Elektro-Riese trifft Hybrid-SUV: Wer gewinnt das Korea-Duell – Kia EV9 oder Hyundai Santa Fe?
07. August 2026 von Irene Wallner
Groß, kantig und für die ganze Familie gemacht: Kia EV9 und Hyundai Santa Fe verfolgen auf den ersten Blick ein erstaunlich ähnliches Konzept. Beide stammen von koreanischen Marken, beide wollen mit viel Platz, moderner Technik und selbstbewusstem Design überzeugen – und beide zeigen, wie weit sich Kia und Hyundai inzwischen vom einstigen Image des günstigen Importautos entfernt haben.
Kia EV9 vs. Hyundai Santa Fe: Zwei Korea-Riesen, zwei Antriebskonzepte
Unter dem Blech könnten die Unterschiede allerdings kaum größer sein. Der Kia EV9 ist konsequent als Elektroauto entwickelt worden und setzt auf große Akkus, 800-Volt-Technik und bis zu drei Sitzreihen. Der Hyundai Santa Fe hält dagegen am Benzinmotor fest, kombiniert ihn aber wahlweise als Hybrid oder Plug-in-Hybrid mit elektrischer Unterstützung. Damit wird der Vergleich auch zu einer Grundsatzfrage: vollelektrischer Familien-Riese oder elektrifizierter Verbrenner?

Design: Kantig sind sie beide
Zurückhaltung gehört bei keinem der beiden SUVs zum Konzept. Kia wie Hyundai setzen inzwischen auf eine Designsprache mit hohem Wiedererkennungswert – und beim EV9 und Santa Fe wird sie besonders konsequent umgesetzt.
Der Kia EV9 wirkt beinahe wie ein Konzeptauto, das direkt auf die Straße geschickt wurde. Seine fünf Meter lange Karosserie ist betont kantig, die Flächen sind klar gezeichnet und die Proportionen erinnern eher an amerikanische Fullsize-SUVs als an klassische europäische Familienautos. Mit 5,02 Metern Länge und 1,98 Metern Breite ist er zudem ein echtes Trumm. Sein Auftritt kann gut und gerne als extrovertiert und auffällig bezeichnet werden.
Auch der Hyundai Santa Fe hat mit seinem eher rundlichen Vorgänger optisch kaum noch etwas gemeinsam. Die aktuelle Generation ist 4,83 Meter lang und 1,90 Meter breit und setzt ebenfalls auf eine sehr kantige, aufrechte Silhouette. Man sieht beim Design sogar Anleihen am Land Rover Discovery. Dadurch erscheint der Hyundai robust und hochwertig, ohne ganz so futuristisch aufzutreten wie der EV9.
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Das Ergebnis ist ein interessantes Korea-Duell: Der Santa Fe interpretiert den klassischen großen SUV neu, während der EV9 schon optisch zeigen möchte, dass er zu einer neuen Fahrzeuggeneration gehört.
Motorisierung: Strom gegen Benzin – mit elektrischer Unterstützung
Beim Antrieb gehen die beiden Schwestermarken deutlich getrennte Wege.

Der Kia EV9 fährt ausschließlich elektrisch. In den Kernvarianten leistet der Elektromotor im Hecktriebler 204 PS beziehungsweise 150 kW. Darüber stehen Versionen mit zwei Elektromotoren, Allradantrieb und 385 PS beziehungsweise 283 kW. Schon der Hecktriebler liefert 350 Nm Drehmoment, die stärkeren Varianten treten deutlich energischer an. Der Allradler schafft den Sprint auf 100 km/h in etwa sechs Sekunden, mit zusätzlichem Boost sind sogar 5,3 Sekunden möglich.
Der Santa Fe setzt dagegen auf einen 1,6-Liter-Turbobenziner, der stets elektrifiziert wird. Der Vollhybrid kommt auf 215 PS und ist mit Front- oder Allradantrieb erhältlich. Beim Plug-in-Hybrid steigt die Systemleistung auf 253 PS, kombiniert mit Allradantrieb. Beide Varianten nutzen eine Sechsgang-Automatik. Von 0 auf 100 km/h benötigt der Hybrid etwa 9,8 Sekunden, der Plug-in-Hybrid rund 9,3 Sekunden.
Damit ist die Rollenverteilung klar: Der EV9 bietet das spontanere und deutlich kräftigere Fahrerlebnis, während der Santa Fe seinen Antrieb stärker auf Komfort und Effizienz ausrichtet. Wer regelmäßig lange Strecken fährt und möglichst wenig über Ladestopps nachdenken möchte, findet im Hyundai weiterhin das vertrautere Konzept. Wer dagegen zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann und konsequent elektrisch fahren möchte, bekommt mit dem EV9 den moderneren Antrieb.
Akku, Reichweite und Verbrauch: Laden oder tanken?
Gerade hier zeigt sich, wie unterschiedlich die beiden Konzepte funktionieren.
Beim EV9 gibt es je nach Variante eine Batteriekapazität von 76,1 bis 99,8 kWh und eine kombinierte WLTP-Reichweite von bis zu 563 Kilometern. Beim großen 99,8-kWh-Akku schafft die reichweitenstärkste Heckantriebsversion offiziell 563 Kilometer. Der Stromverbrauch liegt je nach Ausführung ungefähr zwischen 19,5 und 22,8 kWh je 100 Kilometer.

Ein entscheidender Vorteil des Kia ist seine 800-Volt-Architektur. Mit einer Ladeleistung von bis zu 210 kW soll der große Akku unter idealen Bedingungen in rund 24 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden können. Gerade bei einem großen Familienauto, das auch für Urlaubsreisen gedacht ist, ist das ein wichtiges Argument.
Beim Santa Fe muss zwischen Hybrid und Plug-in-Hybrid unterschieden werden. Für den klassischen 215-PS-Hybrid kann man im detaillierten Test je nach Antrieb und Konfiguration etwa 6,7 bis 7,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer nennen. Der Plug-in-Hybrid kann dagegen rund 54 Kilometer rein elektrisch fahren. Sein sehr niedriger Normverbrauch setzt allerdings voraus, dass die Batterie regelmäßig geladen und ein großer Teil der Strecke elektrisch zurückgelegt wird.
Hier gibt es deshalb keinen pauschalen Sieger. Wer einen eigenen Ladepunkt besitzt und viele Kilometer elektrisch zurücklegen kann, nutzt das Konzept des EV9 am konsequentesten. Der Santa Fe Hybrid ist dagegen unkomplizierter für Fahrerinnen und Fahrer, die keine verlässliche Lademöglichkeit haben. Der Plug-in-Hybrid liegt konzeptionell dazwischen – funktioniert aber nur dann besonders effizient, wenn er auch tatsächlich regelmäßig an die Steckdose kommt.
Assistenzsysteme: Viel Technik aus Korea
Bei den Assistenzsystemen zeigen beide Modelle, wie ambitioniert die koreanischen Hersteller inzwischen auftreten.

Der EV9 bringt bereits serienmäßig eine umfangreiche Palette mit. Dazu gehören unter anderem aktiver Spurhalte- und Totwinkelassistent, hintere Querverkehrwarnung, Spurfolgeassistent, Frontkollisionswarner mit Notbremsfunktion, Parksensoren vorne und hinten, Rückfahrkamera, Ausstiegsassistent sowie ein Autobahnassistent und ein Stop-and-Go-Tempomat. Der Kia erreichte im Euro-NCAP-Crashtest fünf Sterne. Höhere Ausstattungen beziehungsweise das DriveWise-Paket ergänzen unter anderem eine 360-Grad-Kamera, Head-up-Display und eine erweiterte Totwinkelanzeige.
Auch im Santa Fe gehören moderne Assistenzsysteme zum Konzept. Interessant ist hier allerdings die Euro-NCAP-Bewertung: In der Serienausstattung erreichte der Hyundai vier Sterne. Mit dem zusätzlichen Safety Pack steigt die Bewertung auf fünf Sterne. Das Paket erweitert unter anderem die automatische Notbremsfunktion für Fußgänger und Radfahrer sowie die Spurassistenz.
Damit hat der Kia in diesem Kapitel einen kleinen Vorteil. Viele seiner Systeme gehören bereits zum Serienumfang, während beim Santa Fe die Sicherheitsausstattung stärker von der gewählten Konfiguration abhängt.
Platzangebot: Familienauto trifft Elektro-Van
Wer EV9 oder Santa Fe kauft, dürfte selten allein unterwegs sein. Entsprechend wichtig ist das Platzangebot – und genau hier spielen beide ihre Größe aus.
Der Kia EV9 ist serienmäßig ein Siebensitzer. Optional lässt er sich als Sechssitzer mit zwei Einzelsitzen in der zweiten Reihe bestellen, die sich um 90 oder sogar 180 Grad drehen lassen. Mit 3,10 Metern Radstand fällt das Raumangebot insbesondere in der ersten und zweiten Reihe enorm großzügig aus. Selbst die dritte Reihe ist mehr als eine reine Notlösung, wenngleich die Beinfreiheit dort naturgemäß geringer ist.
Mit allen sieben Sitzen in Verwendung bleiben beim EV9 333 Liter Gepäckraum. Werden die Sitze der dritten Reihe versenkt, wachsen daraus rund 807 Liter. Bei komplett umgelegten hinteren Sitzreihen sind bis zu 2.318 Liter möglich. Zusätzlich besitzt der EV9 unter der Fronthaube einen Frunk für beispielsweise Ladekabel.
Der Santa Fe muss sich allerdings keineswegs verstecken. Je nach Ausführung wird er ebenfalls mit mehreren Sitzkonfigurationen angeboten. Es gibt bis zu 711 Liter Kofferraumvolumen bei der fünfsitzigen Variante und maximal 2.032 Liter bei umgelegten Rücksitzen. Bei sechs- beziehungsweise siebensitzigen Versionen stehen mit fünf belegten Sitzen noch rund 628 beziehungsweise 621 Liter zur Verfügung. Selbst Erwachsene finden in der dritten Reihe noch erstaunlich brauchbare Kopf- und Beinfreiheit.
Beim maximalen Raumangebot gewinnt dennoch der Kia. Er ist größer, variabler und verbindet SUV-Abmessungen fast schon mit den Qualitäten eines Vans. Der Santa Fe wiederum bietet viel Platz in einer etwas kompakteren Karosserie – was im Alltag, spätestens im Parkhaus, durchaus ein Vorteil sein kann.
Innenraum: Zwei ähnliche Ideen, unterschiedlich interpretiert
Auch innen erkennt man Gemeinsamkeiten. Beide Hersteller setzen auf große Displays, moderne Konnektivität und einen deutlich hochwertigeren Auftritt als noch vor einigen Modellgenerationen.
Im EV9 sitzen zwei 12,3-Zoll-Bildschirme in einer durchgehenden Displaylandschaft. Smartphone-Integration, induktives Laden und der digitale Fahrzeugschlüssel gehören ebenso zum Angebot wie ein Navigationssystem mit Ladeplanung. Hinzu kommen je nach Ausstattung beheizte und belüftete Sitze, Relax-Funktionen und ein Meridian-Soundsystem. Besonders interessant: Über Vehicle-to-Load kann der EV9 mit bis zu 3,6 kW externe elektrische Geräte aus seiner großen Batterie versorgen.
Hyundai setzt im Santa Fe ebenfalls auf zwei 12,3-Zoll-Panoramadisplays, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie Over-the-Air-Updates. Optional stehen unter anderem Head-up-Display und digitaler Fahrzeugschlüssel bereit. Insgesamt wirkt das Interieur hochwertig und komfortorientiert, wobei man die fehlende Klimabedienung in der zweiten Sitzreihe kritisieren kann.
Preis: Überraschend knapp – zumindest am Anfang
Der vielleicht überraschendste Teil des Vergleichs ist der Preis. Denn obwohl der EV9 erheblich größer ist und einen vollelektrischen Antrieb samt großer Batterie mitbringt, starten beide Modelle gar nicht so weit voneinander entfernt.

Der Kia EV9 kostet laut aktuell zwischen 63.690 und 90.490 Euro. Carwow-Angebote beginnen derzeit bei rund 53.826 Euro.
Der Hyundai Santa Fe liegt beim Listenpreis zwischen 60.650 und 69.250 Euro, Carwow-Angebote starten aktuell bei rund 50.417 Euro.
Damit liegen zwischen den günstigsten Listenpreisen nur gut 3.000 Euro. Erst in den höheren Ausstattungsklassen geht die Schere deutlich auseinander: Während beim Santa Fe bei knapp 70.000 Euro Schluss ist, kann der EV9 in seiner leistungsstärksten Variante die 90.000-Euro-Marke überschreiten.
Wer also lediglich auf den Einstiegspreis schaut, könnte vom Elektro-Kia überrascht sein. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Kaufpreis nur ein Teil der Rechnung ist: Lademöglichkeit, Strom- beziehungsweise Benzinkosten und das persönliche Fahrprofil entscheiden wesentlich darüber, welches Konzept langfristig besser passt.
Fazit: Welcher Korea-Riese ist der bessere Familien-SUV?
Kia EV9 und Hyundai Santa Fe zeigen eindrucksvoll, wie selbstbewusst koreanische Automarken mittlerweile im Segment großer Familien-SUVs auftreten. Beide sind kantig, geräumig, komfortabel und technisch umfangreich ausgestattet. Trotzdem sprechen sie unterschiedliche Käuferinnen und Käufer an.
Der Kia EV9 ist die konsequentere und modernere Lösung. Er bietet mehr Platz, mehr Leistung, ein extrem variables Sitzkonzept, eine große elektrische Reichweite und dank 800-Volt-Technik sehr schnelles Laden. Wer einen großen Familien-SUV sucht, zu Hause laden kann und komplett auf den Verbrennungsmotor verzichten möchte, bekommt hier ein außergewöhnlich vielseitiges Elektroauto.
Der Hyundai Santa Fe ist dagegen der pragmatischere Allrounder. Er ist etwas kompakter, günstiger und mit seinem Hybridantrieb unabhängig von einer Ladeinfrastruktur. Als Plug-in-Hybrid kann er außerdem einen Teil des Alltags elektrisch erledigen, ohne auf längeren Reisen einen Ladestopp einplanen zu müssen.
So entscheidet am Ende weniger die Frage Kia oder Hyundai als vielmehr Steckdose oder Zapfsäule: Der EV9 zeigt, wie das große Familien-SUV in der Elektro-Zukunft aussehen kann. Der Santa Fe beweist, dass der elektrifizierte Verbrenner noch lange nicht zum alten Eisen gehört.