Alle reden über Cupra – doch dieses Auto ist besser: Cupra Raval vs. Ford Puma Gen-E, wir sind beide gefahren

18. Juni 2026 von

Der Cupra Raval gehört zu den am meisten erwarteten Elektroautos der letzten Jahre. Sportliches Design, moderne Software, flotte Fahrleistungen und ein Preis, der den Einstieg in die Elektromobilität erleichtern soll. Die Erwartungen sind entsprechend hoch.

Doch nach den ersten Fahreindrücken stellt sich eine interessante Frage: Ist der Raval wirklich so revolutionär, wie Cupra ihn darstellt?

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Denn während meiner Testfahrt mit dem Raval erinnert mich vieles von dem, was den Spanier auszeichnet, an den Ford Puma Gen-E, den ich letztes Jahr ebenfalls gefahren bin.

Und während der Ford zum Marktstart für meinen Geschmack noch viel zu teuer war, hat sich das Blatt inzwischen gewendet: Mit neuen Rivalen rund um VW ID.Polo, Skoda Epiq und Cupra Raval musste Ford die Preise attraktiver gestalten – und plötzlich steht der Puma Gen-E als günstigere Alternative da.

Vor allem deshalb, weil er neben dem Preis auch in anderen Bereichen sogar die besseren Karten hat. Grund genug, beide miteinander zu vergleichen.

Der Cupra sieht spektakulärer aus – keine Frage

Optisch gewinnt der Cupra Raval bei den meisten Menschen diesen Vergleich ziemlich eindeutig.

Schon als Prototyp wirkte der Cupra nicht wie ein weiterer umgelabelter VW-Konzern-Bruder. Genau das ist Cupras Stärke: Die Marke versteht es wie kaum eine andere, Emotionen in ein Auto zu packen. Aggressive Linien, markante Lichtsignaturen und ein Auftritt, der deutlich teurer wirkt als der Preis vermuten lässt.

Der Ford Puma Gen-E geht einen anderen Weg. Er basiert auf einem bekannten Konzept, sieht deutlich konservativer, rundlicher und insgesamt niedlicher aus. Die Elektroversion übernimmt die vertraute Puma-Silhouette und wirkt eher wie eine Evolution als eine Revolution.

Das bedeutet aber nicht, dass der Ford langweilig aussieht. Er ist modern, kompakt und durchaus schick. Nur eben ohne die optische Extravaganz des Cupra. Ich muss zugegeben, mich holt die zurückhaltende Optik des Pumas mehr ab als die Aggressivität des Cupras.

Innenraum: Viel Show beim Cupra, viel Vernunft beim Ford

Im Innenraum setzt sich dieses Bild zunächst fort.

Der Cupra inszeniert sich regelrecht. Ambientebeleuchtung, Projektionen in den Türen, ein futuristisches Cockpit und das neue Android-basierte Infotainment-System sorgen für einen modernen Eindruck. Die Türverkleidungen sehen besonders gelungen aus und insgesamt wirkt alles bewusst sportlich und jung.

Allerdings merkt man schnell, dass hinter der schicken Fassade auch viel Hartplastik steckt. Zudem verzichtet Cupra auf physische Tasten und setzt ausschließlich auf Touch-Bedienung inklusive der nervigen Touchslider. Das mag auf dem Messestand beeindruckend aussehen, im Alltag nervt es jedoch häufiger als nötig.

Genau hier zeigt der Ford Puma Gen-E, dass Innovation nicht zwangsläufig bedeutet, alles neu zu erfinden. Auch der Ford bietet ein beinahe komplett digitales Cockpit mit großem 12-Zoll-Touchscreen und 12,8-Zoll-Instrumentendisplay. Das System läuft flüssig, unterstützt kabelloses Apple CarPlay und Android Auto und bleibt dabei einfach zu bedienen. Wie beim Cupra sind die echten Lenkradtasten im Alltag Gold wert. Dazu bietet er 4 physische Tasten mehr unter dem Touchscreen, darunter ein Drehregler für die Lautstärke und eine Taste für die Parkkameras.

Die Vorteile des Pumas stecken im Detail: Der tiefer positionierte Touchscreen ist besser zu bedienen als das aufgesetzte Display bei Cupra. Die daraus folgende Anordnung der Luftauslässe, die beim Cupra unter dem Touchscreen liegen, pusten im Raval unangenehm gegen den Arm am Lenkrad. Beim Ford sind sie oberhalb angebracht und können für eine bessere Belüftung sorgen.

Der Ford wirkt vielleicht weniger spektakulär, aber insgesamt durchdachter.

Praktikabilität: Der Ford schlägt zurück

Der Cupra überrascht mit einem Kofferraumvolumen von 441 Litern. Für ein Elektroauto dieser Größe ist das beeindruckend. Spätestens beim Öffnen des sehr tief ragenden Kofferraums bei Cupra Raval, VW ID.Polo und Skoda Epiq, werde ich zwangsläufig an die “Gigabox” des Ford Puma Gen-E erinnert.

Auf enorme 523 Liter Kofferraumvolumen bringt es der Ford Puma Gen-E dank seiner Gigabox. Da ist noch nicht Schluss: Optional gibt es im Zubehör noch einen 43 Liter großen Frunk als Plastik-Einbaufach für den Motorraum. Damit gehört der Puma Gen-E zu den praktischsten Fahrzeugen seiner Klasse.

Auch im Innenraum punktet der Ford mit cleveren Ablagen und einer insgesamt sehr alltagstauglichen Gestaltung. Er liefert größere Ablagen für Handy, Schlüssel und andere Kleinteile, während die Mittelkonsole des Cupra Raval ziemlich ‘zugebaut’ aussieht.

Der Raval macht hier einen guten Job. Der Puma macht ihn einfach noch ein bisschen besser.

Reichweite und Laden: Überraschend ausgeglichen

Auf dem Papier liegt der Cupra leicht vorn.

Mit der großen 52 kWh (netto) Batterie sind bis zu 450 Kilometer WLTP-Reichweite möglich. Während meiner Testfahrt waren mit dem 226-PS-Modell rund 315 Kilometer reale Reichweite drin.

Allerdings gibt es einen Haken: Die Basisversion startet mit einer kleinen 37 kWh (netto) Batterie und lädt lediglich mit 50 kW. Das wirkt bereits heute eher ziemlich veraltet. Auch die mittlere Variante mit 88 kW Ladeleistung überzeugt nicht vollständig. Erst die größere Batterie bringt akzeptable 105 kW Ladeleistung.

Der Ford Puma Gen-E liefert mit 46,8 kWh (netto) etwas weniger Batteriekapazität und kommt auf eine WLTP-Reichweite von 417 km. Gleiches gilt für die maximale Ladeleistung von 100 kW, die knapp unter dem Raval liegt.

In Summe liefert der Raval in der größeren Batterieversion etwas mehr. Der Reichweiten-Vorteil des Raval liegt im Alltag bei rund 30 Kilometern. Dazu gibt es beim Cupra Vehicle-to-Load (V2L) – nur, benutzt das tatsächlich jemand?

Angesichts dessen, dass der Puma Gen-E aber schon seit 2024 am Markt ist, hätte ich größere Unterschiede erwartet.

Fahrspass: Der Cupra will Sportwagen sein, der Ford muss gar nichts beweisen

Hier wird es besonders interessant. Der Cupra Raval tritt mit einem klaren Performance-Anspruch an. Direkte Lenkung, tiefergelegtes Fahrwerk, bis zu 226 PS im VZ-Modell und sogar ein elektronisches Sperrdifferenzial sollen für Fahrspaß sorgen.

Und tatsächlich macht der Raval auf kurvigen Straßen zunächst einen hervorragenden Eindruck. Er lenkt präzise ein, wirkt agil und fährt sich deutlich dynamischer als viele andere Kleinwagen.

Doch dann taucht das Problem auf, das sich durch meine gesamte Testfahrt zieht. Der Frontantrieb ist mit den 290 Nm Drehmoment schlicht überfordert.

Bereits beim Ampelstart kämpft der Raval um Traktion. Am Kurvenausgang schiebt er deutlich über die Vorderachse, die Assistenzsysteme greifen früh ein und das elektronische Sperrdifferenzial kann die Physik letztlich auch nicht überlisten. Anders gesagt: Der Raval sieht sportlicher aus, als er sich tatsächlich fährt.

Hinzu kommt das straffe Fahrwerk, das selbst im Komfortmodus recht poltrig wirkt und unnötig viel Restkomfort kostet.

Der Ford Puma Gen-E verfolgt einen deutlich entspannteren Ansatz mit 168 PS. Damit gelingt ihm der Mix aus Fahrspaß und Komfort am Ende besser. Er versucht gar nicht erst, ein kleiner Hot Hatch zu sein. Trotzdem fühlt er sich keineswegs unsportlich an. Die Lenkung arbeitet präzise, das Fahrwerk wirkt ausgewogener und er fährt kaum unsportlicher als der Raval. Dabei muss selbst der Ford schon gegen die Grenzen seines Frontantriebs ankämpfen.

Am Ende entsteht ein überraschender Eindruck: Der Ford macht beinahe genau so viel Spaß, liefert aber deutlich mehr Komfort.

Fazit: Der Cupra ist cooler, der Ford überzeugender

Der Cupra Raval ist ein gutes Elektroauto. Er sieht fantastisch aus, bietet moderne Software, einen großen Kofferraum und fährt sich angenehm agil. Wer ein stylisches Stadtauto mit emotionalem Design sucht, wird hier glücklich.

Er ist aber lange nicht so revolutionär wie erwartet. Beinahe alles, womit der Raval punkten kann, gab es schon seit zwei Jahren beim Puma – nur war das lange zu teuer.

Die Android-Software, das digitale Cockpit, das One-Pedal-Driving, die moderne Konnektivität und der praktische Alltagsnutzen – all das gibt es beim Ford Puma Gen-E bereits. Und teilweise sogar in der besseren Umsetzung.

Nachdem der Puma Gen-E preislich deutlich attraktiver geworden ist, entwickelt er sich vom Außenseiter zum Geheimtipp. Er bietet mehr Praktikabilität, eine angenehmere Bedienung und fährt sich im Alltag ausgewogener.

Nur wenn 5 kWh Batteriekapazität, 5 kW Ladeleistung und Vehicle-to-Load (V2L) für dich wichtiger als viel Platz und über 2.000 € Ersparnis sind, hat der Raval die Nase vorn. Den besseren Deal bietet aktuell jedoch knapp der Ford.

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