Volkswagen Golf R

Ein Vernunftsportwagen mit fünf Türen

7/10
Wow-Wertung
Das ist die mittlere Bewertung der führenden Autozeitungen.
  • Kraftvoller Motor
  • Sportliches Fahrwerk
  • Allradantrieb Serie
  • Hoher Preis
  • Hohe Betriebskosten
  • Wenig Garantie

41.175 € - 44.100 € Preisklasse

5 Sitze

6,9 - 7,8 l/100km

Test

Der Mehrpreis eines Golf R gegenüber VWs Sportklassiker VW GTI beträgt rund 10.000 Euro. Vieles am Topmodell der Golf-Baureihe rechtfertigt dies. Der stärkere Turbomotor mit 310 PS Leistung, die hervorragende Traktion durch den Allradantrieb und das im Vergleich zum GTI nochmals agilere Sportfahrwerk, mit dem der R satt und sicher auf der Straße liegt.

Trotzdem bleibt der Golf R vom Charakter ganz der Golf. Im Positiven wie im Negativen. Äußerlich relativ dezent modifiziert, präsentiert er sich als ein grundsolider Sportsmann mit sofort einleuchtender Bedienung, großzügigen Platzverhältnissen, hochwertiger Materialqualität und Verarbeitung.

Mit seinem großen Kofferraum und der Möglichkeit der Fünftürigkeit bietet er das, was Sportwagen nicht bieten können: eine Familienoption. Zu seinen direkten Konkurrenten zählen die Sportlichsten aus der Kompaktklasse. Der Allrounder Audi S3, der feurige BMW M140i, der mit 350 PS sehr potente Ford Focus RS, der wilde Honda Civic Type R und der mit 381 PS extrem breitbeinige Mercedes AMG A45 4MATIC.

Manche dieser Modelle haben dem Golf R eines voraus: einen einzigartigen Charakter.

Einem Sportwagen hat der Golf R die fünf Sitzplätze, den geräumigen Kofferraum und noch einiges andere Praktische voraus.

Das Interieur

Im Interieur präsentiert sich das exklusivere R-Modell sportlicher, aber genauso gut bedienbar, solide verarbeitet und großzügig von den Platzverhältnissen wie ein Golf von der Stange.

Der Golf ist übersichtlich. Das gilt auch für die Instrumente und die Bedienstruktur. Facelift sei Dank, erhalten ein digitales Kombiinstrument und ein bis zu 9,2 Zoll großer Touchscreen gegen Aufpreis Einzug in das Cockpit. Letzterer lässt sich unter anderem per Gestensteuerung bedienen.

Die Sportsitze sind bequem und bieten ordentlich Seitenhalt. Ihre Verstellwege fallen lang aus, was fast jedem Fahrer seine ideale Sitzposition verschafft. Auch hinter den Vordersitzen herrscht genug Bewegungsfreiheit.

Auf der Rückbank kommen zwei Personen komfortabel unter und drei beengter. An Kopffreiheit mangelt es wegen des aufrechten Dachaufbaus nicht. Und der Zustieg kann richtig bequem vonstattengehen, denn auch das R-Modell hält eine gute alte Golf-Tradition hoch: Es ist sowohl als Drei- als auch als Fünftürer lieferbar.

Nehmen hinten öfter Mitfahrer Platz, ist die fünftürige Variante des Golf R klar die empfehlenswertere, denn sich am Vordersitz vorbeizudrücken, um einzusteigen oder den Kindersitz einzubauen, ist nicht sonderlich komfortabel.

Der Kofferraum

Das, was am Sportwagen in seiner Enge stört, überzeugt im R-Golf: Das Gepäckabteil, das sich über die niedrige Ladekante gut erreichen lässt und mit dem Volumen nicht geizt. 343 Liter dürfen eingepackt werden, wenn die asymmetrisch teilbare Rückbanklehne stehen bleibt. Im normalen Golf ohne Allradantrieb sind es 380 Liter. Verschmerzbar.

Aber es geht noch besser. Das Kofferabteil eines Honda Civic Type R schluckt 498 Liter. Wird die hintere Lehne im Golf R heruntergeklappt, lassen sich 1.233 Liter hinter den Vordersitzen einladen. Viel mehr darf man nicht einpacken. Zwar dürfen noch bis zu 75 Kilogramm zusätzlich auf dem Dach transportiert werden, aber das mit dem Anhänger klappt wie beim Golf GTI, der bis zu 1,8 Tonnen schwere Anhänger ziehen darf, im Golf R nicht – Anhängelast: 0 Kilo.

Der Golf R liegt nochmals um fünf Millimeter tiefer als der GTI. Im Vergleich zum normalen Golf kommt der R dem Asphalt so um 14 Millimeter näher. Das verbessert die Straßenlage genauso wie die straffer abgestimmten Dämpfer.

Bei Kurvenfahrt sorgt die elektronisch geregelte Differentialsperre, dass mehr Drehmoment an die Räder mit der größeren Bodenhaftung geleitet wird. So lassen sich Kurven noch schneller nehmen.

Zudem verbessert der serienmäßige Allradantrieb die Traktion bei regennasser oder schneebedeckter Fahrbahn enorm. Mit dem Schalter des DDC-Fahrwerks entscheidet man, wie sich die Dämpfung anfühlt. Am sportlichsten fährt sich der R im Race-Modus und mit deaktiviertem ESP.

Zackig geht es auch wegen der serienmäßigen Progressivlenkung voran. Der Richtungsgeber arbeitet bei stärkerem Lenkeinschlag nicht nur direkter, sondern benötigt lediglich 2,1 statt 2,75 Lenkeinschläge im Vergleich zum normalen Golf. Bei hohem Tempo hat diese Auslegung übrigens keine Nachteile, da die Direktheit bei Gradeausfahrt wieder zurückgefahren wird.

Der Golf R ist der Wolf im Golf-Rudel und der schnellste Golf in VWs Lieferprogramm.

Er nimmt dem Golf GTI schon auf den ersten Metern mehr als eine Sekunde ab. Der 230 PS starke GTI beschleunigt in 6,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im 310 PS starken R ist das Gleiche mit Schaltgetriebe in 5,1 und mit Doppelkupplungsautomatik sogar in 4,6 Sekunden geschehen.

Irgendwann pegelt sich der Abstand zwischen beiden Fahrzeugen aber wieder ein, denn das Tempomachen im R, der eigentlich noch schneller könnte, wird bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt.

Unter der Haube arbeitet im R-Modell der gleiche Turbobenziner. Das Chiptuning und die mechanischen Veränderungen wie ein neuer Zylinderkopf, neue Auslassventile, Kolben und ein neuer Turbolader kitzeln zusätzliche 80 PS aus zwei Litern Hubraum. Der Vierzylinderturbo schiebt mit 400 Newtonmetern kräftig an (GTI: 350 Nm). Das geschieht nicht explosiv, sondern kultiviert mit gleichmäßiger Leistungsentfaltung und in einem extrem breiten Drehzahlbereich zwischen 2.000 und 5.400 Touren.

Gut ist diese ausgewogen-harmonische Charakteristik auch für den Verbrauch. Der bleibt zivil. Zumindest auf dem Papier. Mit dem manuellen Sechsganggetriebe, das mit verkürzten Schaltwegen auf mehr Biss getrimmt wurde, rollt der Golf mit einem Normverbrauch von 7,9 l/100 km vom Rollprüfstand. Auch weil das Start-Stopp-System und die Bremsenergie-Rückgewinnung beim Sparen helfen.

Mit dem optionalen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) gibt sich der Sportgolf sogar mit 7,0 l/100 km zufrieden. Im wahren Autoleben kann der Abgang aus dem 55-Liter-Tank jedoch schnell mal drei, vier Liter darüber liegen.

Von seiner Performance stellt sich der Power-Golf manchmal hinten an, solange er nicht die Vorteile seiner vier angetriebenen Räder ausspielt. Der deutlich kompromissloser auf Racing getrimmte, 310 PS starke Honda Civic Type R lässt sich mit dem Frontantrieb mit 5,7 Sekunden zwar sechs Zehntel mehr Zeit im Standardsprint, aber der wilde Japaner läuft ungedrosselt 270 km/h. Im stärkeren Ford Focus RS zeigt der Zeiger des Tachos schon nach 4,7 Sekunden auf die 100 km/h-Markierung.

Der Allradantrieb, der gerade in einem sportlichen Wagen generell einen Sicherheitsvorteil mit sich bringt, gehört im Golf Topmodell zur Standardausstattung. Damit sind die Traktionsprobleme, die ein voll beschleunigender GTI noch haben kann, an den serienmäßig 18 Zoll oder optional 19 Zoll großen Rädern bei trockener Straße vom Tisch. Vor allem aber bei glatter Fahrbahn bietet der 4Motion-Antrieb ein enormes Plus an Fahrsicherheit.

Dass den R auch sonst nichts so rasch von seinem sicheren Fahrverhalten ablenkt, versteht sich fast von selbst, denn er stammt aus der Familie der braven Golf-Modelle. Die Bremsanlage arbeitet nicht nur direkt, sondern ist sehr gut dosierbar. Das Sportfahrwerk und die Tieferlegung sorgen ebenfalls für mehr aktive Sicherheit.

Zu den weiteren Sicherheitsfaktoren gehören im Golf R die LED-Scheinwerfer, sieben Airbags, das ESP, die Müdigkeitserkennung und die Multikollisionsbremse, die das Fahrzeug nach einem Unfall automatisch bis zum Stillstand abbremst. Für weitere Sicherheitsposten wie den Spurhalteassistenten, die hinteren Seitenairbags, den adaptiven Tempomat, den Stauassistenten, die Verkehrszeichenerkennung, den Ausparkassistenten und die Rückfahrkamera wird man auch beim Kauf eines Golf R extra zur Kasse gebeten.

Das Prinzip Golf funktioniert auch im Golf R: Der Preis ist hoch, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis geht wegen der Qualitäten des Golf in Ordnung. Angesichts der Performance auf Sportwagenniveau und der guten Ausstattung zahlt man einen fairen Preis.

Auf den ersten Blick gibt sich der Power-Golf mit den sportiveren Schürzen und Schwellern, LED-Scheinwerfern rundum, den 18-Zoll-Leichtmetallrädern und am Fahrzeugende durch die zweiflutige Abgasanlage mit vier verchromten Endrohren als ein Produkt der R GmbH zu erkennen.

Nach dem Einsteigen fallen im R die mit Stoff und Alcantara bezogenen Sportsitze, das Dreispeichen-Ledersportlenkrad und die stimmungsvolle Ambientebeleuchtung ins Auge. Die Klimaautomatik und das über den Touchscreen gesteuerte Radio Composition Colour gehören im Golf R ebenfalls zur Serienausstattung.

Zusammenfassung

Auch beim Sport bleibt der Golf R ein solider Typ. Richtig Fahrspaß kommt schon auf, aber weniger Euphorie als in einem Civic Type R oder Focus RS. Der Wolfsburger meistert ausgewogen und praktisch seinen Alltag. Dass er auf Effekthascherei und Superlative verzichtet – nicht der lauteste, nicht der härteste und nicht der schnellste ist – kann auf Dauer auch sehr angenehm sein. Der Golf R ist kein kompromissloser Topsportler, sondern ein guter Kompromiss. Ein Golf eben.

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