Doppelt so teuer wie ein Dacia Jogger – Wir sind den kostspieligsten VW Caddy aller Zeiten gefahren

Andreas Heise
Senior Online-Redakteur Test
29. Juli 2026

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Der VW Caddy eHybrid beeindruckt im Test mit seinem starkem Elektroantrieb und viel Platz, schwächelt aber bei Preis und Tankgröße.

Hochdachkombis stehen seit vielen Jahren für maximalen Nutzwert im Alltag. Ob als geräumiges Familienfahrzeug oder als praktischer Transporter für die Freizeit – die kastenartige Form bietet viel Nutzen auf kompakter Fläche.

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Volkswagen schickt mit dem Caddy Style 1.5 eHybrid einen modernen Plug-in-Hybrid ins Rennen. Wir haben den kompakten Van im Alltag getestet und zeigen dir die Stärken sowie Schwächen.

Bei 50.000 Euro ist noch nicht Schluss

Der VW Caddy war schon immer das teurere Modell unter den Hochdachkombis. Der Einstiegspreis für die günstigste Variante liegt bei 34.201 Euro. Wer sich für den modernen Plug-in-Hybrid entscheidet, muss mindestens 44.304 Euro bezahlen. Unser getestetes Modell in der gehobenen Style-Ausstattung schlägt mit einem Listenpreis von 49.052 Euro zu Buche.

Für diesen stolzen Preis bietet der Testwagen allerdings eine gute Serienausstattung. Sicherheitssysteme wie der Notbremsassistent Front Assist, der Spurwechselassistent Side Assist, ein Kreuzungsassistent sowie die Ausstiegswarnung sind serienmäßig an Bord. Dazu kommen LED-Hauptscheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallräder, eine Rückfahrkamera und das schlüssellose Schließsystem Keyless Access.

Praktische Details kosten dennoch Aufpreis. Ein Gepäck-Auffangnetz für den Dachhimmel schlägt mit 214 Euro zu Buche. Für eine verstellbare Gittertrennwand werden 1.071 Euro fällig. Wer lieber einen pflegeleichten Gummiboden statt Teppich wünscht, zahlt rund 280 Euro extra. Asymmetrische Heckflügeltüren anstelle der großen Heckklappe kosten 238 Euro. So kann der eHybrid sogar die 50.000-Euro-Marke knacken.

Kräftiger E-Antrieb, störende Windgeräusche

Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner zusammen mit einem Elektromotor. Die Systemleistung beträgt 110 kW/150 PS, das Drehmoment 350 Nm. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h gelingt in 9,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 183 km/h. Im rein elektrischen Fahrbetrieb, also bei geladener Batterie, wirkt der Caddy überraschend kräftig. Der 116 PS starke Elektromotor treibt die Vorderachse an und beschleunigt den Van an der Ampel durchaus flott.

Auf der Autobahn hält der Fahrassistent Travel Assist zuverlässig die Spur, den Abstand und die Geschwindigkeit. Wer öfters Langstrecken fährt, dem sei das aufpreispflichtige System zu empfehlen. Auch wenn es beim Fahrstreifenwechsel vorausfahrender Autos manchmal etwas verzögert reagiert und unnötig stark abbremst. Zudem fordert das System relativ häufig die Rückmeldung am Lenkrad. Alles aber Dinge, die nicht ins Gewicht fallen. Ein größerer Schwachpunkt sind die Windgeräusche: Schon bei Tempo 120 km/h sind sie im Innenraum deutlich zu vernehmen, was der Bauform geschuldet ist.

Knapp 100 Kilometer rein elektrisch

Laut Hersteller schafft der 19,7-kWh-Akku eine rein elektrische Reichweite von 112 bis 118 Kilometern nach WLTP-Standard. Uns wurden bei 100% Batteriestand im Bordcomputer 96 Kilometer angezeigt – auch das ist noch alltagstauglich. Das Aufladen an einer DC-Schnellladesäule mit 40 kW von 10 auf 80 Prozent dauert rund 26 Minuten. An einer AC-Ladesäule mit 11 kW dauert die vollständige Ladung etwa 2,5 Stunden.

In unserem Praxistest ermittelten wir je nach Fahrsituation unterschiedliche Verbrauchswerte. Im zähflüssigen Stop-and-Go-Verkehr mit langen Standzeiten gönnt sich der Caddy im rein elektrischen Modus rund 25 kWh auf 100 Kilometer. Auf der Autobahn lag der elektrische Verbrauch bei mäßigem Tempo und fließendem Verkehr nur bei 17,1 kWh/100 km. Mit leerer Batterie und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 115 km/h schluckte der Hochdachkombi 7,4 Liter Super pro 100 Kilometer und lag damit deutlich über dem WLTP-Wert von 6,2 Litern.

Ein deutlicher Nachteil des eHybrid ist der auf 32,5 Liter verkleinerte Kraftstofftank. Angesichts unseres Praxis-Verbrauchs von 7,4 l/100 km bei entladener Batterie ergibt das im reinen Verbrenner-Modus eine Reichweite von lediglich 439 Kilometern. Die reinen Diesel- oder Benzinmodelle des Caddy besitzen hingegen einen 50-Liter-Tank und kommen daher deutlich weiter. Bedeutet am Ende: Nur wer den Plug-in-Hybrid-Caddy regelmäßig lädt, hat was vom Antriebskonzept.

Moderne Displays treffen auf Hartplastik

Optisch wird der Innenraum durch das 12,9-Zoll-Touchdisplay und die hochglanzschwarzen Einfassungen aufgewertet. Ansonsten dominiert jedoch robuster Hartplastik-Kunststoff das Bild, was für dieses Fahrzeugsegment nicht unüblich ist. Die Bedienung erfordert Eingewöhnung. Wie aus dem Golf 8 bekannt, setzt VW auf touch-sensitive Felder für das Licht und Touch-Slider für Temperatur sowie Lautstärke. In den ganz neuen Elektro-Modellen wie dem ID. Polo findet sich so etwas nicht mehr.

Der Innenraum ist funktional gestaltet und bietet viele Ablagemöglichkeiten. Zum Beispiel befinden sich oben auf dem Armaturenbrett Staufächer auf der Fahrer- und Beifahrerseite sowie ein 12-Volt-Anschluss. Zudem gibt es eine induktive Ladeschale mit Zusatzablage darüber sowie zwei Becherhalter. Eine Ablage direkt oben im Dachbereich wie in anderen Hochdachkombis fehlt hingegen. Gut: Das große, optionale Panoramadach lässt viel Licht in die Kabine und erzeugt ein angenehmes Raumgefühl.

Viel Platz und Flexibilität

Das Platzangebot gehört zu den größten Vorteilen der Hochdachkombi-Bauform. Der Caddy bietet auf allen Plätzen eine erstklassige Kopffreiheit. Selbst groß gewachsene Mitfahrer haben in der zweiten Sitzreihe noch reichlich Platz Richtung Dachhimmel. Auch die Beinfreiheit fällt im Fond ordentlich aus. Schiebetüren auf beiden Seiten erleichtern den Einstieg in engen Parklücken enorm, während klappbare Tische mit Becherhaltern an den Rückseiten der Vordersitze für zusätzlichen Komfort sorgen.

Die Fondsitze in der zweiten Sitzreihe sind im Verhältnis 1/3 zu 2/3 geteilt. Um mehr Ladefläche zu schaffen, stehen zwei praktische Optionen zur Auswahl: Für eine lange Ladefläche werden einfach die Rückenlehnen umgeklappt. Wird hingegen die maximale Ladehöhe benötigt, lassen sich die Sitze komplett nach vorne wickeln beziehungsweise hochkant aufstellen. Bei Bedarf kannst du die Sitze vollständig ausbauen.

Das Kofferraumvolumen wächst bei umgeklappten Sitzen auf maximal 2.556 Liter an. Die Zuladung liegt bei 528 Kilogramm, die maximale Anhängelast beträgt 1.500 Kilogramm. Unter dem Kofferraumboden gibt es beim eHybrid allerdings keinen doppelten Boden oder zusätzlichen Stauraum. Kleinteile wie das Warndreieck lassen sich immerhin seitlich in separaten Fächern unterbringen, vier Verzurrösen im Kofferraumboden sichern die Ladung. Wer noch mehr Platz benötigt, kann zur längeren Variante Caddy Maxi greifen, die auch als 7-Sitzer erhältlich ist.

Lange Garantie, mittelmäßige Zuverlässigkeit

Ein echter Pluspunkt: VW Nutzfahrzeuge gewährt serienmäßig eine Neuwagengarantie von 5 Jahren oder bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern. Für die Hochvolt-Batterie des eHybrid gilt eine Garantie von 8 Jahren oder bis zu 160.000 Kilometern. Dazu kommen 3 Jahre Garantie auf den Lack sowie 12 Jahre gegen Durchrostung.

Diese langen Garantiezeiten sind allerdings auch beruhigend, wenn man einen Blick auf die Zuverlässigkeit wirft. Zahlreiche Fahrer berichten von Software-Fehlern. Auch im TÜV-Report schneidet das Modell in der Kategorie 2- bis 3-jährigen Modelle mäßig ab und landet auf Platz 102 von 110. Zudem gab es seit 2021 bereits sechs Rückrufe, etwa wegen fehlender Schweißnähte an der Querlenkerhülse oder dem Risiko von Bremsflüssigkeitsaustritt.

Finanziell bietet der Plug-in-Hybrid interessante Anreize. Wer den Caddy eHybrid als Dienstwagen auch privat nutzt, profitiert von der reduzierten Versteuerung mit 0,5 Prozent statt der üblichen 1,0 Prozent. Zusätzlich können Käufer unter bestimmten Bedingungen eine staatliche Förderung in Anspruch nehmen: Je nach zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen und der Anzahl der Kinder im Haushalt sind bis zu 4.500 Euro möglich.

Fazit: Empfehlenswert, aber auch verdammt teuer

Der VW Caddy eHybrid präsentiert sich als extrem vielseitiges Fahrzeug für Familien und Freizeit. Er besticht durch ein XXL-Raumangebot, praxistaugliche Schiebetüren und einen kräftigen Elektroantrieb im Stadtverkehr. Die lange Garantie, die Dienstwagen-Steuervorteile und die potenzielle staatliche Prämie sprechen ebenfalls für den Hochdachkombi.

Dem gegenüber stehen der sehr hohe Anschaffungspreis, die mäßige Touch-Bedienung, hörbare Windgeräusche auf der Autobahn sowie der kleine Benzintank. Wer nach Alternativen sucht, findet beispielsweise im Ford Tourneo Connect 1.5 EcoBoost PHEV ein nahezu baugleiches Schwestermodell, das ab etwa 43.000 Euro etwas günstiger angeboten wird. Der vollelektrische Toyota Proace City Verso Electric startet ab 38.830 Euro, leidet mit seinem 52-kWh-Akku allerdings unter einer begrenzten WLTP-Reichweite von 341 Kilometern. Eine deutlich preiswertere Option ist der Dacia Jogger Hybrid ab 23.990 Euro. Er verzichtet zwar auf die Stecker-Lademöglichkeit, bietet als Vollhybrid aber ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis für Familien.

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