Dein Weg zum neuen Auto
Wir holen den BMW 3er Compact zurück: als Elektroauto mit sportlicher Hatchback-Form, moderner BMW-Front, neuem Heckdesign und realistischer Reichweite.
Es gibt Autos, die werden erst dann interessant, wenn sie längst verschwunden sind. Der BMW 3er Compact gehört ziemlich sicher dazu. In den 90ern war er für viele BMW-Fans so etwas wie der komische kleine Bruder der 3er-Familie: vorne ernsthafter E36, hinten radikal gekürzt, dazu ein Heck, das aussah, als hätte jemand beim Zeichnen einfach zu früh aufgehört. Genau deshalb polarisierte er damals so stark.
BMW 3er Compact als Elektroauto: Das umstrittene 90er-Modell in modern
Heute könnte genau diese Idee aber wieder funktionieren, vielleicht sogar besser als früher. Denn während die Autowelt immer mehr SUVs baut, ist ein kompakter, niedriger, sportlicher Elektro-BMW fast schon ein Wagnis. Deshalb haben wir uns gefragt: Wie müsste ein neuer BMW 3er Compact aussehen, wenn BMW ihn heute zurückbringen würde?
Das Design unseres Renderings: bewusst abgeschnitten – aber sauberer als früher

Vorne orientiert sich unser Entwurf am neuen BMW-i3- beziehungsweise Neue-Klasse-Look: schmale Scheinwerfer, eine breite, flache Nierengrafik, klare Flächen und eine Front, die nicht mehr mit riesigen Kühlluftöffnungen so tut, als müsse sie einen Sechszylinder beatmen. Das passt gut zum Elektroantrieb, ohne den BMW-Charakter komplett aufzugeben.
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In der Seitenansicht sieht man den wichtigsten Unterschied zu vielen heutigen Kompakten: Der Wagen ist dreitürig. Das ist nicht unbedingt praktisch, aber so war der 3er Compact nunmal. Der alte Compact war auch nie das rationalste Auto der 3er-Familie. Ein moderner Nachfolger müsste also nicht versuchen, alles besser zu können als ein X1 oder ein 3er Touring. Er müsste cooler sein.

Noch wichtiger ist aber das Heck. Wir haben das Heck bewusst an das Original angelehnt: Die hintere Partie ist deutlich steil abgeschnitten, die Heckscheibe steht aufrecht, und der Abschluss wirkt kantig und abrupt. Genau dieses „abgesägte“ Heck war beim E36 Compact das große Erkennungsmerkmal – und genau das übernimmt unser moderner Entwurf.
Der Unterschied: Beim neuen Rendering wirkt diese Form nicht mehr wie ein Kompromiss, sondern wie eine bewusste Designentscheidung. Die schmalen horizontalen Rückleuchten, die klare Heckklappe, der dunkle untere Abschluss und die breiten Schultern geben dem Auto mehr Stand. Das Heck ist immer noch eigenwillig, vielleicht sogar wieder polarisierend, aber es sieht nicht aus, als hätte BMW einfach eine Limousine gekürzt. Es wirkt eher wie ein moderner Elektro-Hatchback, der absichtlich so aussieht.
Gerade dadurch bekommt der neue 3er Compact seinen Charakter zurück. Würde man das Heck zu rund, zu coupéhaft oder zu glatt zeichnen, wäre es am Ende nur irgendein weiterer sportlicher Kompaktwagen. Mit dem steileren Abschluss erkennt man sofort die Verbindung zum alten E36 Compact – inklusive der Frage, die schon damals gestellt wurde: mutig oder merkwürdig? Genau diese Reibung macht das Auto spannend.
Der alte BMW 3er Compact: geliebt, belächelt, unterschätzt
Der BMW 3er Compact kam Mitte der 90er als dreitürige Schrägheck-Version des E36 auf den Markt. Im Kern war die Idee ziemlich einfach: BMW wollte einen kompakteren, günstigeren Einstieg in die 3er-Welt schaffen – mit Hinterradantrieb, BMW-Image und praktischer Heckklappe. Der Compact war im hinteren Überhang deutlich verkürzt und blieb bis zur E46-Generation im Programm, bevor BMW ihn zugunsten des 1ers auslaufen ließ.
Das Problem: Viele sahen in ihm keinen eigenständigen Kompaktwagen, sondern einen 3er, dem hinten etwas fehlte. Die Proportionen waren ungewohnt, das Heck ziemlich abrupt, und neben Limousine, Coupé und Touring wirkte der Compact optisch wie der Spar-BMW für Leute, die sich den „richtigen“ 3er nicht leisten wollten.
Technisch war er ebenfalls nicht ganz auf dem Niveau der übrigen E36-Familie. Während der normale E36 eine moderne Mehrlenker-Hinterachse bekam, nutzte der Compact hinten eine ältere Schräglenker-Konstruktion, die aus Platz- und Packaging-Gründen auf der E30-Technik basierte. Für Puristen war das ein weiterer Grund, die Nase zu rümpfen.
Und trotzdem hatte der Compact etwas. Aus dem belächelten Einstiegsmodell wurde rückblickend also fast so etwas wie ein kleiner Fahrerauto-Kult.
Elektro statt Sechszylinder: Perfekte Neuinterpretation?
Natürlich wäre ein neuer 323ti mit Reihensechszylinder und Handschaltung der Traum vieler BMW-Fans. Realistisch ist das aber kaum. Wenn BMW den 3er Compact heute zurückbringen würde, dann wahrscheinlich elektrisch – und ehrlich gesagt passt das besser, als man auf den ersten Blick denkt.
Der alte Compact war kompakt, heckgetrieben und relativ leichtfüßig. Ein Elektro-Compact könnte diese Idee neu interpretieren: tiefer Schwerpunkt, direkter Antritt, kurze Karosserie, optional Hinterradantrieb oder Allrad. Statt Klang und Drehzahl gäbe es Power und Traktion.
BMW entwickelt für die Neue Klasse die sechste Generation seines eDrive-Antriebs. Plausibel wären mehrere Varianten:
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i320 Compact
Ein Einstiegsmodell mit Heckantrieb, etwa 250 bis 300 PS und einer alltagstauglichen Batterie. Das wäre der elektrische Nachfolger des vernünftigen Compact – aber mit deutlich mehr Kraft. -
i330 Compact
Die sportlichere Version mit mehr Leistung, größerem Akku und längerer Reichweite. Vermutlich der Sweet Spot, wenn der Wagen nicht nur als Stadtauto, sondern auch als Langstrecken-Kompakter funktionieren soll. -
iM Compact oder M350 Compact
Das Spaßmodell mit Allrad, deutlich über 400 PS und sportlicherem Fahrwerk. Das wäre der geistige Nachfolger des 323ti – nur eben ohne Reihensechser, dafür mit absurd schnellem Elektro-Antritt.
Reichweite: Mindestens 500 Kilometer müssten drin sein
Damit so ein Auto funktioniert, dürfte BMW ihn nicht als reinen City-Stromer verkaufen. Dafür wäre der 3er-Name zu stark. Ein moderner 3er Compact EV müsste mindestens 500 Kilometer WLTP-Reichweite schaffen, besser 550 bis 600 Kilometer in den stärkeren Versionen.
Das wäre nicht unrealistisch, wenn BMW die Neue-Klasse-Technik konsequent nutzt. Die neue Plattform soll effizienter laden und mehr Reichweite ermöglichen als bisherige BMW-Elektromodelle. In einem flachen, kompakten Hatchback könnte das sogar besser funktionieren als in einem schweren SUV, weil Stirnfläche und Gewicht niedriger ausfallen könnten.
Beim Laden müsste BMW ebenfalls liefern. 10 bis 80 Prozent in unter 25 Minuten wären Pflicht, wenn das Auto als echter Premium-Elektro-Kompakter ernst genommen werden soll.
Preis: Günstiger 3er oder teurer 1er?
Hier wird es schwierig. Der alte Compact hatte auch deshalb seinen Reiz, weil er den Einstieg in die 3er-Welt günstiger machte. Ein neuer Elektro-Compact dürfte aber kaum ein Schnäppchen werden. Allein Akku, Plattform und Premium-Positionierung würden ihn oberhalb eines normalen 1ers platzieren.
Realistisch wäre aus heutiger Sicht ein Einstieg irgendwo um 45.000 Euro. Eine stärkere i330-Version könnte eher Richtung 52.000 bis 58.000 Euro gehen, ein sportliches M-Performance-Modell vermutlich deutlich über 60.000 Euro.
Damit wäre er nicht billig – aber das müsste er auch nicht sein. Entscheidend wäre, dass BMW ihn nicht als Sparmodell verkauft. Der alte Compact litt unter dem Image des kleinen, abgeschnittenen 3ers. Der neue müsste sich als bewusst emotionales Nischenauto positionieren: kompakter als ein 3er, niedriger als ein X1, spezieller als ein 1er.
Würde er wieder polarisieren?
Ja. Und das sollte er auch.
Ein dreitüriger Elektro-Compact von BMW wäre heute fast genauso ungewöhnlich wie der E36 Compact damals. Viele würden fragen: Wer braucht das? Warum nur drei Türen? Warum kein SUV? Warum kein normaler 3er? Genau diese Fragen zeigen aber, warum das Auto spannend wäre.
Der Unterschied zum alten Modell liegt in der Haltung. Der E36 Compact wirkte für viele wie ein Kompromiss. Unser neuer 3er Compact EV müsste dagegen wie eine bewusste Entscheidung wirken.
Ob BMW so ein Auto wirklich bauen würde? Wahrscheinlich eher nicht. Dreitürer sind praktisch tot, SUVs verkaufen sich besser und ein elektrischer Kompaktwagen mit Premium-Preis wäre ein Risiko. Aber genau deshalb wäre dieser neue 3er Compact so reizvoll. Er wäre kein Auto für alle – sondern einer dieser BMWs, über die man streitet. Und genau das hat schon das Original interessant gemacht.