Frust an der Ladesäule – Wir sind den Mazda 6e gefahren

21. Januar 2026 von

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Wenn du ein Elektroauto für lange Strecken suchst, willst du eigentlich nur drei Dinge: ruhig fahren, weit kommen und schnell wieder weiterfahren, wenn der Akku leer wird. Klingt simpel, oder? Der Mazda 6e macht davon zwei Dinge wirklich gut – und das dritte leider so mittelmäßig, dass es dir auf der Autobahn irgendwann die Laune verhagelt.

Ich bin den Mazda 6e genau mit dieser Frage gefahren: Taugt er als Langstreckenauto? Und die Antwort ist: Er wäre es gern. Aber er macht es dir unnötig schwer.

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Innenraum: fühlt sich richtig gut an (wenn du klein bist)

Fangen wir mit dem an, was Mazda richtig gut kann: Interieur bauen, in dem man sich wohlfühlt. Der Mazda 6e hat einen Innenraum, der nicht nur hübsch aussieht, sondern sich auch so anfühlt. Gute Materialien, gute Verarbeitung, schönes Design – man sitzt drin und denkt nicht „joa, Plastikbomber“, sondern eher: Okay, das ist ernst gemeint.

Das ist auf Langstrecke wichtig, weil du bei einem Reiseauto nicht nach 20 Minuten das Gefühl haben willst, du sitzt in einem überteuerten Küchenstuhl. Aber: Das Platzangebot ist nicht besonders gut für größere Menschen. Du fühlst dich zwar wohl, aber wenn du eher Richtung „lang gebaut“ gehst, merkst du: Das Auto ist innen nicht so großzügig, wie das schicke Ambiente vermuten lässt.

Komfort & Geräuschdämmung: leise wie ein gutes Hotelzimmer

Auf der Autobahn zeigt der Mazda 6e seine beste Seite: Er ist richtig angenehm leise. Ich hatte kaum Windgeräusche, kaum Abrollgeräusche – insgesamt bleibt es auffällig ruhig im Fahrzeug. Das klingt banal, ist aber ein riesiger Punkt. Viele Autos können schnell fahren. Aber nicht viele schaffen es, dich dabei nicht zu stressen.

Wenn du 2–3 Stunden am Stück fährst, ist diese Art von Ruhe Gold wert. Der Mazda 6e fährt sich damit eher wie ein Auto, das eine Klasse teurer sein will – zumindest akustisch.

Verbrauch bei 130 km/h: überraschend gut

Jetzt kommt der Punkt, den ich ehrlich gesagt positiv überrascht zur Kenntnis genommen habe: Der Verbrauch auf der Autobahn ist ordentlich. Bei Tempomat 130 km/h lag ich bei rund 19,8 kWh/100km. Also unter 20 kWh. Und das ist für Autobahn-Tempo nicht schlecht.

Heißt: Der Mazda 6e ist nicht dieser typische „Elektro-Allesfresser“, der dir bei 130 km/h den Akku wegsaugt wie ein Teenager eine Cola. Effizient ist er – und das hilft auf Langstrecke enorm.

Realistische Autobahnreichweite: knapp unter 350 km

Meine getestete Version hatte die 68,8-kWh-Batterie (brutto). Damit liegt die Autobahnreichweite bei etwas weniger als 350 Kilometern. Das ist erstmal okay – aber eben auch nicht „wow“. Es ist eher so: Du kommst gut voran, aber du bist nicht der Typ, der mit einem Ladestopp halb Europa zerlegt. Und jetzt kommt das Problem: Die Reichweite ist nicht das, was ihn auf Langstrecke killt. Das Laden ist es.

Laden: theoretisch okay, praktisch schwankend

Mazda gibt für die getestete Batterieversion eine maximale Ladeleistung von 165 kW an. In der Realität war das höchste, was ich an der Säule gesehen habe, 156 kW.

Und noch nerviger: Die Ladeleistung ist nicht stabil. Je nach Temperatur und State of Charge habe ich teilweise auch nur rund 120 kW gesehen. Das ist nicht dramatisch schlecht – aber es ist eben weit weg von „zack, 15 Minuten und weiter“.

Unterm Strich heißt das: Laden dauert beim Mazda 6e relativ lang. Von 10 auf 80 Prozent braucht er ungefähr eine halbe Stunde. Und wenn du auf Langstrecke unterwegs bist, sind 30 Minuten alle 250 Kilometer nicht „ach egal“, sondern eher: Na super, jetzt sitz ich wieder hier und guck Leuten beim Kaffeeholen zu.

Warum das den Mazda 6e zum schlechten Langstreckenauto macht

Das Gemeine ist: Der Mazda 6e fährt sich auf der Autobahn eigentlich richtig gut. Leise, effizient, komfortabel. Genau das, was du willst.

Aber durch die kleine Batterie und die Ladeleistung, die stark von Bedingungen abhängt, wird er zum Auto, das auf Langstrecke zwar angenehm fährt – aber beim Laden einfach nicht mithalten kann.

Und wenn du auf einer langen Strecke laden musst, ist das eben der Moment, in dem sich entscheidet, ob ein E-Auto ein Reisewagen ist oder ein Schönwetter-Pendler.

Das „Long Range“-Paradox: größerer Akku, schlechter fürs Reisen

Jetzt wird’s absurd: Es gibt auch eine Long-Range-Version mit 80 kWh brutto. Klingt erstmal wie die Lösung. Mehr Akku = mehr Reichweite = besser für Langstrecke, oder? Tja. Nicht hier.

Denn diese Version hat laut Datenlage eine maximale Ladeleistung von nur 90 kW. Und damit ist sie – paradoxerweise – eigentlich noch schlechter für die Langstrecke geeignet, weil die Ladestopps dann erst recht länger dauern.

Verkehrszeichenerkennung: richtig stark

Die Verkehrszeichenerkennung ist auf Langstrecke ein echtes Highlight. Sie übernimmt automatisch Tempolimits, wenn der adaptive Geschwindigkeitsassistent aktiv ist – und das funktioniert besser als bei vielen anderen Herstellern.

Ein typischer Fehler bei anderen Autos: Du fährst auf der Autobahn, es kommt eine Abfahrt mit 60 km/h, das Auto denkt „jo, gilt jetzt“, übernimmt das Limit und bremst abrupt. Im Mazda passiert das nicht oder nur sehr, sehr selten.

Auch Zusatzschilder werden in der Regel korrekt erkannt. Das ist nicht nur praktisch, das ist auch genau das, was Vertrauen schafft: Du hast das Gefühl, das Auto arbeitet mit dir – nicht gegen dich.

Spurhalteassistent: verliert die Spur und pendelt

Leider kann man das nicht über den Spurhalteassistenten sagen.

Die aktive Spurführung verliert relativ schnell die Spur – selbst bei guter Fahrbahnmarkierung. Dazu kommt, dass er manchmal nicht weiß, ob er links nahe der Linie fahren will oder mittig, und dadurch leicht hin und her pendelt.

Und wenn du die aktive Spurführung ausschaltest, bleibt die Spurverlassenswarnung mit Lenkeingriff aktiv – aber dieser Eingriff ist so hart und abrupt, dass man sich richtig erschrecken kann.

Ich habe ihn deshalb deaktiviert und nur die Warnung ohne Lenkeingriff genutzt. Das sagt eigentlich alles.

Kleiner Alltagsnerv: Rückfahrkamera wird blitzschnell dreckig

Ein Punkt, der im Alltag nervt – gerade bei Schmuddelwetter: Die Rückfahrkamera verschmutzt extrem schnell.

Schon eine kurze Autobahnfahrt bei schmuddeligem Wetter reicht, und du hast sichtbar Flecken auf der Kamera. Und dann bringt dir die beste Kamera nix, wenn du erstmal durch Schlammkunst gucken musst.

Fazit: Der Mazda 6e ist ein schönes Reiseauto – bis du laden musst

Wenn du den Mazda 6e nur nach Fahrkomfort bewertest, ist er ein richtig angenehmes Auto: leise, effizient, hochwertig innen, entspannt auf der Autobahn. Dazu eine Verkehrszeichenerkennung, die ich mir bei manchen Premium-Herstellern wünschen würde.

Aber als echtes Langstrecken-Elektroauto scheitert er an dem, was am Ende zählt: Ladeleistung, Ladeplanung und Ladezeit.

30 Minuten von 10 auf 80 Prozent sind nicht katastrophal – aber in Kombination mit schwankender Leistung und einer eher kleinen Batterie macht es ihn auf langen Strecken einfach unpraktisch.

Und dass die Long-Range-Version mit größerem Akku ausgerechnet nur 90 kW lädt, ist der finale Haken: Mehr Reichweite klingt toll, aber wenn du dafür beim Laden die halbe Lebenszeit verlierst, ist das kein Upgrade – das ist einfach nur unsinnig.

Kurz gesagt: Der Mazda 6e ist ein richtig gutes Auto für Menschen, die komfortabel und effizient fahren wollen. Aber wenn du regelmäßig quer durchs Land ballerst und unterwegs laden musst, gibt es bessere Kandidaten.

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