Der kleinste Dacia war fast vergessen – wir bringen ihn als E-Auto zurück!

Irene Wallner
Lead Consumer Editor
02. August 2026

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Dacia baute schon in den 1980ern einen winzigen Stadtflitzer. Wir zeigen, wie der vergessene Lăstun heute als Elektroauto aussehen könnte.

Ein Dacia, der noch kleiner und günstiger als der Spring ist? Was zunächst nach einer ungewöhnlichen Idee klingt, hätte ein historisches Vorbild. Schon Ende der 1980er-Jahre versuchte sich der rumänische Hersteller an einem besonders kompakten und sparsamen Stadtauto: dem Dacia 500 Lăstun.

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Dacias vergessener Fiat-500-Gegner: So könnte der neue Lăstun aussehen

Mit knapp drei Metern Länge, drei Türen und einem winzigen Zweizylindermotor war der Lăstun auf das absolute Minimum reduziert. Erfolgreich war er allerdings nicht. Qualitätsprobleme, schwache Fahrleistungen und eine wenig ausgereifte Konstruktion sorgten dafür, dass nach wenigen Jahren wieder Schluss war. Trotzdem wirkt die Grundidee heute aktueller denn je: ein kleines, leichtes und erschwingliches Auto, das sich bewusst auf kurze Alltagsstrecken konzentriert.

Wir haben uns deshalb gefragt: Wie könnte der Dacia 500 aussehen, wenn Dacia ihn heute als kleines Elektroauto zurückbringen würde? Unsere Renderings zeigen eine mögliche Neuinterpretation. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein offiziell angekündigtes Fahrzeug oder ein Konzept von Dacia.

Der alte Dacia 500 war auf das Nötigste reduziert

Der ursprüngliche Dacia 500 Lăstun ging 1988 in Timișoara in Produktion. Der nur etwa 2,95 Meter lange Dreitürer wurde von einem luftgekühlten Zweizylinder mit 499 Kubikzentimetern angetrieben. Rund 22 PS, ein manuelles Vierganggetriebe und ungefähr 590 Kilogramm Leergewicht mussten genügen.

Dacia_500

Auch die Karosserie war ungewöhnlich. Um Gewicht und Kosten zu sparen, bestanden größere Teile aus Kunststoff. Auf dem Papier sollte der kleine Dacia lediglich rund 3,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. In der Realität litt das Modell jedoch unter technischen Problemen und einer schwankenden Fertigungsqualität. Insgesamt entstanden nur einige Tausend Exemplare, bevor die Produktion Anfang der 1990er-Jahre endete.

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Trotzdem war das Grundrezept nicht völlig falsch. Der Lăstun sollte wenig Platz beanspruchen, günstig im Unterhalt sein und für typische Alltagsfahrten ausreichen. Genau diese Eigenschaften werden heute wieder gesucht – nur müsste die Umsetzung deutlich moderner und ausgereifter ausfallen.

Dreitürer statt Mini-SUV: So könnte der neue Dacia 500 aussehen

Unser moderner Dacia 500 bleibt bewusst ein Dreitürer. Das ist weniger praktisch als eine fünftürige Karosserie, greift aber eine der prägendsten Eigenschaften des historischen Vorbilds auf. Gleichzeitig erhält das Auto dadurch einen eigenständigen Charakter, statt lediglich wie ein verkleinerter Dacia Spring auszusehen.

Dacia-500-Render-Front

Die Proportionen sind kurz und aufrecht. Eine steile Frontscheibe, das fast senkrecht abfallende Heck und der geringe Abstand zwischen den Rädern lassen den Wagen kompakt und wendig erscheinen. Die Karosserie ist etwas kantiger als bei vielen aktuellen Kleinstwagen, ohne wie ein reines Retroauto zu wirken.

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An der Front sitzt die aktuelle Dacia-Lichtsignatur mit dem markanten, aus den Buchstaben D und C gebildeten Markenlogo. Die rechteckigen Scheinwerfer nehmen die einfachen Leuchten des historischen Modells auf, interpretieren sie aber mit moderner LED-Technik neu.

Besonders auffällig sind die großflächigen schwarzen Kunststoffbeplankungen an Stoßfängern, Radkästen und Türen. Sie lassen den Dacia 500 robuster wirken und hätten gleichzeitig einen praktischen Vorteil: Kleine Parkrempler, Kratzer oder Schmutz wären auf den unlackierten Flächen weniger problematisch. Solche Bauteile würden gut zur aktuellen Designsprache der Marke passen. Dacia verwendet bei aktuellen Modellen bereits unlackierte Schutzteile aus dem teilweise recycelten Material Starkle, das weniger empfindlich gegenüber alltäglichen Kratzern sein soll.

Dacia-500-Render-Heck

Der Wagen wäre damit kein klassischer SUV. Die Kunststoffelemente und die leicht erhöhte Karosserie würden ihm aber genug Robustheit geben, um nicht nur in einer engen Innenstadt, sondern auch auf schlechten Landstraßen oder unbefestigten Zufahrten glaubwürdig zu wirken.

Ein kleiner Akku würde vollkommen ausreichen

Eine Neuauflage des Dacia 500 müsste elektrisch fahren. Ein Verbrennungsmotor würde zwar historisch zum Namen passen, aber kaum zum Einsatzzweck eines besonders einfachen und kompakten Stadtautos.

Entscheidend wäre, nicht der üblichen Jagd nach immer größeren Akkus zu folgen. Für unser Konzept stellen wir uns eine LFP-Batterie mit etwa 20 bis 25 kWh Kapazität vor. Zusammen mit einer leichten Karosserie und schmalen, verbrauchsoptimierten Reifen könnte das für ungefähr 180 bis 220 Kilometer WLTP-Reichweite reichen.

Damit läge der Dacia 500 nicht auf Langstreckenniveau. Das müsste er aber auch gar nicht. Sein Gebiet wären kurze Pendelstrecken, Einkaufsfahrten und der tägliche Weg zum Bahnhof, zur Schule oder zur Arbeit.

Dass ein kleiner Akku für diesen Zweck funktionieren kann, zeigt bereits der aktuelle Dacia Spring. Dessen 24,3-kWh-Batterie ermöglicht laut Hersteller bis zu 225 Kilometer kombinierte WLTP-Reichweite. Ein noch kleinerer und leichterer Dacia 500 könnte daher trotz kompakter Batterie eine ähnliche Größenordnung erreichen.

Als Antrieb wären etwa 45 bis 60 kW, also rund 61 bis 82 PS, vorstellbar. Mehr Leistung braucht ein solches Auto kaum. Wichtiger wären ein direktes Ansprechverhalten in der Stadt und genügend Reserven, um auf der Landstraße problemlos mitschwimmen zu können.

Geladen werden könnte serienmäßig mit Wechselstrom. Eine optionale Gleichstrom-Ladeleistung von etwa 40 bis 50 kW würde genügen, um die kleine Batterie während einer kurzen Pause wieder deutlich aufzufüllen. Ein dreistelliger Ladewert wäre in dieser Fahrzeugklasse unnötig und würde nur die Kosten erhöhen.

In der Stadt klein, auf dem Land trotzdem sinnvoll

Mit einer Länge von ungefähr 3,10 bis 3,30 Metern könnte der neue Dacia 500 in Parklücken passen, die für normale Kleinwagen bereits zu eng sind. Der kleine Wendekreis und die gute Übersicht durch die aufrechte Karosserie würden ihn zu einem unkomplizierten Stadtauto machen.

Sein Nutzen müsste sich aber nicht auf Großstädte beschränken. Gerade im ländlichen Raum werden viele Autos überwiegend auf kurzen Strecken bewegt: zum Supermarkt, zum Kindergarten, zum Arzt oder zum nächsten Bahnhof. Für solche Wege wäre ein günstiges Elektroauto mit rund 200 Kilometern Reichweite häufig vollkommen ausreichend.

Als typische Einsatzgebiete kämen infrage:

  • Zweitwagen für Familien
  • Pendlerauto für kurze und mittlere Arbeitswege
  • günstiges Erstauto für Fahranfänger
  • Fahrzeug für Pflegedienste und kleinere Betriebe
  • Carsharing-Auto für Stadt und Gemeinde
  • unkomplizierter Alltagswagen für ländliche Regionen

Die drei Türen wären dabei Charme und Einschränkung zugleich. Vorn könnten zwei Erwachsene bequem sitzen, während die hinteren Plätze eher für Kinder oder gelegentliche kurze Fahrten gedacht wären. Der moderne Dacia 500 wäre damit erneut ein 2+2-Sitzer und kein vollwertiger Familienwagen.

Für Einkäufe müsste dennoch genügend Platz bleiben. Eine verschiebbare oder komplett umklappbare Rückbank könnte den kleinen Kofferraum bei Bedarf erweitern. Ein einfaches, hoch bauendes Heck wäre dabei nützlicher als eine besonders dynamische Dachlinie.

Weniger Ausstattung könnte hier ein echter Vorteil sein

Auch im Innenraum sollte Dacia nicht versuchen, ein kleines Premiumauto zu bauen. Ein digitales Kombiinstrument, Smartphone-Halterung, USB-Anschlüsse und eine robuste Klimatisierung würden für die Basisversion genügen. Das eigene Handy könnte Navigation und Unterhaltung übernehmen.

Teure elektrische Sitze, riesige Displays oder aufwendige Ambientebeleuchtung wären in diesem Auto fehl am Platz. Wichtiger wären strapazierfähige Materialien, leicht zu reinigende Oberflächen und gut erreichbare physische Tasten.

Natürlich müsste auch ein günstiger Dacia 500 alle vorgeschriebenen Sicherheits- und Assistenzsysteme besitzen. Gerade diese Anforderungen machen es heute allerdings schwierig, ein extrem kleines Auto wirklich billig anzubieten. Kameras, Sensoren, Airbags und eine stabile Crashstruktur benötigen Platz und treiben die Kosten nach oben.

Der moderne Dacia 500 könnte deshalb kaum so kompromisslos winzig werden wie sein historischer Vorgänger. Er müsste aber auch nicht viel größer sein, solange Dacia den vorhandenen Raum clever nutzt.

Ausgerechnet als Elektroauto könnte die alte Idee funktionieren

Der historische Lăstun scheiterte nicht unbedingt an seiner Grundidee. Er scheiterte vor allem an deren Umsetzung. Der kleine Zweizylinder war schwach und problematisch, die Verarbeitung mangelhaft und die Alltagstauglichkeit stark eingeschränkt.

Ein Elektroantrieb könnte einige dieser Schwächen beseitigen. Elektromotoren benötigen weniger bewegliche Teile, bieten aus dem Stand genügend Drehmoment und lassen sich in einem kleinen Fahrzeug vergleichsweise platzsparend unterbringen. Die Batterie im Unterboden könnte außerdem für einen niedrigen Schwerpunkt sorgen.

Gleichzeitig würde die moderne Neuauflage den ursprünglichen Gedanken bewahren: so wenig Auto wie möglich, aber genug für die meisten täglichen Wege.

Gerade weil moderne Autos immer größer, schwerer und teurer werden, hätte ein elektrischer Dacia 500 heute womöglich bessere Chancen als das Original. Er wäre kein Auto für jeden Zweck – sondern eines, das seinen begrenzten Einsatzzweck besonders günstig und effizient erfüllt.