Autogas-Hybrid als Lösung für teuren Diesel? – Wir sind den Bigster Hybrid-G 150 4×4 gefahren

Timon Werner-Pachmayr
Senior Online-Redakteur Test
01. April 2026

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Der Hybrid-G 150 4×4 ist des Dacia Bigster ist ein Antrieb, bei dem wir uns fragen: Wer genau hat sich das eigentlich ausgedacht? Ein SUV mit Autogas-Antrieb, kombiniert mit einem elektrifizierten System und obendrauf noch Allrad. Das klingt erstmal nach einem genialen Hack für alle, die günstig unterwegs sein wollen und trotzdem gelegentlich den Feldweg hinterm Haus nicht scheuen.

Doch wie so oft bei ungewöhnlichen Konzepten stellt sich die entscheidende Frage: Ist das wirklich die perfekte Kombination – oder eher ein Kompromiss, der sich clever verkauft, aber im Alltag nicht ganz hält, was er verspricht?

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Ein Antrieb, der auf dem Papier moderner klingt als er sich anfühlt

Rein technisch bringt der Bigster Hybrid-G 150 4×4 alles mit, was man sich aktuell wünschen könnte. LPG-Antrieb für günstiges Tanken, ein elektrisches System zur Senkung des Verbrauchs und ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das die Kraft dank Allradantrieb auf alle vier Räder verteilt. Die Systemleistung liegt bei 154 PS (113 kW), was für ein Auto dieser Größe absolut ausreichend ist. Bloß 14 PS davon kommen vom Elektromotor.

In der Praxis fühlt sich das Ganze daher weniger nach Hightech und mehr nach solider Hausmannskost an. Und das ist nicht unbedingt schlecht. Der Bigster mit LPG-Hybrid fährt sich angenehm unaufgeregt, ohne die typische Komplexität mancher moderner Hybridfahrzeuge. Man steigt ein, fährt los und denkt nicht groß darüber nach, was da technisch im Hintergrund passiert.

Interessant ist, dass der Verbrenner bei gleichmäßiger Fahrt oder beim Rollen tatsächlich häufig abschaltet und der Bigster wirklich häufig rein elektrisch segelt. Trotzdem bleibt das Gesamtgefühl entfernt anderen Voll- oder Plug-in-Hybrid-Modellen, die längere Strecken rein elektrisch zurücklegen können.

LPG als Hauptargument – und als kleiner Widerspruch

Der eigentliche Star dieses Autos ist der LPG-Antrieb. Autogas ist nach wie vor deutlich günstiger als Benzin, und genau hier spielt der Bigster seinen größten Vorteil aus. Über eine separate Taste kann man bequem zwischen Gas- und Benzinbetrieb wechseln, was angenehm unkompliziert funktioniert.

Doch genau hier beginnt auch der innere Konflikt dieses Autos. Denn während LPG für niedrige Betriebskosten steht, sorgt der Allradantrieb gleichzeitig für einen höheren Verbrauch. Der kombinierte Wert liegt bei 7,2 l/100 km (LPG) beziehungsweise 5,9 l/100 km (Benzin) – solide, aber kein Effizienzwunder.

Das führt zu einer etwas paradoxen Situation. Einerseits will der Bigster ein besonders effizienter SUV sein, andererseits bringt er durch den Allradantrieb zusätzliche Masse und Reibung ins Spiel. Das Ergebnis ist kein schlechtes, aber eben auch kein herausragendes Effizienzkonzept.

Fahrgefühl: angenehm normal – und genau das ist die Stärke

Was sofort auffällt: Der Bigster fährt sich erstaunlich unkompliziert. Es gibt keine Eigenheiten, keine merkwürdigen Übergänge zwischen elektrischem und konventionellem Antrieb, keine nervigen Geräuschkulissen. Alles wirkt vertraut, fast schon konservativ.

Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 10,5 Sekunden ist nicht sportlich, aber absolut ausreichend. Die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h zeigt ebenfalls, dass der Fokus hier klar auf Alltag und nicht auf Performance liegt.

Unter Last klingt der Motor etwas kerniger, wird zuweilen gut hörbar im Innenraum, aber für mich nicht unangenehm. Mich erinnert er sogar im Klang leicht an einen größeren Diesel, was gut zum robusten Charakter des Autos passt. Mein Redaktionskollege sieht das anders und fühlt sich gestört vom dominanten Motorklang beim Durchbeschleunigen.

Der Allradantrieb ist dabei mehr als nur ein Marketing-Gag: Mit verschiedenen Fahrmodi und Funktionen wie einer Bergabfahrhilfe ist der Bigster tatsächlich in der Lage, auch abseits befestigter Straßen ordentlich zu funktionieren. Er wird dadurch zwar kein echter Geländewagen, aber er kann mehr als die meisten klassischen SUVs.

Ein Konzept zwischen Vernunft und Widerspruch

Je länger man mit dem Bigster unterwegs ist, desto klarer wird, dass dieses Auto vor allem eines ist: ein Kompromiss. Ein ziemlich cleverer zwar, aber eben trotzdem ein Kompromiss.

Die Idee dahinter ist eigentlich brillant. Ein günstiger Kraftstoff, kombiniert mit elektrischer Unterstützung und zusätzlicher Traktion für schwierige Untergründe. Doch in der Realität stehen sich diese Vorteile teilweise gegenseitig im Weg.

Der Allradantrieb erhöht den Verbrauch, die Elektrifizierung bleibt hinter echten Hybrid-Systemen zurück, und das Gewicht steigt entsprechend an. Der Bigster bringt immerhin 1.611 kg Leergewicht auf die Waage – kein Leichtgewicht also.

Trotzdem funktioniert das Gesamtpaket überraschend gut. Nicht perfekt, aber stimmig genug, um im Alltag zu überzeugen.

Design: mehr Werkzeug als Lifestyle

Optisch macht der Bigster keinen Hehl daraus, wofür er gedacht ist. Das Design ist kantig, robust und eher funktional als elegant. Schutzleisten, Unterfahrschutz und klare Linien vermitteln sofort das Gefühl, dass dieses Auto auch mal schmutzig werden darf.

Das ist erfrischend in einer Zeit, in der viele SUVs versuchen, sportlich oder luxuriös zu wirken. Der Bigster will einfach nur praktisch sein. Und genau das macht ihn sympathisch.

Innenraum: viel Platz, wenig Drama

Im Innenraum setzt sich dieser Eindruck fort. Alles ist funktional, logisch aufgebaut und frei von unnötigem Schnickschnack. Das Infotainment-System mit 10,1-Zoll-Touchscreen bietet die wichtigsten Funktionen, benötigt aber häufig viel Bedenkzeit bei den Menüs oder dem Laden der Navigation über ‘Here’. Wer sein Smartphone nutzt, wird ohnehin meist auf Apple CarPlay oder Android Auto zurückgreifen.

Die Materialqualität ist zweckmäßig, ohne große Überraschungen. Was allerdings auffällt, ist die etwas begrenzte Anzahl an Ablagen. Für ein Auto dieser Größe hätte man hier mehr erwarten können. Gerade die Türfächer und Cupholder sind nicht besonders groß.

Raumangebot: großes Manko des LPG-Antriebs

Wenn es um Platz geht, macht der Bigster vieles richtig. Nur gilt das nicht für den von uns getesteten Hybrid-G 150 4×4.

Beim Kofferraum zeigt sich seine größte Schwäche. Mit 444 Litern bei aufrechter Rückbank und 1.712 Litern maximalem Ladevolumen ist er zwar nicht klein – aber im direkten Vergleich innerhalb der eigenen Modellreihe fällt er deutlich ab.

Und das liegt nicht am Gastank, sondern vor allem an der Batterie. Der ebenfalls gasbetriebene Mild Hybrid-G 140 bietet nämlich 609 Liter beziehungsweise 1.877 Liter. Der rein benzinbetriebene Mild hybrid 140 kommt sogar auf 667 Liter und bis zu 1.937 Liter.

Anders gesagt: Wer sich für den vermeintlich modernsten und vielseitigsten Antrieb entscheidet, bekommt gleichzeitig den kleinsten Kofferraum. Das wirkt besonders widersprüchlich, weil genau dieser Allround-Anspruch eigentlich eines der Hauptargumente für den Bigster ist.

Immerhin bleibt die Variabilität auf gewohnt hohem Niveau. Die Rückbank lässt sich bequem vom Kofferraum aus umklappen, die Ladefläche ist nahezu eben und insgesamt gut nutzbar. Doch der deutliche Volumenverlust gegenüber den günstigeren Varianten kratzt am ansonsten sehr stimmigen Gesamtbild – und dürfte für Familien mit viel Gepäck ein echter Entscheidungsfaktor sein.

Fazit: Clever gedacht, aber nicht ganz zu Ende gedacht

Am Ende bleibt der Dacia Bigster Hybrid-G 150 4×4 ein Auto, das man gleichzeitig bewundern und hinterfragen kann.

Die Grundidee ist stark: günstiges Fahren dank LPG, mehr Traktion durch Allrad und ein Hauch Elektrifizierung obendrauf. Beim Fahren funktioniert das auch erstaunlich gut. Der Bigster fährt sich angenehm unkompliziert, wirkt robust und deckt viele Alltagsszenarien souverän ab – von der Pendelstrecke bis zum matschigen Feldweg.

Aber je länger man sich mit dem Auto beschäftigt, desto deutlicher werden die Kompromisse. Der „Hybrid“ fühlt sich eher wie ein gut gemachter Mildhybrid an, der Effizienzgewinn wird durch den Allrad aufgefressen – und ausgerechnet beim Platz, eigentlich eine Paradedisziplin von Dacia, schwächelt diese Version spürbar.

Ist er also das Beste aus beiden Welten? Nicht wirklich.

Ist er trotzdem sinnvoll? Ja – aber nur für eine sehr eingeschränkte Zielgruppe.

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