Amerikanischer Luxus mit europäischem Gewissen – Wir sind den Cadillac VISTIQ gefahren

02. Januar 2026 von

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Cadillac will es wissen. Mit dem VISTIQ schickt die Marke einen über fünf Meter langen Elektro-SUV ins Rennen, der nicht weniger verspricht als amerikanischen Luxus in Reinform – nur eben elektrisch.

Viel Platz, viel Komfort, viel Technik, viel Präsenz. Die große Frage lautet: Reicht das, um sich an die Spitze der Luxus-E-SUVs zu setzen? Oder scheitert der VISTIQ ausgerechnet an den Basics der Elektromobilität?

Nach mehreren Fahrten im Alltag lässt sich diese Frage ziemlich leicht beantworten.

Exterieur: Groß, selbstbewusst – und absolut nicht zu übersehen

Der Cadillac VISTIQ macht keinen Hehl daraus, was er ist. Mit rund 5,2 Metern Länge steht er da wie ein rollendes Statement. Das Design ist kantig, massiv und bewusst amerikanisch. Wer Understatement sucht, ist hier falsch. Wer hingegen möchte, dass alle wissen, dass hier etwas Großes, Teures und Wichtiges vorbeifährt, wird bestens bedient.

Trotz dieser schieren Größe wirkt der VISTIQ nicht unbeholfen. Gerade im urbanen Umfeld überrascht er positiv. Die Allradlenkung hilft enorm dabei, das Auto auch in der Stadt handhabbar zu halten. Enge Straßen, Parkhäuser oder schmale Abbiegespuren verlieren ihren Schrecken. Klar, man spürt jederzeit, dass man ein sehr großes Auto bewegt – aber eben eines, das technisch gut kaschiert, wie lang es wirklich ist.

Interieur: Luxus, der nicht schreien muss

Innen zeigt der VISTIQ, warum Cadillac sich selbstbewusst im Premiumsegment positioniert. Verarbeitung und Materialanmutung sind durchweg auf sehr hohem Niveau. Alles fühlt sich solide, wertig und gut zusammengebaut an. Nichts knarzt, nichts wirkt billig, nichts erinnert an Sparmaßnahmen.

Besonders positiv fällt der Sitzkomfort auf. Die Sitze sind nicht nur bequem, sondern auch langstreckentauglich und bieten hervorragenden Halt, ohne sportlich hart zu sein. Dazu kommt eine sehr gute Geräuschdämmung. Abroll- und Windgeräusche bleiben weit draußen, der Innenraum wirkt angenehm ruhig – genau so, wie man es von einem Luxus-SUV erwartet.

Ein kleines, aber nicht unwichtiges Detail: Die Cupholder sind endlich so groß, wie sie sein sollten. Das klingt banal, ist im Alltag aber Gold wert. Weniger gut gelöst ist dagegen die induktive Ladeschale. Sie funktioniert zwar, ist aber relativ versteckt platziert und im Alltag nicht besonders intuitiv erreichbar. Luxus ja – aber hier hätte man es praktischer lösen können.

Platzangebot und Praktikabilität: Fast perfekt – mit kleinen Einschränkungen

Beim Raumangebot spielt der VISTIQ klar in der Oberliga. Vorne sitzt man großzügig, luftig und entspannt. Auch die zweite Sitzreihe bietet viel Platz in alle Richtungen und eignet sich problemlos für Erwachsene auf längeren Strecken. Hier zeigt der Cadillac klar seine Familienqualitäten.

Die dritte Sitzreihe ist vorhanden, aber realistisch betrachtet eher ein Platz für Kinder. Für kurze Strecken okay, für längere Fahrten für Erwachsene eher nicht. Das ist keine Überraschung in dieser Klasse, sollte aber ehrlich benannt werden.

Der Kofferraum ist groß und bietet viel Stauraum für Alltag, Urlaub oder Familienchaos. Einziger Wermutstropfen ist die relativ hohe Ladekante. Für kleinere Personen oder Hunde kann das Ein- und Ausladen beziehungsweise Hineinspringen spürbar umständlicher werden. Auch hier zeigt sich: Luxus ja, Perfektion nein.

Unverständlich ist allerdings das komplette Fehlen eines Frunks. Gerade bei einem Elektro-SUV dieser Größe und Preisklasse hätte man vorne problemlos zusätzlichen Stauraum unterbringen können. Stattdessen ist der Motorraum halbvoll mit Technik und Kabeln. Warum? Schwer nachvollziehbar.

Antrieb, Leistung und Verbrauch: Beeindruckend – und gleichzeitig frustrierend

Mit knapp drei Tonnen Leergewicht bringt der VISTIQ ordentlich Masse auf die Straße. Und die spürt man. Beim Bremsen, beim schnellen Richtungswechsel, beim energischen Anfahren – das Gewicht ist immer präsent. Umso beeindruckender sind die Fahrleistungen.

4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h für ein Auto dieser Größe und dieses Gewichts sind schlichtweg stark. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h wirkt souverän und mehr als ausreichend. Rein von der Performance her gibt es wenig zu meckern. Der VISTIQ fühlt sich kraftvoll, souverän und jederzeit entspannt an.

Ganz anders sieht es beim Verbrauch aus. Im Alltag ist der Energiehunger massiv. 36 kWh pro 100 Kilometer auf der morgendlichen Fahrt ins Büro sind eine Ansage – und keine gute. Selbst der angezeigte Langzeitverbrauch von 28 kWh über 4.000 Kilometer ist alles andere als sparsam. Wirklich effizient wurde der VISTIQ nur bei sehr langsamer Stadtfahrt mit rund 30 km/h.

Die Folge: Die netto 91 kWh große Batterie leert sich schneller, als einem lieb ist. Für ein Luxus-Elektro-SUV ist das enttäuschend – vor allem, weil Reichweite und Effizienz zentrale Kaufargumente in dieser Klasse sind.

Laden und Assistenzsysteme: Premium-Anspruch, Mittelklasse-Realität

Noch problematischer wird es beim Laden. Eine maximale Ladeleistung von 190 kW klingt auf dem Papier okay, wirkt für ein Premiumfahrzeug aber bereits grenzwertig. In der Praxis lag die maximale Ladeleistung bei gerade einmal 123 kW – und das bereits ab 20 Prozent Ladezustand. Die Ladekurve selbst ist stabil, aber insgesamt bleibt der Ladevorgang deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Ebenfalls enttäuschend ist die Umsetzung der Super Cruise Control. Das System funktioniert grundsätzlich gut, lässt sich aber nur bis 137 km/h nutzen. Wer auf der Autobahn 140 km/h fahren möchte, muss wieder selbst übernehmen. Für ein System, das als Hightech-Assistenz beworben wird, ist das eine unnötige Einschränkung.

Kurios, aber durchaus effektiv: Warnungen gibt der VISTIQ nicht nur akustisch aus, sondern auch über Vibrationen in der Sitzfläche. Das ist ungewohnt, funktioniert aber erstaunlich gut und erhöht die Aufmerksamkeit.

Beim Infotainment zeigt sich Licht und Schatten. Android Auto läuft stabil, wird aber durch die spitz und geschwungen geschnittene Bildschirmform unnötig eingeschränkt. Der nutzbare Bildausschnitt ist kleiner, als er sein müsste, und wirkt schlecht ausgenutzt.

Fahrgefühl: Komfortkönig mit Gewichtsnachteil

Trotz aller Kritikpunkte fährt sich der VISTIQ im Alltag ausgesprochen angenehm. Das Fahrwerk ist sehr komfortabel abgestimmt, filtert Unebenheiten souverän weg und macht selbst lange Strecken entspannt. In Kombination mit der guten Geräuschdämmung entsteht genau dieses „Gleiten“, das man von einem Luxus-SUV erwartet.

Das hohe Gewicht bleibt spürbar, vor allem bei dynamischer Fahrweise und beim Bremsen. Dennoch wirkt der VISTIQ nie unsicher oder schwammig. Er ist kein Sportwagen, will das aber auch nicht sein.

Fazit: Luxus ja – Elektro-Disziplin nein

Der Cadillac VISTIQ wäre ein hervorragender Premium-Familien-E-SUV. Er bietet extrem hohen Komfort, viel Platz, tolle Materialien und beeindruckende Fahrleistungen für seine Größe. Als luxuriöser Cruiser funktioniert er nahezu perfekt.

Sein größtes Problem ist die Elektroseite. Hoher Verbrauch, enttäuschende Ladeleistung und eine nur durchschnittliche Effizienz passen nicht zu einem Fahrzeug, das den Anspruch erhebt, ganz oben mitzuspielen. Wäre der VISTIQ hier besser, könnte man ernsthaft darüber sprechen, ob er der luxuriöseste Elektro-SUV auf dem Markt ist.

So bleibt er ein sehr komfortables, sehr großes und sehr teures Elektroauto mit klaren Schwächen dort, wo es heute am meisten zählt.