Zeekr 7GT Testbericht
Der Zeekr 7GT überzeugt mit extremen Fahrleistungen und ultraschnellen Ladezeiten. Nur der hohe Realverbrauch trübt das Gesamtbild.
Was gut ist
Was nicht so gut ist
Zeekr 7GT: Was würden Sie gerne als Nächstes lesen?
Unser Fazit zum Zeekr 7GT
BMW, Porsche und Co dürften jetzt schon zittern: In unserem Test zeigt sich der Zeekr 7GT als beeindruckende Kampfansage an etablierte Marken. Das Fahrzeug ist technisch ausgereift, luxuriös, mit brachialen Beschleunigungswerten und kostet nur einen Bruchteil der Konkurrenz.
Mit 456 Litern Stauraum im Heck liegt der Kombi gerade mal im Mittelmaß seines Segments. Praktisch fielen uns eine Skidurchreiche und ein tiefes Unterbodenfach auf, die den Nutzwert im Alltag erhöhen. Zusätzlich steht je nach Antrieb ein Frunk von 32 bis 65 Litern zur Verfügung. Was uns am meisten beeindruckte: Das Platzangebot im Fond ist herausragend und bietet selbst groß gewachsenen Passagieren eine enorme Beinfreiheit, die man in dieser Fahrzeugklasse selten findet.
Die Leistungsspanne des Zeekr 7GT ist gewaltig und reicht von 421 PS bis zu massiven 646 PS im Allradmodell. Die Kraftentfaltung ist geradezu brutal, hat aber auch ihren Preis: Das hohe Fahrzeuggewicht von bis zu 2,5 Tonnen und die schiere Power des Kombis sorgen für einen höheren Energieverbrauch, der in unserem Test stets über 20 kWh auf 100 km lag.
Was den Zeekr 7GT für uns von den meisten Elektrofahrzeugen unterscheidet, ist das 35,5 Zoll große Augmented Reality Head-Up Display, das Informationen großflächig auf die Scheibe projiziert. Zudem sorgt das optionale Soundsystem mit 23 Lautsprechern inklusive Kopfstützen-Boxen für ein außergewöhnliches Klangerlebnis im flüsterleisen Innenraum. Abgerundet wird das Paket durch die 800-Volt-Architektur, die extrem kurze Ladestopps ermöglicht und den Wagen voll langstreckentauglich macht.
Wie viel kostet der Zeekr 7GT?
Bei neuen Elektromarken aus China ist der Wertverlust anfangs oft höher, da Werkstattnetz und Bekanntheit noch im Aufbau sind. Nach drei Jahren und 45.000 km ist beim Zeekr 7GT ein Restwert von 45-50 % zu erwarten. Das entspricht monatlich etwa 700 bis 800 Euro. Die Versicherungskosten liegen bei SF-Klasse 10 jährlich zwischen 900 und 1.300 Euro. Hinzu kommen 300 bis 450 Euro für Inspektionen.
Zeekr 7GT: Reichweite und Ladedauer
Der Zeekr 7GT wird in Deutschland mit zwei Batteriekonfigurationen angeboten. Ein 75-kWh-Akku kommt im Basismodell Core mit Heckantrieb zum Einsatz und erzielt eine WLTP-Reichweite von 519 km. Die Varianten Long Range RWD und Privilege AWD nutzen die größere 100-kWh-Batterie. Damit erreicht das Allradmodell 558 km, während die Long-Range-Version bis zu 655 km schafft. In unseren Tests konnten wir diese Werte nicht ganz erreichen: Im Winter kam die Allradversion auf etwa 430 km, bei milderen Temperaturen mit 120 bis 130 km/h auf der Autobahn rund 400 km.
Hoher Verbrauch, ultraschnelle Ladezeiten
Den offiziellen Verbrauch gibt Zeekr mit 16,6 bis 19,8 kWh/100 km an. Im Test pendelten sich unsere Werte für das Allradmodell jedoch eher bei 23 kWh ein. Ein Vorteil der neuen Zeekr-Modelle ist die 800-Volt-Architektur mit Ladeleistungen bis zu 480 kW. So lädt der 75-kWh-Akku in 13 Minuten von 10 auf 80 %, die 100-kWh-Batterie in 16 Minuten. Dank des serienmäßigen 22-kW-Onboard-Laders dauert eine Vollladung des großen Akkus an einer entsprechenden Wallbox etwa fünf Stunden.
Leistung und Fahrkomfort
Wenn es um Leistung geht, klotzt der chinesische Hersteller Zeekr. Bereits das Einstiegsmodell Core mit Hinterradantrieb liefert satte 421 PS und beschleunigt in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Im Topmodell mit Allrad gibt es 646 PS mit einem wahnsinnigen Drehmoment von 710 Nm. Die Werksangabe für den Sprint auf 100 km/h liegt bei 3,3 Sekunden. Wir konnten dies bei unseren Testfahrten sogar noch unterbieten. Das sollte allerdings nur auf abgesicherten Strecken geschehen, insbesondere, da der Zeekr 7GT zwischen 2.265 und 2.405 kg wiegt. In manchen Ausstattungsvarianten kann das Allradmodell sogar 2.500 kg auf die Waage bringen, was sich im Verbrauch widerspiegelt.
Brutale Kraftentfaltung
Zeekr gibt für das Basismodell einen Verbrauch von 16,6 kWh auf 100 km an, für das Topmodell 19,8 kWh. Wir konnten das Topmodell fahren und lagen eigentlich immer deutlich über diesen Angaben, unter 20 kWh ist der Wagen kaum zu bewegen. Elektronisch abgeriegelt werden die Modelle bei 210 km/h.
Uns bleibt nichts anderes zu sagen, als dass die Kraftentfaltung des Allradlers in unseren Tests geradezu brutal war und die Lenkung sehr direkt und präzise wirkte. Man sitzt im 7GT sehr tief, was ein Sportwagengefühl vermittelt und gut zum Leistungsgrad passt. Wir konnten die Top-Ausstattung Privilege testen, die serienmäßig über eine adaptive Luftfederung mit kontinuierlicher Dämpferregelung verfügt. Diese arbeitete tadellos und sorgte für ein komfortables Fahrgefühl. Im Komfortmodus wurden Unebenheiten fast vollständig weggedämpft, sodass es uns schien, als würden wir über die Straße schweben.
Flüsterleise im Innenraum
Geräusche im Innenraum konnten wir kaum wahrnehmen, da eine Akustik-Doppelverglasung vorne und hinten für angenehme Ruhe sorgt. Positiv hervorheben möchten wir auch das One-Pedal-Driving-System, das im Zeekr 7GT sehr gut funktionierte und es uns ermöglichte, den Wagen fast ausschließlich mit dem Gaspedal zu steuern. Weniger gut gefiel uns die Einstellung wichtiger Funktionen wie der Außenspiegel oder die Lüftungsdüsen über Untermenüs auf dem Touchscreen. Das lenkte uns während der Fahrt immer wieder ab. Auch die Assistenzsysteme griffen teils nervös ein, insbesondere der penetrante Geschwindigkeitswarner und das Driver Monitoring System.
Kofferraum, Platz und Praxistauglichkeit
Wie bei vielen schicken Autos hat auch beim Zeekr 7GT das Design seinen Preis – in diesem Fall beim Kofferraum. Nach dem Öffnen der Heckklappe fiel unser Blick auf eher mittelmäßige 456 Liter Stauraum. Das ist für diese Klasse in Ordnung, aber nicht rekordverdächtig. Zum Vergleich: Das SUV Zeekr 7X bietet 539 Liter, das Tesla Model Y offiziell 854 Liter (wobei Tesla das Volumen des vorderen Kofferraums hinzurechnet). Einen Frunk besitzt auch der Zeekr 7GT: Bei den Heckantrieb-Modellen fasst er 65 Liter, beim Allradler schrumpft er konstruktionsbedingt auf 32 Liter.
Enormer Platz im Fond
Positiv fiel uns auf, dass der 7GT unter dem Ladeboden ein tiefes Fach versteckt. Es gibt eine Skidurchreiche (eher selten bei chinesischen Herstellern) sowie Verzurrösen, elastische Bänder und eine 12V-Steckdose. Die elektrische Heckklappe mit einstellbarer Öffnungshöhe erwies sich ebenfalls als praktisch. Dank des langen Radstands von 2,90 m bietet der Wagen großzügige Platzverhältnisse, was angesichts der flachen Bauhöhe von 1,46 m überrascht. Die Beinfreiheit im Fond ist enorm, selbst wenn große Personen vorne sitzen. Die Rückbank lässt sich zudem elektrisch in der Neigung verstellen. Weniger gut: Der Platz für die Füße der Fondpassagiere wird knapp, wenn die Vordersitze ganz nach unten gestellt sind. Das Raumgefühl wird jedoch durch das Panoramaglasdach verstärkt, das 99 % der UV-Strahlen filtert.
Für wen ist der Zeekr 7GT geeignet?
Der Zeekr 7GT ist eine günstigere Alternative zum Porsche Taycan Sport Turismo oder BMW i5 Touring mit ultraschneller Ladetechnik. Unserer Ansicht nach ist das Fahrzeug perfekt für Tech-Nerds, die Wert auf extreme Rechenleistung legen. Ebenfalls attraktiv ist es für Vielfahrer und Pendler, die dank der 800-Volt-Architektur keine Zeit an Ladesäulen verlieren wollen. Sportliche Fahrer finden sich aufgrund der Fahrleistungen ebenso wieder wie Familien, die keinen massigen SUV benötigen, aber Sportgeräte wie Skier transportieren möchten. Auch für Geschäftskunden ist der Zeekr 7GT interessant, da er sich aufgrund des Bruttolistenpreises für die reduzierte Dienstwagenversteuerung eignet.
Innenraum, Infotainment und Ausstattung
Schon nach dem ersten Einsteigen in den Zeekr 7GT war uns klar: Das hier ist trotz des Preises echte Premiumklasse. Das digitale Herzstück des Fahrzeugs ist ein 15-Zoll-OLED-Zentraldisplay mit extrem hoher Auflösung. Das System wird von einem Qualcomm Snapdragon 8295 Chip befeuert, der eine flüssige Bedienung ermöglicht, die einem aktuellen iPad in nichts nachsteht. Ergänzt wird der Hauptbildschirm durch das 13-Zoll-Instrumentendisplay für den Fahrenden und ab der Long-Range-Ausstattung durch ein 35,5-Zoll-Augmented-Reality-Head-Up-Display. Das ist wirklich beeindruckend, da es beispielsweise Richtungsanweisungen des Navigationsgeräts großflächig auf die Scheibe projiziert.
Premium-Sound für Musikliebhaber
Auch für Musikfans ist der Zeekr 7GT ein echter Tipp. Zehn Lautsprecher gibt es bereits im Basismodell. In den höheren Ausstattungen ist es ein Premium-Soundsystem mit 23 Lautsprechern inklusive Subwoofer und Boxen in den Kopfstützen für ein 7.1.4-Surround-Erlebnis, das es wirklich in sich hat. Die Verbindung unseres Smartphones mit Apple CarPlay und Android Auto funktionierte im Test tadellos. Auch der Sprachassistent befolgte die meisten Befehle problemlos. Außerdem integriert ist eine Gesichtserkennung, die die Profile der Fahrenden direkt nach dem Einsteigen lädt. Damit gehört das manuelle Sitzeinstellen bei mehreren Personen der Vergangenheit an.
So sehr diese Hightech-Welt uns beeindruckte, müssen wir allerdings konstatieren, dass wir den kompletten Verzicht auf physische Tasten eher als Ablenkung empfanden. Wenn selbst Dinge wie die Lüftungsdüsen oder die Außenspiegel über den Touchscreen justiert werden müssen, lenkt das während der Fahrt doch arg ab.
Wie gut ist die Innenausstattung?
Der Innenraum ist minimalistisch und auf den Fahrenden orientiert gestaltet. Zeekr setzt auf einen hochwertigen Mix aus Nappa-, veganem Leder und Mikrofaser-Akzenten. Wir müssen sagen, dass die Verarbeitung wirklich exzellent ist und auf europäischem Premiumniveau liegt. Volvo oder Polestar sind hier nicht viel besser. Nur der harte Kunststoff in den unteren Türbereichen sowie der großzügige Einsatz von Klavierlack gefielen uns nicht so sehr, da dieser Fingerabdrücke anzieht.
Wie ist die Ausstattung des Zeekr 7GT?
Im Basismodell kommt der Zeekr 7GT mit Textilinterieur, 15-Zoll-OLED, zehn Lautsprechern, manuell verstellbarem Lenkrad, Zwei-Zonen-Klima und Sitzheizung vorne und hinten. Optional erhältlich in den höheren Ausstattungslinien sind das Head-Up-Display, das größere Soundsystem, Nappa-Leder, ein Innenraum-Duftsystem, ein elektrisch verstellbares Lenkrad, elektrisch öffnende Türen und Vordersitze mit Massagefunktion.
Sicherheit und Assistenzsysteme
Die hohe Sicherheit des Zeekr 7GT beruht auf einer Kombination aus massiver Rechenleistung und einer Vielzahl an Sensoren. Ein offizielles Crash-Test-Ergebnis gibt es bisher nicht, der Hersteller betont allerdings die gepanzerte Fahrzeugstruktur und modernsten Batterieschutz. Serienmäßig ist der Wagen mit sieben Airbags ausgestattet.
Überlegene Rechenleistung
Software und Chip sind besonders leistungsstark und befeuern das Zeekr-AD-System. Dazu gehören ein intelligenter adaptiver Tempomat, automatischer Spurwechselassistent, Erkennung von Ampelsignalen und ein Wächtermodus. Im Vergleich zu europäischen Modellen wie dem VW ID.7 oder BMW i5 fiel uns die überlegene Rechenleistung auf. Nicht so gut empfanden wir die mangelhafte Sicht nach hinten, die uns fast ausschließlich zum Rangieren mit dem Kamerasystem zwang. Zudem griffen Systeme wie der Tempowarner sehr nervös und bevormundend ein.
Bekannte Probleme und Rückrufe
Der chinesische Hersteller bietet ein umfangreiches Garantiepaket namens Zeekr Care an. Dazu gehört eine Basisgarantie von fünf Jahren oder 100.000 km, die sich um weitere fünf Jahre oder 200.000 km verlängert, wenn Wartungsintervalle bei offiziellen Service-Partnern eingehalten werden. Auf die Hochvoltbatterie gewährt der Hersteller acht Jahre Garantie oder bis zu 200.000 km. Weitere Garantien sind zwölf Jahre Schutz gegen Durchrostung und drei Jahre Pannen-Service. Pannenstatistiken gibt es noch nicht, da die Modelle von Zeekr zu kurz auf dem Markt sind. Probleme in Testberichten waren vor allem softwarebedingt, wie übernervöse Assistenzsysteme oder die unzuverlässige Entriegelung des Frunks.