Wie gesund ist dein E-Auto-Akku wirklich? Deshalb ist das SoH-Zertifikat beim Gebrauchtwagenkauf wichtig!
05. September 2026 von Irene Wallner
Beim Elektroauto dreht sich vieles um Prozentzahlen. Wie voll ist der Akku? Wie viel Reichweite bleibt noch? Und dann gibt es noch einen Wert, von dem viele vermutlich erst hören, wenn sie sich mit einem gebrauchten E-Auto beschäftigen: den State of Health, kurz SoH.
E-Auto-Akku nur noch bei 90 Prozent: Musst du dir Sorgen machen?
Der SoH kann aber ziemlich interessant sein. Denn sie soll zeigen, wie gesund der Akku eines Elektroautos noch ist. Doch was bedeutet es, wenn dort beispielsweise nur noch 90 Prozent stehen? Und ab welchem Wert sollte man genauer hinschauen?

Was bedeutet State of Health beim E-Auto?
Vereinfacht gesagt beschreibt der State of Health, wie sich der Zustand eines Akkus gegenüber seinem Neuzustand verändert hat. Ein neuer Akku startet entsprechend ungefähr bei 100 Prozent. Durch Alter und Nutzung nimmt seine nutzbare Kapazität nach und nach ab.
Ein Beispiel: Kann ein Akku gegenüber seinem ursprünglichen Zustand nur noch rund 90 Prozent der Energie speichern beziehungsweise bereitstellen, wird häufig von einem SoH von ungefähr 90 Prozent gesprochen.
Das solltest du nicht mit dem State of Charge (SoC) verwechseln. Dieser zeigt lediglich den aktuellen Ladestand an. Ein Akku kann also zu 100 Prozent geladen sein und trotzdem beispielsweise nur noch einen SoH von 90 Prozent besitzen.
Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht: Für die Bestimmung des SoH gibt es bislang keine vollkommen einheitliche Berechnungsmethode. Je nach Hersteller oder Testverfahren können unterschiedliche Referenzwerte und Berechnungen verwendet werden. Zwei angezeigte SoH-Werte verschiedener Systeme müssen daher nicht automatisch direkt miteinander vergleichbar sein.
Sind 90 Prozent SoH schon schlecht?
Nein. Ein Akku altert – und ein SoH unter 100 Prozent bedeutet deshalb nicht automatisch, dass mit dem E-Auto etwas nicht stimmt.
Der ADAC nennt als Orientierung für gebrauchte Elektroautos derzeit folgende Werte: Nach 50.000 Kilometern sollten noch mindestens 92 Prozent, nach 100.000 Kilometern etwa 88 Prozent und nach 200.000 Kilometern noch rund 80 Prozent der ursprünglichen Akkukapazität vorhanden sein.
Ein mehrere Jahre altes Elektroauto mit beispielsweise 90 Prozent SoH kann also durchaus einen vollkommen normalen Batteriezustand besitzen.
Interessanter wird es, wenn der Wert für Alter und Laufleistung ungewöhnlich niedrig erscheint oder die tatsächliche Reichweite stark zurückgegangen ist. Dann lohnt sich ein genauerer Batteriecheck.
Warum verliert der Akku überhaupt Kapazität?
Dass ein Elektroauto-Akku im Laufe seines Lebens altert, lässt sich nicht verhindern. Neben der Laufleistung spielt auch das Alter selbst eine Rolle. Hinzu kommen Faktoren wie Temperatur, Ladeverhalten und die Anzahl der Ladezyklen.
Wer seinen Akku möglichst lange schonen möchte, sollte extreme Ladezustände nicht unnötig lange halten. Permanentes Vollladen sowie sehr tiefes Entladen sollten vermieden werden. Auch häufiges Schnellladen kann stärker beanspruchen als langsameres AC-Laden – gelegentliches Schnellladen auf der Langstrecke ist deshalb aber noch lange kein Grund zur Panik.
Ohnehin zeigen Langzeiterfahrungen mittlerweile, dass die Angst vor extrem schnell alternden E-Auto-Akkus häufig größer ist als das tatsächliche Problem. Bisherige Dauertests konnten zeigen, dass Batterien selbst nach hohen Laufleistungen noch leistungsfähig sein können.
Wo kann ich den State of Health meines E-Autos sehen?
Genau hier wird es etwas kompliziert. Einen leicht auffindbaren SoH-Wert wie den Kilometerstand gibt es bei vielen Elektroautos bislang nicht.
Teilweise lassen sich Daten über das Batteriemanagement oder Diagnoseschnittstellen auslesen. Wer einen möglichst belastbaren Wert möchte, kann die Batterie aber auch professionell testen lassen. Dafür gibt es mittlerweile herstellerunabhängige Batteriechecks, bei denen je nach Verfahren Daten des Batteriemanagementsystems analysiert oder die tatsächlich nutzbare Energie über eine längere Testfahrt bestimmt wird.
Wichtig ist dabei: Eine Reichweitenanzeige von beispielsweise 350 Kilometern verrät dir nicht automatisch den SoH. Die angezeigte Reichweite hängt unter anderem von Verbrauch, Fahrweise, Geschwindigkeit und Temperatur ab und kann deshalb deutlich schwanken.
Beim gebrauchten E-Auto wird der SoH besonders wichtig
Wenn du einen gebrauchten Verbrenner kaufst, schaust du wahrscheinlich ziemlich schnell auf den Kilometerstand. Bei einem gebrauchten Elektroauto solltest du zusätzlich nach dem Zustand der Batterie fragen.

Denn zwei E-Autos gleichen Alters und mit ähnlicher Laufleistung müssen nicht zwangsläufig einen identischen Batteriezustand besitzen. Genau deshalb wird empfohlen, beim Gebrauchtwagenkauf, sich den Gesundheitszustand der Batterie möglichst genau nachweisen zu lassen – idealerweise über ein aktuelles Batteriezertifikat.
Das kann nicht nur helfen, einen problematischen Akku zu erkennen. Ein guter SoH kann umgekehrt auch ein Argument dafür sein, dass ein gebrauchtes Elektroauto trotz höherer Kilometerleistung noch interessant ist.
Ab welchem SoH solltest du genauer hinschauen?
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht. Alter, Laufleistung, Fahrzeugmodell und Messverfahren müssen immer mit betrachtet werden.
Als grobe Orientierung sind diese Werte jedoch hilfreich: Rund 92 Prozent bei 50.000 Kilometern, 88 Prozent bei 100.000 Kilometern und 80 Prozent bei 200.000 Kilometern gelten als Richtwerte für einen angemessenen Batteriezustand. Liegt ein Auto deutlich darunter, sollte man nach der Ursache suchen.
Auch die Batteriegarantie kann einen Anhaltspunkt liefern. Tesla garantiert beispielsweise bei aktuellen Model-3- und Model-Y-Varianten je nach Version über acht Jahre und eine festgelegte Kilometerleistung eine Mindestkapazität von 70 Prozent. Die konkreten Bedingungen unterscheiden sich allerdings je nach Hersteller und Fahrzeug und sollten deshalb immer individuell geprüft werden.
Die wichtigste Erkenntnis ist deshalb ziemlich beruhigend: Ein E-Auto-Akku mit 90 Prozent State of Health ist nicht automatisch schlecht. Viel wichtiger ist, ob der Wert zum Alter und zur Laufleistung des Autos passt. Besonders beim Gebrauchtwagenkauf kann genau dieser Check verhindern, dass du dich allein vom Kilometerstand täuschen lässt.