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Wir waren auf Testfahrt mit dem VW ID. Buzz GTX – einem Elektro-Kleinbus mit 340 PS. Klingt gut, doch Verbrauch und Reichweite trüben das Bild.
Mit 340 PS und 4MOTION-Allradantrieb ist der VW ID. Buzz GTX der bisher stärkste Serien-Bulli aller Zeiten. Nicht nur das: Er scheint auf den ersten Blick der wahrgewordene Familien-Traum zu sein – vor allem für den, der hinterm Steuer sitzt. Doch stellt sich die Frage: Braucht ein Elektro-Kleinbus wirklich diese Power? Und wie schlägt sich der Wagen in der Praxis, wenn es um Verbrauch, Reichweite und Alltagstauglichkeit geht? – Das haben wir getestet.
VW ID. Buzz GTX Testbericht lesen

Fahrgefühl: Schnell, aber auch straff
Der ID. Buzz GTX überrascht bei der ersten Fahrt mit seiner kräftigen Beschleunigung. Trotz der 2,8 Tonnen Leergewicht haben die 340 PS leichtes Spiel, was auch daran liegt, dass das enorme Drehmoment von 679 Nm E-Auto-typisch sofort anliegt. Oder um es in Zahlen auszudrücken: In nur 6,4 Sekunden ist die 100-km/h-Marke erreicht – und das in einem Kleinbus. Trotz des hohen Gewichts fühlt sich der ID. Buzz GTX agil an. Auch bei höheren Geschwindigkeiten bleibt das Fahrgefühl angenehm.

Doch es gibt einen Haken: Das Fahrwerk, das für den sportlichen GTX angepasst wurde, sorgt zwar für eine gute Performance auf der Straße, aber der Komfort leidet im Alltag. Bei Fahrten über schlechte Straßen und Schlaglöcher wird das straffe Fahrwerk unangenehm spürbar. Im Comfort-Modus konnte der Wagen den Stößen nur bedingt entgegenwirken. Eine Sänfte ist der GTX also nicht.

Verbrauch und Reichweite: Durstig mit wenig Ausdauer
So viel Spaß die Leistung des GTX auch macht, so sehr wirkt sie sich negativ auf Verbrauch und Reichweite aus. In unseren Tests lag der Verbrauch deutlich höher als von VW angegeben. Nach dem offiziellen WLTP-Zyklus (kombiniert) soll der ID. Buzz GTX mit langem Radstand 20,2 bis 21,3 kWh/100 km verbrauchen.

Doch während der Testfahrt, die vorwiegend über die Autobahn führte, erreichten wir einen durchschnittlichen Verbrauch von stolzen 32 kWh/100 km. Auf der Landstraße blieben wir knapp unter der 30-kWh-Marke. Hier ermittelte der Bordcomputer etwas mehr als 29 kWh. So wundert es auch nicht, dass wir bei voller Batterie, also 100% Akkustand, nicht einmal 300 Kilometer Reichweite angezeigt bekamen. Das ist weit entfernt von den offiziellen 473 WLTP-Kilometern.
Und ja, bei niedrigeren Geschwindigkeiten und viel Rekuperation in der Stadt sollte der Verbrauch unter unseren Werten liegen. Ein Effizienzwunder wird der GTX aber auch dann nicht. Sprich, für lange Strecken ist der 340-PS-Kleinbus nur bedingt geeignet. Außer du stehst gerne an der Ladesäule.

Die Ladeleistung kann sich sehen lassen. 200 kW sollen laut VW beim DC-Laden maximal möglich sein. Ein guter Wert, der kurze Ladepausen verspricht. Von 10 auf 80 Prozent sollen nur 26 Minuten vergehen. Darüber hinaus gibt EV Database für die Spanne 10-80% eine durchschnittliche Ladeleistung von 145 kW an.
Im Test jedoch erreichten wir bei einem Ladezustand von 35 Prozent maximal 104 kW. Das kann auch an den niedrigen Temperaturen gelegen haben. Wir hätten uns trotzdem etwas mehr erwartet. Zur Ergänzung: An einer Wallbox sind per AC-Laden höchstens 11 kW möglich.

Bedienung: Viel Luft nach oben
Die weitgehende Touch-Bedienung ist nicht gerade die Sahneseite des ID. Buzz GTX. Der 12,9-Zoll-Monitor ist groß und übersichtlich, doch die Bedienung fällt weniger intuitiv aus, als man es von VW von früher gewohnt ist. Die Sprachsteuerung hat ebenfalls ihre Tücken: Unsere Versuche, mit dem Sprachassistenten „Hallo IDA“ bestimmte Funktionen zu steuern, waren nicht immer von Erfolg gekrönt.
Zudem ist die Platzierung der Lenkradtasten und Touchflächen nicht besonders ergonomisch. Insbesondere die Lautstärkeregelung auf der linken Seite des Lenkrads empfanden wir als unpraktisch. Auch über die Touch-Slider an der Unterseite des mittigen Touchscreens lässt sich nach wie vor streiten.

Platzangebot: Das wahre Highlight
Der ID. Buzz GTX hat natürlich auch seine Stärken. Das Platzangebot ist riesig. Mit einer Länge von fast fünf Metern, einer Breite von knapp zwei Metern und einer Höhe von 1,91 Metern bietet der E-Kleinbus mehr als genug Platz für bis zu sieben Personen – je nach Konfiguration.
Besonders praktisch sind die beidseitigen Schiebetüren, die das Einsteigen in den Bulli erheblich erleichtern. Die Sitze in der zweiten und dritten Reihe lassen sich verschieben oder sogar ausbauen, was für eine hohe Flexibilität sorgt. So ist der ID. Buzz GTX ist ideal für Familien oder Reisen mit vielen Personen und Gepäck.

Zusätzlich bieten die cleveren Ablageflächen und die Klapptische an den Rücksitzlehnen der Vorderstühle noch mehr Praktikabilität. Leider gibt es bei den Becherhaltern an den Tischen ein kleines Designproblem – schmale Dosen fallen schnell durch. Aber im Cockpit sind die Cupholder perfekt platziert und bieten ausreichend Stauraum für Getränke.
Apropos Stauraum: Beim 7-Sitzer gehen hinter der 3. Sitzreihe immer noch 306 Liter ins Heck, hinter der 2. Sitzreihe steigt das Volumen auf 1.340 Liter. Maximal sind 2.469 Liter im Testwagen mit langem Radstand möglich. Auch an dieser Stelle setzt der ID. Buzz auf Variabilität: Mit dem optionalen Multiflex-Board entsteht eine zweite Ladeebene.
Fazit: Eher Spaßobjekt als Vernunftkauf
Der ID. Buzz GTX ist ein Elektro-Bulli, der mit seiner enormen Leistung sicherlich beeindruckt. Doch muss man ehrlich die Frage stellen, ob diese Power wirklich notwendig ist. Für viele Fahrer dürfte das Top-Modell übermotorisiert sein – besonders im Hinblick auf den hohen Verbrauch und die begrenzte Reichweite.
Jede Menge Platz und hohe Flexibilität bietet er natürlich trotzdem. Nur können das auch die zivileren, deutlich günstigeren Versionen. So solltest du die 75.000 Euro (oder mehr) eigentlich nur in die Hand nehmen, wenn dir Performance wichtiger ist als Reichweite.
