Dein Weg zum neuen Auto
Eine Frage schwebt wie eine dunkle Wolke über jedem neuen Performance-Hybrid: Ist das noch echter Motorsport-Spirit – oder nur politisch korrektes Leistungs-Gewitter?
Als Audi den neuen RS 5 vorgestellt hat, waren die Fans schnell im Aufruhr. RS und Plug-in-Hybrid – das klang für viele nach Politikum statt Petrolhead. Nach CO₂-Kosmetik statt Charakter.
Und ja, auf dem Papier wirkt der neue RS 5 Avant erstmal wie ein Symbolfahrzeug für unsere Zeit: fast zweieinhalb Tonnen schwer, rund ein Drittel massiger als der alte RS 4, um fast 120 Millimeter gewachsen und gefährlich nah dran am BMW M5-Format, der schließlich auch zum absurden Plug-in-Hybrid-Monstrum geworden ist.

Die große Frage lautet also: Killt der Hybrid die Sportwagen-Leidenschaft? Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Auto lautet die ehrliche Antwort: Nein. Aber als Hybrid verfehlt er sein Ziel.
Exterieur: Keine Spur von Zurückhaltung
Wer beim Wort Plug-in-Hybrid an Zurückhaltung denkt, hat den RS 5 Avant noch nicht gesehen.

Dieses Ding steht da wie ein Fitnessstudio auf vier Rädern. Breite Schultern, ausgestellte Radhäuser, scharf geschnittene Splitter und Seitenschweller, die aussehen, als könnte man damit Sushi filetieren. Das Profil wirkt aufgepumpt, als hätte man dem normalen A5 gewaltsam 200 Gramm Testosteron verabreicht.

Am Heck thronen zwei massive Endrohre. Für Umweltaktivisti wie die Pforten zur Hölle – für Autofans reines Glück. Und der Sound? Alles andere als hybridtypisch zahm. Dieser RS 5 brüllt. Laut. Selbstbewusst. Ohne Entschuldigung.
Optisch ist hier nichts von „Ich fahre auch elektrisch“ zu sehen. Das ist ein Statement-Auto. Punkt.
639 PS gegen jeden Zweifel
Unter der Haube arbeitet ein 2,9-Liter-V6 mit 510 PS. In das Getriebe integriert: ein Elektromotor mit zusätzlichen 177 PS. Zusammen ergibt das 639 PS Systemleistung. 825 Nm im Boost-Modus.

0 – 100 km/h? 3,6 Sekunden. Und das fühlt sich eher nach „Untertreibung aus PR-Gründen“ an. Selbst ohne aufwendige Launch-Control katapultiert sich der RS 5 nach vorne, als hätte jemand den Asphalt unter ihm weggezogen.

Mit optionaler Freischaltung rennt er bis 285 km/h. Das ist keine Spielerei. Das ist Autobahn-Endgegner. Und hier wird klar: Audi hat nicht einfach Gewicht draufgepackt. Sie haben rohe Gewalt ergänzt.
2,5 Tonnen, die sich nicht so anfühlen
Das eigentlich Erstaunliche ist aber nicht die Beschleunigung – sondern das Kurvenverhalten. Niemand erwartet von einem knapp 2.500 kg Kombi, dass er sich agil anfühlt. Doch genau das tut er.

Das Geheimnis liegt im cleveren Torque-Vectoring-System. Über den Elektromotor und eine spezielle Hinterachs-Konstruktion kann die Kraft in Millisekunden zwischen linkem und rechtem Hinterrad verteilt werden.

Das Ergebnis: Der schwere Executive-Kombi fühlt sich an wie ein Sportgerät. Die Lenkung ist deutlich direkter als in normalen Audi-Modellen, präzise, scharf, fast chirurgisch. Die breiten Reifen kleben am Asphalt, die Federung ist ausgewogen, die Balance beeindruckend. Im Standard-RS-Modus fährt er unfassbar schnell, aber kühl und kontrolliert. Fast schon souverän-arrogant.
Torque-Rear: Der Hybrid als Drift-Maschine
Und dann kommt der Moment, in dem du „Torque-Rear“ aktivierst. Plötzlich wird aus dem seriösen Firmenwagen ein rauchender Hooligan. Das Heck wird lebendig, die Hinterachse spielt mit. Saubere, lange Drifts? Kein Problem. Und das Erstaunliche: Es bleibt beherrschbar.

Audi geht sogar so weit, Driftwinkel und Querkräfte per App im Infotainment auszuwerten. Dashcam inklusive. Es fehlt nur noch der Share-Button für TikTok.
Hier funktioniert der Hybrid als Performance-Werkzeug. Nicht als Sparmaßnahme. Nicht als Pflichtprogramm. Mit Klimaschutz hat das nichts zu tun.
Hybrid als Politikum
Und auch deswegen bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn so brillant der RS 5 als Auto funktioniert – als Plug-in-Hybrid ist er es nicht. Ja, er kann bis zu 83 Kilometer rein elektrisch fahren. Die 22-kWh-Batterie ermöglicht das. Ja, der Elektromotor schafft bis zu 140 km/h im reinen E-Betrieb.

Aber Hand aufs Herz: Wer kauft sich einen 639 PS RS-Modell, um regelmäßig an der Wallbox zu hängen und lautlos zur Arbeit zu schleichen?
Realistisch betrachtet wird kaum jemand dieses Auto so nutzen, wie ein Plug-in-Hybrid genutzt werden sollte. Niemand wird ihn konsequent laden, um CO₂ zu sparen. Niemand wird ihn primär als elektrischen Pendler bewegen. Dafür ist er zu laut, zu auffällig, zu sehr Statement.

Der elektrische Teil ist da – aber er wird in der Realität vor allem zwei Dinge liefern:
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Steuervorteile im Firmenwagenbereich.
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Ein zusätzliches Performance-Tool für das Torque-Management.
Das ist kein moralischer Vorwurf. Es ist einfach die ehrliche Analyse. Der RS 5 nutzt den Hybrid clever – aber nicht aus Überzeugung zur Elektrifizierung, sondern zur Leistungssteigerung und Regulierungserfüllung.
Er funktioniert großartig als Auto. Aber nicht als Signal für nachhaltige Mobilität.