Volkswagen Scirocco

Ein extravagantes, aber trotzdem grundsolides Coupé

8,5
Wow-Wertung
Das ist die mittlere Bewertung der führenden Autozeitungen.
  • Harmonisches Fahrwerk
  • Großes Motorenangebot
  • Großer Kofferraum
  • Unbequemer Einstieg hinten
  • Hohe Ladekante
  • Infotainment veraltet

24.950 € - 33.750 € Preisklasse

4 Sitze

4,2 - 6,4 l/100km

Test

Der erste Scirocco, der 1974 von VW präsentiert wurde, wollte von Anfang an eine sportliche und trotzdem grundsolide Alternative zum VW Golf sein. Das Scirocco-Arbeitsprinzip, Frontmotor und Frontantrieb, hat bis heute Bestand. Seine Zugehörigkeit zur Golf-Familie bringt viele Vorteile mit sich: Eine vertraute Bedienung, ein sicheres Fahrverhalten, gute Motoren und die Solidität eines Produkts aus Wolfsburg.

Mit seinen vier Sitzplätzen, zwei Türen und dem großen Kofferraum gehört der Scirocco zu den vernünftigen Coupés, wobei die Dynamik dank seines Fahrwerks und der bis zu 280 PS unter der Haube sicher nicht zu kurz kommt.

Sein Konzept hat hohe Reife. Produziert wird der Scirocco schon seit 2008 und im Jahr 2014 erhielt er ein Facelift, das ihn von der Technik und der Optik noch reifer machte. Damals erhielt der VW moderne Motoren und neue Ausstattungsextras. Die Front- und Heckpartie wurde überarbeitet. Der Scirocco bekam neue Scheinwerfer, ein schwenkbares VW-Emblem als Heckklappenöffner und neue Instrumente im Innenraum.

Mit seinen Raumqualitäten transportiert der VW Scirocco zwei Erwachsene und zwei Kinder plus Gepäck. Als praktische Alternative zu Sportcoupés wie dem Toyota GT86, Hyundai Veloster, Audi TT, Subaru BRZ oder BMW 2er Coupé hat der Scirocco gute Anlagen zum Erfolg. Zugleich muss er aber auch einen firmenintern überstarken Konkurrenten immer wieder abwehren.

Wenn Nachwuchs ansteht, darf der VW Scirocco bleiben. Mit seinen vier Sitzplätzen und seinem ordentlichen Kofferraum gehört der Scirocco zur Kategorie der geräumigen Coupés.

Das Interieur

Vorne ist genug Platz, hinten weniger – Im Raumangebot fällt der Scirocco deutlich sportlicher aus als der Golf. Das Dach sitzt tiefer und die Besatzung ebenfalls. Die Vordersitze bieten reichlich Bewegungsfreiheit für Schultern und Beine und fixieren den Fahrer trotzdem so gut im Sessel, dass er konzentriert seiner Arbeit am Lenkrad und auf der Bremse nachgehen kann.

Auch die Instrumente und die Bedienung lenken ihn nicht davon ab. Die in Tuben sitzenden Zeigerinstrumente, das Farbdisplay für den Bordcomputer sowie die Schalter und Tasten entstammen VWs großem Teilebaukasten und sind damit zumeist vom VW Golf bekannt.

Auch das Dreispeichen-Sportlenkrad mit griffiger Lederummantelung kennt man vom Golf GTI. Dagegen wecken die Zusatzinstrumente für Ladedruck, Motoröltemperatur und die Stoppuhr Erinnerungen an den ersten VW Scirocco – wenn man sich an den noch erinnert.

Der Kofferraum

Der ordentliche Kofferraum und die große und damit ladefreundliche Heckklappe machen den Scirocco zum Sportwagen für den Hausgebrauch. Das Gepäckabteil fasst regulär ein Ladevolumen von 292 Litern.

Wird die symmetrisch umklappbare Rückbanklehne in ihren zwei Teilen in die Ebene umgelegt, passen voluminöse 1.006 Liter auf die Ladefläche. Das ist praktisch. Die hohe Ladekante ist es nicht.

Der Scirocco lag mit seiner abgeduckten Karosserie und dem tiefen Schwerpunkt von Anfang an sportlicher und erdiger auf der Straße als ein Golf – und das will etwas heißen, denn schon der VW Golf wurde in seinen bis heute sieben Generationen, besonders als GTI, fast durchgehend für sein flott-sicheres Handling gelobt.

Der Scirocco wedelt mit seiner sensiblen und präzisen Lenkung Fahrspaß bereitend durch die Kurven. Rollt das Coupé auf Breitreifen und ist die elektronische Differenzialsperre XDS, die Untersteuern (Schieben über die Vorderräder) fast ganz verhindert, installiert, dann klappt das sportliche Fahren besonders gut.

Der Scirocco R, der die elektronische Differenzialsperre XDS serienmäßig an Bord hat und auf 18-Zoll-Rädern rollt (optional: 19 Zoll), ist das beste Beispiel für diesen guten Sportsgeist. Der beim starken Bremsen auch mal in einem plötzlich ausbrechenden Heck enden kann. Das ist die eine Seite des Scirocco.

Die andere lässt auch Komfort zu. Der Scirocco liegt für ein Sportcoupé überraschend geschmeidig und kommod auf der Straße, was ihn auch zum angenehmen Langstreckler macht.

Hat man für die adaptive Fahrwerksregelung extra bezahlt, lässt sich die Dämpfung in den Modi “Comfort”, “Normal” und “Sport” beeinflussen. Allerdings fallen die Unterschiede hier nicht so dramatisch aus, dass diese Investition unbedingt notwendig wäre.

Starken Benziner, sparsamen Diesel oder doch den günstigeren Einstiegsmotor nehmen? Der VW Scirocco lässt einem mit sechs Motoren alle Optionen. Mit dem manuellen Sechsganggetriebe oder der Sechsgang-Doppelkupplungsautomatik auch bei den Getrieben.

Die Benziner

Von den sechs Vierzylindermotoren sind vier Benziner. Sie leisten entweder 125 PS, 180 PS, 220 PS oder 280 PS und sind serienmäßig mit einer Start-Stopp-Automatik liiert. Mit dem 1,4-Liter-Turbo mit 125 PS fährt man mit 203 km/h schon ganz flott und gut, wenn die Erwartungshaltung beim Durchzug nicht zu hoch ist.

Der 2,0-Liter-Turbo mit 180 PS Leistung sorgt dafür, dass in dem rund 1,4 Tonnen schweren, dann schon 227 km/h schnell laufenden Scirocco noch mehr Dynamik aufkommt. Die heißesten Aggregate haben im Scirocco ebenfalls zwei Liter Hubraum und schicken 220 und 280 PS an die Vorderräder.

Der 2.0 TSI des Scirocco GTS, der auch im Golf GTI zur Arbeit geht, lässt den Scirocco in 6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten, läuft 246 km/h und verbraucht 6,1 bis 6,4 Liter Super.

Mit dem stärkeren 2.0 TSI im Scirocco R gelingt das Gleiche in 5,5 Sekunden, mit 250 km/h und 7,9 bis 8,0 Litern. Aber nur auf dem Papier. Um Kraftstoff zu sparen, gibt es im Scirocco andere Spezialisten.

Die Diesel

Die Diesel von Volkswagen sind dafür bekannt, viel Kraft zu bieten, aber wenig zu verbrauchen. Zwei Diesel mit 150 und 184 PS, die mit Start-Stopp ausgestattet sind, die Euro 6-Abgasnorm erfüllen und 215 und 230 km/h laufen, stehen zur Wahl. Die 150-PS-Variante im Scirocco 2.0 TDI ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,2 bis 4,5 l/100 km der Sparspezialist.

Der 2.0 TDI mit 184 PS, der auch im Golf GTD Dienst tut, klingt dank des Soundgenerators fast wie ein kerniger Benziner und düpiert den 280-PS- und 350-Newtonmeter-Benziner im Scirocco R im maximalen Drehmoment mit geballten 380 Nm an den Vorderrädern.

Die Sicherheit im Scirocco kostet einiges. Sicherheitsfeatures wie der Toter-Winkel-Warner, die Müdigkeitserkennung, der Fernlichtassistent, die Rückfahrkamera, die Parksensoren, der Licht- und Regensensor und das Xenonlicht samt Kurven- und Abbiegelicht kosten extra und lassen den Preis des Scirocco nach oben schnellen.

Nur bei der Verkehrszeichenerkennung und dem Spurhalteassistenten ist das nicht so, denn beide Systeme stehen im VW Scirocco nicht einmal im Angebot.

Die gute Bremse ist Serie. Das ESP, der Bremsassistent, die Reifendruckkontrolle und die LED-Rückleuchten, die bei einer Vollbremsung hinterherfahrende Fahrzeuge mit einem Aufblinken warnen, hat der Scirocco ebenfalls serienmäßig mit dabei.

Im ADAC-Bremstest kam der VW Scirocco nach einer Vollbremsung aus 100 km/h nach hervorragenden 34,7 Metern zum Stehen. Das Crashverhalten der Karosserie und die Sicherung durch die elektronischen Helfer wurden im Euro NCAP-Crashtest mit der maximalen Wertung von fünf Sternen bewertet.

Die Liste der serienmäßigen Ausstattungsposten ist auch im Scirocco mal wieder kürzer als die Liste der Extras – typisch VW.

Zum Lieferumfang ab Werk gehören im Scirocco unter anderem die Klimaanlage, das Radio mit acht Lautsprechern, der Bordcomputer, das Sportlenkrad, die höhenverstellbaren Sportsitze, das Sportfahrwerk und die 17-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Der am sportlichsten ausgestattete Scirocco ist der R. Der Scirocco R unterscheidet sich nicht nur äußerlich an der Front- und Heckpartie mit großen, schwarz glänzenden Lufteinlässen, Schwellerverbreiterungen, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, verchromten Abgasendrohren und dem großen Dachkantenspoiler von den anderen Scirocco-Modellen, sondern auch im Innenraum mit Dekoreinlagen in Karbonoptik, Applikationen in hochglänzendem Piano Black, dem „R“-Logo im Sitzbezug und den Pedalen in Edelstahl.

Zu den Extras, die seit der Überarbeitung auch in den anderen Scirocco-Modellen bestellbar sind, zählen der Parklenkassistent und das Soundsystem von Dynaudio samt Subwoofer.

Das Infotainment wurde 2014 nicht verbessert. Das über den Touchscreen bedienbare moderne System des Golf sucht man im Scirocco vergebens. Aufgrund dessen fortgeschrittenen Alters ist auch die Bedienung des Navigationssystems ein wenig von gestern.

Zwei besonders empfehlenswerte Extras passen zur Tradition des Scirocco. Die Heckscheibe fällt schon seit 1974 in VWs Coupé ziemlich schmal aus und die nach hinten immer enger zulaufenden Seitenscheiben sowie die breiten C-Säulen tragen ebenfalls nicht zur guten Rundumsicht bei. Deshalb sollte man die Parksensoren und die Rückfahrkamera immer mitbestellen.

Zusammenfassung

Der VW Scirocco ist sportlicher als der Golf, aber nicht sportlicher als ein Golf GTI, Golf GTD oder Golf R und das ist auch schon sein „Problem“. In den Golf-Modellen können vier Personen bequemer sitzen, schluckt der Kofferraum mit 380 Litern noch mehr Gepäck, ist die Plattform und das Infotainment moderner und der hohe Preis auch noch niedriger.

Deshalb ist der Golf weit populärer. Aus rationaler Sicht ist er im Vergleich zum ebenso gelungenen, aber unpraktischeren Scirocco das bessere Auto. Aber wer kauft ein Sportcoupé schon mit dem Verstand?

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