Dein Weg zum neuen Auto
Der Cadillac Optiq will mehr sein als ein durchschnittliches, vollelektrisches Kompakt-SUV. Optisch gelingt das, technisch weniger.
In dem Meer aus optisch austauschbaren Elektro-SUVs setzt Cadillac mit dem Optiq ein klares Statement für Individualismus. Das Fahrzeug will unmissverständlich im Premium-Segment mitmischen und schlägt dabei einen betont eigenständigen Weg ein. Mit seiner auffälligen, dynamischen Formsprache richtet sich der US-Amerikaner an eine extrovertierte Zielgruppe.
Cadillac Optiq Testbericht entdecken
Unser Testwagen unterstrich diesen Anspruch nachdrücklich: Die optionale Lackierung in Coastal Blue Metallic (+950 Euro) harmoniert mit den markanten Linien der Karosserie. Innen setzt sich das Ganze mit blauen Akzenten in Santorini Blue gekonnt fort. Wer hier einsteigt, will in der Masse nicht untergehen, sondern herausstechen.

Premium-Preis, aber mit reichlich Ausstattung
Mit einem Einstiegspreis von 57.500 Euro ist der allradgetriebene Cadillac Optiq (281 PS) selbstbewusst eingepreist. Mit 4,82 Metern ordnet er sich zwischen den kompakten Elektro-SUVs und den Oberklasse-Modellen ein. Ein direkter Konkurrent: der 4,81 Meter lange Lexus RZ, der mit 224 PS und Frontantrieb bei 57.100 Euro startet. Den 380 PS starken Allrad gibt’s aber erst ab 63.000 Euro.
Der stolze Preis des Cadillac relativiert sich beim Blick in den Konfigurator: Cadillac verzichtet auf eine komplexe Aufpreispolitik und stattet das Fahrzeug ab Werk üppig aus. Zur Serienausstattung gehören unter anderem ein großes Curved Display, ein weit nach hinten reichendes Panoramadach, eine leistungsfähige Brembo-Bremsanlage sowie markante 21-Zoll-Leichtmetallfelgen. Damit entfällt das bei vielen Herstellern übliche Nachordern teurer Einzeloptionen.

Ausreichend Leistung, schwergängige Lenkung
Mit seinem Allradantrieb, einer Systemleistung von 281 PS und einem Drehmoment von 480 Nm beschleunigt der Optiq in 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Diese Werte sorgen für souveränen Vortrieb, ohne aus dem SUV gleich einen Sportwagen zu machen. Der Optiq fühlt sich massiv und schwer an, keineswegs leichtfüßig. Die Lenkung ist direkt und präzise abgestimmt, benötigt allerdings einen gewissen Kraftaufwand.
Dank des tief im Unterboden integrierten Akkus liegt der Schwerpunkt niedrig, was dem Wagen bei zügiger Kurvenfahrt eine gute Stabilität verleiht. Im Alltag gefällt das One-Pedal-Drive, das das Fahrzeug bis zum vollständigen Stillstand verzögert. Neben den zwei einstellbaren Stufen lässt sich die Rekuperation über eine Wippe links am Lenkrad kurzzeitig verstärken – eine ungewohnte Detaillösung, die nach kurzer Eingewöhnung aber überzeugt. Vor allem, wenn im dichten Stadtverkehr unerwartet schnell runterbremsen muss.

Spurzentrierung nur bis 137 km/h
Bei den Assistenzsystemen macht der Optiq seine Sache teils gut, teils weniger. Der Assistent, der die Spur, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und die Geschwindigkeit hält, verrichtet seine Aufgabe zuverlässig. Positiv fällt auch auf, dass er nicht permanent mit störenden Hinweisen zur Lenkradberührung nervt.
Allerdings erfordert die Aktivierung zwei Schritte: Zuerst musst du den adaptiven Tempomaten einschalten, danach klappt’s erst mit der Spurzentrierung – andere Hersteller können das mit einer Taste. Auffällig ist zudem die Systembegrenzung auf maximal 137 km/h. Wohl kein Zufall, denn 137 km/h sind 85 Meilen – mehr ist in den USA nicht erlaubt. Nur schade für deutsche Kunden.
Suboptimal gelöst ist die Ablenkungswarnung: Sie meldet sich durch eine starke Vibration in der Sitzfläche. Eine Lösung, die wir so woanders noch nie gesehen haben. Zu Recht, denn das Ganze irritiert extrem. Wir haben die Funktion schnell deaktiviert. Eine gewöhnliche akustische oder optische Warnmeldung ist aus unserer Sicht sinnvoller.

Edler Innenraum mit optischen Akzenten
Zieht der Optiq von außen die Blicke auf sich, ist er innen nicht weniger auffällig. Unser Testfahrzeug war in der Farbkombination Sky Cool Gray mit Akzenten in Santorini Blue gestaltet – ein echter Hingucker. Wem die helle Farbgebung zu anfällig für Schmutz oder Verfärbungen erscheint, der bekommt das Interieur auch wahlweise in Schwarz, Dunkelblau oder Braun. Der Materialmix im oberen Bereich des Armaturenbretts und der Türen wirkt edel und bietet interessante Stoffmusterungen, die man bei Mitbewerbern selten sieht. An den unteren Türbereichen und der Mittelkonsole kommt jedoch auch einfacher Kunststoff zum Einsatz – so ist es nicht.
Das Curved Display ist optisch ansprechend integriert, jedoch verdeckt das Lenkrad je nach Sitzposition etwas den linken Rand des Fahrerdisplays samt Blinkeranzeige. Gut: Google Maps ist bereits ab Werk integriert. Weniger gut: Ist das Smartphone kabellos verbunden, füllt Android Auto die Bildschirmfläche nicht voll aus und ein schwarzer Rahmen bleibt zurück. Die Smartphone-Ablage bietet induktives Laden in aufrechter Position, ist jedoch tief in die Mittelkonsole integriert.

Viel Platz im Fond, Kofferraumvolumen eher mäßig
Beim Platzangebot punktet der Fünftürer vor allem im Fond. Die Beinfreiheit ist äußerst großzügig bemessen, begünstigt durch den fehlenden Mitteltunnel und eine gut nutzbare Fußgarage unter den Vordersitzen. Das weit nach hinten gezogene, serienmäßige Panoramadach flutet den Innenraum zudem mit viel Licht. Dank der Bestwertung von fünf Sternen bei Euro NCAP ist auch ein hohes Sicherheitslevel gewährleistet.
Der Kofferraum fasst ein überschaubares Volumen von nur 443 bis 1.340 Litern. Angesichts der Länge von 4,82 könnte man mehr erwarten – auch ein Frunk, ein Fach unter der Fronthaube, fehlt. Dafür gibt’s unterm Ladeboden zusätzliche 61 Liter Stauraum.

Zum Vergleich: Der Lexus (4,81 Meter) schluckt immerhin 522 bis 1.515 Liter. Das Gute beim Cadillac Optiq: Die Ladekante fällt angenehm niedrig aus und wird durch eine feine Aluminium-Abdeckung geschützt. Die elektrische Heckklappe gehört zum Serienumfang. Bauartbedingt fordert das markante Außendesign seinen Tribut bei der Übersichtlichkeit: Die Sicht durch die kleine Heckscheibe ist eingeschränkt.

Niedrige Reichweite, hoher Verbrauch
Die 75-kWh-Batterie (netto) des Cadillac Optiq reicht für eine WLTP-Reichweite von gerade mal 425 Kilometern. DC-Schnellladen gelingt auch nur mit maximal 110 kW. Ein allradgetriebener Lexus RZ mit 380 PS schafft bis zu 150 kW und kommt offiziell 462 bis 493 Kilometer weit. Was in puncto Reichweite möglich ist, zeigt ein BMW iX3 40 xDrive (ab 65.900 Euro). Er fällt mit 4,78 Metern etwas kürzer aus, kommt mit seinem 82,6-kWh-Akku nach WLTP aber bis zu 621 Kilometer weit.
Der offizielle Verbrauch des Optiq ist mit 19,9 kWh/100 km angegeben (Lexus RZ AWD: 16,8-18,1 kWh/100 km). Wäre das schon nicht gerade wenig, liegen die ermittelten Praxiswerte nochmal darüber. Auf einer reinen Autobahnetappe ermittelten wir einen Verbrauch von 28,6 kWh/100 km. In der Stadt lag der Optiq bei 22,7 kWh/100 km. Der vergleichsweise hohe Verbrauch sorgt in Kombination mit der überschaubaren Batteriekapazität zu entsprechend häufigen Ladestopps auf der Langstrecke.

Fazit: Extravaganz vor Effizienz
Der Cadillac Optiq sticht mit seinem extrovertierten Design, der üppigen Serienausstattung und dem hervorragenden Platzangebot im Fond als US-Alternative aus der Masse der Elektro-SUVs hervor. Dem stehen jedoch ein hoher Verbrauch, eine mäßige Reichweite und eine niedrige Ladeleistung gegenüber. Für die Langstrecke sind andere besser geeignet.
Im Detail geht der Optiq teils eigene Wege. Im Fall des Rekuperationshebels am Lenkrad ist das durchaus gelungen, im Fall der vibrierenden Ablenkungswarnung im Sitz eher weniger. So oder so, wer nach viel Individualismus sucht, erhält ein charmantes Premium-Paket ohne unübersichtliche Aufpreislisten. Unterm Strich ist der Optiq somit eine charismatische Wahl für Mutige, die Extravaganz über reine Effizienz stellen.