Dein Weg zum neuen Auto
Der Audi RS3 Limousine ist eines dieser Autos, bei denen man sich schon nach den ersten Sekunden fragt: Warum tut man sich das eigentlich an?
Und fast genauso schnell kommt die Antwort: wegen dieses Motors.
Audi hat dem RS3 auch im Facelift seinen legendären 2,5-Liter-Fünfzylinder gelassen – und allein dafür sind viele bereit, erstaunlich viel zu verzeihen. Komische Kupplung, harter Komfort, hoher Preis? Egal. Hauptsache: fünf Zylinder, 400 PS und dieser Sound.
Audi RS3 Limousine Testbericht entdecken!
Aber reicht das im Jahr 2026 noch aus, um einen fast 100.000 Euro teuren A3 rational zu rechtfertigen?
Exterieur: Dezente Aggression statt Proll-Optik

Optisch hat Audi beim Facelift nur behutsam Hand angelegt. Die RS3 Limousine sieht weiterhin so aus, wie man es von einem schnellen Audi erwartet: breit, tief, böse – aber nicht laut. Keine übertriebenen Spoiler, kein unnötiges Design-Theater.
Das ist einerseits angenehm, andererseits auch ein bisschen problematisch. Denn am Ende bleibt es – ganz nüchtern betrachtet – ein A3 mit dicken Backen. Und genau das wird später beim Thema Preis noch wichtig.

Mit optionalen schwarzen Carbon-Elementen wirkt der RS3 noch etwas aggressiver, kostet dann aber auch gleich wieder ein paar Tausender mehr. Willkommen im Audi-Konfigurator.
Innenraum: Überraschend solide – mit kleinen Abern

Innen zeigt sich der RS3 von einer besseren Seite, als man es aktuell von manchen neuen Audi-Modellen kennt. Materialien, Türverkleidungen, Haptik: alles fühlt sich wertig und stabil an. Teilweise sogar besser als bei neueren Audi-Generationen, was schon ein bisschen ironisch ist.
Trotzdem gibt es einen Haken – oder eher ein bekanntes RS-Problem: Knarz- und Klappergeräusche. Laut Besitzerberichten tauchen die oft erst nach ein oder zwei Jahren auf, gerne in den Türen oder an Übergängen der Karosserie. Meist lässt sich das in der Werkstatt beheben, aber bei einem Auto in dieser Preisklasse ist das trotzdem unerquicklich.

Der Grund dafür ist weniger schlechte Verarbeitung, sondern eher das Konzept: harteres Fahrwerk, mehr Kräfte, mehr Belastung für den Innenraum. Das ist kein reines Audi-Problem, sondern trifft viele sportliche Modelle.
Platz & Alltag: Der Sportler mit A3-Wurzeln

Warum sitzt der Motor beim RS3 eigentlich so weit vorne? Ganz einfach: Platzangebot. Die A3-Plattform wurde so entwickelt, dass sie im Alltag funktioniert – nicht für perfekte Gewichtsverteilung auf der Rennstrecke.
Vorne und hinten geht es für einen Kompakten absolut in Ordnung, der Kofferraum ist brauchbar und die Limousine lässt sich grundsätzlich problemlos im Alltag bewegen. Genau das ist ja auch Teil des Reizes: Supersportwagen-Leistung im Alltagsformat.

Aber: Je härter das Fahrwerk, desto mehr merkt man jede Bodenwelle, jede schlechte Straße, jede Querfuge. Der RS3 ist kein entspanntes Gleitmobil – er arbeitet ständig, und man als Fahrer arbeitet mit.
Elektromotoren: Gibt es hier nicht – und genau das ist der Punkt

Ein wichtiger Punkt – gerade im Jahr 2026 – ist das, was der RS3 nicht hat:
Keine Elektrifizierung. Kein Mildhybrid. Kein Plug-in.
Stattdessen: reiner Verbrenner, alter Schule. Und genau das macht diesen Motor so besonders. Während sich viele Turbo-Vierzylinder heute kaum noch voneinander unterscheiden, bietet der Fünfzylinder ein Fahrerlebnis, das man sonst fast nirgendwo mehr bekommt.
Audi steht hier vor einem echten Problem: Wie soll man dieses Erlebnis jemals ersetzen? Ohne Fünfzylinder wird der RS3 seine Seele verlieren – da ist sich der Tester ziemlich sicher.
Der Motor: Der eigentliche Grund, dieses Auto zu kaufen

400 PS, 500 Nm Drehmoment, 0–100 km/h in 3,8 Sekunden. Ja, das ist alles beeindruckend. Aber das wirklich Besondere ist etwas anderes: wie der RS3 seine Kraft abgibt.
Das Drehmoment liegt über ein extrem breites Drehzahlband an. Man gibt Gas – und es ist einfach immer Schub da. Kein Turboloch, kein Warten, kein Drama. Einfach Vortrieb. Und zwar massig.
Dazu kommt der Sound. Auch wenn der RS3 heute leiser ist als frühere Generationen, bleibt der Fünfzylinder akustisch eine Wucht. Ja, es gibt einen Soundaktuator. Ja, theoretisch ist das künstlich. Aber in der Praxis stört es kaum – und wer will, kann ihn deaktivieren lassen.
Fahrwerk, Allrad & Torque Splitter: Physik überlistet

Eigentlich ist der RS3 fahrdynamisch ein schwieriges Auto. Schwerer Motor über der Vorderachse, kopflastige Gewichtsverteilung – das schreit nach Untersteuern.
Und trotzdem fährt dieses Auto 7:33 Minuten auf der Nordschleife und schlägt damit sogar einen BMW M2.
Warum? Reifen, Fahrwerk – und vor allem der Torque Splitter. Das System verteilt die Kraft nicht nur zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern auch zwischen den Hinterrädern. Ergebnis: kontrollierbares Übersteuern, sauberes Herausbeschleunigen, sogar Drifts – etwas, das frühere RS-Modelle kaum konnten.
Mit dem Facelift kommen zusätzlich gezielte Bremseingriffe hinzu, die das Auto förmlich in die Kurve ziehen. Fahrdynamisch ist der RS3 ein echtes Technik-Statement.
Kupplung, Komfort & Lenkung: Die Schattenseiten

Jetzt zum unangenehmen Teil. Die Kupplung – beziehungsweise das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe – sorgt regelmäßig für Frust. Besonders kalt, besonders morgens, besonders beim Rangieren. Ruckeln, Verzögerung, komisches Gefühl. Laut Audi kein Defekt, sondern „Stand der Technik“.
Dazu kommt der Komfort: Selbst im Komfortmodus bleibt der RS3 hart, laut und anstrengend. Auf schlechten Straßen poltert er, auf der Autobahn verlangt er ständig Korrekturen. Man ist immer beschäftigt.
Manche finden das aufregend. Andere schlicht nervig.
Preis-Leistung: Und hier kippt alles
68.000 Euro Basispreis. Klingt schon heftig. Aber der Testwagen liegt mit Extras bei über 95.000 Euro. Für einen A3.
Und genau hier fällt das Urteil des Testers gnadenlos aus: Das Negative überwiegt. Nicht weil das Auto schlecht ist – im Gegenteil. Sondern weil der Preis in keinem Verhältnis mehr steht.
Wer den Motor liebt, wer genau dieses Auto will, wer emotional entscheidet: wird glücklich.
Wer einfach nur einen sportlichen Kompakten sucht: sollte weiterziehen.
Fazit: Ein fantastischer Motor im falschen Preisrahmen
Der Audi RS3 Limousine ist kein günstiger Sportwagen mehr. Er ist ein emotionales Nischenprodukt, das sich fast nur noch über seinen Motor definiert.
Großartig? Ja.
Rational? Nein.
Günstig? Ganz sicher nicht.