Volkswagen ID. Tiguan Testbericht
Der VW ID. Tiguan ist der Nachfolger des ID. 4 und setzt auf eine neue Optik und einen deutlich überarbeiteten Innenraum. Bei Batterien und Motoren kommt jedoch altbewährte Technik zum Einsatz.
Volkswagen ID. Tiguan: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?
Unser Fazit zum VW ID. Tiguan
Der neue VW ID. Tiguan präsentiert sich als Nachfolger des Elektro-SUVs ID.4 - die Außenhülle und der Innenraum sind neu, bei den Batterien und der Leistung stagniert das Modell weitgehend auf dem Niveau des Vorgängers. Der ID. Tiguan richtet sich an Familien sowie Vielfahrer, die ein geräumiges Elektro-SUV für den Alltag suchen. Positiv: VW hat die Touchflächen reduziert und setzt wieder vermehrt auf echte Tasten. Innen gibt es bei VW erstmals in Europa auf Wunsch ein 12 Zoll großes Beifahrer-Display.
Außen wie innen macht der VW ID. Tiguan einiges her. Schade, dass sich bei der Reichweite und DC-Ladeleistung fast nichts getan hat
Der VW ID. Tiguan startet im Vorverkauf (ab 13.10.) zu Preisen ab 42.695 Euro. Damit liegt er auf dem Niveau des Vorgängers ID.4, der zuletzt als frei konfigurierbares Modell mindestens 42.915 Euro kostete. Zum Vergleich: Ein Skoda Enyaq beginnt aktuell bei 43.490 Euro.
Der Kofferraum des VW ID. Tiguan fasst 534 Liter und bleibt damit auf dem Niveau des Vorgängers ID.4. Dafür feiert unter der Fronthaube ein 32 Liter großer Frunk seine Premiere. Ebenso praktisch: Die Anhängelast steigt von 1,8 Tonnen auf bis zu zwei Tonnen.
VW bietet für den ID. Tiguan Batterien mit einer Netto-Kapazität von 58 kWh oder 77 kWh. Das Motorenportfolio reicht von 140 kW (190 PS) über 210 kW (286 PS) bis hin zu 220 kW (299 PS). Die WLTP-Reichweite beträgt laut vorläufigen Prognosen bis zu 600 Kilometer.
Wie viel kostet der VW ID. Tiguan?
Die Preise für den VW ID. Tiguan beginnen bei 42.695 Euro.
VW ID. Tiguan: Reichweite und Ladedauer
VW bietet für den ID. Tiguan Batterien mit 58 kWh sowie 77 kWh Netto-Kapazität an. Die prognostizierte WLTP-Reichweite reicht von bis zu 450 Kilometern beim kleineren Akku bis maximal 600 Kilometer bei der 77-kWh-Variante mit Heckantrieb. Die Allradversion mit 77 kWh könnte nach vorläufigen Angaben bis zu 560 Kilometer weit kommen.
Schade: Die Batteriegrößen sind bereits aus dem Vorgänger ID. 4 bekannt. Der schafft mit der großen 77-kWh-Batterie maximal 574 Kilometer rein elektrisch. Der VW ID. Tiguan bietet in dieser Disziplin also kaum Verbesserungen.
Die maximale DC-Schnellladeleistung verharrt unverändert auf dem Niveau des ID.4: Bis zu 105 kW sind beim 58-kWh-Akku möglich, maximal 165 kW bei der 77-kWh-Batterie. Besonders die 105 kW sind enttäuschend, da das heute schon Elektro-Kleinwagen schaffen. Eine Schnellladung von 10 auf 80 Prozent sollte nach vorläufiger Prognose je nach Akku 26 bis 29 Minuten dauern.
An AC-Ladesäulen laden beide Batterievarianten mit bis zu 11 kW. Eine praktische Neuerung ist die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). Via Power-Socket-Adapter kannst du damit externe Geräte wie ein E-Bike oder eine Musikbox laden.
Kommen wir noch zum Verbrauch: Die 140-kW-Version kommt nach WLTP (kombiniert) auf 14,9 bis 16,3 kWh/100 km. Das 210-kW-Modell ist mit 14,6 bis 16,2 kWh angegeben. Am meisten verbraucht das bisheriger 220 kW starke Top-Modell: 15,7 bis 17,2 kWh stehen im Datenblatt.
Leistung und Fahrkomfort
VW bietet den ID. Tiguan in drei Leistungsstufen an, die bereits aus dem Vorgänger ID.4 bekannt sind. Das heckangetriebene Einstiegsmodell leistet 140 kW (190 PS), beschleunigt in 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.
Die mittlere, ebenfalls heckangetriebene Variante bringt 210 kW (286 PS) auf die Straße, absolviert den Sprint in 6,6 Sekunden und regelt bei 180 km/h ab. Als Topmodell steht die Allradversion 4Motion mit 220 kW (299 PS) bereit, die in 6,3 Sekunden Tempo 100 erreicht und ebenfalls 180 km/h schnell fährt.
Eine echte Neuerung beim ID. Tiguan ist das sogenannte One-Pedal-Driving. In der Fahrstufe B rekuperiert das SUV so stark, dass der Wagen allein über das Lupfen des Fahrpedals bis zum vollständigen Stillstand verzögert wird. Dies erhöht den Fahrkomfort sowie die Energieeffizienz vor allem im städtischen Stop-and-Go-Verkehr.
Alle Modellvarianten übertragen die Kraft serienmäßig über ein stufenloses 1-Gang-Automatikgetriebe wahlweise an die Hinterräder oder an alle vier Räder. Das Leergewicht reicht je nach gewählter Batterie- und Ausstattungsvariante von 2.073 bis 2.155 Kilogramm, der Verbrauch (WLTP kombiniert) bewegt sich zwischen 14,6 und 17,2 kWh/100 km.
Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit
Im Heck stehen beim VW ID. Tiguan 534 Liter Ladevolumen zur Verfügung, die sich bei umgeklappter Rücksitzlehne auf bis zu 1.577 Liter erweitern lassen. Das sind rund 118 Liter weniger als beim Verbrenner-Bruder. Dafür verbaut VW unter der Fronthaube erstmals einen 32 Liter großen Frunk, der sich perfekt fürs Ladekabel eignet.
Im Vergleich zum hausinternen Konkurrenten, dem Skoda Enyaq, hat der ID. Tiguan beim Kofferraumvolumen das Nachsehen. Der Tscheche schafft bei aufrechter Rückbank 585 Liter und bei umgeklappter bis zu 1.710 Liter.
Wegen der nach hinten leicht abfallenden Dachlinie schrumpft die Kopffreiheit im Fond im Vergleich zum klassischen Tiguan um 35 Millimeter. Da der ID. Tiguan aber 84 Millimeter mehr Radstand vorweisen kann, genießen die Passagiere in der zweiten Reihe eine großzügige Beinfreiheit.
Clevere Detaillösungen erhöhen zudem den Alltagsnutzen. Dazu gehören der optionale PowerSocket-Adapter für Vehicle-to-Load-Anwendungen sowie die magnetischen, induktiven Qi2-Smartphone-Ladeschalen in der Mittelkonsole. Praktisch sind auch die bewährten Bügel-Türgriffe - gut, dass VW hier auf Designspielereien verzichtet.
Bei der Anhänge- und Stützlast konnte der ID. Tiguan im Vergleich zum Vorgänger ID. 4 zulegen. Anhänger dürfen statt 1,8 Tonnen jetzt bis zu 2,0 Tonnen schwer sein. Und die Stützlast hat sich von 75 auf 90 Kilogramm erhöht, was vor allem Besitzer schwerer E-Bikes freuen wird.
Für wen eignet sich der VW ID. Tiguan?
Der ID. Tiguan eignet sich ideal für Paare oder Familien, die einen geräumigen Elektro-SUV für den Alltag suchen und auf Annehmlichkeiten wie ein Beifahrer-Display oder ein Panoramadach nicht verzichten wollen.
Innenraum, Infotainment und Ausstattung
Das Cockpit des VW ID. Tiguan dominiert ein zentraler 15-Zoll-Infotainment-Touchscreen, kombiniert mit einem digitalen 10-Zoll-Fahrerdisplay. Erstmals in Europa verbaut VW optional ein 12 Zoll großes Beifahrer-Display. Es ermöglicht dem Beifahrer Entertainment per Bluetooth-Kopfhörer, ohne dass der Fahrer während der Fahrt abgelenkt wird. Für Abwechslung sorgen nostalgische Retro-Anzeigen, die digitale Instrumente im Stil des Golf IV inszenieren - normale, moderne Anzeigen gibt's auf Tastendruck natürlich auch.
Bei der Bedienung zeigt sich VW lernfähig und ersetzt nervige Touchslider durch physische Tasten am Multifunktionslenkrad sowie eine klassische Bedienleiste unter den Lüftungsdüsen. Das Infotainment-Menü ist übersichtlich gestaltet und verfügt über angenehm große Kachel-Anzeigen.
Das Interieur überzeugt mit spürbar aufgewerteter Materialqualität, weich aufgeschäumten Oberflächen und einer stilvollem Ambientelicht, das auch die Ladeschalen einbindet. Recycelte Textilien wie Seaqual-Garn setzen ein Zeichen für Nachhaltigkeit, ohne Abstriche bei der Haptik zu machen.
Vier Ausstattungslinien: Trend, Life, Style und R-Line
Der VW ID. Tiguan wird in den vier unterschiedlichen Ausstattungslinien Trend, Life, Style und R-Line angeboten, die dem Innenraum jeweils einen ganz eigenen Charakter verleihen. Die Basis Trend setzt dabei auf eine reduzierte Gestaltung mit dunklen Stoffen und einem schwarzen Dachhimmel.
Eine deutlich wärmere und wohnlichere Atmosphäre bringen hingegen Life und Style in das Fahrzeug. In der Ausstattung Style werten Komfortsitze aus ArtVelours Eco und Seaqual-Textil sowie feine Ziernähte den Innenraum auf, während die Ambientebeleuchtung für ein stimmungsvolles Ambiente sorgt.
Im R-Line steht wiederum der sportliche Auftritt im Mittelpunkt: Top-Sportsitze mit integrierten Kopfstützen, Ziernähte, R-Line-Logos und spezielle Dekore erzeugen einen kraftvollen, technischen Look, der optional durch vollelektrische Sitze mit Massagefunktion und Sitzklimatisierung ergänzt werden kann.
Sicherheit und Assistenzsysteme
Ein Euro-NCAP-Crashtest für den neuen VW ID. Tiguan steht noch aus. Der Plattform-Vorgänger ID.4 erreichte jedoch die Höchstwertung von fünf Sternen.
Zur serienmäßigen Sicherheitsausstattung gehören unter anderem der Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung oder ein Spurhalteassistent. Auf Wunsch erweitert der Connected Travel Assist die Fahrhilfen u. a. um assistierte Spurwechsel und eine automatische Ampelerkennung.
Bekannte Probleme und Rückrufe
Für den neuen VW ID. Tiguan gewährt Volkswagen die gewohnte zweijährige Neufahrzeuggarantie ohne Kilometerbegrenzung. Auf die Hochvoltbatterie gibt der Hersteller eine Garantie von acht Jahren oder bis zu einer Laufleistung von 160.000 Kilometern. Innerhalb dieses Zeitraums garantiert VW eine verbleibende Mindestkapazität des Akkus von mindestens 70 Prozent.
Der als technische Basis dienende ID.4 hatte in der Vergangenheit vor allem mit Softwareproblemen sowie Mängeln an der Hochvoltbatterie zu kämpfen. Exemplarisch führten fehlerhafte Batteriezellmodule zu Rückrufaktionen, bei der betroffene Module in der Werkstatt getauscht werden mussten. Auch Abstürze des Infotainmentsystems gehörten bei frühen ID.4-Modellen zu den bekannten Schwachstellen.
Im TÜV-Report 2026 zeigen sich die 2- bis 3-jährigen ID. 4-Modelle solide. Eine überdurchschnittlich hohe Mängelquote gab es bei der Fußbremse, gefolgt von den Achsaufhängungen.