Gut geklaut statt schlecht gebaut – Wir sind den Renault Captur Klon gefahren

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Der Mitsubishi ASX ist so etwas wie der schamlose Doppelgänger auf der Familienfeier. Du siehst ihn an und denkst: Moment mal, den kenne ich doch. Und ja, natürlich kennst du ihn. Denn der ASX ist im Kern ein Renault Captur mit Mitsubishi-Logo. Das ist kein Geheimnis, kein Skandal und auch keine große Detektivarbeit. Die spannendere Frage ist: Ist das schlimm?

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Nach unserer Fahrt lautet die Antwort: Nein, ganz im Gegenteil. Tatsächlich kann der Mitsubishi ASX (ab 25.390 €) für viele sogar die cleverere Wahl sein. Nicht, weil er plötzlich das Rad neu erfindet. Sondern weil er ein ziemlich rundes Paket schnürt, sparsam unterwegs ist, im Alltag gut funktioniert und Mitsubishi einen gewaltigen Trumpf aus dem Ärmel zieht: ab Werk 5 Jahre Garantie. Renault gibt dagegen nur 2 Jahre. Das ist schon ein Unterschied zwischen „wir drücken die Daumen“ und „wir stehen hinter diesem Auto“.

Außendesign: Captur mit anderem Namensschild, aber nicht ohne Reiz

Optisch macht der ASX einen gelungenen Eindruck. Ja, die Nähe zum Renault Captur ist offensichtlich. Wer das Auto auf dem Supermarktparkplatz sieht, wird nicht plötzlich vor Ehrfurcht niederknien und „Mitsubishi!“ rufen. Dafür ist das Design zu vertraut. Aber vertraut heißt nicht automatisch schlecht.

Der ASX sieht modern, kompakt und angenehm unaufgeregt aus. Kein übertriebener Offroad-Macho, kein Plastikpanzer auf Rädern, keine Lichtshow wie auf einem Dorffest mit Budgetüberschuss. Stattdessen wirkt er wie ein kleines SUV, das genau weiss, was es sein will: ein alltagstaugliches Auto für Menschen, die hoch sitzen, gut einsteigen und nicht jeden Morgen mit einem rollenden Design-Experiment zur Arbeit fahren wollen.

In Summe gefällt mir die Optik des Mitsubishi sogar besser als der Renault Captur, was vor allem an den markanten vertikalen, verchromten Zierelementen an der Front liegt, die einen Kühlergrill imitieren.

Innenraum: Google rettet die Stimmung

Innen gibt es ebenfalls wenig Überraschung, aber einige gute Nachrichten. Das Cockpit ist übersichtlich, die Bedienung weitgehend logisch und das googlebasierte Infotainmentsystem ist ein echter Pluspunkt. Es wirkt nicht wie ein schlecht gelaunter Taschenrechner aus dem Jahr 2014, sondern modern, schnell verständlich und angenehm alltagstauglich.

Renault liefert derzeit eines der besten Betriebssysteme, die es auf dem Markt gibt und der Mitsubishi kann davon ungemein profitieren.

Besonders stark: Android Auto kann die Karte im Vollbild auf dem Fahrerdisplay anzeigen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist im Alltag aber Gold wert. Wer viel mit Google Maps fährt, muss nicht ständig zur Mitte des Armaturenbretts schielen, sondern bekommt die Navigation direkt dort angezeigt, wo sie hingehört: vor die Nase. Warum das nicht längst jedes Auto kann, bleibt eines der großen ungelösten Rätsel der Automobilbranche.

Nicht alles ist perfekt. Die Lautstärkeregelung ist umständlich gelöst – ebenfalls bekannt von Renault, Dacia und Co. Entweder greift man oben auf dem Display herum oder nutzt einen separaten Hebel am Lenkrad. Beides funktioniert, aber keines davon fühlt sich so natürlich an wie ein einfacher Drehregler oder Lenkradtasten.

Sehr gut gefällt dagegen die Lösung für die Assistenzsysteme. Sie lassen sich individuell konfigurieren und anschließend bei jedem Fahrzeugstart über eine physische Taste links vom Lenkrad aktivieren. Das ist praktisch, ehrlich und zeigt: Es müssen nicht immer drei Untermenüs und ein Wutausbruch sein, um ein Auto nach den eigenen Vorlieben einzustellen.

Ein weiteres Highlight ist das klassische elektrische Glasschiebedach mit Sonnenblende. Es lässt sich anstellen und vollständig öffnen. In einer Zeit, in der viele Hersteller nur noch fest verklebte Panoramadächer anbieten, ist das fast schon herrlich altmodisch – im besten Sinne.

Platz und Alltag: ordentlich, aber kein Raumwunder

Das Platzangebot im ASX ist ordentlich. Vorne sitzt man gut, im Fond reicht der Raum für normale Alltagsansprüche aus, und insgesamt wirkt das Auto praktisch genug für Pendelstrecken, Einkäufe, Wochenendausflüge und das übliche Familienchaos.

Aber man sollte keine Wunder erwarten. Ein Volkswagen T-Roc bietet mehr in der Länge und damit auch etwas mehr Raum, und wer regelmäßig mit großen Erwachsenen im Fond unterwegs ist oder ständig den halben Hausstand transportiert, sollte genauer hinschauen. Der ASX ist kein kleines SUV mit Van-Superkräften.

Für die meisten das reichen. Genau das ist ja der Punkt bei solchen Autos: Sie müssen nicht alles besser können als alle anderen. Sie müssen im Alltag möglichst wenig nerven und möglichst viel erleichtern. Und das gelingt dem ASX ziemlich gut.

Hybridantrieb: Sparsam wie ein schwäbischer Buchhalter

Der große Star im ASX ist der Hybridantrieb. Auch den kennen wir in gewohnter Stärke schon aus Dacia-Modellen. In unserem Test kam der Mitsubishi auf einen tatsächlichen kombinierten Verbrauch von 4,3 l/100km im Mix aus Stadt, Überlandfahrt und Autobahn. Das ist richtig stark.

Der ASX fährt damit sehr effizient und zeigt, warum ein guter Hybrid im Alltag weiterhin extrem sinnvoll sein kann. Kein Ladekabel, keine Reichweitenplanung, kein öffentliches Ladepunkt-Roulette. Einfach einsteigen, fahren und sich an niedrigen Verbrauchswerten freuen.

Ganz ohne Kritik kommt der Antrieb aber nicht davon. Im Komfort-Fahrtmodus wirkt der Durchzug beim Auffahren auf die Autobahn etwas schwach. Die Multi-Mode-Automatik sorgt beim Kickdown erstmal nur für Lärm und nur sehr verzögert für Vortrieb.

Man merkt, dass der ASX eher auf Entspannung und Effizienz getrimmt ist. Positiv ist aber, dass die Fahrmodi spürbar unterschiedlich arbeiten. Es gibt also tatsächlich eine Spreizung und nicht nur verschiedene Namen für denselben lauwarmen Brei.

Fahren: bequem, sparsam, meistens entspannt

Auf der Straße gibt sich der ASX angenehm unkompliziert. Er ist kein Auto, das dich morgens zum Umweg über die Lieblingskurve verleitet. Aber das muss er auch nicht. Er soll komfortabel, sicher und berechenbar fahren – und genau das tut er.

Die Fahrmodi verändern den Charakter spürbar, der Hybrid arbeitet effizient und im Alltag fährt sich der ASX angenehm unaufgeregt. Gerade diese Unaufgeregtheit passt gut zum Auto.

Einen echten Aussetzer leistet sich allerdings der Parkassistent. An dieser Stelle müssen wir dringlichst vom Benutzen des automatischen Parkassistenten abraten: Der erkennt Parklücken zwar zuverlässig, ist beim Einparken aber derart übermotiviert, aggressiv und wenig vertrauenswürdig. Im ersten Anlauf  fuhr er deutlich gegen den Bordstein. Die Reifenflanke verhinderte zum Glück größere Schäden an den Felgen.

Auch in mehreren weiteren Parksituationen mussten wir ihn manuell Bremsen und den Vorgang abbrechen, um Kollisionen zu vermeiden.

Dazu kommt die miserable Qualität der Rückfahr- und Fahrzeugkameras. Gerade bei einem Auto, das im Alltag praktisch sein will, ist das ärgerlich. Eine schlechte Kamera ist heute keine kleine Nebensache mehr, sondern ein echter Komfortmangel.

Fazit: Kopie ja, schlechte Idee nein

Der Mitsubishi ASX ist kein originelles Auto. Er ist ein Renault Captur mit anderem Logo. Aber Originalität bezahlt keine Werkstattrechnung, senkt keinen Verbrauch und verlängert keine Garantie.

Genau deshalb hat uns der ASX überrascht. Er sieht gut aus, bietet ausreichend Platz, fährt sparsam, hat ein gelungenes Google-Infotainment, clevere Assistenz-Konfigurationen und ein wunderbar klassisches Glasschiebedach. Die Garantie von bis zu 8 Jahren oder 160.000 Kilometern ist zudem ein starkes Kaufargument gegenüber dem Renault, zumal der Renault Captur (ab 24.950 €) laut Preisliste nur 440 € günstiger einsteigt. Dabei gibt Mitsubishi sofort 5 Jahre Garantie auf bis zu 100.000 Kilometer Laufleistung, die dann jeweils drei Mal um je 1 Jahr verlängert werden kann.

Schwächen gibt es trotzdem: Die Lautstärkeregelung nervt, die Kameras sind schlecht, und der Parkassistent sollte vielleicht erst noch ein paar Fahrstunden nehmen.

Ist der ASX also besser als das Original? In manchen Punkten: ja. Nicht, weil Mitsubishi aus dem Captur plötzlich ein völlig neues Auto gemacht hätte. Sondern weil der ASX die bekannten Stärken übernimmt und mit der längeren Garantie ein echtes Verbraucherargument drauflegt.

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