte den Landsfrauen sowie -männern kostengünstige Autos für den Alltag.

Das Verhältnis zwischen Fiat und Seat war vor dem Zerwürfnis jedoch nicht gefeit: Die spanischen Lizenznehmer:innen intendierten die Einführung eines neuen Corporate Designs, dessen Finanzierung Fiat nicht mittragen wollte. In der Folge entwickelte die spanische Automarke ihr erstes eigenes Modell: der Seat Ibiza war geboren. In den 80er Jahren festigte sich darüber hinaus die Kooperation mit VW, die zunächst aus der Produktion des Polo im spanischen Werk in Pamplona sowie des Passat in Zona Franca und anschließend aus der Übernahme der Firmenanteile zu 75 Prozent bestand.

Der deutsche Automobilkonzern VW erkannte das hohe Potential der spanischen Automarke und verleibte sich die Firma zu 99,99 Prozent ein. Bezeichnend für Seat sind heute die sportlich ausgerichteten Automodelle, aus deren Charakter auch die Submarke Cupra hervorgegangen ist.

Beliebte Seat-Modelle

Meistverkaufte Seat-Modelle
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Seat-Zukunftsvision

Aktuell steht es eher schlecht um den Patienten Seat – tatsächlich deutet das EKG eher schwache Herzströme an. Woran das liegt? Im VW-Konzern hat man sich in das Design und die Philosophie der Submarke Cupra derart verliebt, dass man gar daran zweifeln muss, ob Seat noch eine Zukunft hat. Da die auf jeden Fall elektrisch sein wird und sogar schon Modelle wie der Tavascan für 2024 angekündigt wurden, stellt sich die Frage, ob Seat die Entwicklung hin zum Elektroautokonstrukteur mitmachen darf. Wie es aussieht, möchten die VW-Chefs die aktuellen Modellgenerationen der aktuellen Seat-Modelle auslaufen lassen und die spanische Marke als eigenständigen Autohersteller einstampfen. Von Seat wird es ab etwa 2030 keine neuen Autos mehr geben, wie es für die Marke weitergeht, ist noch ungewiss. Denkbar wäre die Umstrukturierung in eine Art Mobilitätsdienstleister.

Cupra: Vom Rennstall zur eigenständigen Marke in nur knapp 50 Jahren

Klingt der Name nicht schon nach spanischem Temperament? Modelle von Cupra, der Tochtermarke des spanischen Autobauers Seat, überzeugen mit feurig-schnittigem Design und durchaus brauchbaren Fahrdaten. Vor allem der Cupra Born steht für den Zukunftsdrang der Marke, denn das Modell kommt mit einem E-Motor mit überdurchschnittlicher Leistungsfähigkeit. Neben dem Born sowie dem Formentor bietet Cupra noch einige, leicht abgewandelte Seat-Modelle an, die hinsichtlich Leistung sowie Markenlogo angepasst wurden.

Da kommt Cupra her: Firmenhistorie

Cupras Wurzeln lassen sich bis in das Jahr 1971 zurückverfolgen, als Seat eine eigene Abteilung für Rennvehikel gründete und an diversen Wettbewerben teilnahm. Der Name Cupra entwickelte sich jedoch erst in den 90ern und setzt sich zusammen aus den Worten “Cup” und “Racer”. Ab dem Ende des 20. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung Cupra als besonders stark motorisierte Ausstattungsversion der “Otto-Normalverbraucher”-Modelle durch. Hierher rührt insbesondere die starke Verbindung Spaniens mit dem Motorsport.

2018 beschloss die Konzernleitung unter der Führung von VW, Cupra als eigenständige Marke aus dem Portfolio von Seat auszugliedern. Geplant war ein noch intensiverer Fokus auf sportliche Modelle für die alltägliche Verwendung. Neben den typischen Seat-Modellen wie dem Leon oder dem Ateca, die Cupra allesamt mit dem hauseigenen Logo versieht und mit einem kräftigen Benziner ausstattet, tritt Cupra mit dem ersten eigenen Modell, dem Formentor, sowie dem ersten Elektroauto der Marke, nämlich dem Born, noch stärker in Erscheinung.

Beliebte Cupra-Modelle

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Cupra-Zukunftsvision

Gehört nun Cupra die elektrische Zukunft oder gehört der elektrischen Zukunft Cupra? Klar ist: Es handelt sich hierbei um eine äußerst verwirrende Frage. Die Antwort ist jedoch im Grunde egal, denn wie man es auch betrachtet, Cupra will sich im E-Auto-Segment mit seinen spritzigen Modellen festsetzen. Mit dem Cupra Terramar soll der erste vollelektrische SUV der Marke erscheinen, für 2025 ist der Launch des heiß ersehnten Cupra UrbanRebel geplant. Bis 2024 möchte Cupra darüber hinaus seine Modellpalette mit Plug-in Hybriden anreichern. Zu dieser Auswahl an spanischen Autos sagen wir sicher nicht nein! Zudem ist Cupra aktuell dermaßen erfolgreich, dass Seat als Ursprungsmarke voraussichtlich ab 2030 keine Modelle mehr auf den Markt bringen wird.

Santana: Die Geländewagenmarke ist Geschichte

Im Gegensatz zu den ganzen weiteren spanischen Automarken, die Sie im Verlaufe des Textes noch kennenlernen werden, kann sich Santana immerhin als Automarke mit einigermaßen internationaler Ausrichtung beschreiben. Mit eigenen Modellentwicklungen kann sich die Marke Santana jedoch nicht wirklich brüsten, vielmehr produzierte die Firma hauptsächlich Fahrzeuge in Lizenz für andere Unternehmen. Moment – produzierte?! Genau, Santana gehört mittlerweile der Geschichte an.

Santana-Firmenhistorie

Nach der Gründung der Firma im Jahr 1955 als Unternehmen im Landmaschinenbau wandelte sich die Ausrichtung nur ein Jahr später hin zum Automobilbau, genauer zu der Herstellung von Geländefahrzeugen. Dies geschah in Lizenznahme von Land Rover, und als einzige Marke mit geländegängigen Autos im Angebot entwickelte sich Santana schnell zum Platzhirschen auf dem Markt.

Auch die japanische Automarke Suzuki empfand Santana als höchst interessant und ließ den Jimny sowie den Samurai durch die spanische Automarke bauen. Nicht allzu viel später entwickelte sich Suzuki zum Mehrheitseigner. Das Ende der Kooperation mit Suzuki läutete aber das schleichende Ende des Autobauers ein: Absatzzahlen, aber auch die Qualität der Fahrzeuge aus spanischer Produktion befanden sich auf dem absteigenden Ast. Eine Wiederbelebung der Produktionsaktivitäten mit Iveco stellte sich zudem als nicht gerade profitabel heraus, sodass 2011 alle Unternehmenshandlungen eingestellt wurden.

Beliebte Santana-Modelle

Meistverkaufte Santana-Modelle
PS10
350

Santana-Zukunftsvision

Wo kein Unternehmen mehr ist, da auch keine Zukunftspläne. Nach der Einstellung aller geschäftlichen Aktivitäten im Jahr 2011 ist kein Revival für die Off-Road-Only-Marke geplant.

Tauro: Luxus, den kaum einer kennt

Exklusivität und ganz viel Wumms – gemeint ist damit nicht etwa der von der deutschen Bundesregierung versprochene Doppelwumms, sondern vielmehr die motorenseitige Explosivität von Autos der Marke Tauro. Angeboten werden von der Marke mit Sitz im spanischen Valladolid ausschließlich luxuriöse Sportwagen. Mit besonderer Transparenz brilliert die Marke nicht gerade, denn außer einer eher schlecht als recht gepflegten Facebook-Seite, zwei mindestens 9 Jahre alten Videos auf Youtube und einem kurzen Wikipedia-Eintrag lässt sich nicht viel über Tauro in Erfahrung bringen. Stattdessen lässt die spanische Automarke eher Taten sprechen – wenn auch selten.

Tauro-Firmenhistorie

Spanische Unternehmer und ein kleinerer britischer Sportwagenhersteller taten sich 2010 zusammen, um ein waghalsiges Projekt auf die Beine zu stellen: Exklusive Sportwagen aus spanischer Fertigung. Das mit dem südländischen Temperament hat man sich wohl zu Herzen genommen, denn das bisher einzige Modell, das aus dieser Verbidung hervorging, ist der Tauro V8. Dafür erschien dieser in vier verschiedenen Ausführungen: als V8 Spider, als V8 Coupé, als V8 Saeta und V8 Portago.

Mit saftigen 440 PS zieht der Wagen selbstverständlich in Sekundenschnelle davon – sofern man denn gedenkt, das Gaspedal auf Anschlag herunterzudrücken. Mit Gasfuß geht es in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h – das liest sich doch schonmal schmackhaft. Besonders viele Autos aus dem Hause Tauro sieht man indes nicht, da die Marke nicht besonders bekannt oder gar schnell in der Produktion ist: Bei Tauro wird noch auf Bestellung gefertigt, und zwar hauptsächlich von Hand.

Beliebte Tauro-Modelle

Meistverkaufte Tauro-Modelle
V8 Spider
V8 Coupé
V8 Saeta
V8 Portago

Tauro-Zukunftsvision

Wie Sie sich als aufmerksame Leserin oder als aufmerksamer Leser wohl schon denken können, fällt die Recherche bezüglich zukünftiger Entwicklungen von derart kleinen Unternehmen wie Tauro recht schwer. Auf Facebook schreibt die Marke selbstbewusst, sie zeige “innovativen Charakter, der dem internationalen Markt gegenüber offen ist, mit dem Ziel, seinen Kunden eine Fülle von Sensationen und Exklusivität zu bieten.” Na, wenn das nicht vielversprechend klingt, dann wissen wir auch nicht.

GTA Motor: GTA 5 oder was?

Allen, die nun in irgendeiner Weise erwarten, dass die spanische Automarke GTA Motors etwas mit dem in etwa gleichnamigen Videospiel Grand Theft Auto zu tun hat, müssen wir leider einen Dämpfer erteilen. Auf allzu fiese Weise wollen wir die Gamer:innen unter Ihnen aber auch nicht vergraulen: Vielleicht erfreuen sich einige ja daran, dass das bisher einzige Modell der Marke, der GTA Spano, in den Rennwagenspielen Forza Horizon und Assetto Corsa eine Rolle spielt.

GTA-Motor-Firmenhistorie

Die Geschichte der neuen Automarke ist – entgegen der Erwartungen einiger Motorsportfreunde – recht unspektakulär. Gründung 2005, Vorstellung des ersten Prototyps im Jahre 2008 und 2013 schließlich Produktionsbeginn – viel mehr gibt es hier nicht zu sagen.

Einen kleinen Meilenstein konnte die Marke jedoch mit ihrem bisher einzigen Modell in Sachen Videogames landen: Assetto Corsa sowie Forza Horizon implementierten das unbekannte Fahrzeug ins Spiel, wo sich der Supersportwagen letztlich doch großer Beliebtheit erfreute. Ohne gehässig sein zu wollen: Vermutlich fahren den Wagen mehr Leute digital an der Konsole als in der Realität.

Beliebte Modelle von GTA Motor

Meistverkaufte Modelle von GTA Motor
GTA Spano

GTA-Motor-Zukunftsvision

Auf der firmeneigenen Webseite macht es GTA ziemlich spannend: Unter dem Reiter “Future” verspricht die Marke den Einstieg ins E-Auto-Segment. Angekündigt ist eine Auflage von 300 Stück eines nicht näher spezifizierten Wagens namens Vinco, der wohl 2024 seine Premiere feiern soll. Wenn das mal kein exklusiver E-Supersportwagen wird!

Hurtan: Modern und alt zugleich

Moment mal – das kann doch gar nicht sein! Ganz recht, wie kann etwas aus heutiger Sicht technisch auf dem neuesten Stand und dennoch alt erscheinen? Hurtan führt eindrucksvoll vor, wie ein solches Unterfangen in die Tat umgesetzt werden kann: Das kleine Unternehmen aus dem spanischen Granada fertigt Autos im Retro-Look mit aktueller Technik und modernen Motoren. Klingt witzig? Ist es auch. Aber in erster Linie ist es eine Art Hommage an die vergangenen Designgeschmäcker.

Hurtan-Firmenhistorie

Nachdem Juan Hurtado Gonzalez bereits im Jahr 1969 einen Prototypen für ein Auto im Retro-Design anfertigte, verwirklichte er sich ganze 27 Jahre später mit einem eigenen Automobilunternehmen. Richtig ansehnlich sind die Modelle der Marke, denn optisch orientiert man sich an den Autos der 30er, 40er und 50er Jahre.

Besonderes Interesse gilt indes dem von Hurtan entwickelten Elektroauto namens Velantur, der aus der puren Kraft des Stroms heraus alltagstaugliche 300 Kilometer Reichweite aufweisen soll. Natürlich überzeugt das Auto nicht nur auf dem Papier, es hat auch optisch einiges zu bieten. Sowohl das Exterieur als auch das Interieur des Wagens kommen hochexklusiv daher und vermitteln eleganten Rolls-Royce- oder Bentley-Flair. Allerdings steckt der Wagen noch ziemlich in den Kinderschuhen und die eigentliche Ankündigung für 2020 hat sich bereits um zwei Jahre verzögert.

Beliebte Hurtan-Modelle

Meistverkaufte Hurtan-Modelle
Author
Vintage
Grand Albaycin

Hurtan-Zukunftsvision

Auch wenn Hurtan keine ausgestorbene Marke ist, gestaltet sich die Suche nach den Zukunftsplänen des Unternehmens wie die Suche nach dem Heustengel im Nadelhaufen – oder so ähnlich. Scheinbar mit Hochdruck arbeitet Hurtan an der weiteren Entwicklung des Velantur sowie an der Konzeption des Cabriolets T2 Re-Edition.

Hispano Suiza Cars: Teures Elektro-Vergüngen

Nicht nur in Deutschland dürfte die Marke Hispano Suiza Cars nicht allen bekannt sein. Diese Autofirma traute sich tatsächlich erst 2018 auf den Markt. Dennoch ist sie kein totaler Neuling im Geschäft: Bereits 1904 wurde die Marke La Hispano-Suiza in Barcelona gegründet, die als Vorgänger der neuen Marke gilt.

Hispano-Suiza-Cars-Firmenhistorie

Der Urgroßvater des Firmengründers hat bereits 1904 La Hispano-Suiza ins Leben gerufen. Lange Zeit fertigte das Unternehmen Autos, reduzierte den Fahrzeugbau aber angesichts des zweiten Weltkrieges und des spanischen Bürgerkrieges allmählich und ging über zur Produktion von Waffen und Munition. Der Wiedereinstieg in den Automobilmarkt gelang nur schwerlich und so wurde es recht ruhig um das Unternehmen.

Im Jahr 2018 tauchte dann die neu gegründete Automarke Hispano Suiza Cars auf, unter der Leitung von Miguel Suque Mateu präsentierte die Firma bisher nur das Modell Carmen, ein Elektrosupersportwagen mit knapp 1.000 PS. Trotz limitierter Auflage ist das Auto auch in Deutschland erhältlich, wohl aber wegen der geringen Bekanntheit eher selten bis gar nicht auf den hiesigen Straßen zu beobachten.

Beliebte Modelle von Hispano Suiza Cars

Meistverkaufte Modelle von Hispano Suiza Cars
Carmen
Carmen Boulogne

Hispano-Suiza-Cars-Zukunftsvision

Das Unternehmen gibt an, sich in hohem Maße am Design der ehemaligen Autos aus der La Hispano-Suiza-Produktion zu orientieren – so entstand auch der aktuelle Hispano Suiza Carmen, dessen Formsprache an das Konzeptauto Dubonnet Xenia der Vorgängermarke angelehnt ist. Was Hispano Suiza Cars in Zukunft plant und welche etwaigen Autos aus der früheren Firmengeschichte als Supersportwagen wiederbelebt werden sollen, bleibt jedoch schleierhaft. Bekannt ist nur, dass zum 120-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2024 ein Wettbewerb unter Studierenden ausgerufen wurde. Gegenstand der Ausschreibung war eine Neuinterpretation des Hispano Suiza T45 von 1911.