Vernunft oder Größenwahn im koreanischen Elektro-Van Duell: Kia PV5 gegen Hyundai Staria!

01. August 2026 von

Elektrische Familienautos werden meistens als SUV angeboten. Wer regelmäßig mehr als fünf Personen, Kinderwagen, Fahrräder oder große Mengen Urlaubsgepäck transportieren möchte, braucht jedoch häufig etwas anderes. Genau hier kommen der Hyundai Staria Elektro und der Kia PV5 Passenger ins Spiel. Beide stammen aus Südkorea, beide setzen konsequent auf einen elektrischen Antrieb – und trotzdem verfolgen sie sehr unterschiedliche Konzepte.

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Hyundai Staria Elektro gegen Kia PV5 Passenger: Wer baut den besseren Elektro-Van?

Der Kia PV5 Passenger ist der kompaktere und preisbewusstere Pragmatiker. Er soll viel Platz auf einer noch halbwegs handlichen Grundfläche bieten und ist als Fünf-, Sechs- oder Siebensitzer erhältlich. Der Hyundai Staria Elektro fällt dagegen deutlich größer aus, bietet je nach Ausführung sieben oder neun Sitze und versteht sich eher als komfortabler Reise-Van oder elektrischer Shuttle. Doch welcher der beiden Korea-Vans macht seine Sache besser?

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

  • Hyundai Staria Elektro: 84-kWh-Akku, bis zu 400 Kilometer Reichweite, 218 PS, sieben oder neun Sitze
  • Kia PV5 Passenger: 51,5 oder 71,2 kWh, bis zu 412 Kilometer Reichweite, 122 oder 163 PS, fünf bis sieben Sitze
  • Hyundai: größer, stärker und wesentlich schneller beim Laden
  • Kia: kompakter, effizienter und deutlich günstiger erhältlich

Die Werte des Hyundai sind allerdings noch vorläufig. Das Fahrzeug ist in Deutschland noch nicht bestellbar, die endgültige Homologation steht noch aus. Der Kia wird dagegen bereits ausgeliefert und wurde von Carwow auch schon im Alltag getestet.

Design: Raumschiff trifft Elektro-Transporter

Beim Design könnten die beiden Konzernverwandten kaum unterschiedlicher auftreten. Der Hyundai Staria Elektro bleibt der ungewöhnlichen Grundform des bisherigen Staria treu. Seine stark geneigte Frontscheibe, die geschwungene Dachlinie und das nahezu fugenlose Frontdesign lassen ihn wie ein futuristisches Shuttle aussehen. Eine schmale, durchgehende Lichtleiste betont die Breite, während die geschlossene Front den Elektroantrieb sichtbar macht.

Staria-vs-PV5-Front

Mit einer Länge von 5,26 Metern, knapp zwei Metern Breite und ebenfalls fast zwei Metern Höhe ist der Staria allerdings ein echtes Großfahrzeug. Sein Radstand beträgt 3,28 Meter. Das schafft viel Platz, macht ihn in engen Innenstädten, Parkhäusern oder kleineren Stellplätzen aber nicht unbedingt unkompliziert.

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Der Kia PV5 Passenger wirkt deutlich kantiger. Seine kurze Front, die fast senkrechten Seiten und die großen Fensterflächen erinnern stärker an einen klassischen Kleinbus. Schwarze Verkleidungen an den unteren Karosserieecken unterstreichen den robusten Nutzfahrzeugcharakter. Trotzdem wirkt der PV5 nicht billig oder altmodisch, sondern bewusst funktional und modern.

Mit 4,70 Metern Länge ist der Kia rund 56 Zentimeter kürzer als der Hyundai. Auch bei Breite und Höhe bleibt er etwas kompakter. Dadurch dürfte er für Familien, die den Van täglich in der Stadt bewegen, wesentlich leichter zu handhaben sein. Der kleine Wendekreis, die kurze Motorhaube und die gute Rundumsicht verstärken diesen Eindruck.

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Zwischenfazit: Der Staria sieht spektakulärer und hochwertiger aus. Der PV5 wirkt pragmatischer, ist wegen seiner kompakteren Abmessungen aber das unkompliziertere Alltagsauto.

Akku und Reichweite: Der kleinere Kia kommt weiter

Hyundai stattet den Staria Elektro mit einer 84 kWh großen Batterie aus. Damit soll der große Van eine WLTP-Reichweite von bis zu 400 Kilometern erreichen. Angesichts der Fahrzeuggröße und der großen Stirnfläche ist das ein respektabler Wert. Es handelt sich bislang allerdings um eine Schätzung, da die endgültigen Verbrauchs- und Reichweitenwerte für Deutschland noch nicht homologiert wurden.

Seine größte Stärke zeigt der Hyundai an der Ladesäule. Dank der aus IONIQ 5, IONIQ 6 und IONIQ 9 bekannten 800-Volt-Technik soll sich der Akku unter optimalen Bedingungen in etwa 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lassen. Zuhause oder am Arbeitsplatz sind bis zu 11 kW Wechselstrom möglich. Gerade auf langen Urlaubsfahrten könnte die kurze Ladepause ein entscheidender Vorteil sein.

Beim Kia stehen zwei Batteriegrößen zur Wahl. Die Einstiegsversion nutzt einen 51,5-kWh-Akku und erreicht je nach Sitzkonfiguration 290 bis 295 Kilometer. Mit der größeren 71,2-kWh-Batterie sind bis zu 412 Kilometer im Fünfsitzer und bis zu 397 Kilometer im Sechs- oder Siebensitzer möglich.

Staria-vs-PV5-Heck

Damit fährt der PV5 auf dem Papier trotz seines kleineren Akkus etwas weiter als der Hyundai. Im Carwow-Test waren mit der großen Batterie rund 350 Kilometer realistisch. Der ermittelte Verbrauch von gut 20 kWh pro 100 Kilometer ist für einen kantigen Elektro-Van ordentlich.

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Beim Schnellladen braucht der PV5 rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Im Test erreichte er maximal etwa 126 kW. Das ist brauchbar, aber nicht außergewöhnlich schnell. Besonders auf der Langstrecke spielt der Staria mit seiner 800-Volt-Technik daher in einer anderen Liga.

Zwischenfazit: Bei Reichweite und Effizienz liegt der Kia leicht vorn. Wer häufig lange Strecken fährt, dürfte die deutlich kürzeren Ladestopps des Hyundai jedoch stärker schätzen.

Motorisierung: Der Staria ist der souveränere Reise-Van

Beim Antrieb lässt Hyundai wenig Zweifel daran, welches Fahrzeug oberhalb des anderen positioniert ist. Der Staria Elektro besitzt einen 160 kW starken Elektromotor, entsprechend 218 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 350 Nm, angetrieben werden die Vorderräder. Hyundai gibt eine Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h an.

Damit eignet sich der Sstaria nicht nur für Stadt- und Shuttle-Fahrten, sondern auch für längere Autobahnetappen. Besonders mit mehreren Passagieren und viel Gepäck dürften die zusätzlichen Leistungsreserven spürbar sein. Hinzu kommt eine gebremste Anhängelast von bis zu zwei Tonnen, wodurch sich der Hyundai auch für Wohnwagen, Bootsanhänger oder umfangreichere Freizeitausrüstung anbietet.

Der Kia PV5 Passenger ist deutlich gemütlicher abgestimmt. Mit dem kleinen Akku leistet er 122 PS, mit der großen Batterie sind es 163 PS. Beide Varianten besitzen Frontantrieb und stellen 250 Nm Drehmoment bereit. Die stärkere Ausführung beschleunigt in etwa 10,6 Sekunden auf 100 km/h, bei 135 km/h wird elektronisch abgeregelt.

Im Alltag reicht das aus. Der PV5 fährt entspannt, übersichtlich und unkompliziert. Auf der Autobahn ist die niedrige Höchstgeschwindigkeit allerdings eine klare Einschränkung – insbesondere für Käuferinnen und Käufer, die regelmäßig längere Strecken in Deutschland zurücklegen.

Zwischenfazit: Der Kia ist ausreichend motorisiert. Der Hyundai bietet aber deutlich mehr Reserven und ist der souveränere Van für Autobahn, Anhänger und volle Beladung.

Platzangebot: Zwei Vans, zwei unterschiedliche Größenklassen

Seine enorme Größe nutzt der Staria für einen besonders luftigen Innenraum. Der flache Boden, die niedrige Fensterlinie und die großflächige Verglasung sorgen für ein offenes Raumgefühl. Angeboten werden eine komfortorientierte Siebensitzer-Version und eine praktischere Ausführung mit neun Sitzen.

Im Siebensitzer nennt Hyundai rund 435 Liter Gepäckraum hinter der dritten Sitzreihe. Elektrische Schiebetüren und eine elektrische Heckklappe gehören hier zur Serienausstattung. Die Sitze der zweiten Reihe sind beheizt und belüftet. Beim Neunsitzer gibt Hyundai bis zu 1.303 Liter hinter der dritten Reihe an; verschiebbare und umklappbare Sitze ermöglichen unterschiedliche Kombinationen aus Passagier- und Gepäckraum.

Staria-vs-PV5-Ruecksitze

Der Kia PV5 Passenger ist als Fünf-, Sechs- und Siebensitzer erhältlich. Besonders eindrucksvoll ist der Fünfsitzer: Hinter der zweiten Sitzreihe stehen bis zu 1.330 Liter zur Verfügung, bei umgeklappten Sitzen sind es maximal 3.615 Liter. Im Sechs- und Siebensitzer verbleiben bei voller Bestuhlung rund 350 Liter. Maximal lassen sich hier bis zu 3.430 Liter nutzen.

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Ein Nachteil ist, dass sich die hinteren Sitze nicht vollständig ausbauen lassen. Dadurch ist der PV5 trotz seines großen Ladeabteils weniger variabel als manche klassische Großraumlimousine. Dafür bleibt er außen kompakt genug, um auch im normalen Familienalltag nicht ständig wie ein Kleinbus behandelt werden zu müssen.

Zwischenfazit: Wer neun Sitzplätze oder besonders viel Bewegungsfreiheit benötigt, kommt am Hyundai kaum vorbei. Für die meisten Familien bietet der Kia jedoch das ausgewogenere Verhältnis aus Innenraum und Außenmaßen.

Assistenzsysteme: Umfangreiche Ausstattung auf beiden Seiten

Der Hyundai Staria Elektro erhält ein umfangreiches SmartSense-Paket. Dazu gehören unter anderem ein autonomer Notbremsassistent, Spurhalte- und Spurfolgeassistent, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage und ein Autobahnassistent. Hinzu kommen je nach Ausstattung ein Totwinkelassistent, eine 360-Grad-Kamera und ein Querverkehrsassistent mit automatischer Bremsfunktion.

Praktisch für Familien und Shuttle-Betreiber ist der sogenannte Passenger-View-und-Talk-Modus. Eine Kamera überträgt den hinteren Sitzbereich auf das zentrale Display. Gleichzeitig kann die Stimme des Fahrers über die hinteren Lautsprecher verstärkt werden. So lässt sich mit Kindern oder anderen Passagieren sprechen, ohne sich umdrehen zu müssen.

Staria-vs-PV5-Innenraum

Auch der PV5 ist bereits in der Essential-Basisversion ordentlich ausgestattet. Navigation, Rückfahrkamera, Parksensoren vorn und hinten, adaptiver Tempomat und Autobahnassistent sind serienmäßig. Dazu kommen ein Frontkollisionswarner mit Notbremsfunktion, Spurhalteassistent und intelligente Verkehrszeichenerkennung. Höhere Ausstattungslinien können unter anderem einen aktiven Totwinkelassistenten und eine Rundumsichtkamera mitbringen.

Im Carwow-Test zeigte der Kia allerdings kleinere Schwächen. Vor allem der Fernlichtassistent reagierte nicht immer überzeugend, auch die Ladeplanung könnte intuitiver funktionieren. Auf dem Papier ist der PV5 damit sehr gut aufgestellt, bei der Feinabstimmung bleibt aber noch Verbesserungspotenzial. Allerdings können wir auch noch nicht sagen, wie sich der Staria in der Praxis schlagen wird.

Zwischenfazit: Beide Vans bieten moderne Assistenztechnik. Hyundai ergänzt sie um einige besonders familienfreundliche Funktionen, während Kia bereits in der Basis viel serienmäßig liefert.

Preis: Hier hat Kia den entscheidenden Vorsprung

Beim Preisvergleich besitzt der Kia einen großen Vorteil: Er ist bereits erhältlich. Der Fünfsitzer mit 51,5-kWh-Batterie startet laut aktueller Preisliste bei 38.390 Euro. Die Version mit 71,2 kWh kostet mindestens 42.390 Euro.

Damit ist der PV5 für einen elektrischen Van mit seinem Platzangebot erstaunlich zugänglich. Besonders die Variante mit großem Akku dürfte für Familien interessant sein, weil sie eine brauchbare Langstreckenreichweite mit einem weiterhin moderaten Listenpreis kombiniert.

Für den Hyundai Staria Elektro wurde dagegen noch kein deutscher Preis veröffentlicht. Obwohl ursprünglich ein Verkaufsstart in der ersten Hälfte des Jahres 2026 angekündigt war, weist Hyundai Ende Juli 2026 weiterhin darauf hin, dass der Elektro-Van in Deutschland noch nicht zum Verkauf steht. Eine faire direkte Preisbewertung ist daher momentan nicht möglich. Zur Einordnung kann man sich den schon erhältlichen Staria Hybrid 7-Sitzer ansehen – hier startet der Preis ab knapp 59.000 Euro. Dementsprechend wird das Elektromodell wohl noch etwas teurer sein.

Aufgrund der größeren Batterie, der 800-Volt-Technik, der höheren Leistung und der aufwendigeren Komfortausstattung ist jedoch klar, dass der Staria in einer höheren Klasse antritt. Der Hyundai muss deshalb nicht unbedingt günstiger sein als der Kia – er muss den Aufpreis vielmehr durch mehr Raum, Leistung und Reisekomfort rechtfertigen.

Fazit: Wer baut den besseren Elektro-Van?

Der Kia PV5 Passenger ist der vernünftigere Elektro-Van. Er bietet viel Platz, bis zu sieben Sitze, eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern und eine umfangreiche Basisausstattung zu einem vergleichsweise attraktiven Preis. Gleichzeitig bleibt er kompakt genug, um im Alltag nicht unnötig sperrig zu wirken. Für Familien, die von einem SUV auf einen wirklich praktischen Stromer umsteigen möchten, ist er derzeit das überzeugendere Gesamtpaket.

Der Hyundai Staria Elektro ist dagegen das beeindruckendere Fahrzeug. Er bietet mehr Leistung, bis zu neun Sitze, eine hohe Anhängelast und eine wesentlich schnellere 800-Volt-Ladetechnik. Sein großer, loungeartiger Innenraum macht ihn besonders für lange Reisen, große Familien oder Shuttle-Dienste interessant. Dafür ist er deutlich größer – und sehr wahrscheinlich auch deutlich teurer.

Damit fällt das Ergebnis zweigeteilt aus: Der Hyundai Staria Elektro macht den besseren großen Reise-Van. Der Kia PV5 Passenger macht jedoch den besseren Elektro-Van für den normalen Familienalltag. Solange Hyundai keinen Preis nennt, geht der Gesamtsieg deshalb knapp an Kia.