Dein Weg zum neuen Auto
Der BMW M2 ist eigentlich eines dieser Autos, bei denen man schon vor dem Einsteigen ahnt, dass Vernunft irgendwo auf dem Parkplatz zurückbleibt. 480 PS, Hinterradantrieb, Reihensechszylinder, breiter Stand, böser Blick – das klingt eher nach Sonntagmorgen, leerer Landstraße und leicht fragwürdiger Geräuschkulisse als nach Supermarkt, Parkhaus und Reiseauto.
Also habe ich genau das gemacht, was wahrscheinlich niemand empfehlen würde: Knapp 1.000 km mit dem BMW M2 als Alltagsauto. Langes Wochenende, Kletterurlaub, drei Erwachsene, Gepäck und Ausrüstung in einem vermeintlich kleinen Coupé. Kann der M2 mehr sein als nur ein Sportwagen? Oder ist er im Alltag absolut deplatziert?
Die kurze Antwort: Er kann Alltag überraschend gut. Aber er offenbart Schwächen, die ein 96.000 € teurer M2 definitiv nicht haben sollte.
Die Zahlen versprechen Sportwagen – aber der Kofferraum redet überraschend vernünftig

Auf dem Papier bringt der M2 einiges mit: viel Leistung, einen brauchbaren Kofferraum und genug Alltagsgrundlage, um nicht direkt als reines Wochenendspielzeug durchzufallen. Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder leistet 480 PS, und in unserem Testwagen mit M Driver’s Package läuft der M2 auf dem Papier bis zu 285 km/h.

Wichtiger für meinen Alltag ist aber: Der Kofferraum fasst 390 Liter. Das klingt erst einmal nicht nach Umzugswagen, sieht in der Praxis aber erstaunlich groß aus und reicht tatsächlich locker für drei Personen, ein langes Wochenende und Kletterausrüstung. Genau hier wird der M2 interessant: Er sieht aus wie ein Auto für die Hausstrecke, kann aber mehr Gepäck schlucken, als man ihm zutraut.
Drei Erwachsene passen rein

Und da überrascht der M2 erstmal positiv. Mit zwei weiteren erwachsenen Mitfahrenden ist das Platzangebot deutlich besser, als man diesem kompakten Coupé zutraut. Klar, das hier ist kein 5er Touring und auch kein vernünftiger Familien-SUV mit moralisch einwandfreier Sitzposition. Aber für ein Coupé ist der M2 erstaunlich brauchbar und mehr als bloß ein 2+2. Die Beinfreiheit hinten geht absolut in Ordnung.

Die Einschränkung ist allerdings die Coupé-Dachlinie: Wer über 1,80 Meter groß ist, merkt schnell, dass das Dach hinten nicht besonders großzügig verhandelt. Für kürzere Strecken ist das okay, für längere Autobahn-Etappen muss man schon gute Freundschaften haben – oder Mitfahrende, die beim Thema Komfort recht niedrige Ansprüche haben.
Carbon-Schalensitze sehen rabiat aus – und sind es für den Rücken

Vorne ist das nächste Problem nicht der Platz, sondern der Sitz. Unser Testwagen hat die Carbon-Schalensitze. Die sehen kompromisslos aus, fühlen sich beim Einsteigen nach Rennstrecke an und sind beim Seitenhalt super, wenn man quer durch eine schnelle Kurve prügeln will.
Auf einer längeren Autobahnfahrt sind sie aber ein ergonomischer Tritt ans Schienbein. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt in einem Auto auf einer mittleren Distanz Rückenschmerzen bekommen habe. Im BMW M2 war es definitiv der Fall. Und auch der ‘Höcker’ mittig auf der Sitzfläche stört mich, weil er meinem Oberschenkel im Weg ist, wenn ich auf das Bremspedal trete.

Das ist ärgerlich, weil der Rest des BMW M2 auf langen Strecken gar nicht so absurd ist. Auf der Autobahn habe ich 9,6 l/100km geschafft, ohne zu schleichen. Für ein 480-PS-Coupé mit breiten Reifen, kantiger Karosserie und dem emotionalen Feingefühl eines Kneipenschlägers ist das nicht schlecht.
Schnell geradeaus kann er – entspannt geradeaus eher nicht

Trotzdem ist der M2 kein besonders gutes Langstrecken-Fahrzeug. Das liegt nicht daran, dass er zu langsam wäre – eher im Gegenteil. Er ist schnell, stabil genug und das Fahrwerk bietet sogar einen erstaunlich brauchbaren Restkomfort. Aber er wirkt bei höheren Geschwindigkeiten nie wirklich entspannt.
Schwellen sind in der Lenkung deutlich spürbar, Spurrillen ziehen am Auto, und das sehr direkte Feedback, das auf der Landstraße genial ist, wird auf der Autobahn irgendwann anstrengend. Der M2 gibt einem permanent das Gefühl, dass er lieber Kurven fressen möchte, statt brav geradeaus zu marschieren.

Dazu kommt: Unser Testwagen hat kaum Assistenzsysteme. Kein adaptiver Tempomat, nur ein einfacher Tempomat ohne echte Bremsfunktion, und auch kein Spurhalteassistent. In einem Auto, das rund 96.000 € kostet, wirkt das dünn.
Eine aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion ist zwar erhältlich, kostet aber nochmal extra.
Ab 140 km/h wird klar: Ruhe war nie Teil des Konzepts

Auch die Geräuschdämmung ist nicht gerade Premium-Lounge. Ab etwa 140 km/h wird es im Innenraum deutlich lauter. Nicht unerträglich, aber präsent genug. Und das liegt nicht am fantastisch klingenden Antrieb, sondern an nervigen Windgeräuschen.
Dann aber kommt die Landstraße. Und plötzlich ist vieles vergeben.
Runter von der Autobahn – und plötzlich ergibt der M2 wieder Sinn

Runter von der Autobahn, rein in die Kurven – hier ist der M2 in seinem Element. Auf Serpentinen und engen Landstraßen lässt er sich unglaublich präzise platzieren. Die Lenkung ist direkt, das Auto reagiert scharf, die Vorderachse wirkt wach, und der Hinterradantrieb bringt genau diese Portion Lebendigkeit, die vielen modernen Performance-Autos fehlt.
Es gab lange kein Auto mehr, das mir auf der Landstraße so viel Fahrspaß bereitet hat. Zuletzt war das beim MG Cyberster der Fall.
In Kurven kaschiert er sein Gewicht – beim Bremsen bergab nicht

Nur beim harten Anbremsen bergab spürt man, dass der M2 kein federleichtes Spielzeug ist. Das hohe Gewicht von 1,8 Tonnen lässt sich in Kurven erstaunlich gut kaschieren, beim scharfen Verzögern auf abschüssigen Strecken aber nicht wegdiskutieren.
In der Stadt wird aus Fahrfreude Feinarbeit

In der Stadt ist der M2 dagegen eher mühsam. Nicht unbrauchbar, aber anstrengend. Selbst mit den Comfort-Einstellungen braucht es viel Feingefühl im rechten Fuß, um sauber anzufahren, sanft zu bremsen und das Auto nicht eckig durch den Verkehr zu bewegen.
Noch nerviger: Unser Testwagen besitzt keine 360-Grad-Kamera. Angesichts der Breite, der geringen Bodenfreiheit und der niedrigen Frontlippe ist das grob fahrlässig. Gerade vorne wünscht man sich eine Kameraansicht, um abschätzen zu können, wie nah man am Bordstein, an einer Parkhauskante oder an der Begrenzung der Mautstelle ist. In einem kleinen, tiefen, breiten Performance-Coupé ist so etwas kein Luxus, sondern Selbstschutz.
Fazit: Alltag kann er – aber bequem macht er es einem nicht

Also: Taugt der BMW M2 als Alltagsauto?
Ja – wenn man genau weiß, worauf man sich einlässt. Er ist praktischer, als sein Auftritt vermuten lässt. Der Kofferraum ist groß, die Rücksitze sind mit kleinen Einschränkungen gut nutzbar, der Verbrauch kann auf der Langstrecke einigermaßen vernünftig sein, und als Reiseauto für drei Personen mit Gepäck funktioniert er besser, als viele erwarten würden.

Aber er ist ein überraschend schlechtes Langstrecken-Auto: Die Carbon-Schalensitze fallen bei der Ergonomie durch, die Geräuschdämmung ist mäßig, bei hohen Geschwindigkeiten wird er nervös, Assistenzsysteme fehlen der Serienausstattung an allen Ecken und Enden. Und in der Stadt braucht der M2 Geduld, Feingefühl und idealerweise eine sehr gute Vollkasko für die eigenen Nerven.
Der BMW M2 ist anders als VW Golf GTI und Co. kein klassisches Alltagsauto, das nebenbei sportlich ist. Er ist ein reinrassiger Sportwagen, der sich erstaunlich viel Alltag gefallen lässt. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wer einen bequemen Daily sucht, sollte woanders schauen. Wer aber ein Auto will, das auf der Landstraße so viel Laune macht, dass man freiwillig Umwege fährt, findet im M2 ein herrlich unvernünftiges, aber erstaunlich brauchbares Paket.