775 PS, 653 km Reichweite und 7 Sitze: Hat Tesla gegen diesen BYD noch eine Chance?
20. Oktober 2026 von Irene Wallner
Sieben Sitze, viel Reichweite und jede Menge Technik: Mit dem neuen BYD Atto 8 bekommt das Tesla Model Y einen interessanten Konkurrenten. Der chinesische Hersteller hat sein über fünf Meter langes Elektro-SUV auf dem Pariser Autosalon 2026 vorgestellt und verspricht neben viel Platz auch eine Ladegeschwindigkeit, von der andere Elektroautos bislang nur träumen können.
Doch Tesla hat ebenfalls aufgerüstet. Seit 2026 gibt es das Model Y wieder als Siebensitzer. Damit konkurrieren zwei Elektro-SUVs, die zwar beide Platz für sieben Personen bieten, ansonsten aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der BYD will mit Größe, Luxus und innovativer Technik überzeugen, während Tesla vor allem auf Effizienz, Alltagstauglichkeit und ein eingespieltes Ladenetz setzt. Welches Modell hat die besseren Argumente?
Größe und Design: Der BYD spielt eine Klasse höher
Schon bei den Abmessungen wird deutlich, dass der BYD Atto 8 und das Tesla Model Y eigentlich nicht ganz in derselben Liga spielen. Der Chinese misst stolze 5,04 Meter in der Länge und überragt den Tesla damit um 25 Zentimeter. Auch in der Breite und Höhe fällt der Atto 8 deutlich großzügiger aus. Mit knapp zwei Metern Breite und 1,76 Metern Höhe ist er ein echtes Oberklasse-SUV.

Das sieht man ihm auch an. Der Atto 8 setzt auf eine wuchtige Erscheinung mit schmalen LED-Tagfahrleuchten, markanten Karosserielinien und einer breiten Heckpartie. Ein durchgehendes Leuchtenband mit beleuchtetem BYD-Logo sorgt für einen modernen Auftritt.
Der Tesla wirkt dagegen mit seiner flacheren Dachlinie und der aerodynamischen Karosserie fast schon sportlich. Durch die schmalen Leuchten und das reduzierte Design macht das Model Y einen deutlich zurückhaltenderen Eindruck.
Die zusätzlichen Zentimeter könnten dem BYD insbesondere beim Platzangebot zugutekommen. Im Alltag hat die Größe allerdings auch Nachteile: Enge Parkhäuser, schmale Straßen und kleine Parklücken dürften mit dem Tesla etwas einfacher zu meistern sein. Das Model Y ist damit trotz seiner sieben Sitzplätze das handlichere Auto.
Platzangebot: Sieben Sitze, aber überraschend unterschiedliche Kofferräume
Beide Elektro-SUVs bieten drei Sitzreihen und Platz für bis zu sieben Personen. Beim BYD Atto 8 ist das Raumangebot von Beginn an auf diese Nutzung ausgelegt. Durch die größere Karosserie dürfte insbesondere die dritte Sitzreihe großzügiger ausfallen. Ob dort tatsächlich auch Erwachsene längere Strecken bequem sitzen können, muss allerdings erst ein Praxistest zeigen.
Beim Tesla Model Y handelt es sich dagegen um einen klassischen Fünfsitzer, der optional zwei zusätzliche Plätze im Kofferraum erhält. Die dritte Sitzreihe eignet sich damit vor allem als flexible Ergänzung für Familien. Praktisch ist der Einstieg: Per Knopfdruck fährt die zweite Sitzreihe elektrisch nach vorne und klappt um. Werden die zusätzlichen Sitze nicht gebraucht, lassen sie sich vollständig im Ladeboden versenken.

Überraschend ist der Blick auf das Kofferraumvolumen. Obwohl der BYD deutlich größer ist, stehen bei aufgestellter dritter Sitzreihe nur 270 Liter zur Verfügung. Tesla gibt für den Siebensitzer dagegen 381 Liter an. Auch beim maximalen Ladevolumen hat das Model Y mit 2.094 Litern gegenüber 1.960 Litern im BYD auf dem Papier die Nase vorn. Allerdings können sich die Messmethoden der Hersteller unterscheiden, weshalb die Werte nicht unmittelbar auf den tatsächlich nutzbaren Stauraum schließen lassen.
Unter der Motorhaube bietet der BYD wiederum einen größeren Frunk: 136 Liter passen hinein, beim Tesla sind es 116 Liter. Für Ladekabel oder kleinere Reisetaschen ist das in beiden Fällen praktisch.
Innenraum: BYD setzt auf Luxus, Tesla auf Minimalismus
Wer im BYD Atto 8 Platz nimmt, bekommt eine umfangreiche Komfortausstattung. Schon serienmäßig sind ein 15,6 Zoll großer Touchscreen, ein digitales 10,25-Zoll-Kombiinstrument und ein riesiges 26-Zoll-Head-up-Display an Bord. Dazu kommen integrierte Google-Funktionen, ein großes Panoramaglasdach und zahlreiche Ablagemöglichkeiten.
Besonders bei den Sitzen legt BYD nach. Nicht nur vorne, sondern auch auf den äußeren Plätzen der zweiten Reihe gibt es Sitzheizung, Belüftung und Massagefunktion. Eine Drei-Zonen-Klimaautomatik soll für angenehme Temperaturen sorgen. Dazu kommt ein Kühlfach, das Getränke auf bis zu minus sechs Grad herunterkühlen oder Speisen auf bis zu 50 Grad erwärmen kann. Beim Komfort dürfte der Atto 8 damit einige Vorteile gegenüber dem Tesla haben.

Das Model Y verfolgt eine andere Philosophie. Statt zahlreicher Anzeigen gibt es einen zentralen 16-Zoll-Touchscreen, über den fast sämtliche Funktionen gesteuert werden. Ein klassisches Fahrerdisplay oder Head-up-Display fehlt. Dafür bietet Tesla eine ausgereifte Software, regelmäßige Updates und eine sehr gute Integration von Navigation und Ladeplanung.
Ganz so minimalistisch wie früher ist der Tesla inzwischen allerdings nicht mehr. Das überarbeitete Model Y bietet unter anderem belüftete Vordersitze, Akustikglas, Ambientebeleuchtung und einen zusätzlichen 8-Zoll-Bildschirm für die hinteren Passagiere. Bei der reinen Komfortausstattung wirkt der BYD trotzdem luxuriöser, während Tesla mit seiner Software und dem aufgeräumten Bedienkonzept punktet.
Reichweite: 653 Kilometer beim BYD – aber Tesla hält überraschend gut mit
Der BYD Atto 8 wird in zwei vollelektrischen Varianten angeboten. Schon das Einstiegsmodell mit Hinterradantrieb leistet beachtliche 462 PS und verfügt über eine 115-kWh-Batterie. Damit soll das große SUV bis zu 653 Kilometer nach WLTP zurücklegen können.
Noch beeindruckender sind die Leistungsdaten des Atto 8 Excellence AWD. Mit zwei Elektromotoren bringt es die Allradversion auf gewaltige 775 PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in nur 4,6 Sekunden. Allerdings sinkt die Reichweite durch die stärkere Motorisierung auf 602 Kilometer.
Beim Tesla Model Y gibt es die sieben Sitze ausschließlich in der Variante Premium Maximale Reichweite mit Allradantrieb. Diese schafft laut Hersteller bis zu 600 Kilometer nach WLTP und beschleunigt in 4,8 Sekunden auf Tempo 100.
Damit ist der Unterschied im direkten Allradvergleich überraschend gering: Der BYD hat zwar deutlich mehr Leistung, bietet aber gerade einmal zwei Kilometer mehr Normreichweite. Erst die Version mit Hinterradantrieb kann sich mit 53 Kilometern Vorsprung deutlicher absetzen.
Wie groß die Unterschiede beim tatsächlichen Stromverbrauch ausfallen, bleibt abzuwarten. Der Tesla gilt als sehr effizientes Elektro-SUV, während der erheblich größere BYD seine hohe Reichweite auch durch die besonders große Batterie erreicht.
Ladegeschwindigkeit: Deutlicher Vorteil für BYD – theoretisch
Beim Laden spielt der BYD Atto 8 seinen größten Trumpf aus. Als erstes BYD-Modell in Europa bekommt er die neue Blade-Batterie der zweiten Generation mit sogenannter Flash-Charging-Technologie. Damit soll sich der 115-kWh-Akku in nur fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent aufladen lassen. Für den Ladevorgang von 10 auf 97 Prozent verspricht BYD gerade einmal neun Minuten.

Das wäre ein enormer Fortschritt, insbesondere für Familien auf langen Urlaubsfahrten. Statt einer längeren Ladepause könnte ein kurzer Stopp beinahe ausreichen, um die Batterie wieder vollständig aufzuladen.
Der Tesla kann bei solchen Werten nicht mithalten. Das Model Y lädt mit maximal 250 kW, für den üblichen Schnellladevorgang von 10 auf 80 Prozent vergehen ungefähr 28 Minuten. Dabei handelt es sich allerdings um unterschiedliche Ladefenster, die nicht direkt vergleichbar sind. Auch die tatsächlichen Ladeleistungen hängen von verschiedenen Faktoren ab.
Allerdings gibt es beim BYD einen entscheidenden Haken: Die extrem kurzen Ladezeiten werden nur an entsprechend leistungsfähigen Flash-Chargern erreicht. Diese sind in Europa bislang kaum verfügbar. BYD plant zwar, bis Ende 2027 rund 3.000 entsprechende Ladestationen aufzubauen, doch bis dahin bleibt die neue Technologie für viele Autofahrer eher ein Zukunftsversprechen.
Tesla hat hier einen entscheidenden Vorteil. Das umfangreiche Supercharger-Netz ist bereits etabliert und die Ladeplanung direkt ins Navigationssystem integriert. Wer regelmäßig längere Strecken fährt, profitiert damit von einer gut funktionierenden Infrastruktur. Der BYD bietet die spannendere Technik, Tesla derzeit das besser eingespielte Gesamtpaket.
Preise: Das Tesla Model Y hat einen entscheidenden Vorteil
Beim Preis bleibt der BYD Atto 8 vorerst ein großes Fragezeichen. Der Hersteller hat zwar bereits die technischen Daten und die Ausstattung veröffentlicht, einen offiziellen deutschen Verkaufspreis gibt es bislang aber noch nicht. Der Marktstart ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Beim Tesla herrscht dagegen Klarheit. Das Model Y Premium Maximale Reichweite mit Allradantrieb kostet als Siebensitzer ab 55.490 Euro. Damit gehört es zu den vergleichsweise günstigen Elektro-SUVs mit sieben Sitzplätzen. Die dritte Sitzreihe kostet gegenüber der ursprünglichen fünfsitzigen Konfiguration 2.500 Euro Aufpreis.

Ob der BYD preislich mithalten kann, wird sich erst zum Verkaufsstart zeigen. Angesichts der Größe, der umfangreichen Luxusausstattung und der neuen Ladetechnologie positioniert sich der Atto 8 jedenfalls als echtes Flaggschiff. Damit könnte er auch preislich oberhalb des Tesla liegen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings noch nicht.
Fazit: Welcher elektrische Siebensitzer ist die bessere Wahl?
Der BYD Atto 8 bringt viele Eigenschaften mit, die sich Familien von einem großen Elektro-SUV wünschen: ein großzügiges Raumangebot, viel Komfort, über 600 Kilometer Reichweite und eine beeindruckende Ladetechnik. Besonders wer regelmäßig mit sechs oder sieben Personen unterwegs ist, dürfte den zusätzlichen Platz zu schätzen wissen.
Das Tesla Model Y zeigt allerdings, dass ein größeres Auto nicht automatisch das praktischere sein muss. Es bietet auf dem Papier mehr Kofferraum, ist handlicher und kommt mit einer ähnlich hohen Reichweite aus. Hinzu kommen das etablierte Supercharger-Netz und ein bereits bekannter Einstiegspreis von 55.490 Euro.
Wer heute einen elektrischen Siebensitzer sucht, findet im Tesla das berechenbarere Gesamtpaket. Der BYD könnte dagegen besonders für Familien interessant werden, die mehr Platz und Komfort möchten und bereit sind, auf den Marktstart 2027 zu warten. Wie groß die Konkurrenz für Tesla tatsächlich wird, hängt vor allem vom Preis des Atto 8 und vom Ausbau der neuen Schnellladeinfrastruktur ab.