China-Technik gegen Opel: Welches günstige Elektro-SUV ist wirklich besser?
17. Juli 2026 von Irene Wallner
Der Leapmotor B03X kostet weniger als der Opel Frontera Electric, bietet mehr Leistung und ein moderneres Cockpit – doch für Familien könnte ausgerechnet der teurere Opel die vernünftigere Wahl sein.
Leapmotor B03X vs. Opel Frontera Electric: Welches günstige Elektro-SUV ist besser?
Wieder mal ein weiteres China-SUV, das sich gegen ein deutsches Modell durchsetzen muss? So einfach ist es in diesem Fall nicht, denn der Leapmotor hat einiges zu bieten. Ob es reicht, um gegen den Frontera-e zu gewinnen, werden wir am Ende sehen.
Warum Leapmotor und Opel enger verbunden sind, als es scheint
Auf den ersten Blick tritt hier ein chinesischer Newcomer gegen eine traditionsreiche deutsche Marke an. Ganz so weit liegen beide Unternehmen aber nicht auseinander. Opel gehört zum Stellantis-Konzern, während Stellantis seit Oktober 2023 rund 21 Prozent an Leapmotor hält und damit dessen größter Einzelaktionär ist. Zusätzlich betreiben beide Unternehmen das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International, an dem Stellantis 51 Prozent und Leapmotor 49 Prozent hält. Es kümmert sich außerhalb Großchinas um Export, Vertrieb und Herstellung der Leapmotor-Modelle.
Deshalb werden Leapmotor-Fahrzeuge in Europa über das Stellantis-Netz verkauft und gewartet, zu dem auch zahlreiche Opel-Standorte gehören. Der B03X und der Frontera Electric sind deshalb aber noch lange keine baugleichen Konzernbrüder. Die Verbindung betrifft derzeit vor allem Beteiligung, Vertrieb, Service und künftig eine stärkere Zusammenarbeit bei Produktion und Komponenten.
Design: freundlich oder robust?

Der 4,27 Meter lange Leapmotor B03X wirkt rund, glatt und eher zurückhaltend. Seine geschlossene Front, schmalen Leuchten und weichen Flächen passen zum modernen Elektroauto-Look, ohne besonders aggressiv aufzutreten. Erst am Heck wird er verspielter: Die Grafik der Rückleuchten erinnert beinahe an ein lächelndes Gesicht. Insgesamt ist der B03X das freundlichere und urbanere Auto.
Der 4,39 Meter lange Opel Frontera Electric setzt dagegen bewusst auf robuste SUV-Optik. Eine aufrechte Front, der schwarze Opel Vizor, kräftig modellierte Radhäuser und eine markante C-Säule lassen ihn kantiger und größer erscheinen. Er wirkt weniger futuristisch, dafür stärker nach Familienauto und Freizeit.
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Beim Design gibt es damit keinen eindeutigen Sieger: Der Leapmotor sieht moderner und gefälliger aus, der Opel selbstbewusster und robuster.
Platzangebot: Hier zahlt sich die Opel-Größe aus
Trotz seiner kompakteren Abmessungen nutzt der Leapmotor den vorhandenen Raum erstaunlich gut. Sein Radstand misst 2,61 Meter, weshalb auch Erwachsene im Fond ordentlich Knie- und Kopffreiheit bekommen. Hinzu kommen 33 Ablagemöglichkeiten, ein 15 Liter großer Frunk und ein auswaschbares Fach unter dem Kofferraumboden.

Der Kofferraum fasst 407 Liter, mit umgeklappter Rückbank sind es 1.358 Liter. Dabei entsteht eine ebene Ladefläche. Weniger familienfreundlich ist, dass hinten Luftausströmer, Mittelarmlehne und Becherhalter fehlen. Auch auf einen Heckscheibenwischer verzichtet Leapmotor.
Der Frontera ist rund zwölf Zentimeter länger und hat mit 2,67 Metern den größeren Radstand. Zwei Erwachsene sitzen hinten bequem, und die hohe Karosserie schafft reichlich Kopffreiheit. Sein Gepäckraum bietet 460 Liter, bei umgeklappten Lehnen bis zu 1.600 Liter. Eine wirklich ebene Ladefläche gibt es allerdings nur mit dem variablen Ladeboden in der oberen Position.
Für Kinderwagen, Urlaubsgepäck oder größere Einkäufe ist der Opel damit klar praktischer. Sieben Sitze sind beim elektrischen Frontera allerdings nicht verfügbar – diese Option bleibt den Versionen mit Verbrennungsmotor vorbehalten.
Punkt beim Platzangebot: Opel Frontera Electric.
Innenraum und Ausstattung: Bildschirm gegen Knöpfe
Im B03X bekommst du für wenig Geld erstaunlich viel Technik. Vor dem Fahrer sitzt ein 8,8-Zoll-Display, in der Mitte ein großer 14,6-Zoll-Touchscreen. Kabelloses Smartphone-Laden, vernetzte Funktionen und Software-Updates aus der Ferne gehören ebenfalls zum modernen Auftritt. Viele Oberflächen fühlen sich weich an, weshalb der Innenraum nicht wie ein typisches Billigauto wirkt.
Der Nachteil: Leapmotor verlagert fast alle Funktionen auf den Touchscreen. Selbst die Klimatisierung wird digital bedient. Das sieht aufgeräumt aus, kann während der Fahrt aber umständlicher sein. Nur am Lenkrad bleiben einige physische Tasten erhalten.

Opel geht beinahe den entgegengesetzten Weg. Im Frontera dominieren robuste Kunststoffe, klare Formen und physische Bedienelemente. In der Basis dient das eigene Smartphone als Infotainment-Zentrale; ein 10-Zoll-Touchscreen mit Navigation ist je nach Ausstattung oder Paket erhältlich. Optional gibt es außerdem Intelli-Sitze, Klimaautomatik, ein beheizbares Lenkrad, eine Rückfahrkamera und kabelloses Smartphone-Ladestation.
Der Leapmotor gewinnt bei Displaygröße, Serienausstattung und wahrgenommener Wertigkeit. Der Opel punktet mit einfacher Bedienung und einem Cockpit, das weniger Eingewöhnung verlangt.
Punkt bei Innenraum und Ausstattung: Leapmotor B03X.
Reichweite und Akku: Opel fährt weiter, Leapmotor lädt schneller
Leapmotor bietet zwei Batteriegrößen an. Der B03X Pro besitzt einen 39,8-kWh-LFP-Akku und schafft 292 Kilometer nach WLTP. Im ProMax stecken 53 kWh, womit die Reichweite auf 382 Kilometer steigt. Geladen wird mit maximal 100 beziehungsweise 133 kW. Die große Batterie soll in rund 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent kommen. Wechselstrom lädt der B03X serienmäßig mit 11 kW.
Auch den Frontera Electric gibt es mit zwei Akkus. Die kleinere Version besitzt 44 kWh nutzbare Kapazität und erreicht bis zu 305 Kilometer. Der Extended Range kommt mit einer 54-kWh-Batterie beziehungsweise rund 52 kWh nutzbarer Kapazität auf bis zu 408 Kilometer. Damit gewinnt der Opel den reinen Reichweitenvergleich.

An der Schnellladesäule dreht sich das Bild. Der Frontera schafft maximal 100 kW und benötigt ungefähr eine halbe Stunde, um den Akku von 20 auf 80 Prozent zu laden. Der Leapmotor erreicht mit dem großen Akku nicht nur eine höhere Spitzenleistung, sondern absolviert seinen Ladestopp laut Hersteller auch schnell.
Wer möglichst weit ohne Pause fahren möchte, profitiert vom Opel. Wer kürzere Ladestopps und serienmäßiges dreiphasiges AC-Laden bevorzugt, ist mit dem Leapmotor besser bedient.
Punkt bei der Reichweite: Opel.
Punkt beim Laden: Leapmotor.
Preis: Der Leapmotor setzt Opel unter Druck
Der Leapmotor B03X startet bei 24.900 Euro. Der Opel Frontera Electric kostet mindestens 29.540 Euro, die Versionen mit größerer Batterie beginnen bei 31.740 Euro. Schon zwischen den Basismodellen liegen damit 4.640 Euro.
Für diesen Aufpreis bietet der Opel vor allem mehr Kofferraum, die größere maximale Reichweite und eine konventionellere Bedienung. Der Leapmotor liefert dagegen mehr Leistung, mehr Bildschirmfläche, die umfangreichere Grundausstattung und schnelleres Laden zum niedrigeren Preis. Seine mindestens 177 PS stehen den gemütlichen 113 PS des Frontera gegenüber.
Punkt beim Preis-Leistungs-Verhältnis: Leapmotor B03X.

Fazit: Welches günstige Elektro-SUV ist besser?
Der Leapmotor B03X ist der überraschende Preis-Leistungs-Sieger. Er ist günstiger, deutlich stärker, innen moderner und trotz der kleineren Karosserie erstaunlich geräumig. Für Paare, Pendler und kleine Familien ist er das spannendere Angebot.
Der Opel Frontera Electric bleibt jedoch der bessere Pragmatiker. Sein größerer Kofferraum, die höhere maximale Reichweite und die unkomplizierte Bedienung machen ihn zum überzeugenderen Familienauto. Wer jeden Euro umdreht, nimmt den Leapmotor. Wer regelmäßig mit Kindern und viel Gepäck unterwegs ist, dürfte mit dem Opel langfristig glücklicher werden.