BMW-iX3-Gegner nervt mit Bobby-Car-Lenkrad – Wir sind den Volvo EX60 gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
27. Mai 2026

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Der neue Volvo EX60 nimmt besonders den BMW iX3 ins Visier. Echter Konkurrent oder nur ein Blender? – Wir haben es herausgefunden.

Mit 4,80 Metern Länge überragt der neue Volvo EX60 den Konkurrenten BMW iX3 um zwei Zentimeter. Volvo verspricht Reichweiten von bis zu 810 Kilometern – bei BMW sind es maximal 805 km. Die Preise des EX60 starten bei rund 63.000 Euro.

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Damit ist der Skandinavier absolut konkurrenzfähig zum iX3. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Und ja, wir haben bei unserer Testfahrt auch ein paar Haken gefunden.

Antrieb: Die Basis reicht völlig

Den EX60 gibt es in 3 Leistungsstufen: Das Einstiegsmodell P6 mit Heckantrieb leistet bereits stolze 275 kW (374 PS) und lässt den BMW iX3 40 (320 PS/ab Sommer erhältlich) hinter sich. Darüber rangiert der P10 mit Allrad und 375 kW (510 PS), ebenfalls kräftiger als der BMW iX3 50 xDrive (469 PS). Das Top-Modell P12, das aktuell über 12 Monate Lieferzeit hat, verfügt über Allrad und wahnwitzige 500 kW (680 PS). Hier gibt’s von BMW aktuell noch kein Konkurrenzmodell.

Auf unserer Testfahrt im Einstiegsmodell P6 zeigte sich: Die Leistung reicht völlig, der Wagen zieht kräftig durch und ist leistungstechnisch über jeden Zweifel erhaben. Man fragt sich, warum es überhaupt Versionen mit über 500 oder 600 PS braucht? Schade ist zudem, dass es die größte Batterie nur im teuren Top-Modell P12 gibt.

Liebling, ich habe das Lenkrad geschrumpft

Selten hatte ich ein so kleines Lenkrad in den Händen. Auf den ersten Metern kommst du dir vor wie im Autoscooter. Dieses Mini-Volant passt irgendwie nicht ganz zu einem Auto dieser Größe. In einem kleinen City-Flitzer würde es weniger auffallen. Hier aber wirkt es wie Spielzeug, auch wenn es an der Bedienung selbst (per echter Tasten) nichts auszusetzen gibt. Auch sorgt die reduzierte Größe natürlich für freie Sicht auf das Display unterhalb der Windschutzscheibe.

Davon abgesehen setzt auch beispielsweise Peugeot auf kleine Lenkräder und wer schon einmal das Yoke-Lenkrad von Tesla testen durfte, der wird sich im EX60 allein darüber freuen, dass der Lenkradkranz durchgehend ist.

Und da wir anfangs schon den Vergleich zum BMW iX3, dem neuen Stern am Elektro-SUV-Himmel, gezogen haben: Auch dessen Lenkrad, zumindest die 4-Speichen-Ausführung, ist auch nicht gerade unumstritten. Da kann es schon mal passieren, dass man nicht weiß, wo oben und unten ist.

Fahreindruck: Hoher Fahrkomfort

Das Fahrwerk des P6 mit FSD-Dämpfern arbeitet ordentlich, die Geräuschkulisse bleibt angenehm niedrig. Sprich, der Fahrkomfort ist hoch. Der Autobahnassistent Pilot Assist funktioniert gut, steuert das Auto sicher mittig in der Spur und erkennt zuverlässig die Hände am Steuer. Systeme anderer Hersteller nerven hier deutlich mehr.

Die Lenkung enttäuscht etwas: Sie bleibt rückmeldungsarm und um die Mittellage eher schwammig. Später fuhren wir noch den P9 mit aktivem Fahrwerk. Unser Fazit: Zwischen den Fahrwerken des P6 und P10 merkt man kaum einen Unterschied. Für den P10 sprechen eher der Allradantrieb und die größere Batterie.

Reichweite: 620 bis 810 Kilometer

Das Einstiegsmodell P6 nutzt einen 80-kWh-Akku (Nettokapazität) für bis zu 620 Kilometer Reichweite (WLTP kombiniert). Nach 110 Kilometern Testfahrt lag der Gesamtverbrauch bei vorzeigbaren 17,6 kWh/100 km. Gut zu wissen: Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug moderate 63 km/h. Rein rechnerisch wären angesichts des ermittelten Verbrauchs und der Akkugröße etwa 455 Kilometer reale Reichweite drin gewesen.

Der P10 bietet einen 92-kWhAkku für 660 Kilometer WLTP-Reichweite, das Top-Modell P12 sogar 112 kWh für bis zu 810 Kilometer. Zum Vergleich: Der BMW iX3 50 xDrive kommt mit 108,7 kWh auf max. 805 km. Dank der Ladeleistung von bis zu 370 kW (BMW schafft 400 kW) dauert der Ladehub (10- 80%) je nach Modell gerade einmal 16 bzw. 19 Minuten.

Platz: Gleichauf mit der Münchner Konkurrenz

Der EX60-Kofferraum hat ein Volumen von 523 Litern, womit er sich auf Augenhöhe mit dem BMW iX3 bewegt (520 Liter). Praktisch sind die ebene Ladekante, der doppelte Boden sowie die seitlichen Fächer. Der Heckklappenknopf war anfangs ein Suchspiel. Wer das Auto öfters fährt, sollte sich leichter tun.

Unter der Fronthaube bietet der EX60 einen praktischen Frunk mit 58 Litern Stauraum – das Volumen ist identisch mit dem des BMW. Im Fond ist es dank des Panoramadachs (Serie bei Ultra) erfreulich hell. Die Kopffreiheit hinten fällt großzügig aus und die Füße finden unter den Vordersitzen Platz – allerdings nur mittig, da es an den Seiten nach oben geht. Letzteres können andere Hersteller besser.

Innenraum: Licht und Schatten

Das digitale 11,4 Zoll Kombiinstrument, das nicht direkt hinter dem Lenkrad, sondern näher an der Windschutzscheibe sitzt, ließ sich sauber ablesen. Das zentrale Infotainment-Display misst 15 Zoll und ist horizontal ausgerichtet. Die Menüführung gibt sich relativ übersichtlich, die Temperatur wird im Display geregelt und das serienmäßige Google Maps überzeugt. Das Handschuhfach sitzt untypisch in der Mitte und fällt eher klein aus.

Bei der Qualität muss der EX60 Federn lassen. Ein zuvor gefahrener Volvo ES90 wirkte von den Materialien hochwertiger, war allerdings auch teurer. Im EX60 wirken manche Stellen, wie der Griff der ausziehbaren Oberschenkelauflage, eher billig. Auch die Kunstlederbezüge sind im Detail nicht perfekt verarbeitet. Die gefakte Kristallglaswalze unterhalb des Infotainment kann haptisch ebenfalls nicht überzeugen. Hier merkt man, dass an manchen Ecken gespart wurde, um den Preis attraktiv zu halten.

Preis: Aktuell deutlich günstiger als BMW iX3

Der Volvo EX60 startet zu wettbewerbsfähigen Konditionen. Bei den Ausstattungen kannst du zwischen Plus und Ultra wählen. Der vorläufige Einstiegspreis für den P6 liegt bei 62.990 Euro inklusive guter Serienausstattung.

Wer die Luftfederung wünscht, muss zum Cross Country (Offroad-Look etc.) greifen – da dieser jedoch nur als P10 zu haben ist, werden hier mindestens 68.990 Euro fällig. Der P10 in der Normalversion beginnt bei 65.990 Euro. Für das Top-Modell P12 (über 12 Monate Lieferzeit) werden mindestens 71.990 Euro fällig.

Zum Vergleich: Der BMW iX3 ist bisher nur als 50 xDrive zu haben. Hier geht’s bei 70.900 Euro los. Das günstigere Einstiegsmodell 40 kommt erst im Sommer. Somit bietet der EX60 aktuell den deutlich niedrigeren Einstiegspreis.

Fazit: Ernsthafte Konkurrenz für iX3 und Co.

Der neue Volvo EX60 ist ein starkes Elektro-SUV, das dem BMW iX3 das Leben schwermachen wird. Die Leistung des P6-Basismotors reicht völlig aus, der Testverbrauch war erfreulich niedrig und das Laden gelingt dank 800-Volt-Technik extrem schnell. Auch Platzangebot und Infotainment überzeugen.

Auf der Kehrseite stehen die eher schwammige Lenkung, das gewöhnungsbedürftige Lenkrad und Schwächen bei den Materialien. Zudem nervt die Modellpolitik: Dass es die größte Batterie nur im teuren, fast 700 PS starken Top-Modell P12 gibt, ist schade. Wer mit Heckantrieb und 620 Kilometern WLTP-Reichweite auskommt, findet im P6 dennoch eine gute und günstige Alternative zum iX3 50 xDrive.

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