Stromer im Winter-Test – Wir sind den Mazda6e gefahren

09. Januar 2026 von

Dein Weg zum neuen Auto

Der kostenlose und einfache Weg, Ihr Auto online zu wechseln.
4,6/5 aus 22.445 Bewertungen

Wir haben den Mazda6e im winterlichen Alltag getestet und dabei erlebt, wie komfortabel eine Elektro-Limousine sein kann. Gleichzeitig zeigten sich bei Kälte aber auch Schwächen.

Der Mazda6e fällt sofort auf – und zwar positiv. Während viele Hersteller ihre Elektromodelle zwanghaft als SUVs aufblasen, bringt Mazda eine elegante, flache Mittelklasse-Limousine auf die Straße. Das fließende Design, die rahmenlosen Fenster und der beleuchtete Signature Wing sorgen für neugierige Blicke.

Mazda6e Testbericht

Wer ein emotionales, stilvolles Elektroauto sucht und keinen hochbeinigen Crossover braucht, wird hier fündig. Der Nachteil dieser Haltung ist allerdings offensichtlich: SUVs sind gefragt – Limousinen weniger. Mazda schwimmt bewusst gegen den Strom.

Antrieb & Effizienz: Sparsam und alltagstauglich

Mazda bietet seine E-Limousine in zwei Versionen an, die sich weniger bei der Leistung als vielmehr bei Batteriegröße und Ladeleistung unterscheiden. Beide Varianten treiben die Hinterräder an und liefern mit 258 PS bzw. 245 PS (Long Range) genug Leistung für den Alltag. Besonders überzeugt hat uns die Effizienz: Auf unseren Testfahrten mit der 258-PS-Version (68,8-kWh-Akku) lag der Verbrauch trotz Autobahnanteil bei 19 bis 20 kWh/100 km – ein sehr ordentlicher Wert für ein fast fünf Meter langes Elektroauto.

Reichweite: Theorie und Praxis klaffen auseinander

Offiziell verspricht Mazda bis zu 552 Kilometer Reichweite für die Long-Range-Version (80 kWh). Unser Testwagen mit der kleineren Batterie (68,8 kWh) soll 479 Kilometer (WLTP kombiniert) schaffen. In der Praxis – zumindest im Winter – relativiert sich das deutlich. Bei Minustemperaturen zeigte der Mazda6e lediglich 333 Kilometer bei voller Ladung (100%) an. Zu optimistisch sollte man die WLTP-Werte also nicht interpretieren, vor allem nicht bei widrigen Bedingungen.

Ein weiteres kritisches Thema ist das Schnellladen (DC-Laden) – vor allem bei der Long-Range-Version. Während das Modell mit kleiner Batterie theoretisch mit bis zu 165 kW lädt und so in kurzer Zeit ordentlich Reichweite nachschiebt, ist die große Batterie bei 95 kW limitiert. Das ist in dieser Fahrzeugklasse enttäuschend. Wer viel Langstrecke fährt, steht mit dem Long-Range-Modell zwar seltener, dafür aber länger an der Ladesäule. Ein echter Zielkonflikt. Außerdem: Beim Testwagen mit kleiner Batterie zeigte die DC-Ladesäule bei Kälte deutlich geringere Ladeleistungen als die angegebenen 165 kW an.

Fahrkomfort & Lenkung: Mazda-typisch gelungen

Beim Fahrverhalten spielt der Mazda6e seine größten Stärken aus. Fahrwerk, Geräuschdämmung und Lenkung sind auf hohen Komfort ausgelegt. Auf langen Autobahnetappen fährt sich der Mazda6e angenehm ruhig und souverän, selbst bei höheren Geschwindigkeiten. Die Lenkung lässt sich zweistufig anpassen und bleibt stets präzise genug, ohne nervös zu wirken. Wer entspannt reisen möchte, fühlt sich hier sofort wohl. Einziger Kritikpunkt: One-Pedal-Driving fehlt und die Rekuperation lässt sich nur eingeschränkt beeinflussen, da sie an die verschiedenen Fahrmodi gekoppelt ist.

Mit dem Mazda6e kommt man als Fahrer gut durch den Winter. Dafür sorgen die Lenkrad-, aber auch die Sitzheizung vorne. Beides ist bereits in der Basisausstattung Takumi an Bord. Und nicht nur das: Auch eine Wärmepumpe gibt es ab Werk. Gefallen hat uns auch, dass es selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nach dem Start innen relativ schnell warm wurde.

Platzangebot & Kofferraum: Limousine mit Einschränkungen

Mit 336 Litern Kofferraumvolumen ist der Mazda6e eher unterdurchschnittlich unterwegs. Im Alltag reicht das zwar für Einkäufe oder Wochenendtrips, doch im Vergleich zu Konkurrenten wie dem VW ID.7 verliert Mazda deutlich. Bei umgeklappten Rücksitzen stehen bis zu 1.074 Liter zur Verfügung. Immerhin wartet unter der Fronthaube ein Frunk mit 72 Litern Stauvolumen und praktischer, herausnehmbarer Tasche. Im Fond überzeugt die Beinfreiheit, während große Mitfahrende wegen der abfallenden Dachlinie Kontakt mit der Decke aufnehmen können.

Innenraum & Verarbeitung: Premium-Gefühl ohne Premium-Preis

Mazda liefert genau das, was man von der Marke erwartet: hochwertige Materialien, saubere Verarbeitung und ein stimmiges Design. Besonders in der Takumi-Plus-Ausstattung wirkt der Innenraum fast schon luxuriös. Nappaleder, Wildleder-Optik und ein klar gestaltetes Cockpit schaffen echtes Wohlfühlambiente. Auch die Basisausstattung ist üppig: Head-up-Display, Sitzklimatisierung, Panorama-Glasdach – alles Serie. Das ist in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich.

Der große Touchscreen reagiert schnell, das Menü ist logisch aufgebaut und das System unterstützt Apple CarPlay sowie Android Auto. Auch das Head-up-Display ist serienmäßig. Weniger überzeugt hat uns die Sprachsteuerung: Sie meldete sich auf unseren Fahrten ungefragt und wechselte auch mal ungewollt die Sprache. Ein Feature, das nicht ganz ausgereift wirkt.

Assistenzsysteme & Sicherheit: Stark – mit Feinschliff-Bedarf

Im Euro-NCAP-Test holt der Mazda6e die Bestwertung von fünf Sternen, mit sehr hohen Werten beim Insassenschutz. Die Assistenzsysteme sind umfangreich. Der Fahrassistent, der Spur, Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält, funktioniert insgesamt gut. Der Spurhalteassistent alleine greift hingegen teilweise ruppig und spät ein – besonders links. Die Warnung bei Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit kann genauso nerven wie die Innenraumüberwachung – das ist bei anderen Herstellern aber nicht anders. Beide Systeme lassen sich zum Glück über das Menü deaktivieren.

Fazit: Preiswert und hochwertig, aber nicht fehlerfrei

Der Mazda6e ist ein komfortables, effizientes und hervorragend ausgestattetes Elektroauto mit schickem Design und fairer Preisgestaltung. Die Japaner punkten außerdem mit sechs Jahren Garantie (bzw. bis zu 150.000 Kilometer Laufleistung) – ein starkes Argument.

Die größten Schwächen sind die mäßige Ladeleistung (speziell Long-Range-Version), die verbesserungswürdigen Assistenten (Spurhalteassistent, Sprachsteuerung) und der überschaubare Kofferraum. Wer damit leben kann und keinen SUV sucht, der ist bei der Mittelklasse-Elektro-Limousine goldrichtig.

Mehr Details zum Mazda6e