Dein Weg zum neuen Auto
Der Dacia Jogger ist ein äußerst günstiges, praktisches Familienauto für den Alltag, jedoch nicht ohne Schwächen.
Den 4,55 Meter langen Dacia Jogger gibt es seit 2022, Ende 2025 spendierte die Renault-Tochter dem Modell ein Facelift. Mit der neuen LED-Lichtsignatur, einem größeren Infotainment-Bildschirm (10,1 statt 8 Zoll) und neuen Motoren wirkt der Jogger deutlich moderner.
Dacia Jogger Testbericht lesen
Uns stand als Testwagen der Dacia Jogger Hybrid 155 in der höchsten Ausstattungslinie Journey als praktischer 7-Sitzer zur Verfügung. Dacia verspricht viel Platz für wenig Geld. Schnell zeigt sich, dass das Fahrzeug ein ehrliches und pragmatisches Konzept verfolgt, wobei gewisse Sparmaßnahmen nicht zu übersehen sind.

Von 18.000 bis 28.000 Euro
Finanziell bleibt Dacia seinen Wurzeln treu, zeigt aber je nach Modellvariante unterschiedliche Gesichter. Die Basisversion als Fünfsitzer startet bereits bei unschlagbaren 17.990 Euro, während der günstigste Siebensitzer ab 20.490 Euro zu haben ist.
Für unser Testfahrzeug, den Vollhybrid 155 in der Journey-Ausstattung, werden mindestens 27.390 Euro fällig. Damit nähert sich das Topmodell der Grenze von 30.000 Euro. Doch wo bekommt man sonst einen sparsamen 7-Sitzer für so wenig Geld? Den niedrigen Preis merkst du aber schon beim Einsteigen. Die Türen wirken im Vergleich zu anderen Mitbewerbern leichter und klappriger.

Spritzig dank E-Motor, laut dank Verbrenner
Der Vollhybrid hat eine Systemleistung von 116 kW/158 PS, gespeist aus einem 1,8-Liter-Benziner und einem Elektromotor. Im Vergleich zu den schwächeren Motorisierungen sorgt der Hybridantrieb dank des E-Motors für eine spürbar kräftige Beschleunigung. Zu hohe Erwartungen wollen wir aber nicht wecken: Von 0 auf 100 km/h braucht es immer noch 9,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.
Größter Kritikpunkt ist die Geräuschkulisse: Der Verbrennungsmotor springt nicht nur lautstark an, wenn man kräftig aufs Gaspedal tritt, sondern auch mal in einer 30er-Zone bei Langsam-Fahrt. In beiden Fällen relativ laut. Andere Hybrid-Systeme können das deutlich besser. Auch die Lenkung ist so eine Sache: Sie arbeitet leichtgängig, fühlt sich aber auch recht schwammig an und gibt wenig Rückmeldung. Gut zu wissen: Es stehen ein Eco-Modus sowie ein E-Save-Modus zur Verfügung. Letzterer schont die Batterie gezielt für spätere Strecken.

Innenraum: Einfach, aber praktisch und intuitiv
Im Cockpit dominiert an vielen Stellen schwarzes Hartplastik, das optisch jedoch gekonnt aufgewertet wurde. Oder anders gesagt: Dacia holt aus wenig inzwischen viel raus. Eine stoffartige Dekoreinlage auf dem Armaturenträger sowie weiße Akzente an den Lüftungsdüsen lockern die Optik angenehm auf. Die Bedienelemente überzeugen im Alltag durch ihre Einfachheit. Das Lenkrad liegt gut in der Hand und nutzt echte Tasten. Die Klimaanlage lässt sich intuitiv über drei große Drehregler steuern. Die Lautstärkeregelung erfolgt über einen separaten Hebel hinter dem Lenkrad, was etwas Eingewöhnung erfordert.
Sehr praktisch gelöst ist die Smartphone-Halterung mit einem direkt dahinter liegenden USB-C-Anschluss. In der Mittelkonsole befinden sich zudem zwei USB-C-Ports und ein 12-Volt-Anschluss. Ein kleiner Mangel zeigte sich beim Infotainment: Das Radio blieb zeitweise stumm, während das gekoppelte Smartphone problemlos Musik abspielen konnte. Die Sitzpolster sind spürbar weich geraten und bieten nur eingeschränkt Seitenhalt.

Ausgesprochen familientauglich mit bis zu 7 Sitzen
Im Fond überrascht das Raumangebot positiv. Selbst Passagiere mit einer Körpergröße von 1,85 Metern finden über dem Kopf ausreichend Platz. Die Fondsitze sind jedoch spürbar höher montiert als die Vordersitze. Die ausklappbaren Tischchen (serienmäßig in Journey) an den Rückseiten der Vordersitze sind daher für Kinder geeignet, für Erwachsene liegen sie aber sehr tief und schränken auch die Beinfreiheit ein.
Der eigentliche Clou des Jogger: Trotz nur 4,55 Meter Länge ist er als 7-Sitzer bestellbar. Die beiden Einzelsitze der dritten Reihe wiegen jeweils nur rund 10 Kilogramm und lassen sich einfach ausbauen oder nach vorne klappen.

Das Gute: Auch Erwachsene mit nicht allzu langen Beinen können in der dritten Sitzreihe mitfahren. Aufgrund der Sitzposition mit stark angewinkelten Beinen ist das jedoch nur für kurze Strecken zu empfehlen. Auch weil der Boden eine Wölbung hat und man die Füße nicht gerade abstellen kann. Kinder sind hier klar im Vorteil.
Stehen alle sieben Sitze aufrecht, bleibt ein minimaler Kofferraum von 160 Litern. 7-Sitzer wie ein Skoda Kodiaq (320 Liter) oder ein MG S9 (332 Liter) bieten als 7-Sitzer deutlich mehr, sind aber auch deutlich länger. Immerhin kannst du beim Jogger außen noch auf eine Dachbox oder eine Cargo Box auf dem Fahrradträger ausweichen. Oder du greifst doch zur 5-Sitzer-Variante, die 607 Liter bis 1.819 Liter Kofferraumvolumen bietet.

Eine der größten Stärken: der Verbrauch
Das Vollhybrid-System verlangt kein externes Laden an einer Steckdose, da sich die kleine 1,4-kWh-Batterie ausschließlich über die Rekuperation beim Bremsen und durch den Verbrennungsmotor auflädt. In der Praxis erweist sich der Antrieb als äußerst effizient. Auf den ersten 20 Kilometern in der Stadt zeigte der Bordcomputer einen hervorragenden Wert von 4,5 l/100 km an – damit lag das Fahrzeug sogar knapp unter der offiziellen Werksangabe (WLTP kombinier) von 4,6 Litern. Im gemischten Testbetrieb inkl. Autobahn pendelte sich der Verbrauch bei 5,4 Litern auf 100 Kilometer ein. Auch das kann sich sehen lassen.
Dank des 50-Liter-Tanks sind dadurch ohne Zwischenstopp Reichweiten von knapp 900 Kilometern möglich. Das geringe Leergewicht des Siebensitzers von nur 1.406 Kilogramm trägt maßgeblich zu den niedrigen Verbrauchswerten bei.

Mäßige Sicherheit, relativ kurze Garantie
Beim Thema Sicherheit muss man Kompromisse eingehen. Beim Euro-NCAP-Crashtest im Jahr 2021 erreichte der Jogger lediglich einen von fünf Sternen, was vor allem an Sparmaßnahmen bei den Assistenzsystemen und beim Fußgängerschutz lag. Generell gilt: Der Jogger hat grundlegende Assistenten an Bord, auch weil sie in der EU mittlerweile zum Teil vorgeschrieben sind. Einen Abstandsregeltempomaten, der mitlenkt, oder einen Parkassistenten sucht man aber vergebens.
Die Neuwagengarantie fällt mit drei Jahren eher durchschnittlich aus. Kia und MG beispielsweise bieten ganze 7 Jahre. Warum ein lange Garantie nicht schlecht wäre? – In puncto Zuverlässigkeit zeigen andere Dacia-Modelle im TÜV-Report überdurchschnittlich oft Mängel. Die rumänische Marke steht nicht unbedingt für Langlebigkeit.

Fazit: Unangefochtener Preis-Leistungs-Sieger
Der Dacia Jogger Hybrid 155 ist kein Blender. Schon beim Einsteigen merkst du, dass hier gespart wird. Oder an solchen Details wie der Tankklappe, die innen ohne Verkleidung auskommt. Doch das relativiert sich alles durch den ausgesprochen günstigen Preis. Und der Jogger hat ja auch zahlreiche Stärken: Er überzeugt mit einem hervorragenden Raumangebot, einfacher Bedienung, hoher Alltagstauglichkeit und einem sparsamen Hybridantrieb. Bei der Langlebigkeit und Sicherheit musst du definitiv Abstriche machen.
Wer auf die Konkurrenz blickt, findet im Markt verschiedene Konzepte: Eine preislich attraktive Alternative im Hochdachkombi-Segment stellt der Ford Tourneo Courier dar, der bereits ab 25.450 Euro erhältlich ist. 7-Sitzer wie ein Skoda Kodiaq oder ein MG S9 starten erst bei rund 45.000 Euro. Finanziell interessanter: Der Opel Frontera, der als 7-Sitzer ab knapp über 26.000 Euro zu haben ist. Anhand der Preise wird aber klar: Für Pragmatiker bleibt der Jogger ein unschlagbar günstiges Angebot.