Autos sollten nicht reden – Wir sind den Changan Deepal S05 gefahren

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Der Changan Deepal S05 ist kein Auto, das sich langsam herantastet. Erst 2025 standen die Autos auf der IAA, Ende des Jahres starteten die Bestellungen – und Anfang 2026 stehen die ersten Modelle schon in nennenswerter Stückzahl auf europäischen Straßen. Das ist ein Tempo, bei dem etablierte Hersteller erstmal schlucken müssen. ‘China Speed’ ist hier das Stichwort.

Und genau so fährt sich der Deepal S05 auch: nicht vorsichtig, sondern selbstbewusst. Die Frage ist nur, ob er diesem Anspruch schon gerecht wird. An manchen Stellen ging es dann wohl doch zu schnell, wie unser Test zeigt.

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Exterieur: Selbstbewusst bis zur Schmerzgrenze

Der Deepal S05 will auffallen – und das gelingt ihm ziemlich mühelos. Das Design stammt aus Turin und wirkt entsprechend europäisch geschliffen, aber mit einem klaren futuristischen Einschlag. Die breite Spur, die ausgestellten Radhäuser und die glatte, fast schon windschnittige Silhouette sorgen dafür, dass er deutlich teurer wirkt, als er eigentlich ist.

Besonders prägnant sind die Details. Die bündig versenkten Türgriffe, und die rahmenlosen Fenster geben ihm eine fast schon coupéhafte Eleganz, während die Lichtsignatur an der C-Säule – diese sogenannten Energy Interaction Lights – dem Auto einen futuristischen Touch verleihen, der im Alltag tatsächlich mehr ist als nur Spielerei. Es sieht einfach anders aus als der übliche SUV-Einheitsbrei.

Innenraum: Premium-Anspruch trifft auf Realität

Setzt man sich rein, ist der erste Eindruck ehrlich gesagt ziemlich beeindruckend. Die Materialien fühlen sich hochwertig an, die Verarbeitung wirkt sauber und das gesamte Interieur hat diesen „teuren“ Look, den viele Hersteller anstreben, aber nicht immer erreichen.

Für einen ersten Aha-Effekt sorgt der 15,4-Zoll-Touchscreen, der sich automatisch in meine Richtung oder die meiner Beifahrerin schwenkt, sobald ich mich reinsetze. Ein Digitalinstrument gibt es nicht, doch das ist nicht weiter schlimm: Stattdessen setzt Changan auf ein Augmented-Reality-Head-up-Display, das wichtige Informationen direkt ins Sichtfeld projiziert. Dessen Darstellungen erinnern mich stark an das Head-up-Display von VW in den ID.-Modellen. Das Ganze wirkt modern, durchdacht und technisch auf der Höhe der Zeit.

Auch das Platzangebot überzeugt. Mit einem Radstand von 2.880 mm ist der Deepal S05 ausreichend groß, sowohl vorne als auch im Fond sitzt man bequem. Gerade auf längeren Strecken zahlt sich das aus.

Und dann kommen die kleinen Brüche im Gesamtbild.

Die Bedienung ist grundsätzlich logisch, vor allem wenn man an minimalistische Interfaces wie bei Tesla gewöhnt ist. Trotzdem braucht man eine gewisse Eingewöhnung, weil viele Funktionen nicht sofort dort sind, wo man sie erwartet.

Und dann sind da diese charmant-chaotischen Software-Momente. Wenn das Auto beim Einparken plötzlich „Bitte hör auf!“ einblendet, sorgt das zwar für einen Lacher – fühlt sich aber nicht unbedingt nach Premium an.

Bei den zahlreichen Rechtschreibfehlern in den Menüs bekomme ich dann schon den Eindruck, dass es mit dem Marktstart etwas schnell ging.

Infotainment: Viel Freiheit, aber nicht immer elegant umgesetzt

Der Deepal S05 bietet ein hohes Maß an Individualisierung. Man kann Shortcuts frei konfigurieren, Widgets verschieben und sich das Interface nach eigenen Vorlieben zusammenstellen. Das ist ein klarer Pluspunkt und zeigt, wie flexibel das System gedacht ist.

Allerdings erkauft man sich diese Freiheit mit einer gewissen Komplexität. Gerade am Anfang wirkt das System leicht überfordernd, weil man sich vieles selbst erschließen muss. Es ist weniger „einsteigen und loslegen“ und mehr „einrichten und verstehen“.

Dazu kommen einige Details, die im Alltag nerven: Den Tempolimit-Warner kann ich zwar angenehm über eine der beiden Favoriten-Tasten am Lenkrad abstellen, doch der zusätzliche Hinweiston beim bloßen Erkennen eines neuen Schildes kann nur über das Menü deaktiviert werden – und das bei jeder Fahrt.

Der Tempomat nervt dazu mit Sprachansagen bei Aktivierung, Deaktivierung oder beim Pausieren während ich blinke. Und im Menü finde ich keine Möglichkeit, die Ansagen abzuschalten. Das sind keine riesigen Probleme, aber sie summieren sich.

Ich denke, es geht vielen wie mir: Ich kann es nicht leiden, wenn mein Auto mich vollpiept, vollquatscht und ich das nur umständlich oder gar nicht abschalten kann.

Platz und Alltag: Großzügig, aber nicht bis ins Detail durchdacht

Beim Thema Raumangebot schneidet der Deepal S05 besser ab. Der Kofferraum fasst 492 Liter und wächst bei umgelegten Sitzen auf 1.250 Liter. Gut, aber kleiner als beispielsweise bei einem Volkswagen ID.4.

Im Gegensatz zu diesem hat der Changan aber einen Frunk mit 152 Litern beim AWD-Modell (159 Liter bei RWD), was im Alltag tatsächlich praktisch ist.

Bei der Variabilität kann Changan noch nachbessern: Die Rücksitze lassen sich zwar umklappen, bilden aber keine wirklich ebene Ladefläche, was beim Transport sperriger Gegenstände stört. Die Hutablage ist umständlich zu handhaben und wirkt im Alltag eher wie ein Hindernis als eine Hilfe.

Auch bei den Ablagen merkt man, dass nicht alles zu Ende gedacht wurde. Die Türfächer sind überraschend klein und nehmen keine großen Flaschen auf. Gleichzeitig sind die Becherhalter größer als sie aussehen und schlucken problemlos auch größere Becher.

Der Deepal S05 liefert viel Raum, viele Ideen – aber nicht jede davon ist perfekt umgesetzt.

Antrieb und Reichweite: Mehr als ausreichend für den Alltag

In der getesteten Version, dem AWD Max, bringt der Deepal S05 ordentlich Leistung auf die Straße. Die Systemleistung liegt bei 320 kW, also rund 435 PS, und der Sprint auf 100 km/h gelingt in 5,5 Sekunden. Das ist mehr als ausreichend, um im Alltag jederzeit souverän unterwegs zu sein.

Die Beschleunigung fühlt sich kräftig an, auch wenn es beim Kickdown ganz schön lange dauert, bis die volle Leistung anliegt. Danach geht es aber richtig vorwärts.

Die Batterie hat eine Kapazität von 68,8 kWh, was zu einer WLTP-Reichweite von 445 km führt. Das ist ein solider Wert, der sich in meinem Test überhaupt nicht bestätigen ließ. Im Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn kam ich bloß auf eine Realreichweite von 329 km. Immerhin mit bis zu 200 kW an der Schnellladesäule lässt sich der Akku laden.

Fahrverhalten: Komfortabel, aber nicht besonders emotional

Auf der Straße macht der Deepal S05 insgesamt einen guten Eindruck. Das Fahrgefühl ist angenehm, der Wagen liegt stabil und vermittelt viel Sicherheit. Gerade auf längeren Strecken überzeugt er mit einem guten Komfortniveau.

Die Lenkung könnte allerdings mehr Rückmeldung bieten. Sie ist präzise genug, aber nicht besonders kommunikativ. Man fährt schnell und sicher, aber nicht unbedingt mit viel Gefühl für die Straße um die Mittellage.

Technik und Assistenz: Beeindruckend, aber nicht immer ausgereift

Technisch ist der S05 extrem gut ausgestattet. Die 360-Grad-Kamera liefert eine hervorragende Bildqualität und bietet sogar eine transparente Unterbodenansicht, die beim Rangieren tatsächlich einen echten Mehrwert bietet. In Sachen Kameraqualität sind chinesische Autos den europäischen Herstellern einfach meilenweit voraus.

Auch die Vielzahl an Assistenzsystemen sorgt für ein hohes Sicherheitsniveau. Allerdings zeigt sich auch hier, dass mehr Technik nicht automatisch besser ist. Der Spurhalteassistent bereitete mir keine Probleme und griff erst spät und behutsam ein, ließ sich zudem über die zweite Favoritentaste am Lenkrad fix deaktivieren.

Das teilautonome Fahren klappte aber weniger gut. Selbst bei gut erkennbaren Linien und in wenig komplexen Situationen verlor das System oft die Orientierung, pausierte sich selbst und störte dabei mit Sprachansagen, was es für mich in dem Moment unbrauchbar machte.

Fazit: Ein spannender Newcomer – mit Luft nach oben

Der Changan Deepal S05 ist ein faszinierendes Auto. Nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er zeigt, wie schnell neue Hersteller aufholen können.

Er sieht gut aus, bietet viel Technik, fährt komfortabel und liefert solide Leistungsdaten. Die AWD-Max-Version mit einem Preis von 44.990 Euro braucht es für mich nicht. Der Preis der RWD-Varianten ist deutlich attraktiver.

Gleichzeitig merkt man, dass er noch nicht ganz ausgereift ist. Die Software wirkt an einigen Stellen unfertig, die Bedienung will gelernt werden und manche Details im Alltag könnten besser gelöst sein.

Trotzdem gehört der Deepal S05 schon jetzt zu den besten Elektroautos aus China. Er ist vielleicht noch nicht ganz auf dem Niveau von Herstellern wie Xpeng, die in Europa bereits weiter sind, oder Xiaomi, die technologisch stark auftreten – auch wenn sie hierzulande nicht offiziell vertreten sind.

Aber wenn Changan dieses Entwicklungstempo beibehält, dürfte sich das sehr schnell ändern.

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