Dein Weg zum neuen Auto
Ein Elektro-SUV mit 839 PS, 739 km Reichweite und sieben Sitzen klingt nach einem Sportwagen, der sich als Familienauto ausgibt. So preist Lucid den Gravity auch an, als “der erste Supersportwagen mit 7 Sitzen”. Wir sind den Luxus-SUV gefahren und zeigen dir, ob dieses Versprechen aufgeht oder nicht.
Das Einstiegsmodell des Lucid Gravity heißt Touring und startet bei 94.900 Euro. Das ist natürlich sehr viel Geld, aber im Vergleich mit Luxus-SUVs wie dem Mercedes-Benz EQS SUV (ab 107.662 Euro), Lotus Eletre (ab 99.990 Euro) und BMW iX5 (ab 8. Oktober 2026 bestellbar, Startpreis voraussichtlich über 100.000 Euro) erscheint der Startpreis des Gravity nicht außergewöhnlich hoch. Dafür erhält man 5 Sitze, 539 PS und eine WLTP-Reichweite von maximal 545 km dank 89 kWh Akku. Möchte man den Gravity mit 7 Sitzen, dann muss man zumindest auf die Touring Plus-Ausstattungslinie setzen, diese fängt bei 99.900 Euro an und liefert weitere Komfort-Extras wie beheizbare Sitze im Fond und elektrische Sonnenrollos.
Lucid Gravity Testbericht entdecken
Unser Testwagen ist der Lucid Gravity in der Ausstattungsvariante Grand Touring, der eine gesteigerte Leistung von 839 PS hat und dank 123 kWh Akku eine größere WLTP-Reichweite von bis zu 739 km schaffen soll. Der Basispreis des Testwagens liegt bei 119.900 Euro, während die Top-Ausstattung Grand Touring Ultimate mit 147.500 Euro zu Buche schlägt. “Der erste Supersportwagen mit 7 Sitzen” fällt preislich für einen Luxus-SUV nicht aus dem Rahmen, günstig ist er jedoch nicht. Jetzt finden wir heraus, was man für dieses Geld bekommt.

839 PS im Familien-SUV
Fangen wir mit dem offensichtlichsten Punkt an: Der Leistung. Zwei Permanentmagnet-Elektromotoren treiben alle vier Räder an und liefern zusammen 617 kW beziehungsweise 839 PS. Dazu kommen 1.232 Nm Drehmoment. Das spürt man beim Tritt auf das Fahrpedal, denn der Gravity schiebt einfach los. 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind für ein Fahrzeug dieser Größe ziemlich absurd, denn der Gravity wiegt als Siebensitzer 2.749 Kilogramm. Ähnliches haben wir nur beim Tesla Model X Plaid erlebt, der mit seinen 1.020 PS in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt – nur wurde dieses Modell mittlerweile eingestellt.

Die Höchstgeschwindigkeit des Lucid Gravity Grand Touring liegt bei 250 km/h und auf der Autobahn fühlt er sich zuhause. Dieses Gefühl von zuhause stellt sich auf schmalen Landstraßen weniger ein, denn, was uns beim ersten Anblick des Testwagens direkt aufgefallen ist und sich hier beim Fahren bemerkbar macht: Der Gravity ist breit. Er misst 2 Meter (mit Außenspiegeln sind es fast 2,2 m) in der Breite, sodass man bei schmalen Landstraßen oder Baustellen gerne mal ins Schwitzen kommt.

Ansonsten liegt der fünf Meter lange Gravity satt auf der Fahrbahn und schluckt dank der Luftfederung Unebenheiten ohne Probleme, während die optionale Hinterachslenkung den Wendekreis auf 11,7 Meter reduziert. Außerdem ermöglicht das One-Pedal-Drive das Fahren in der Stadt in weiten Teilen allein mit dem Fahrpedal. Das Ergebnis ist eine ziemlich ungewöhnliche, aber durchaus harmonische Mischung: komfortabler Familiengleiter und Performance-SUV in einem.

Riesiger Akku bietet riesige Reichweite
Nicht minder erstaunlich als die 839 PS Leistung für einen Familien-SUV ist die Reichweite des Gravity Grand Touring. Die Batterie fasst netto 123 kWh und kommt somit bis zu 739 Kilometer laut WLTP weit. Bei unseren Testfahrten landen wir bei einer Realreichweite von etwa 500 bis 530 Kilometern. Somit kommen wir nicht an den WLTP-Verbrauch von rund 18,2 bis 19,1 kWh/100 km heran, jedoch bleibt trotzdem eine Reichweite übrig, mit der man lange Strecken zurücklegen kann.
Damit man bei einer derart großen Batterie nicht sehr lange an einer Ladestation steht, kommt der Gravity Grand Touring mit einem 926-Volt-System, das eine maximale Ladeleistung von 400 kW ermöglicht. Lucid gibt für das Aufladen von 10 auf 80 Prozent rund 26 Minuten an; außerdem sollen in 14 beziehungsweise 15 Minuten mehrere hundert Kilometer Reichweite nachgeladen werden können – das sind sehr gute Werte.

Sieben Sitze, die man tatsächlich alle nutzen kann
Der eigentliche Star des Gravity ist nicht allein der Antrieb, sondern die Paarung des Antriebs mit der Option für 7 Sitze. Der überraschende Teil dabei ist: Selbst ganz hinten sitzt man noch okay. Natürlich ist die dritte Reihe kein Business-Class-Abteil und für Erwachsene wird es auf längeren Strecken insbesondere um die Knie eng. Trotzdem sitzt es sich dank des Panorama-Dachs, eigener Lüftungsdüsen und der USB-C-Anschlüsse in der dritten Reihe relativ anständig und Kinder sitzen dort noch bequemer.

Dabei ist der Umklappmechanismus ziemlich clever, denn die Sitze der dritten Reihe lassen sich unter den Kofferraumboden falten. Das einzig ungewöhnliche ist, dass die Sitze dort nicht einrasten, sodass man sie in dieser Position dribbeln kann wie einen Basketball. Nichtsdestotrotz ist es deutlich cleverer gelöst, als man es bei einem auf Performance getrimmten Luxus-SUV erwarten würde.

Kofferraum? Riesig. Frunk? Noch riesiger.
Das Fassungsvermögen des Lucid Gravity liegt bei 780 Liter Kofferraumvolumen, wenn die 7 Sitze aufgerichtet sind. Das schafft der Gravity dank des Gepäckraums, der unter der Laderaumabdeckung frei wird, wenn die dritte Sitzreihe aufgerichtet wird.
Besonders praktisch am Kofferraum ist die niedrige, verchromte Ladekante, denn der Gravity wirkt ohnehin eher wie ein hochgelegter Kombi als wie ein klassischer SUV. Das macht sich beim Beladen positiv bemerkbar. Außerdem lassen sich schwere Gegenstände leicht herausheben, weil die Ladefläche eben ist und es keine Stufe an der Ladekante gibt.

Im Kofferraum gibt es außerdem zusätzliche Ablagen und Haken sowie eine 12-Volt-Steckdose und eine 220-Volt-Steckdose. Sollte die Größe des Kofferraums nicht ausreichen, dann kann die zweite Sitzreihe per Knopfdruck aus dem Kofferraum umgelegt werden, sodass ein riesiges Kofferraumvolumen von rund 3.000 Liter (7-Sitzer, bei 5-Sitzer sind es rund 160 Liter mehr) zur Verfügung steht.

Dazu kommt noch das Gepäckabteil vorne. Der Frunk des Lucid Gravity fasst 230 Liter und er lässt sich so zugänglich machen, dass man sich in typischer Tailgate-Manier hineinsetzen kann. Darum bietet der Frunk sogar Cupholder.

Der Gravity bietet nicht nur viel Platz zum Verstauen, sondern man kann auch durchaus schwere Sachen transportieren. Die maximale Zuladung beträgt 636 kg und sollte nicht einmal das reichen, dann kann der Elektro-SUV sogar maximal 2.500 kg Anhängelast ziehen.

Innenraum: Wow-Effekt trifft Bedienungsfrust
Vorne eingestiegen grüßt das 34 Zoll große, gebogene 6K-OLED-Display, das sich über einen großen Teil des Armaturenbretts zieht. Darunter sitzt ein weiteres horizontales 12,6 Zoll Display und die Konnektivität ist gut, Android Auto und Apple CarPlay sind serienmäßig. Die Materialien im Innenraum sind hochwertig, die Verarbeitung ist auf hohem Niveau und die Sitze bequem sowie je nach Ausstattung beheizbar, belüftbar und mit Massagefunktion. Das Panorama-Glasdach ist ebenfalls ein echter Hingucker: Es reicht weit nach vorne und vermittelt ein außergewöhnliches Raumgefühl.

Im Cockpit gibt es dann ein paar Bedienmöglichkeiten, die ungewöhnlich, wenn nicht sogar teils nervig sind. Zum Beispiel geht die Einstellung der Außenspiegel, für die man bei anderen Autos einfach einen Knopf drückt, über die Lenkradtasten in Kombination mit dem zentralen Display. Überhaupt ist die eckige Form des Lenkrads gewöhnungsbedürftig. Es sieht zwar hochwertig aus, die ungewöhnliche Form und die Touch-Bedienfelder irritieren beim ersten Kontakt aber eher, als dass sie den Alltag erleichtern.
Außerdem ist es ungewöhnlich, dass es keinen Griff am Handschuhfach für das Öffnen gibt und die Tür sich mit einem unkonventionellen Hebel an der Innenseite des Türgriffs öffnen lässt. All diese Bedienmöglichkeiten kann man erlernen, intuitiv waren sie für uns anfangs jedoch nicht.

Im Fond sitzt es sich hervorragend. Die Kniefreiheit ist enorm, die Kopffreiheit ist ebenfalls groß und das bereits erwähnte Panoramadach sorgt für eine wohlige Atmosphäre. Zudem gibt es Klapptische an den Rücksitzen ab der Grand Touring Ausstattung. Der Einstieg wird mit Türen erleichtert, die sich im 90-Grad-Winkel öffnen lassen. Insbesondere dann hilfreich, wenn man Kinder in den Kindersitz bringt.

Supersportwagen mit sieben Sitzen?
Technisch liefert der Gravity Grand Touring außergewöhnliche Werte: sieben Sitze, riesiger Kofferraum, 839 PS Leistung, 3,6 Sekunden auf 100 km/h, bis zu 400 kW Ladeleistung und eine enorme 123 kWh Batterie. Nur zahlen Käufer:innen insbesondere in diesem Luxus-Segment nicht nur für das Auto und seine technischen Werte. Sie kaufen auch eine vergleichsweise junge, relativ unbekannte Marke mit einem deutlich kleineren Service-Netz als die etablierten deutschen Premiumhersteller. Genau das macht einen 147.300-Euro-Luxus-SUV – der Preis unseres Testwagens – zu einer mutigen Anschaffung. Der Gravity schafft jedoch etwas, das ziemlich einzigartig ist: Er verbindet die Fahrleistungen eines Sportwagens mit der Alltagstauglichkeit eines großen Familienautos.