Dein Weg zum neuen Auto
Neue Klasse, neue Ära: Hält der neue iX3, was BMW vollmundig verspricht? – Wir haben es bei einer Testfahrt herausgefunden.
Von außen ist der neue BMW iX3 optisch kein Meilenstein, technisch aber definitiv ein dickes Ausrufezeichen. Der Elektro-SUV, der bei 63.400 Euro startet, ist für das Autohersteller extrem wichtig, da er als erstes überhaupt auf der Fahrzeugplattform Neue Klasse basiert.
Wir sind das bayerische Zukunftsversprechen ausgiebig gefahren, haben ein paar Mal große Augen bekommen, mussten aber auch Schwächen feststellen.

Preise: Los geht’s aktuell bei 63.400 Euro
Wer den iX3 50 xDrive mit Allradantrieb und 345 kW/469 PS sein Eigen nennen möchte, muss mindestens 70.900 Euro auf den Tisch legen. Das klingt viel, ist aber angesichts der Leistung und enormen Reichweite (WLTP kombiniert: max. 805 km) ein faires Angebot. Der iX3 40 mit Heckantrieb und 235 kW/320 PS startet noch darunter bei 63.400 Euro. Damit liegt BMW auf Augenhöhe mit der Konkurrenz: Ein Audi Q6 e-tron kostet mindestens 63.500 Euro, ein Volvo EX60 62.990 Euro.

Enorme Leistung, keine Auswahl beim Fahrwerk
Wir sind den 469 PS starken iX3 50 xDrive gefahren. Kaum überraschend: Die Leistung ist mehr als ausreichend und kommt dank Allrad auch ohne Traktionsverlust auf die Straße. So vergehen nur 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h – und das angesichts von fast 2,4 Tonnen Leergewicht. Dass der E-SUV bereits bei 210 km/h eingebremst wird, enttäuscht wohl nur diejenigen, die gerne an der Ladesäule stehen.
Das Stahlfahrwerk des iX3 macht einen ordentlichen Job, wobei es Fahrbahnunebenheiten noch besser wegbügeln könnte. Schade, dass es aktuell als Alternativen weder ein adaptives Fahrwerk noch eine Luftfederung gibt.

Streitbares Lenkrad mit klarer Empfehlung
Die Lenkung des iX3 zeigte sich auf der Testfahrt angenehm direkt. Wir empfehlen das M Lenkrad für 100 Euro extra, dass der Testwagen an Bord hatte. Die Alternativen – BMW Individual Lenkrad bzw. Sport-Lenkrad – verfügen oben wie unten mittig über eine zusätzliche Speiche, die beim Lenken für Verwirrung sorgen können.
Gut gefallen haben uns die ergonomischen Daumenauflagen. Nur bedingt gut: die kapazitiven Touchflächen. Ja, man kann damit leben. Als ich nach der iX3-Testfahrt aber direkt in einen schnöden Basis-Golf mit echten Lenkradtasten eingestiegen bin, wusste ich sofort, warum mittlerweile viele Hersteller zurückrudern.

Was nicht unerwähnt bleiben sollte: das teilautonome Fahren des BMW iX3. Der optionale Autobahnassistent lenkt selbstständig und hält ebenso die Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Ohne Hände am Steuer wohl gemerkt. Das Ganze funktioniert bis 130 km/h und vor allem einwandfrei. Sprich, man fühlt sich sicher und vertraut dem Assistenzsystem.
Mit einem Blick in den Spiegel kannst du zudem einen automatischen Spurwechsel einleiten. Auch das hat uns in der Praxis überzeugt. Kleine Ergänzung: Es herrschte wenig Verkehr – die Rahmenbedingungen waren also gut.

Innenraum: Willkommen in der BMW-Zukunft
Wohl kaum ein anderes Fahrzeug auf dem Markt sorgt gerade für so großes Erstaunen, wenn die Tür aufgeht. Das Cockpit wirft alte BMW-Traditionen komplett über den Haufen und wirkt äußerst futuristisch. Der Hingucker: Das serienmäßige Panoramic Vision, das unterhalb der Windschutzscheibe über die gesamte Breite Daten einblendet und den klassischen Tacho ersetzt. Ja, das hat was. Auch wenn wir zwei Dinge feststellen mussten: Bestellst du das optionale Head-up-Display, doppeln sich gewisse Angaben wie z. B. die zur Geschwindigkeit. Zum anderen lässt sich das Panoramic Vision zwar mittig und rechts individuell anpassen, doch viele Einblendungen haben wenig Mehrwert.
Ansonsten wird das Cockpit von einem leicht zum Fahrer geneigten 17,9-Zoll-Touchdisplay dominiert. Der Bildschirm reagiert schnell, die Menü-Kacheln sind bei BMW mittlerweile auch deutlich besser dargestellt. Nichtsdestotrotz wird es Kunden geben, die ein paar echte Tasten oder eine Bedienleiste vermissen.

Solide Grundausstattung mit digitalem Cockpit
Zur Serienausstattung des BMW iX3 zählen 20-Zoll-Räder, LED-Scheinwerfer, Sitzheizung, Sprachsteuerung und Rückfahrkamera. Auch das 17,9 Zoll große Zentral-Display und das Panoramic Vision sind immer an Bord. Hinzu kommen bidirektionales Laden, ein Komfortzugang und ein Frunk (58 l). Insgesamt recht solide, aber natürlich noch weit entfernt von der Vollausstattung. Dafür musst du schon zusätzlich das Kreuzchen z. B. beim Innovationspaket (+1.900 Euro) oder Autobahn- & City-Assistent (+1.450 Euro) machen. Schade: Eine Sitzbelüftung suchten wir im Testwagen vergebens – ebenso in der Aufpreisliste.
An der Verarbeitung des iX3 lässt sich auf den ersten Blick nichts aussetzen. Wer genauer hinsieht, wird aber nicht auf der Premium-Wolke schweben. So kommt im unteren Bereich des Cockpits und an den Türverkleidungen billig wirkendes Hartplastik zum Einsatz.

Reale Reichweite von 548 Kilometern
Die offizielle WLTP-Reichweite lässt erstmal aufhorchen. Maximal 637 (iX3 40) bzw. 805 Kilometer (iX3 50 xDrive) gibt BMW an. Die Münchner nutzen eine moderne 800-Volt-Architektur. In unserem Praxistest zeigte der iX3 50 xDrive mit vollem 108,7-kWh-Akku (netto) eine reale Reichweite von 548 Kilometern an – das ist zwar deutlich weniger als der WLTP-Wert, aber immer noch absolut alltagstauglich. Der Realverbrauch hing im Test stark von der Strecke ab und bewegte sich zwischen 16,3 (Stadt) und 25,1 kWh/100 km (Autobahn). Zur Ergänzung: Der offizielle WLTP-Verbrauch (kombiniert) liegt bei 15,1 bis 18,1 kWh.
Ein echtes Highlight ist das DC-Laden: Der iX3 50 xDrive schafft bis zu 400 kW. An einer passenden Schnellladesäule vergehen so nur 21 Minuten, um von 10 auf 80 Prozent Akkustand zu springen. In unserem Test an einer 350-kW-Säule erreichten wir maximal 270 kW bei einem anfänglichen Ladestand von 37 Prozent – mit leererem Akku wäre da noch mehr drin gewesen.

Serienmäßiger Frunk, 520 Liter Kofferraumvolumen
Die 4,78 Meter Länge und der Radstand von 2,90 Metern sorgen für ein großzügiges Platzangebot im Innenraum. Das Kofferraumvolumen beträgt ordentliche 520 Liter bei aufrechter Rücksitzbank und lässt sich auf bis zu 1.750 Liter erweitern. Ein echtes Plus ist der 58 Liter große Frunk unter der Fronthaube, der perfekt für das Ladekabel taugt. Im Innenraum gibt es zudem reichlich Kopffreiheit und viel Beinfreiheit im Fond. Familien freuen sich über zwei ISOFIX-Halterungen auf den äußeren Rücksitzen.

Fazit: Nicht perfekt, aber fast
Der Hype um den neuen BMW iX3 ist durchaus gerechtfertigt. Der Elektro-SUV macht viel richtig und nur wenig falsch. Zu den Stärken zählen ganz klar die Reichweite, die DC-Ladeleistung und das bidirektionale Laden. Das Platzangebot ist großzügig, das auf links gedrehte Cockpit sorgt eindeutig für einen Wow-Effekt – ebenso der Autobahnassistent.
Die Schwächen des iX3 liegen eher im Detail. Sei es das Hartplastik, das man teils im Innenraum findet, oder die Sonderausstattungsliste, die den Preis weiter nach oben treibt. Auch der Fokus auf Touch-Bedienung sorgt für Diskussionsstoff. Ebenso die Tatsache, dass weder ein adaptives Fahrwerk noch eine Luftfederung zur Auswahl stehen. Wer das nötige Kleingeld hat, findet im BMW ix3 jedoch einen der besten Elektro-SUVs, den es in Deutschland derzeit zu kaufen gibt.