Dein Weg zum neuen Auto
Nach den ersten Kilometern mit dem Xpeng G6 wird schnell klar: Dieses bislang eher unbekannte Elektro-SUV hat überraschend viele Stärken.
Der Xpeng G6 (ab 43.600 Euro) zeigt schon beim Einsteigen ziemlich klar, wohin die Reise geht: möglichst modern, möglichst reduziert und möglichst digital. Das zieht sich durch fast alle Bereiche des chinesischen Elektro-SUVs.
Xpeng G6 Testbericht entdecken
Manche Lösungen sind richtig gut umgesetzt, andere wirken etwas zu konsequent minimalistisch. Im Alltag macht das elektrische SUV nicht alles, aber vieles richtig.

Ausreichend Leistung, mittelmäßiger Fahrkomfort
Den Xpeng G6 gibt es aktuell in drei Varianten: als RWD Standard Range (185 kW/252 PS), als RWD Long Range (218 kw/296 PS) und als AWD Performance (358 kw/487 PS). Wir sind die 296 PS starke RWD-Long-Range-Version gefahren: Wie bei vielen Elektroautos ist das sofort verfügbare Drehmoment eine der großen Stärken. Gerade auf der Landstraße merkt man das beim Überholen. Kurz aufs Fahrpedal treten und der Wagen beschleunigt souverän nach vorne.

Dazu kommt der tiefe Schwerpunkt. Der Akku sitzt im Fahrzeugboden und sorgt dafür, dass das SUV erstaunlich satt auf der Straße liegt. Für ein hohes Fahrzeug fährt sich der G6 ziemlich stabil. Der Fahrkomfort bewegt sich eher im Mittelfeld. Das Fahrwerk ist komfortabel genug für den Alltag, aber keine Sänfte. Schlaglöcher und Unebenheiten werden ordentlich weggefiltert, ohne komplett weichgespült zu wirken.
Bei der Lenkung gehen die Meinungen wahrscheinlich auseinander. Die gute Nachricht: Xpeng bietet drei verschiedene Einstellungen für die Servolenkung an. Und die Unterschiede merkt man tatsächlich. Wer es leichtgängig mag, kann das einstellen. Wer lieber ein direkteres Gefühl möchte, bekommt das ebenfalls.

Richtig angenehm ist der sogenannte X-Pedal-Modus. Damit fährt sich der G6 fast wie ein echtes One-Pedal-Auto. Die Rekuperation verzögert stark genug, sodass man die Bremse selten braucht. Schade nur: Das Auto bleibt nicht komplett stehen. Kurz vor dem Stillstand rollt es noch minimal weiter. Dadurch muss man am Ende doch noch auf die Bremse tippen. Das wirkt unnötig, auch weil andere Elektroautos das konsequenter lösen.

Beeindruckende DC-Ladeleistung
Offiziell schafft der Xpeng G6 RWD Long Range mit seiner 80-kWh-Batterie (netto) bis zu 525 Kilometer, der Verbrauch ist mit 17,5 kWh/100 km angegeben und die DC-Ladeleistung mit beeindruckenden 451 kW. In der Praxis konnte der Testwagen die Werte zwar nicht erreichen, doch das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. An einer DC-Schnellladesäule schaffte der G6 in der Spitze stolze 233 kW. Mit Vorkonditionierung der Batterie wäre sicher noch mehr drin gewesen.
Der Verbrauch hing stark von der gefahrenen Strecke ab. Nach einer Fahrt, die kurz über die Autobahn und hauptsächlich über die Landstraße führte, lag der durchschnittliche Verbrauch bei 18,4 kWh/100 km. Bei reiner Autobahnfahrt mit höheren Geschwindigkeiten waren es dann schon 23,5 kWh/100 km. Kleiner Hinweis: Bei der Reichweiten-Anzeige im Kombiinstrument kannst du zwischen WLTP und dynamisch wählen. Letztere ergibt natürlich mehr Sinn, weil sie den realistischeren Wert abbildet.

Minimalistiches Cockpit
Der Innenraum des Xpeng G6 ist extrem aufgeräumt. Fast alles läuft über den zentralen Touchscreen. Das wirkt modern und sehr übersichtlich. Man wird nicht von Schaltern und Knöpfen erschlagen.
Auch das Lenkrad passt dazu. Dort gibt rechts wie links jeweils eine Walze und vier Tasten statt nerviger Touchflächen. Teilweise funktioniert das richtig gut. Ein cleveres Detail ist zum Beispiel die linke Walze am Lenkrad. Darüber lässt sich direkt die Temperatur verändern. Das spart den Umweg übers Touch-Menü.

Trotzdem merkt man auch die Nachteile dieses Minimalismus. Ein paar echte Tasten wären sinnvoll gewesen. Viele Hersteller rudern inzwischen wieder zurück und verbauen zusätzliche Bedienleisten unter dem Bildschirm. Beim G6 fehlt das komplett.

Die Materialanmutung ist insgesamt kann sich sehen lassen. Im direkten Sichtbereich wirkt vieles hochwertig verarbeitet. Weiter unten findet man allerdings Hartplastik. Das ist aber auch bei einigen Premiumherstellern inzwischen normal.
Optisch bleibt der Innenraum eher nüchtern. Viel Schwarz, wenig Farben, wenig Spielereien. Manche werden genau das mögen. Andere wünschen sich vielleicht etwas mehr Charakter oder Abwechslung.

Beim Türkonzept geht Xpeng eigene Wege. Die versenkbaren Türgriffe außen kennt man – entweder man liebt oder man hasst sie. Innen funktioniert das besser. Dort öffnet man die Tür per Knopf, der ergonomisch gut platziert ist. Die Tür springt leicht auf, was durchaus angenehm ist. Trotzdem würde ein klassischer Türgriff wahrscheinlich genauso gut funktionieren. Eher zu kritisieren: das fehlende Handschuhfach.

Großzügiges Platzangebot im Fond
Im Fond zeigt der 4,76 Meter lange G6 seine Stärken. Die Kopffreiheit ist erstaunlich gut – auch große Personen haben ausreichend Platz. Dazu kommt die großzügige Beinfreiheit. Praktisch: Die Lehnen der Rücksitze lassen sich in der Neigung verstellen. Das bieten längst nicht alle Modelle.
Der Fond wirkt insgesamt angenehm luftig – das große Glasdach reicht weit nach hinten und sorgt für viel Licht. Dazu kommen Ambientebeleuchtung in den Türen, eine Mittelarmlehne mit ausklappbaren Getränkehalten sowie zusätzliche Taschen an den Rückseiten der Vordersitze.

Autobahn-Assistent: Wie auf Schienen
Die Assistenzsysteme gehören zu den Highlights des G6. Besonders der Autobahn-Assistent überzeugt. Das Auto hält die Spur extrem sauber und fährt fast wie auf Schienen. Dazu lenkt das System früh genug ein. Dadurch entstehen keine hektischen Korrekturen. Auch die Lenkraderkennung funktioniert dabei angenehm unaufgeregt. Bei manch anderem Hersteller muss man relativ oft z. B. durch eine Lenkradbewegung signalisieren, dass die Hände am Lenkrad sind.
Der Spurwechsel-Assistent arbeitet ebenfalls sauber. Blinker setzen, Lücke erkennen lassen und das Auto wechselt souverän die Spur. Weniger überzeugend ist der Sprachassistent. Klima- oder Sitzheizungsbefehle versteht er problemlos, Navigationsziele eher weniger.

Kofferraum mit Licht und Schatten
Der Kofferraum schluckt 571 Liter bei aufrechter Rücksitzbank und bis zu 1.374 Liter bei umgeklappten Sitzen. Unter dem Ladeboden gibt es ein kleines Fach für Ladekabel und Warndreieck – mehr nicht. Auch seitlich im Kofferraum fehlen zusätzliche Fächer oder Netze – etwas schade.
Auch gibt es unter der Fronthaube keinen zusätzlichen Stauraum, bei Elektroautos “Frunk” genannt. Gerade bei dieser Fahrzeuggröße hätten wir uns mehr erwartet. Immerhin entsteht beim Umklappen der Rücksitze eine ebene Ladefläche ohne störende Kante. Das ist praktisch im Alltag.

Fazit: Attraktives Gesamtpaket mit nur kleinen Schwächen
Der Xpeng G6 macht vieles richtig und nur wenig falsch. Auch der Preis (ab 43.600 Euro) ist attraktiv – die Long-Range-Variante mit der größten Reichweite startet bei 47.600 Euro. Zu den Stärken zählen das Platzangebot im Fond und die hohe Ladeleistung, die Ladepausen schön kurz gestaltet.
Innen könnten ein paar echte Knöpfe nicht schaden – ebenso ein Handschuhfach. Auch einen Frunk unter der Fronthaube vermissen wir. Am Ende sind das aber Dinge, die sich verschmerzen lassen. Das Gesamtpaket stimmt und so wird Xpeng in Deutschland wohl nicht mehr lange eine unbekannte Marke bleiben.