Fast 5.000 € günstiger als der VW ID.4: Ist der XPeng L03 der bessere Kauf?
04. September 2026 von Irene Wallner
Der VW ID.4 gehört mittlerweile fast schon zum Inventar auf dem deutschen Elektroauto-Markt. Viel Platz, ordentliche Reichweiten und eine inzwischen ausgereifte Modellpalette machen ihn zu einer naheliegenden Wahl für Familien, die elektrisch fahren wollen. Doch genau in diese Komfortzone fährt seit Kurzem der XPeng L03.
VW ID.4 vs. XPeng L03: Muss sich der Bestseller vor diesem neuen Elektro-SUV fürchten?
Das neue Elektro-SUV aus China ist bereits seit Juli 2026 in Deutschland bestellbar – und greift den ID.4 ziemlich direkt an. Mit 4,65 Metern ist der L03 ähnlich groß, bietet bis zu 520 Kilometer WLTP-Reichweite und kann mit maximal 236 kW laden. Besonders interessant wird es beim Preis: Los geht es bereits bei 35.600 Euro. Der günstigste ID.4 steht mit 40.580 Euro in der Liste.
Fast 5.000 Euro Unterschied also. Klingt nach einem klaren Vorteil für XPeng? Ganz so einfach ist es nicht. Denn gerade beim Platzangebot kann der VW deutlich mehr – und aktuelle Rabatte bringen den ID.4 preislich plötzlich auf L03-Niveau.
Design: Futuristischer XPeng trifft auf vertrauten VW

Optisch könnten beide Elektro-SUVs kaum unterschiedlicher an das Thema herangehen. Der ID.4 setzt auf die mittlerweile bekannte Formensprache der ID.-Familie. Rundliche Flächen, eine vergleichsweise hohe Karosserie und ein klassisches SUV-Layout machen ihn eher unauffällig. Das Design polarisiert wenig – was je nach Geschmack durchaus ein Vorteil sein kann.
Der XPeng L03 wirkt dagegen deutlich flacher und sportlicher. Die coupéartig abfallende Dachlinie und die glatte Front erinnern nicht ganz zufällig an moderne Elektro-SUVs wie das Tesla Model Y. Mit 4,65 Metern ist der Chinese knapp sieben Zentimeter länger als der 4,58 Meter lange ID.4 und mit 1,92 Metern gleichzeitig deutlich breiter. Dafür ist der L03 mit 1,60 Metern vier Zentimeter niedriger.
Wer ein klassisches Familien-SUV sucht, dürfte sich im VW schneller zuhause fühlen. Der XPeng sieht moderner und dynamischer aus, bezahlt seine sportlichere Silhouette aber zumindest teilweise mit weniger Nutzwert.
Platzangebot: Hier zeigt der ID.4, warum er ein Familien-SUV ist
Denn beim Kofferraum wird der Unterschied deutlich. Im VW ID.4 stehen 543 Liter zur Verfügung, bei umgeklappten Rücksitzen sind es bis zu 1.575 Liter. Gerade für Familien, Urlaubsfahrten oder den größeren Wocheneinkauf ist das ein starkes Argument.
Der XPeng L03 kommt trotz seiner größeren Außenmaße lediglich auf 367 Liter beziehungsweise 1.131 Liter bei umgeklappter Rückbank. Immerhin gibt es zusätzlich einen Frunk: Bei den Versionen mit Hinterradantrieb fasst dieser 89 Liter, beim Allradmodell noch 44 Liter. Unter den Rücksitzen versteckt sich außerdem eine kleine Zehn-Liter-Schublade.
Beim Platz für die Passagiere sieht es besser aus. Der L03 verfügt über 2,85 Meter Radstand und soll trotz des abfallenden Dachs ordentlich Kopf- und Beinfreiheit bieten. Trotzdem bleibt der Kofferraum ein klarer Schwachpunkt – und einer der wichtigsten Gründe, sich weiterhin für den ID.4 zu entscheiden.
Punkt für den VW.
Antrieb und Reichweite: XPeng bietet schon in der Basis ordentlich Leistung
Beim Antrieb dreht sich das Bild. Der günstigste L03 Standard Range bekommt einen 58,3-kWh-Akku und einen 180 kW beziehungsweise 245 PS starken Elektromotor an der Hinterachse. Damit sollen bis zu 445 Kilometer nach WLTP möglich sein.

Für 38.600 Euro gibt es den L03 Long Range. Die Leistung bleibt bei 245 PS, der Akku wächst aber auf 71,2 kWh und die Reichweite steigt auf bis zu 520 Kilometer. Darüber rangieren zwei Allradversionen mit 285 kW beziehungsweise 388 PS. Sie schaffen 0 auf 100 km/h in nur 4,5 Sekunden.
Der ID.4 bietet ebenfalls Heck- und Allradantrieb. Das Einstiegsmodell Pure kommt mit 140 kW beziehungsweise 190 PS und startet bei 40.580 Euro. Wer mehr Reichweite möchte, bekommt im ID.4 Pro für mindestens 46.825 Euro 210 kW Leistung und den größeren Akku. Je nach Version sind im ID.4 zwischen rund 427 und maximal 572 Kilometer WLTP-Reichweite möglich.
Damit hat VW bei der maximalen Reichweite weiterhin die Nase vorn. Beim Verhältnis aus Preis und Leistung sieht der XPeng allerdings ziemlich attraktiv aus: Schon der L03 Long Range bietet für weniger als 40.000 Euro 245 PS und 520 Kilometer Normreichweite.
Laden: Genau hier setzt der L03 den ID.4 unter Druck
Noch deutlicher wird der Unterschied an der Schnellladesäule. Der XPeng L03 Long Range und die beiden Performance-Versionen können mit maximal 236 kW laden. Laut Hersteller soll sich der Akku unter günstigen Bedingungen in rund 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen lassen. Der kleine Akku der Basisversion schafft immerhin bis zu 193 kW.
Beim ID.4 sind je nach Batterie maximal 105 beziehungsweise 165 kW möglich. Im besten Fall dauert der Schnellladevorgang bis 80 Prozent rund 26 Minuten. An der heimischen Wallbox laden beide Modelle mit bis zu 11 kW.
In der Praxis entscheidet zwar nicht allein die maximale Ladeleistung, sondern die gesamte Ladekurve. Trotzdem ist der Vorsprung des XPeng auf dem Papier beträchtlich. Wer regelmäßig Langstrecke fährt und unterwegs schnell nachladen möchte, sollte den L03 deshalb definitiv im Auge behalten.
Punkt für XPeng.
Innenraum und Technik: Der L03 fährt groß auf
Auch im Innenraum versucht XPeng, möglichst viel Auto für den Preis zu bieten. Der L03 verfügt über ein 8,9-Zoll-Fahrerdisplay, einen 15,6 Zoll großen zentralen Touchscreen und zusätzlich ein riesiges 26,8-Zoll-Head-up-Display.

Dazu kommen je nach Version beziehungsweise teilweise bereits serienmäßig elektrisch einstellbare, beheizte und belüftete Sitze, ein großes Panoramadach, eine 360-Grad-Kamera und zahlreiche Assistenzsysteme. Beim Ultra-Modell wird es mit Massagefunktion, umfangreicher KI-Hardware und einem System für teilautomatisiertes Fahren noch technischer.
Dagegen wirkt der ID.4 inzwischen fast schon konventionell. Moderne Technik gibt es auch hier reichlich, doch gerade das Infotainment und frühere Softwareprobleme gehörten bislang nicht zu den größten Stärken des VW. Dafür ist das Bedienkonzept mittlerweile bekannt und der ID.4 kein komplett neues Produkt mehr.
Für Technikfans wirkt der XPeng damit eindeutig spannender. Ob Assistenzsysteme, Bedienung und Software im europäischen Alltag tatsächlich besser funktionieren, muss sich allerdings erst noch zeigen.
Fahrverhalten: Beim VW weiß man bereits, was man bekommt
An diesem Punkt hat der ID.4 einen Vorteil, der sich nicht in einer Tabelle darstellen lässt: Er ist erprobt. In unserem Test überzeugt das Elektro-SUV mit sicherem Fahrverhalten und fährt sich trotz seines hohen Gewichts überraschend leichtfüßig. Der ID.4 ist kein besonders sportliches SUV, macht aber genau das gut, was viele Familien von ihm erwarten: unkompliziert und komfortabel von A nach B fahren.
Beim XPeng L03 steht ein ausführlicher Fahrtest dagegen noch aus. Leistungsdaten, Ladeleistung und Ausstattung sehen beeindruckend aus – wie gut Fahrwerk, Lenkung, Assistenzsysteme und Verbrauch unter realen europäischen Bedingungen funktionieren, lässt sich bislang aber noch nicht abschließend beurteilen. Der XPeng muss das in Praxistests erst noch unter Beweis stellen.
Wer heute kaufen möchte und keine Experimente machen will, hat beim ID.4 damit schlicht die größere Planungssicherheit.
Preis: Der L03 ist knapp 5.000 Euro günstiger – zumindest auf dem Papier
Beim Listenpreis sieht der XPeng wie der klare Sieger aus. 35.600 Euro kostet der L03 Standard Range. Der ID.4 Pure beginnt bei 40.580 Euro. Das sind immerhin 4.980 Euro Unterschied. Selbst der L03 Long Range mit 520 Kilometern Reichweite bleibt mit 38.600 Euro noch unter dem Listenpreis des kleinsten ID.4.

Doch hier kommt der entscheidende Haken: Listenpreise sind gerade beim VW nicht unbedingt das, was Kundinnen und Kunden tatsächlich bezahlen. Aktuell wird der ID.4 über Carwow bereits ab 35.584 Euro angeboten. Damit liegt er praktisch exakt auf dem Niveau des zukünftigen L03-Basismodells. Die verfügbaren Rabatte können den vermeintlich großen Preisvorsprung des XPeng also komplett verschwinden lassen.
Wie die Angebote aussehen, wenn XPeng im November 2026 mit den ersten Auslieferungen startet, kann sich natürlich noch ändern. Für Kaufinteressierte lohnt es sich deshalb besonders, nicht nur die offiziellen Listenpreise zu vergleichen.
Fazit: VW ID.4 kaufen oder auf den XPeng L03 warten?
Der XPeng L03 macht es dem VW ID.4 erstaunlich schwer. Er bietet viel Leistung, eine umfangreiche Ausstattung und vor allem eine deutlich höhere Schnellladeleistung. Auch 520 Kilometer Reichweite für einen Listenpreis von weniger als 40.000 Euro sind ein starkes Argument.
Trotzdem ist der ID.4 keineswegs plötzlich überholt. Sein größter Trumpf ist die Alltagstauglichkeit. Der Kofferraum ist erheblich größer, die maximale Reichweite liegt höher und das Auto ist seit Jahren auf dem Markt. Dazu kommt, dass attraktive Rabatte den VW derzeit wesentlich günstiger machen, als es der Listenpreis vermuten lässt.
Wer vor allem viel Platz benötigt, ein bewährtes Familienauto sucht und ein gutes Angebot für den ID.4 findet, macht mit dem VW weiterhin wenig falsch.
Wer dagegen moderne Technik, hohe Ladeleistung und möglichst viel Ausstattung fürs Geld möchte, sollte sich den XPeng L03 genauer ansehen – und eventuell tatsächlich noch bis zu seinem Marktstart im November warten.