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Der neue Mercedes-Benz CLA schlägt vor allem in der EQ-Version als Elektroauto hohe Wellen, aber Mercedes hat auch einen Verbrenner-Version weiterhin im Angebot.
Der Vollhybrid-CLA kommt mit einem 1,5-Liter-Turbomotor ist aber nicht wie man erwarten würde eine Eigenentwicklung von Mercedes, sondern wurde in Zusammenarbeit mit Geely entwickelt und wird komplett in China produziert.

An sich ist das kein Novum, schließlich hat Mercedes auch schon mit Renault gemeinsam Motoren entwickelt, aber so ganz passt der auswärtige Motor nicht in das Bild des CLA bei der Vorstellung. Das neue Modell sollte schließlich das Sinnbild dafür sein, dass Mercedes trotz der Probleme in den letzten Jahren technisch mit der Konkurrenz mithalten kann, nicht nur beim Elektroantrieb, sondern auch mit dem “neu entwickelten” Hybrid-Verbrenner.
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Was eher stillschweigend unter den Tisch fiel war die Tatsache, dass der Motor eben nicht selbst entwickelt wurde und auch gar nicht in Deutschland hergestellt wird. Stattdessen läuft er beim chinesischen Partner (und Anteilseigner von Mercedes) Geely vom Band, einer der größeren chinesischen Marken, die unter anderem auch Volvo und Polestar besitzt.
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Was für ein Motor ist im Hybrid-CLA verbaut?
Der Motor, um den es hier geht ist bekannt unter der Bezeichnung M252 und ist ein 1,5-Liter-Turbovierzylinder, der dank Elektrifizierung und 1,3 kWh-Batterie besonders effizient arbeitet und mit Verbräuchen von 5 bis 5,4 l/100 km (WLTP) punkten kann. Es handelt sich also durchaus um einen modernen und technisch anspruchsvollen Motor, der als erster asiatischer Motor-Export im europäischen Angebot von Mercedes-Benz zu finden ist.

Beim CLA 220 liefert der Verbrenner eine Leistung von 190 PS, zusammen mit dem Elektromotor schafft er eine Systemleistung von 211 PS und ein maximales Drehmoment von 380 Nm. Gesteuert wird das Ganze über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe und im Stromer-Modus kann der Hybrid-CLA im Stadtverkehr und bei geringer Auslastung bis zu 100 km/h fahren.
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Mercedes setzt bereits seit Jahren auf externe Partner
Bevor wir nochmal näher auf die Kooperation mit Geely eingehen, wollen wir noch einen Blick in die Vergangenheit werfen. Schon seit Jahren setzt Mercedes-Benz bei seinen günstigeren Modellen tatsächlich auf externe Partner, allerdings war das bislang Renault aus Frankreich.
Die Zusammenarbeit erfolgte nicht nur auf technischer Ebene, sondern auch in der Form von Aktienbeteiligungen und dauerte von 2010 bis circa 2015. In dieser Zeit prägte die Allianz die Kompaktklasse von Mercedes-Benz, so waren viele A- und B-Klasse-Modelle mit den 1,5-dCI-Dieselmotoren von Renault ausgestattet, einem der beliebtesten Motoren auf dem europäischen Markt, schließlich kam er auch bei Modellen wie dem Renault Mégane, dem Nissan Qashqai oder dem Dacia Duster zum Einsatz. Auch bei den Benzinern bediente sich Mercedes bei Renault in der Form von 1,3-Liter-Turbomotoren, die auch im Renault Kadjar zum Einsatz kamen.

Anders ausgedrückt: Wenn ein Kunde vor einigen Jahren ein Mercedes-Benz-Autohaus betrat und sich für eine A- oder B-Klasse der Einstiegsklasse entschied, bezahlte er für einen deutschen Premiumwagen … mit einem französischen Motor, der größtenteils vom selben Hersteller stammte wie der Dacia Duster. Trotz der ein oder anderen gehobenen Augenbraue waren diese Autos aber immer noch gut, sodass Mercedes-Benz damit einen funktionierenden Präzedenzfall geschaffen hatte.
Die Kooperation mit Renault auf diesem Feld ist nun beendet. Stattdessen hat Mercedes für den neuen CLA einen anderen Partner gesucht: Geely.
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Die Zusammenarbeit mit Geely: Ein Motor, der auch bei Volvo genutzt wird
Der M252-Motor wird von Mercedes-Benz in Zusammenarbeit mit Aurobay, einer Tochtergesellschaft von HORSE Powertrain, entwickelt. Und hier schließt sich der Kreis – mit einer Prise Ironie. HORSE ist ein 50/50-Joint-Venture zwischen Geely und Renault . Anders ausgedrückt: HORSE selbst ist das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen dem französischen Hersteller, der zuvor Motoren an Mercedes lieferte, und dem chinesischen Unternehmen, das diese nun vertreibt. Renault ist also weiterhin indirekt über das Gemeinschaftsunternehmen mit Geely beteiligt.

Aurobay ist die technische Abteilung von HORSE und präsentierte diesen Motor erstmals öffentlich auf dem Aachener Kolloquium 2024, einem der weltweit wichtigsten Foren für Antriebstechnologie, unter der Leitung von Ruiping Wang.
Federführend bei dem Motor war Mercedes-Benz nur bei Motorenarchitektur und Designstandards, die restliche Entwicklung und vor allem auch die Fertigung übernahm dann Aurobay. Der Motor wird komplett in China gebaut, bevor er dann in die europäischen Werke verschifft wird, um dort montiert zu werden.
Das bedeutet, dass der M252-Motor technisch gesehen mit den Antrieben der aktuellen Volvo-Hybridmodelle baugleich ist, da Volvo ebenfalls zu Geely gehört. Es würde nicht verwundern, wenn der Motor in den kommenden Jahren auch noch in weiteren Modellen aus dem Geely-Konzern zum Einsatz kommt.
Warum Mercedes jetzt Geely braucht
An dieser Stelle ist es wichtig, den industriellen Kontext zu verstehen. Mercedes-Benz hat bereits seit Jahren seine Beziehungen zu chinesischen Partnern ausgebaut. Im Jahr 2019 verkaufte das Unternehmen 50 % von smart an Geely, um die Marke als Hersteller von Elektroautos neu zu positionieren. Und bis vor kurzem unterhielt Mercedes-Benz eine strategische Allianz mit BYD für die Marke Denza, doch diese Zusammenarbeit wurde beendet und Mercedes steht nun mit leeren Händen da, während BYD hochfliegende Pläne für Denza als Luxus-Untermarke mit Spitzenleistungen bei der Ladetechnologie hat.
Vor diesem Hintergrund ist Geely zum stabilsten und strategisch wichtigsten chinesischen Partner von Mercedes geworden. Und für den deutschen Hersteller hat es eine klare finanzielle Logik, sich auf die chinesische Ingenieurskunst und die industriellen Kapazitäten zu stützen. Die Entwicklung eines völlig neuen Motors kostet Hunderte Millionen Euro. In einer Zeit, in der die europäische Industrie ihre Investitionen zunehmend in Elektroautos lenkt, macht es wirtschaftlich keinen Sinn, Ressourcen für die Entwicklung eines Verbrennungsmotors aufzuwenden, der nur während eines relativ kurzen Produktzyklus hergestellt werden soll.

Die gemeinsame Entwicklung mit Geely, das weiterhin massiv in Hybridsysteme mit Verbrennungsmotoren investiert, ermöglicht es Mercedes, einen modernen, effizienten und wettbewerbsfähigen Motor anzubieten, ohne alle Kosten dafür stemmen zu müssen. Dies hilft dem Unternehmen auch, sich in einem Segment zu positionieren, in dem viele europäische Käufer nach wie vor Benzinmotoren reinen Elektrofahrzeugen vorziehen. Dieselbe Logik führte vor über einem Jahrzehnt zur Partnerschaft mit Renault und diese ist auch nicht als abschreckendes Beispiel in die Geschichte eingegangen. Auch wenn sich der Partner nun von einem französischen zu einem chinesischen gewandelt hat, ist diese Entwicklung letztendlich einfach nur logisch.
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Dies ist kein Einzelfall im Premiumsektor
Dass ein europäischer Premiumhersteller auf chinesische Technologie setzt, ist nicht nur bei Mercedes der Fall. Auch der Erzrivale aus München, BMW, nutzt chinesische Kapazitäten und Technologie von Great Wall Motos für den neuen elektrischen Mini Cooper sowie den Aceman. In die gleiche Kerbe fällt die Zusammenarbeit von Audi mit SAIC für die neuen China-exklusiven Modelle der Untermarke AUDI.

Der Unterschied zu Mercedes besteht darin, dass der CLA ein globales Modell ist. Er ist kein exklusiv für China entwickeltes Produkt, sondern das neue Einstiegsmodell von Mercedes-Benz, eine Kompaktlimousine, die in Europa, Amerika und anderen internationalen Märkten verkauft wird. Die Hybridversionen des CLA verfügen über einen in Asien entwickelten und gefertigten Motor und zeigen damit eindrucksvoll wie sehr sich die Gewichte in der globalen Autoindustrie verschoben haben.
Dies ist das bisher deutlichste Zeichen dafür, dass die europäische Automobilindustrie es sich nicht länger leisten kann, damit zu prahlen, dass alles, was sie entwickelt und produziert, in Europa entsteht. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern, seien es gestern noch französische oder heute chinesische, ist nicht mehr optional, sondern eine Notwendigkeit geworden.
Welche Auswirkungen hat dies für den deutschen Käufer?
Für den Endkunden ändert sich dadurch nichts Wesentliches. Der Verbrenner-CLA bleibt ein in Deutschland (teilweise auch in Ungarn) montierter Mercedes-Benz, der den gewohnten Qualitäts-, Technologie- und Garantiestandards der Marke entspricht. Der Motor erfüllt alle europäischen Abgasnormen und ist nahtlos in die Fahrzeugelektronik integriert. Im Alltag sollte der Käufer daher keinen Unterschied bemerken.

Es ist dennoch wichtiges Wissen für die Kundschaft. Zunächst aus Gründen der Transparenz, schließlich gehen viele Käufer immer noch davon aus ein “rein deutsches Auto” zu erwerben, was natürlich nicht der Fall ist. Wie schon zuvor mit den Renault-Motoren, wird der Motor unter der Marke Mercedes-Benz vertrieben, ist aber weder in Stuttgart entwickelt noch gefertigt worden. Weiterhin zeigt die Kooperation auch in welche Richtung die globale Autoindustrie steuert. Sollte es noch weitere neue Generationen von Mercedes-Benz-Verbrennern geben, dürften diese ebenfalls in Partnerschaft mit Herstellern aus Fernost entstehen.
Und final und wahrscheinlich sogar noch wichtiger zeigt sich hier die harte industrielle Realität vor der man seine Augen nicht schließen sollte. Die technische und wirtschaftliche Vormachtstellung in der Automobilindustrie hat sich in rund einem Jahrzehnt von Deutschland nach China verlagert. Die Deutschen produzieren selbst bei einem Verbrenner nicht mehr die Motoren, das machen jetzt die Chinesen und das in nicht zu unterscheidender Qualität zu den Europäern.
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Originalartikel von David Díez
Übersetzt und angepasst von Patrik Chen