Verbrauchswunder oder Ausstattungsfalle? – Wir sind die elektrische Mercedes C-Klasse gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
26. August 2026

Dein Weg zum neuen Auto

Der kostenlose und einfache Weg, Ihr Auto online zu wechseln.
4,6/5 aus 24.058 Bewertungen

Die neue elektrische C-Klasse zeigt sich auf unserer Testfahrt äußerst sparsam, kostet mit guter Ausstattung aber auch ein Vermögen.

Die neue elektrische C-Klasse tritt bei Mercedes ein kein leichtes Erbe an. Klar, die neuen Elektro-Versionen des CLA, GLA und GLC machen vieles richtig. Doch in Erinnerung sind noch die eigenständigen EQ-Modelle EQE und EQS, die sich als Ladenhüter entpuppten. Keine Überraschung also, dass der Zusatz “EQ” aus dem Modellnamen gestrichen wurde und das E-Modell jetzt einfach nur am Wort “elektrisch” zu erkennen ist.

Mercedes Modelle entdecken

Optisch geht Mercedes neue Wege. Die Karosserie zeigt sich als runderes Fließheck anstelle des klassischen Stufenhecks. Das neue Modell wirkt deutlich kantiger und gefälliger als die früheren, komplett rundgelutschten EQ-Entwürfe. So fällt auch der Grill an der Front wieder dominanter aus. Wir konnten die neue, 4,88 Meter lange C-Klasse bereits selbst fahren und haben Stärken wie Schwächen entdeckt.

Preis: Die Sonderausstattung macht den Unterschied

Aktuell bietet Mercedes die elektrische C-Klasse ausschließlich als C 400 4Matic mit 360 kW (489 PS) an – los geht’s erst bei 64.325 Euro. Wie beispielsweise beim neuen GLC sollten noch Modelle wie ein C 250 oder ein C 300 folgen. Ein Blick in den Konfigurator zeigt schnell: Gleiche Motorisierung bedeutet noch lange nicht gleiches Auto. Wir sind zwei grundverschiedene Testwagen mit derselben Leistung gefahren. Der erste Wagen kam unter anderem mit der Ausstattungslinie AMG Line Plus (+7.557 Euro), riesigem Hyperscreen (+1.488 Euro) sowie Luftfahrwerk/Hinterachslenkung (+2.844 Euro) – allein diese drei Optionen machen das Auto um knapp 12.000 Euro teurer.

Der zweite Testwagen entsprach eher der Basisversion mit Dreifach-Standard-Bildschirm (Superscreen), Stahlfahrwerk und Panoramadach ohne Dimmung. Auch das Head-up-Display oder der Lenkassistent fehlten. Letzterer machte im ersten Testwagen einen richtig guten Job. Er kostet zwar als Bestandteil des MB. Drive Assist 1.785 Euro extra, sei aber jedem empfohlen, der öfters längere Strecken zurücklegt, vor allem auf der Autobahn.

Sportliche Fahrleistungen, Komfort fahrwerksabhängig

Unter der Haube des C 400 4Matic elektrisch arbeiten stolze 360 kW/489 PS. Die Längsbeschleunigung (0-100 km/h) fällt mit 4 Sekunden entsprechend eindrucksvoll aus. Nur die 210 km/h Höchstgeschwindigkeit könnten deutsche Kunden enttäuschen, die auf der Autobahn gerne die linke Spur besetzen.

Dank Allradantrieb verteilt die Elektronik die Kraft präzise auf alle vier Räder – Traktionsverluste gibt es praktisch nicht. Hilfreich dabei: Die schwere Batterie im Boden, die den Fahrzeugschwerpunkt senkt. Die Lenkung agiert leichtgängig, aber auch sehr direkt – das gefällt. Zwischen den Modi Sport und Komfort zeigt sich eine deutliche Spreizung.

Ein großer Unterschied offenbart sich beim Fahrwerk. Das optionale Luftfahrwerk filtert Bodenwellen extrem souverän weg. Das serienmäßige, adaptive Stahlfahrwerk liegt in Kurven zwar ähnlich satt, gibt Gullydeckel und Unebenheiten aber akustisch wie spürbar deutlicher an den Innenraum weiter.

Sehr überzeugend arbeitet die Rekuperation. Über die Lenkradwippen lässt sie sich vom Segeln bis hin zum One-Pedal-Driving verstellen, also dem Rekuperieren bis zum vollständigen Stillstand. Clever: Im intelligenten Modus passt das System die Bremsenergierückgewinnung an die aktuelle Verkehrssituation, den Straßenverlauf, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Navigationsdaten an.

XXL-Display in zwei Versionen

Das Cockpit der elektrischen Mercedes C-Klasse präsentiert sich extrem modern, verlangt aber aufgrund der vielen Einstellmöglichkeiten eine gewisse Einarbeitung. Der optionale Hyperscreen dominiert ganz klar die Optik. Wer darauf verzichtet und den Superscreen nimmt, blickt auf drei optisch getrennte Displays mit sichtbarem Rahmen – an der Breite ändert sich aber nichts. Die schwebend gestaltete Mittelkonsole bietet zwei Ebenen mit ausreichend Ablagen, USB-C-Anschlüssen sowie zwei Smartphone-Plätzen.

Bei den verwendeten Materialien lohnt sich ein genauerer Blick. Im oberen Bereich überzeugen feine Oberflächen und schön geformte Bedienelemente an den Türen. Ganz unten an den Türen verwenden die Stuttgarter hingegen einfaches Hartplastik. Wie hochwertig sich der Innenraum anfühlt, hängt auch hier von der gewählten Ausstattungslinie/Sonderausstattung ab.

Bedienen lassen sich die meisten Funktionen über den Touchscreen in der Mitte – physische Tasten sind eine Seltenheit. Auch die Klimaanlage wird über den unteren Infotainment-Bereich bedient. Gut, dass es auch eine Sprachbedienung gibt, die typisch für Mercedes zu den besten auf dem Markt gehört.

Gefallen hat uns auch das Lenkrad, das geschmeidig in der Hand liegt und vorwiegend auf echte Tasten und Drehregler setzt. Ein Highlight ist das Burmester-Soundsystem, das extrem druckvoll klingt, aber auch 1.309 Euro extra kostet.

Ordentlich Platz, mit Schwächen im Detail

Das Raumgefühl auf den Rücksitzen fällt durch den fehlenden Mitteltunnel luftig aus – das serienmäßige Panoramadach tut sein Übriges. Auf den hinteren
Sitzplätzen haben Personen bis 1,85 Meter Körpergröße ausreichend Kopffreiheit. Auch die seitliche Bewegungsfreiheit geht in Ordnung.

Kritik gibt es jedoch im Detail. Die Rücksitzbank ist ziemlich angewinkelt, sodass die Oberschenkel nicht perfekt aufliegen. Die Fußgarage unter den Vordersitzen fällt klein aus, was Fondpassagiere mit größeren Schuhen merken werden.

Ein echtes Highlight für den Alltagsnutzen bleibt der Frunk. Die 101 Liter Volumen bieten extrem viel Platz für Ladekabel und kleine Taschen. Der Zugang erfolgt spielerisch über den Mercedes-Stern auf der Fronthaube. Auch der Kofferraum braucht sich mit 470 Litern nicht verstecken – die Zuladung beträgt alltagstaugliche 505 Kilogramm.

Top bei Verbrauch und Reichweite

Trotz der hohen Systemleistung von 489 PS zeigte sich die elektrische C-Klasse bei unseren Testfahrten ausgesprochen effizient – auch weil wir die volle Leistung nur selten abrufen konnten. Auf einer hügeligen Landstraßenrunde pendelte sich der Testverbrauch bei sehr guten 15,3 kWh/100 km ein. Zur Erinnerung: Der WLTP-Verbrauch ist mit 14,3 kWh/100 km angegeben. Auf einer zweiten gleichmäßigeren Etappe zeigte der Bordcomputer nur 13,3 kWh an.

Für eine große Limousine dieser Leistungsklasse sind diese Werte ein großes Ausrufezeichen. Natürlich wird der Verbrauch bei 210 km/h auf der Autobahn höher ausfallen. Doch andersrum: Wenn das bisherige Top-Modell schon so verbrauchsarm fährt, dann sollten schwächere Versionen noch effizienter sein.

Die Reichweite des  C400 4Matic elektrisch ist mit 753 Kilometern angegeben. Der Testwagen zeigte bei 98% Ladestand 642 Kilometer an, die jede Reichweitenangst verfliegen lassen. Auch die DC-Ladeleistung enttäuscht nicht: Bis zu 330 kW sind möglich. Damit ist die große 94-kWh-Batterie (netto) in nur 22 Minuten von 10 auf 80% geladen.

BMW i3 als direkter Konkurrent

Der Vergleich zwischen der elektrischen C-Klasse und dem BMW i3 liegt nahe. Ähnlichkeiten gibt es bei Preis und Leistung: Mit 65.900 Euro startet der Münchner knapp über dem Stuttgarter. Auch die 345 kW/469 PS liegen nicht weit weg vom Mercedes-Top-Modell. Mit 4,76 Metern ist der BMW aber 12 Zentimeter kürzer als die C-Klasse (4,88 Meter).

Vorteil Mercedes: Der 101-Liter Frunk fällt deutlich größer aus als der des i3 mit nur 31 Litern. Vorteil BMW: Die DC-Ladeleistung beträgt 400 kW statt 330 kW (Mercedes), die Reichweite soll bis zu 900 km (Mercedes: 753 km) betragen. Beide verbindet ein recht futuristisches Cockpit – Mercedes setzt auf einen XXL-Bildschirm über die gesamte Breite, während BMW ein Infotainment in der Mitte mit dem BMW Panoramic Vision unterhalb der Windschutzscheibe kombiniert.

Fazit: Die sportlichste und schwerste C-Klasse aller Zeiten

Die neue Mercedes C-Klasse überzeugt in unserem Test. Die Kombination aus hoher Längsdynamik, modernem, größtenteils hochwertigem Innenraum und niedrigen Verbrauchswerten ist gelungen. Und ja, der Aussage von Mercedes, es handle sich um die “sportlichste C-Klasse aller Zeiten”, können wir wenig entgegensetzen. Außer dass es sich gleichzeitig auch um die schwerste C-Klasse bisher handelt – der C400 4Matic elektrisch bringt 2.460 Kilo auf die Waage. Auch hängt das Premium- und Komfort-Gefühl, das du bekommst, stark von der Größe deines Geldbeutels ab.

Als Alternativen stehen u. a. das etablierte Tesla Model 3, der auffällige Hyundai Ioniq 6 sowie der neue BMW i3 bereit. Die elektrische C-Klasse bringt aber auf jeden Fall alles mit, um die Enttäuschungen der früheren EQ-Modelle vergessen zu machen.