Gleicher Name, völlig anderes Auto: Welcher VW Tiguan überzeugt mehr – Elektro oder Verbrenner?
15. Oktober 2026 von Irene Wallner
Volkswagen macht aus seinem Bestseller Tiguan eine ganze Modellfamilie. Neben dem bekannten SUV mit Benzin-, Diesel- und Hybridantrieb steht künftig auch der rein elektrische VW ID. Tiguan. Der löst den bisherigen ID.4 ab und soll vor allem mit einem neuen Design, mehr Komfort und bis zu 600 Kilometern Reichweite überzeugen.
VW ID. Tiguan gegen VW Tiguan: Der Elektro-SUV ist größer – aber ist er auch besser?
Dabei gibt es einige überraschende Unterschiede zwischen den beiden Modellen. Der elektrische Tiguan ist beispielsweise fast acht Zentimeter länger als sein Verbrenner-Bruder, bietet aber deutlich weniger Kofferraum. Und auch beim Preis wird es interessant: Gerade einmal 3.310 Euro trennen die beiden SUVs beim Listenpreis. Welcher Tiguan ist also die bessere Wahl?
Preis: Der ID. Tiguan kostet nur 3.310 Euro mehr

Beginnen wir mit einem der wichtigsten Kaufargumente: dem Preis. Der klassische VW Tiguan startet bei 39.385 Euro, dafür gibt es das Basismodell mit 130 PS starkem Mildhybrid-Benziner. Der neue ID. Tiguan kostet mindestens 42.695 Euro und bringt dafür bereits 190 PS sowie eine 58-kWh-Batterie mit.
VW ID.Tiguan Testbericht lesen
Der Aufpreis für den vollelektrischen VW beträgt damit lediglich 3.310 Euro. Noch interessanter wird die Rechnung, wenn man den klassischen Tiguan mit Plug-in-Hybrid betrachtet. Dieser kostet mindestens 52.735 Euro und damit rund 10.000 Euro mehr als der elektrische Tiguan. Allerdings unterscheiden sich die Ausstattungen und Antriebsleistungen.
Einen entscheidenden Vorteil hat der Verbrenner aktuell trotzdem: Bei Carwow gibt es den klassischen Tiguan bereits ab rund 31.000 Euro. Für den neuen ID. Tiguan liegen dagegen noch keine vergleichbaren Händlerangebote vor. Der tatsächliche Preisunterschied könnte deshalb deutlich größer ausfallen.
Design: Zwei Tiguan, zwei unterschiedliche Charaktere
Obwohl beide SUVs denselben Namen tragen, unterscheiden sie sich optisch stärker, als man zunächst vermuten würde. Der klassische Tiguan setzt auf die gewohnte VW-Optik mit abgerundeter Front, breitem Kühlergrill und einer eher zurückhaltenden Linienführung. Das Design wirkt modern, aber wenig überraschend.

Der neue ID. Tiguan zeigt dagegen eine deutlich kantigere Formensprache. Die Front ist weitgehend geschlossen, die Scheinwerfer wirken schmaler und eine durchgehende Lichtleiste betont die Fahrzeugbreite. Auch am Heck setzt VW auf eine markante Lichtsignatur. Insgesamt wirkt das Elektromodell geradliniger und etwas futuristischer, ohne sich allzu weit vom klassischen VW-Design zu entfernen.
Interessant ist außerdem die Seitenansicht. Der ID. Tiguan ist mit 4,62 Metern fast acht Zentimeter länger als der 4,54 Meter lange Verbrenner. Gleichzeitig fällt er rund 6,5 Zentimeter flacher aus. Das verleiht dem Elektro-SUV eine gestrecktere Silhouette, während der klassische Tiguan eher wie ein traditionelles Familien-SUV wirkt.
Innenraum: Der Elektro-Tiguan macht einiges besser
Auch im Innenraum setzt VW auf unterschiedliche Konzepte. Der klassische Tiguan bietet ein digitales Cockpit, einen serienmäßig 12,9 Zoll großen Touchscreen und optional ein 15-Zoll-Infotainmentsystem. Dazu kommt ein praktischer Drehregler in der Mittelkonsole, über den unter anderem Lautstärke und Fahrmodi gesteuert werden können.
Beim neuen ID. Tiguan geht VW einen Schritt weiter. Hier gehören ein 10-Zoll-Fahrerdisplay und ein zentraler 15-Zoll-Touchscreen zum Cockpit. Auf Wunsch gibt es zusätzlich einen 12 Zoll großen Bildschirm für den Beifahrer, auf dem beispielsweise Videos oder andere Unterhaltungsinhalte angezeigt werden können.

Besonders erfreulich: Volkswagen hat bei der Bedienung dazugelernt. Während der klassische Tiguan noch auf berührungsempfindliche Slider unter dem Bildschirm setzt, bekommt der ID. Tiguan wieder eine richtige Tastenleiste für die Klimaanlage. Auch am Lenkrad gibt es klassische Knöpfe. Ein weiteres Detail sind die digitalen Retro-Instrumente, die auf Wunsch an den Golf IV erinnern.
Insgesamt wirkt der Innenraum des elektrischen Tiguan moderner und durch die überarbeiteten Materialien auch hochwertiger. Der klassische Tiguan bleibt allerdings ebenfalls ein gut ausgestattetes und angenehm zu bedienendes Familienauto.
Platzangebot: Der kleinere Tiguan hat den größeren Kofferraum
Beim Platzangebot wartet die vielleicht größte Überraschung. Obwohl der ID. Tiguan länger ist und über einen größeren Radstand verfügt, bietet er nicht automatisch mehr Stauraum.
Im klassischen Tiguan stehen bei den reinen Verbrenner- und Mildhybridversionen bis zu 652 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Der neue ID. Tiguan kommt dagegen nur auf 534 Liter. Das sind immerhin 118 Liter weniger, obwohl das Elektroauto äußerlich größer ausfällt.

Bei umgelegten Rücksitzen beträgt der Unterschied 1.650 zu 1.577 Liter. Dafür besitzt der ID. Tiguan zusätzlich einen kleinen Frunk mit 32 Litern unter der Motorhaube, in dem sich beispielsweise das Ladekabel verstauen lässt.
Ganz anders sieht der Vergleich mit dem Tiguan Plug-in-Hybrid aus. Der muss wegen seiner zusätzlichen Antriebstechnik mit lediglich 490 Litern Kofferraum auskommen. Hier bietet das reine Elektroauto also sogar 44 Liter mehr Stauraum.
Auf der Rückbank haben beide SUVs ihre Vorteile. Der längere Radstand des ID. Tiguan sorgt für großzügige Beinfreiheit, allerdings fällt die Kopffreiheit hinten etwas geringer aus. Der klassische Tiguan punktet dagegen mit seiner verschiebbaren Rückbank. So lässt sich je nach Bedarf zusätzlicher Platz für die Passagiere oder das Gepäck schaffen.
Antriebe: Der Tiguan bietet mehr Auswahl, der ID. Tiguan mehr elektrische Leistung
Beim Antrieb gehen die beiden Modelle naturgemäß unterschiedliche Wege. Der klassische Tiguan bietet eine breite Motorenpalette mit Benzinern, Dieseln, Mildhybriden und Plug-in-Hybriden. Die Leistung reicht von 130 bis 272 PS. Wer häufig lange Strecken fährt oder keine Lademöglichkeit besitzt, findet hier entsprechend viele Optionen.
Der neue ID. Tiguan wird dagegen ausschließlich elektrisch angetrieben. Zum Marktstart stehen drei Leistungsstufen zur Auswahl:
- 190 PS: Heckantrieb mit 58-kWh-Batterie und bis zu 450 Kilometern Reichweite
- 286 PS: Heckantrieb mit 77-kWh-Batterie und bis zu 600 Kilometern Reichweite
- 299 PS: Allradantrieb mit 77-kWh-Batterie und bis zu 560 Kilometern Reichweite

Damit ist bereits die Basisversion des ID. Tiguan deutlich leistungsstärker als der günstigste Verbrenner. Die Reichweitenangaben beziehen sich allerdings auf den WLTP-Zyklus und dürften im Alltag, insbesondere bei Autobahnfahrten und im Winter, niedriger ausfallen.
Wer noch nicht vollständig auf einen Elektroantrieb umsteigen möchte, findet im klassischen Tiguan mit dem Plug-in-Hybrid eine interessante Alternative. Dieser schafft je nach Ausführung bis zu rund 125 Kilometer rein elektrisch und kann auf längeren Fahrten einfach mit Benzin weiterfahren.
Langstrecke und Anhänger: Hier hat der Verbrenner noch Vorteile
Auf langen Reisen wird der Unterschied zwischen den beiden SUVs besonders deutlich. Während der klassische Tiguan innerhalb weniger Minuten wieder vollgetankt ist, muss der elektrische Tiguan regelmäßig an die Ladesäule.
Bei der Ladeleistung bietet der ID. Tiguan allerdings keine großen Fortschritte gegenüber dem bisherigen ID.4. Die kleinere Batterie lädt mit maximal 105 kW, bei der größeren sind es bis zu 165 kW. Für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent gibt VW ungefähr 26 bis 29 Minuten an. Das ist alltagstauglich, im Vergleich zu einigen modernen Elektro-SUVs aber nicht besonders schnell.
Dafür dürfte der ID. Tiguan vor allem bei regelmäßigem Laden zu Hause mit niedrigeren Energiekosten punkten. Wie groß der Vorteil tatsächlich ausfällt, hängt von Strom- und Kraftstoffpreisen sowie vom persönlichen Fahrprofil ab.
Auch beim Ziehen von Anhängern haben beide ihre Stärken. Der ID. Tiguan darf je nach Ausführung zwischen 1,8 und 2,0 Tonnen ziehen. Der klassische Tiguan schafft mit entsprechendem Antrieb sogar bis zu 2,3 Tonnen. Für schwere Wohnwagen ist der Verbrenner damit weiterhin die flexiblere Wahl. Der elektrische Tiguan eignet sich aber ebenfalls für viele gängige Anhänger und Wohnwagen.
Fazit: Welcher Tiguan ist die bessere Wahl?
Mit dem neuen ID. Tiguan bekommt Volkswagens Bestseller einen interessanten elektrischen Bruder. Das modernere Design, der aufgewertete Innenraum und die bessere Bedienung sprechen durchaus für das neue Modell. Dazu kommen bis zu 600 Kilometer Reichweite und ein Listenpreis, der überraschend nah am klassischen Tiguan liegt.
Der Verbrenner macht es dem Neuling allerdings nicht leicht. Er bietet einen größeren Kofferraum, mehr Flexibilität bei den Antrieben und ist durch die verfügbaren Händlerrabatte derzeit deutlich günstiger zu bekommen. Vor allem Vielfahrer ohne eigene Lademöglichkeit dürften mit dem klassischen Tiguan weiterhin besser bedient sein.
Wer dagegen zu Hause laden kann und hauptsächlich im Alltag unterwegs ist, für den könnte der ID. Tiguan die interessantere Wahl werden. Besonders gegenüber dem deutlich teureren Plug-in-Hybrid ist das Elektroauto eine Überlegung wert. Ob es auch beim Fahrkomfort überzeugt, muss ein ausführlicher Praxistest nach dem Marktstart Anfang 2027 zeigen.