Nordische Gelassenheit trifft schwäbischen Luxus: Volvo EX60 vs Mercedes GLC EQ im Elektro-SUV Vergleich!
09. Juni 2026 von Irene Wallner
Der Volvo EX60 und der Mercedes GLC mit EQ Technologie treffen ziemlich genau dort aufeinander, wo es im Premium-Segment gerade spannend wird: elektrische Mittelklasse-SUVs mit großer Reichweite, viel Leistung und dem Anspruch, nicht nur technisch zu überzeugen, sondern auch als echtes Familienauto zu funktionieren. Beide setzen auf 800-Volt-Technik, beide bieten kräftige Elektromotoren und beide wollen zeigen, dass ein Elektro-SUV nicht nur vernünftig, sondern auch begehrenswert sein kann.
Trotzdem gehen Volvo und Mercedes sehr unterschiedlich an die Sache heran. Der EX60 wirkt sachlicher, reduzierter und fast schon nordisch unaufgeregt. Er will nicht auffallen, sondern mit Reichweite, Effizienz und Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Der GLC mit EQ Technologie spielt dagegen stärker die klassische Premium-Karte: großer Auftritt, viel Display-Fläche, viel Prestige und ein Innenraum, der bewusst luxuriöser wirken soll.
Volvo EX60 gegen Mercedes GLC mit EQ Technologie: Ein Vergleich
Die beiden Modelle bedienen demnach unterschiedliche Anforderungen und Wünsche – gibt es überhaupt einen Sieger in diesem Duell?
Design: Volvo zurückhaltend, Mercedes selbstbewusst
Beim Design zeigt sich der größte Unterschied sofort. Der Volvo EX60 bleibt klar als Volvo erkennbar: glatt, sachlich, modern und ohne übertriebene Showeffekte. Er trägt die bekannte schwedische Designsprache weiter, wirkt aber weniger verspielt als manche Konkurrenten. Das passt gut zum Charakter des Autos: Der EX60 möchte nicht laut auftreten, sondern souverän.
Besonders interessant ist, dass Volvo trotz Elektroplattform nicht versucht, das SUV künstlich futuristisch wirken zu lassen. Der EX60 bleibt ein geradliniges Familien-SUV mit Premium-Anspruch.

Der Mercedes GLC mit EQ Technologie geht einen anderen Weg. Mercedes entfernt sich bewusst von der sehr glatten EQ-Optik früherer Modelle und nähert den elektrischen GLC optisch wieder stärker dem klassischen Verbrenner-GLC an. Vorne gibt es einen präsenten Grill mit Stern, Chrom und deutlich mehr Status-Symbolik.
Im direkten Vergleich ist der Volvo also das dezentere Auto, der Mercedes das auffälligere. Wer Understatement mag, dürfte sich im EX60 wohler fühlen. Wer möchte, dass das Auto schon auf den ersten Blick auffällt, wird eher zum GLC EQ tendieren.
Innenraum: Minimalismus gegen Hyperscreen
Auch innen bleiben beide Marken ihrer Linie treu. Der Volvo EX60 setzt auf ein minimalistisches, aufgeräumtes Cockpit. Positiv ist, dass Volvo wieder ein separates Fahrerdisplay verbaut. Dazu kommt ein 15-Zoll-Touchscreen im Querformat, der besser erreichbar und ablesbar sein soll als die Hochformat-Lösung anderer Volvo-Modelle. Außerdem gibt es physische Knöpfe für Lautstärke und einige Grundfunktionen. Das klingt banal, ist im Touchscreen-Zeitalter aber ein echter Pluspunkt.

Ganz ohne Kritik geht es trotzdem nicht. Viele alltägliche Funktionen laufen weiterhin über den Bildschirm, darunter auch die Klimasteuerung und die Lüftungsdüsen. Das kann im Alltag nerven, besonders während der Fahrt. Die Materialqualität wirkt überwiegend hochwertig, mit weichen Oberflächen und Stoffen wie Nordico und Holz-Akzenten.
Der Mercedes GLC mit EQ Technologie hat optisch deutlich mehr zu bieten. Der Hyperscreen kann sich fast über die gesamte Breite des Armaturenbretts ziehen, die Materialien wirken hochwertig und die Verarbeitung soll auf sehr hohem Niveau liegen. Mercedes bringt außerdem klassische Walzen und Wippen am Lenkrad zurück, nachdem rein touchbasierte Bedienkonzepte viel Kritik bekommen hatten.
Der Haken: Der Mercedes ist technisch vollgepackt und dadurch komplex. MBUX, Google-Dienste, KI-Sprachassistent, Streaming-Apps, Ambientebeleuchtung, optionale Extras und viele Untermenüs sorgen für ein beeindruckendes, aber nicht unbedingt simples Bedienkonzept. Der Volvo wirkt dagegen ruhiger und leichter verständlich, auch wenn bei ihm auch nicht alles perfekt ist.
Platz und Alltag: Beide familientauglich
Beide SUVs sind klar als Familienautos ausgelegt. Der Volvo EX60 bietet viel Platz in der zweiten Reihe, einen Radstand von fast drei Metern und ein Kofferraumvolumen von bis zu 1.647 Litern bei umgeklappten Rücksitzen. Zusätzlich gibt es einen 58-Liter-Frunk. Das Kofferraumvolumen bei aufgestellter Rückbank liegt bei 523 – gut gerüstet für Kinderwagen, Urlaubsgepäck und Alltagseinkäufe.

Der Mercedes GLC EQ ist mit 4,85 Metern Länge etwas größer als der Volvo und bietet 570 Liter Kofferraumvolumen, maximal 1.740 Liter und einen sehr großen Frunk mit 128 Litern. Das ist besonders praktisch, weil Ladekabel dort sauber getrennt vom Gepäck verstaut werden können. Auch der Fond profitiert vom längeren Radstand, die Beinfreiheit soll gegenüber dem bisherigen GLC spürbar zulegen.
Beim reinen Nutzwert hat der Mercedes damit leichte Vorteile, vor allem wegen des größeren Frunks und des größeren Ladevolumens. Der Volvo bleibt aber ebenfalls sehr familientauglich und dürfte mit seinem klareren Innenraumkonzept für manche im Alltag sogar angenehmer wirken.
Assistenzsysteme: Volvo mit Sicherheitsfokus, Mercedes mit Hightech-Paket
Volvo und Sicherheit gehören traditionell zusammen, und auch der EX60 soll mit einem umfangreichen Paket an Assistenzsystemen kommen. Dazu zählen unter anderem adaptive Abstands- und Spurhalteassistenten, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung und automatische Sicherheitsfunktionen. Einige Systeme sollen bis zu mittleren Autobahngeschwindigkeiten aktive Lenkunterstützung bieten. Offizielle Euro-NCAP-Ergebnisse liegen noch nicht vor, die Plattform und die serienmäßigen Systeme deuten aber auf ein hohes Sicherheitsniveau hin.
Der Mercedes GLC EQ fährt ebenfalls mit einem breiten Assistenzpaket vor. Serienmäßig sind unter anderem aktiver Spurhalte- und Totwinkelassistent, Notbrems- und Ausweichassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie adaptive Geschwindigkeitsregelung an Bord. Optional kommen Travel Assist und Remote Park Assist hinzu. Dazu gibt es das bekannte Pre-Safe-System, das vor einem drohenden Unfall Schutzmaßnahmen einleiten kann.
Hier ist der Vergleich weniger eindeutig. Volvo punktet mit seinem Sicherheitsimage und einem voraussichtlich sehr umfangreichen Serienpaket. Mercedes wirkt stärker auf Hightech, Vernetzung und Komfortassistenz ausgelegt. Wer Assistenzsysteme möglichst intuitiv und unaufgeregt möchte, könnte beim Volvo besser aufgehoben sein. Wer möglichst viele Funktionen und Komfort-Extras will, dürfte den Mercedes spannender finden.
Akku und Reichweite: Volvo mit dem größeren Spektrum
Beim Akku- und Reichweitenkapitel wird der Volvo EX60 besonders stark. Zum Start gibt es drei Batterie- und Motor-Kombinationen: Der P6 nutzt eine 80-kWh-Batterie, der P10 kommt mit 92 kWh, das Topmodell P12 mit 112 kWh. Die WLTP-Reichweiten liegen bei bis zu 620 km im P6, 660 km im P10 und 810 km im P12. Damit bietet der EX60 in der Spitze mehr Reichweite als der Mercedes.
Der Mercedes GLC 400 4MATIC mit EQ Technologie hat eine nutzbare Batteriekapazität von 94 kWh. Laut Mercedes sollen bis zu 713 km WLTP möglich sein.

Beim Laden sind beide sehr stark. Der Volvo EX60 setzt serienmäßig auf 800-Volt-Technik und erreicht bis zu 370 kW DC-Ladeleistung. Der Akku soll von 10 auf 80 Prozent in 18 Minuten geladen werden können. AC-Laden ist dreiphasig mit 22 kW möglich.
Der Mercedes GLC EQ nutzt ebenfalls 800-Volt-Technik, lädt mit bis zu 330 kW DC und soll in zehn Minuten Strom für bis zu 303 km Reichweite nachladen können. AC-Laden ist typischerweise mit 11 kW möglich, optional auch mit 22 kW. Außerdem ist der GLC technisch für bidirektionales Laden vorbereitet – der Volvo unterstützt das aber ebenfalls.
Motorisierung: Volvo bietet mehr Auswahl, Mercedes startet stark
Beim Antrieb hat Volvo zum Start die breitere Auswahl. Der EX60 kommt als P6 mit 275 kW beziehungsweise 374 PS und Heckantrieb, als P10 mit 375 kW beziehungsweise 510 PS und Allradantrieb sowie als P12 AWD mit 500 kW beziehungsweise 680 PS. Schon das Basismodell schafft 0 auf 100 km/h in 5,9 Sekunden, der P10 braucht 4,6 Sekunden und der P12 nur 3,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen Versionen bei 180 km/h.
Der Mercedes GLC EQ startet zunächst als GLC 400 4MATIC mit 360 kW beziehungsweise 489 PS. Zwei Elektromotoren sorgen für Allradantrieb, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h. Mercedes plant weitere Versionen mit kleinerem Akku, Hinterradantrieb und weniger Leistung sowie später auch ein AMG-Modell.
Damit ist der Volvo aktuell flexibler aufgestellt: Es gibt eine günstigere, effizientere Einstiegsversion, ein starkes Mittelmodell und eine sehr leistungsstarke Topversion. Der Mercedes startet dagegen direkt als kräftiger Allradler, aber mit weniger Auswahl. Dafür bietet er eine höhere Höchstgeschwindigkeit und ein technisches Detail, das für Effizienz sorgen kann: Der vordere Elektromotor lässt sich bei gleichmäßiger Fahrt abkoppeln.
Preis: Mercedes ist im Gesamten teurer
Die Preisspanne beim Volvo liegt zwischen 62.990 und 78.790 Euro. Das Basismodell P6 startet bei 62.990 Euro, der P10 bei 65.990 Euro und der P12 AWD bei 71.990 Euro. Damit kostet selbst die 680-PS-Version des Volvo nur knapp 4.000 Euro mehr als der Mercedes GLC 400 4MATIC mit EQ Technologie.
Der Mercedes GLC EQ liegt in der Basis bei knapp 67.700 Euro, für die AMG Line bei knapp 72.000 Euro – allerdings ist aktuell nur der 400 4MATIC zu bekommen.
Das macht den Volvo aus Preis-Leistungs-Sicht sehr stark. Wer maximale Reichweite, hohe Ladeleistung und viel Performance sucht, bekommt beim EX60 auf dem Papier mehr fürs Geld. Der Mercedes rechtfertigt seinen Aufpreis eher über Markenprestige, Innenraumwirkung, Komfortoptionen und den luxuriöseren Auftritt.
Fazit: Volvo für Effizienz und Preis, Mercedes für Luxus und Prestige
Der Volvo EX60 ist in diesem Vergleich die rationalere Wahl, ohne langweilig zu sein. Er bietet sehr hohe Reichweiten, extrem schnelles Laden, starke Motorisierungen und einen attraktiveren Einstiegspreis. Besonders spannend ist, dass Volvo nicht nur mit der Topversion glänzt, sondern schon das Basismodell mit 374 PS, 620 km WLTP-Reichweite und 800-Volt-Technik ziemlich überzeugend wirkt. Wer ein modernes, familientaugliches Elektro-SUV mit viel Reichweite und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, sollte den EX60 sehr ernst nehmen.
Der Mercedes GLC mit EQ Technologie ist dagegen das emotionalere und luxuriösere Auto. Er wirkt innen edler, außen prestigeträchtiger und bringt mehr klassische Mercedes-Werte mit: Komfort, Status, hochwertige Verarbeitung und ein sehr technisches Infotainment-Erlebnis. Gleichzeitig ist er teurer, komplexer in der Bedienung und beim Laden sowie bei der maximalen Reichweite knapp hinter dem Volvo.