Dein Weg zum neuen Auto
Dieser VW Golf hat nur 116 PS und die zweitniedrigste Ausstattung Life, kostet mit Sonderausstattung aber rund 47.000 Euro. Lohnt sich das?
Wer beim VW Golf kein Vermögen ausgeben will, der wählt eine günstige Ausstattung und einen kleinen Motor. Soweit die Theorie.
Das aus knapp über 34.000 Euro Basispreis schnell 47.000 Euro werden können, zeigt unser Testwagen. Beim Blick in die Sonderausstattungsliste sind wir doch ziemlich erschrocken. Ob es die 13.000 Euro Aufpreis wert sind, zeigt unser Test.

Fahrverhalten: Gelungenes Gesamtpaket
Angenehme Lenkung, komfortables Fahrwerk – der VW Golf 1.5 eTSI macht seine Sache richtig gut. Auch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet sauber durch die Gänge.
Ob sich der Golf nur mit der Progressivlenkung (+215 Euro) und der adaptiven Fahrwerksregelung DCC (+1.060 Euro), die der Testwagen an Bord hat, gut fährt? Wir glauben nicht, wobei die Progressivlenkung nicht die Welt kostet und einen Unterschied machen kann. Für 235 Euro extra gibt’s übrigens ein Sport-, für 375 Euro ein Schlechtwegefahrwerk.
Bevor wir es vergessen: Der 1.5 eTSI mit seinem 85 kW/116 PS starken Vierzylinder ist natürlich kein Fahrdynamik-Monster. Untermotorisiert fühlt sich der Wagen aber auch nicht an. Von 0 auf 100 km/h geht’s in 9,9 Sekunden, bei 203 km/h ist Schluss.

Verbrauch: WLTP-Angabe ist hier kein Phantasiewert
Der größte Vorteil eines kleinen Motors ist wohl der geringe Verbrauch, der den Unterhalt günstig gestaltet. Mit 5,0 bis 5,6 l/100 km (WLTP kombiniert) ist der Mildhybrid-Benziner angegeben. Nur der Diesel (2.0 TDI) gibt sich genügsamer und landet offiziell unter der 5-Liter-Marke.
Dass auch der 1.5 eTSI nicht weit davon entfernt ist, zeigte er in der Praxis. Der ermittelte Durchschnittsverbrauch von 5,3 Litern kann sich sehen lassen. Dabei ging es durch die Stadt, über die Autobahn und Landstraße – höhere Geschwindigkeiten erreichten wir verkehrsbedingt aber nicht.
Übrigens: An den optionalen 18-Zoll-Rädern (+1.720 Euro), die der Testwagen trug, wird der niedrige Verbrauch nicht gelegen haben. Die sind in puncto Effizienz eher nachteilig.

Innenraum: Ansprechend, theoretisch auch ohne Extras
Der Innenraum gibt sich aufgeräumt und präsentiert sich so, wie man es heutzutage erwartet: Hinterm Lenkrad thront ein digitales Kombiinstrument, in der Mitte ein Touchscreen. Gut: die echten Tasten am Lenkrad. Weniger gut: Der Gangwahlschalter in der Mittelkonsole. Macht man daraus einen Gangwahlhebel am Lenkrad, wäre in der Mitte mehr Platz, z. B. für eine weitere Ablage.
Wie wichtig nun die Testwagen-Sonderausstattung ist? – Mit dem Business-Premium-Paket (+2.210 Euro) wächst der Touchscreen auf 12,9 Zoll – die serienmäßigen 10,4 Zoll wären aber auch okay. Das Paket enthält u. a. Navigation, Sitzheizung vorn und ein Head-up-Display – alles praktische Dinge.
Die getönten Seitenscheiben hinten (inkl. getönter Heckscheibe) für zusätzliche 350 Euro kann man ordern, muss man nicht. Auch die 30-farbige Ambientebeleuchtung könnte man sich sparen – 10-farbig gibt’s nämlich auch ab Werk. Ob es eine 3-Zonen-Klima (+470 Euro) braucht, hängt wohl davon ab, ob und wie oft jemand hinten mitfährt. Und das Harman-Kardon-Soundsystem für 680 Euro extra ergibt nur Sinn, wenn man öfters und lauter Musik im Auto hört.
Empfehlenswert sind die Sportkomfortsitze vorn bzw. der Ergo-Active-Sitz auf der Fahrerseite – alles zusammen für 970 Euro Aufpreis. Hinterm Steuer erhöhen dann eine elektrische Einstellung, eine Memory-Funktion und eine verschiebbare Oberschenkelauflage spürbar den Sitzkomfort.

Assistenzsysteme: Optionaler Travel Assist zu empfehlen
Serienmäßig hat der VW Golf in der Life-Ausstattung bereits wichtige Assistenten an Bord. Dazu zählen etwa eine automatische Distanzregelung (ACC), ein Spurhalteassistent oder eine Verkehrszeichenerkennung.
Der Testwagen ist zusätzlich mit der Umgebungsansicht Area View inkl. Rückfahrkamera (+390 Euro) ausgestattet. Ja, die 360-Grad-Ansicht kann helfen. Jedoch gut zu wissen: Die Rückfahrkamera selbst ist bereits Serie.
Eher lohnt sich das Komfortpaket inkl. Park Assist Pro (+1.375 Euro), mit dem der Testwagen ebenfalls ausgestattet war. Hier kann speziell der Fahrassistent Travel Assist überzeugen, da er die Spur, die Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält. Auf langen Autobahnstrecken ein echter Segen. Tipp: Wer den Rest vom Komfortpaket nicht braucht, bekommt den Travel Assist auch im deutlich günstigeren Assistenzpaket (+330 Euro).

Platzangebot: Solides Kompaktwagen-Niveau
Auf das Platzangebot hatte die Sonderausstattung des Testwagens keinen Einfluss. Im Heck bietet der Golf 381 Liter Ladevolumen bei aufrechter und 1.237 Liter bei umgeklappter Rückbank. Vorsicht: Im Plug-in-Hybrid, bei VW eHybrid genannt, schrumpft das Volumen auf nur 273-1.129 Liter.
Im Fond sitzt es sich bequem, wenn auch nicht so luftig wie in manchem SUV. An dieser Stelle sei das Panoramadach (+1.180 Euro) erwähnt, das im Testwagen leider fehlte. Unserer Erfahrung nach kann es den Innenraum deutlich heller und damit ansprechender gestalten, auch wenn es sich wie beim Golf nicht ganz nach hinten durchzieht.

Fazit: Extras clever wählen
Der VW Golf 1.5 eTSI überzeugt im Test als harmonisches Gesamtpaket. Er fährt sich komfortabel und der Motor reicht aus. Ein echter Pluspunkt ist der sparsame Praxisverbrauch. Und auch das solide Platzangebot stimmt.
Doch Vorsicht bei der Aufpreisliste, denn nicht jedes Extra ist zwingend nötig. Die Ambientebeleuchtung oder teure Felgen kann man sich sparen. Ob es wie im Testwagen die LED-Matrix-Scheinwerfer für zusätzliche 2.260 Euro braucht? – Einstellungssache. Aus unserer Sicht sind z. B. das Assistenzsystem Travel Assist oder der Ergo-Active-Fahrersitz zu empfehlen.
Alles in allem bleibt der Golf ein starkes Auto. Käufer sollten die Ausstattung aber clever wählen.